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halbe Jahr sich so hinreichend mit Geld versehen, daß man von der Steuerbewilligung Seitens des Reichstags, die schon im Januar »achgesucht werden muß —, unabhängig würde. Auch ist es unangenehm ausgefallen, daß während der Finanzausschuß des Reichstags gestern noch berieth , wie das vom Ministerium geforderte Geld zu verweigern sei, der Finnnzmmister Kraus kam und erzählte, er treffe soeben von Wien ein, wo er mit der Bank ein Anlehen von 20 Millionen contrahirt habe.
In der heutigen Sitzung interpellirten die dalmatinischen Abgeordneten wegen der Ernennung Jellachichs zum Civil- und Mi- litair-Gouverneur Dalmatiens. Sie fragten, ob durch diese Ernennung die Stellung ihres Königreichs gegenüber Ungarn gefährdet sei?
Die Finanzkommission hat ihre Berathungen in der Geldbewilligungsfrage noch nicht vollendet; die Majorität ist für Bewilligung eines Theiles der nachgesuchten Summe. Das Ministerium hat der Finanzkommissiou die Zusicherung gegeben, daß der junge Kaiser nichts von dem zurücknehmen werde, was Kaiser Ferdinand versprochen. —
Die von einigen Mitgliedern des Finanzausschusses wegen der bekannten Antwort deS Kaisers an die Deputation des Reichstags — daß er die Verfassung prüfen und sanctioniren werde — geäußerten Besorgnisse suchte der Finanz-Minister dadurch zu beschwichtigen, daß er entschuldigend sagte: „dem jungen Kaiser sei d i e! e s W o r t i n d e r B e f a n g e n h e i t e n t s ch l ü p s t."
Berlin, 15. Dec. Dowiats und seiner Mitschuldigen Prozeß ist schon heute entschieden worden. Dowiat wurde zu 6 Jahr Gefängniß verurtheilt, eine gleiche Strafe traf den Handlungsdiener Müller; vier Andere erhalten 4 Jahre Strafarbeiten, Einige geringe Strafen, fünf wurden freigesprochen. Einer der Hauptschuldigen, der Literat Edgar Bauer, hat vor längerer Zeit die Flucht ergriffen.
Reuß, Sigmaringen rc. Die Fürsten dieser Staaten sind so vernünftig, selbst einzusehen, daß wenn auch die Me- biatisirungsfrage für jetzt in Frankfurt hat zur Seite geschoben werden müssen, es unmöglich mit einer Reußischen und Sigma- ringenschen „Unabhängigkeit" für die Dauer Bestand haben kann. Der von Hohenzollern will deshalb seine Regierung an Preußen, der von Reuß an Sachsen abgeben. Der ersteren Absicht dürften doch wohl einige geographische Bedenken entgegen stehen.
Darmstadt, 12. Dec. In der heutigen Sitzung der 2. Kammer hat der Finanz-Ausschuß beantragt, dem Gesetzentwurf über Forterhebung der seitherigen Staatsauflagen die Zustimmung unter mehreren Bedingungen zu geben, von denen wir hier die beachtenSwerlhesten hervorheben: 1) bei jeder Beförderung oder Anstellung im Staatsdienst soll die Bedingung beigefügr werden, daß der betreffende Beamte sich allen Abänderungen der Dienst- pragmatik zu unterwerfen hat; 4) daß von Art. 21 der Civil- und Art. 12 der Militairdienstpragmarik (Pensionirung mit vollem Gehal») fernerhin kein Gebrauch gemacht werde; 5) daß keine unnötige Veränderung der vorhandenen M i - l i t a i r u n i f o r m e ii und möglichste Ersparn iß bei neu an ; u fertig e nden eintrete; der Ausschuß hatte, wie es scheint, nur dir vom Staat gelieferten Montirnngsstücke vor Augen, doch ließe sich — in Kurhessen wenigstens — sein Wunsch mit Fug auch weiter ausdehnen auf die den Öffuieren oft zugemutheten, oft unerschwinglichen und dabei nur zu oft ganz willkürlich beliebten Anschaffungen, Veränderungen rc. Der dadurch verursachte Ko- jienauswand verschlingt oft den ganzen Gehalt und muß natürlich bei Bestimmung der Besoldungen billig berücksichtigt werden, fällt also schließlich immerhin dem Staate zur Last. 6) daß möglichste Vereinfachung der Organisation des Militairs zugesichert werde.
Uebrigens hat die Darm lädtische Regierung —wie es scheint, durch die unterwühlien Zustände ihres Militairs genöthigt — einen Gesetzentwurf vorgelegt, durch welchen es möglich werden soll, Truppenabtheilungen auf eine bestimmte Zeit für alle während dieser Zeit vorkommenven Vergehen einer gewissen Art dem Standrecht zu unterwerfen, und zugleich in Fällen, worin Gefahr auf dem Verzug haftet, sogleich im Sinne des Gesetzes einschrei- len zu können.
Frankreich.
Paris, 14 Dec. Heute sind vom Stadthause herab du Wahlresultate des Seinedepartements durch den Präfecten und du Maires verkündet worden. Bonaparte hat 178,392, Câvaignm 86,131 Stimmen Das versammelte Volk rief; Es lebe Napoleon ! Es lebe die Republik! Es lebe die demokratisch-sociale Republik' Es lebe der Kaiser! Bis heute früh kannte die Negierung 1,233,089 Stimmen für Bonaparte, 314.382 fürCavaignac Im Laufe des Tages steigerte sich die erste Ziffer auf zwei Millionen, während die letztere kaum eine halbe Million erreichte
In Lyon stimmte das Proletariat aus Haß gegen Cavaignm für Bonaparte.
Die Familie Bonaparte (aus Louis, Jerome, Vater und Sohn, Peter, Lucian und Murat bestehend) hielt gestern einen Familien' rath, über dessen Verhandlungen noch das strengste Geheimniß obwaltet. Wahrscheinlich wurde darin die Haut des Löwen vertheilt —
Bugeauv, der heute zum ersten Male der Nationalversammlung beiwohnte, erhält vom neuen Kaiser den Oberbefehl über alle Truppen deö Seinedepartements, sowohl Bürgerwehr all Linie —
Cbangarnier soll an Oudinots Stelle den Oberbefehl über bü Alpenarmee erhalten, der das Kriegsministerium übernimmt
In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurd> Marrast mit großer Stimmenmehrheit wieder zum Prasikenter erwählt. —
Ein Haufe von Lehrjungen drang gestern Abend 9 Uhr in die große Glasgallerie des Palais Erroyal, hob einen der seini- gen auf die Schultern und proklamirte den Kaiser Napoleon 11. Aber eine Abtheilung der zweiten Bürgerwehrlegion jagte du Jungen auseinander. Beim Auseinanderspringen riefen mehrere daß sie sich morgen in die Kammern begeben würden, um dieselb, auseinanderzutreibeu.
Seit gestern cirkulirr unter gewissen Mitgliedern der Ratio- tionalversaminlung eine Bittschrift, Cavaignac in Anklagestand zu versetzen. —
eingenommene Fremde vom l(i und 17. December.
Im König von Preußen (G. Schambek»: Kaust. Beckmann am Neustadt, Bauratb ans Bamberg, Frisch aus St. Blasien „. St. Boni per aus Mainz; Privatler Weiß aus 9U;ei; Offizier Baron v. Mortiei aus Dresden; Rent. Seiler mit Frau aus Hamburg; Kammerherr Baror v. Berlepsch auS Frankfurt; Oberlicut. v. Hlepser aus Grimma; Part Weiscnhausen ans Rastadt; Prof. Götze mit Familie auS Heidelberg,
In der goidnen Krone (S. Schade»- Referendar Rbeinbeben am Eisenach; Student Gehlen aus Göttinnen; Administrator Bane aus Sarde Hansen; Banquier Marienthal aus Oeckelstein; Kunst Siugfried nebs Fräulein Tochter ans Wiesbaden, Schwab aus Witzenbanssn, Rhein au- Pr. Minden u. Merle aus Karlshafen; Ingenieure Gackel aus Grifte u Heisterhagen aus Hönebach, Eandidat Wenk ans Karlshafen; Oeconon Müller aus Hof; Laudwirth Wildemann aus Mecklenburg; Eisenbahn beamter Bennechè aus Hönebach.
Im Römischen Kaiser (3. L. Lang): Oberforstmeister Freister v. Blumenstein auS Frankenberg: Landrath Kämmerherr v. Buttlar nii Gemahlin u. Dienerschaft auS Fritzlar; Kammerherr v. Keudell mit W mahliu ii. Dienerschaft auS Schwebda; Gutsbesitzer Freiherr v. Laar mi Diener u. Oberlaudsg. Assessor Wiens aus München ; Baumeister Schreibe auS St. Louis in Nordamerika; Amtmann Sondheim ans Niedergandern Kaust. Fritscheller aus Daden, $ bi Im.um aus Montjoie, Du Mont au Cette, Reckum aus Luisenthal, Rücket aus Bielefeld, MooS aus Frank furt u. Baier aus Mainz.
3m Hotel <1 c R ii ssi e (E Klein): Part. Böcking aus Hamburg Kaust. Swärtzell aus Offenbach, Weidl aus Leipzig u. Kötschau aus Köln Rent. Dietrich aus Aachen.
Repertoire des kurfürstlichen Hosthenlers.
Dienstag, 19. Dec: Die Kunst zu gefallen. Lustsp. in 3 Allst nach Bayard v. E. Blum.
Donnerstag, 21. Dec.: Hayden, oder: Das Geheimniß. Ko mische Oper mit Tanz in 3 Aufz. von Seribe. Musik von Auster.
Sonnabend, 23. Dec.: Das Portrait der Geliebten. Original Lustspiel in 3 Auszügen von L Feldmann. Hierauf: Die Leibreuti Schwank in 2 Auszügen von G. A. v. Maltitz.
Montag , 25. Dec. Zweites Abonnements - Concert der Mitglwde des Hof-Orchesters: Die Schöpfung. Großes Oratormin in 3 Ab theilungen v. I. Haydn
Dienstag, 26. Dec. Der Templer und die Jüdin. Grsß romantische Oper mit Tanz in 3 Ansz. Musik von Marschner.
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag »ou Th. Fischer in Kassel.