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Leipzig, 13. Dec. Bei der heute Abend beendigten Wahl der Landtags-Abgeordneten für die innere und äußere Stadt ha- ben die Kandidaten des deutschen Vereins, Prof. Steinacker, Consul Dufour Feronce, Archidiakonus Dr. Fischer, Stadtgerichts- rath Steche, Prof. Dr. Haupt obgesiegt.
H a ni bürg, 14. Dec. Die hiesige constituirende Versammlung ist heute eröffnet worden und hat den Dr. Baumeister zu ihrem Präsidenten erwählt.
Frankreich.
Paris, 13. December Abends. Bonaparte ist, wie wir gestern lchon meldeten, nach dem bis jetzt bekannt Gewordenen, im entschiedenen Uebergewicht. Die Stadt ist ruhig, doch hat Cavaignac vorsorglich das Attroupementsgesetz vom 7 Juni anschlagen lassen. — Die Nationalversammlung hat beschlossen, den Präsidenten sofort zu proklamiren, wenn der betreffende Kandidat eine solche Stimmenzabl vereinigt, welcher selbst die algerischen und corssschen Resultate kein Gegengewicht zu halten im Stande wären. — Die Minister Cavaignacs empfangen nicht mehr. — Die Nationalversammlung hat dem neuen Präsidenten das Elisèe National (Schloß Bourbon), die letzte Wohnung des Kaisers als Hotel bestimmt. — Bugeaud ist in Paris eingetroffen.— Die Truppen werden bearbeitet, bei der nächsten Revue zu rufen: es lebe der Kaiser!
Es cirf stiren viele Ministerlisten. E Girardi» ist, heißt cs, zum Präfekten von Paris bestimmt. Erkönig Jerome wird Gouverneur der Invaliden und Peter Bonaparte erhält Algerien zum Paschalik—National und Siècle bringen schwermüthige Artikel und erklären sich für unterlegen. Doch wollen sie an der Zukunft nicht verzweifeln. Sie wollen warten, beobachten, überwachen.
Dufaure, Minister des Innern, beantragt heute die Schließung aller Clubbs re. Die Polizei machte gestern schon den Anfang, indem sie den gefürchteten Commumsteuclub „La Revolution" bei Montesquieu schloß. — Lord Clanricarde ist mit einer geheimen Sendung des Londoner Ministerraths eingetroffen. — Aus Rom und Neapel sollen ernste Depeschen eingetroffen sein.
Nachschrift. Die Majorität Napoleons übertrifft alle Erwartungen. Cavaignac hat sich ein Hotel in der Rue de Lurembourg gemiethet und erklärt: j'espère que la France n'aura plus besoai de moi.
Hagenau, i 1 December. Die Anhänger Ludwig Bonapartes haben sich diese ganze Woche für den Erfolg seiner Candi- batur umgethan; hier aufrührerisches, herausforderndes Geschrei, dort Anschlägen ungeheurer, das Manifest des Prinzen Ludwig enthaltender Zettel, die alsobald durch die Polizeiagenten von den Mauern abgerissen winden; Austheilung einer Menge Proklamationen und Stimmzettel durch unbekannte Agenten.
Colmar, 11. December. Die Bonapartischen Agenten ver- ficuältigen sich im Oberrhein und scheuen kein Mittel, um den Erfolg ihrer traurigen Sache zu sichern. Die Wahlbestechung wird nach den uns zugekommenen Nachrichten von ihnen auf's Schändlichste betrieben. In einer benachbarten Gemeinde hat man jedem Wahlmanne, der für Ludwig Bonaparte stimmen würde, einen Litter Wein und ein Groschenbrod versprochen. Diese Thatsachen und noch andere sind dem Wahlcomiiè von Colmar bezeichnet worden, welches Erkundigungen deßhalb einziehen wird.
Italien
R o m , 5. Dez. Die Mitglieder der von Pius IX. eingesetzten Gouvernativ-Commission sind abgereist, aber nicht, um sich den allerdings schweren Dienstleistungen, welche ihnen durch das höchste Vertrauen auferlegt werden, zu entziehen, sondern um sich nach Bologna zu begeben, wo sich die Regierung vorerst um General Zucchi concentrirt. Der hohe Rath hat zwar die Beschlüsse der Deputntenkammer rücksichtlich des Ministeriums, welches in seinen Functionen verharren soll, gebilligt, allein dieses selbst scheint sich aufzulösen. Lunati, der Finanzminister, hat seine Stelle bereits niedergelegt und von Sereni sowohl, wie von Galletti wird das Gleiche behauptet. Unterdessen hat sich diesen Morgen das Gerücht verbreitet, daß die französische Flotte vor Civitavecchia erschienen sei, was nicht geringe Bestürzung verursacht hat,
während von Neapel geschrieben wird, daß mehrere Regimenter mit Geschütz nach dtr päpstlichen Grenze aufgebrochen sind. Da hier kein Widerstand zu fürchten ist, so dürfte bald Alles vorüber sein. Dieser Gedanke hält indeß weder Fremde noch Einheimische ab, nach Neapel aufzubrechen, wohin Alles was kann, sich flüchtet.
Ueber die Turiner Min'sterkrisis erfährt man nichts Bestimmtes. Am 5. hatte das Ministerium Pinelli der Deputirtenkam- mer erklärt, der König habe die eingereichten Entlassungen nicht angenommen Zugleich war ein Gesetzentwurf eingebracht worden zur Aufrechtbaltung der Ordnung auf den Gallerien, die auch dort denselben stürmischen Antheil an den Debatten nehmen, den anderwärts das souveräne Volk sich herauSnimmt Wegen dieses Entwurfs sowohl als wegen des Bleibens des Ministeriums fanden mehrtägige tumulkuarische Demonstrationen statt, vor Gioberti's, Wohnung wie vor dem Palast des Königs. Man wollte diesen zwingen. Gioberti an die Spitze des Cabinets zu stellen, um so in Turin dieselben Charaktere in die Verwaltung zu bringen, wie in Florenz und Rom. In Paris wollte man durch telegraphische Depesche Nachricht haben, Karl Albert habe sich zu dem demokratischen Ministerium verstanden: indessen bringen die Turiner Blätter vom 9. noch Erlasse des alten Ministeriums.
Nach französischen Blättern fanden bereits Bewegungen der österreichischen Truppen gegen Ferrara statt. Radehkp sammelt in Brescia ein Corps, mit welchem er die Legationen des Kirchenstaates besetzen, und im Einverständnisse mit den Franzosen zur Herstellung der Rechte des Papstes und im Interesse der durch die Neudemokratie vernichteten öffentlichen Ordnung handeln wird. Die vom Papste entlassenen Schweizer sind in die Dienste des Königs von Neapel übergegaugen.
Die Nachrichten aus Mailand vom 10 Dezember bringen einen Tagesbefehl des Marschalls Radetzkp über die Abdankung Ferdinands und die Thronbesteigung des neuen Herrschers. Es heißt darin: „Soldaten' Ihr kennt ihn: unsern jugendliche» Kaiser, in euern Reiben bat er jüngst als Soldat seine Laufbahn begonnen. Ihr saht ibn ruhig und unerschrocken seine Brust den feindlichen Kugeln darbieten, mit euch hat er manche Mühseligkeit, manche harte Stunde fröhlichen Muths getheilt. Er wird sein Heer lieben, und wir werden ihm diese Liebe mit jener unerschütterlichen Treue vergelten, die seit Jahrhunderten Oesterreichs Krieger an den Thron ihrer Kaiser und Könige fesselte."
Vekanntmachungen.
Die drei Kleinkinder-Bewahranftalteu für die hiesigen Armen
Die diesjährige Weihnachtsbescherung wird in der 2. Anstalt (vor'm Weserthore) den 1. Christtag, in der 1. (vor'm Leipziger Thore) sowie in der 3. (vorm Holländischen Thore) dagegen den 2. Christtag Abends 5 Uhr Statt finden.
Die Freunde und Wohlthäterinnen dieser Anstalten werden mit der Bitte hiervon in Kenntniß gesetzt, ihre für die Kleinen bestimmten Gaben den betreffenden Vorsteherinnen zeitig übersin- den zu wollen Der Jahresbericht wird nach Neujahr erscheinen. Cassel, den 16. December 1848.
Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalten.
F r u ch t p r e i s e.
Kassel. Vom 16. December 1848.
Walzen d. Vrtl. vonLTHlr. 6Sgr— Hlr. bis 5 Thlr. 10 Sgr. — Hlr. Roggen „ „ „ 3 „ 5 „ — „ , 3 „ 18 „ — „ Gerste „ „ „ 2 „ 4 „ — „ „ 2 „ 28 „ — „
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Kurfürstliches Kofthcater.
Sonntag, 17. Dec.: Der Schlaftrunk. Trauersp. in 5 Aufj. nebst einem Vorspiele nach Alerander Dumas von Jerrmaiin. - ------------—■
Druckfehler: In der Beilage zu Nr. 196. S. 1437. Sp. 2., 8. Z. des C.-Artikels steht „Wohl des Landes" statt „Wohl des Kindes",
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag »»» Th. Fischer in Kaffat.