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selbstsüchtige und servile Partei in Baiern, welche leider sehr zahlreich ist — jetzt, wo dir Entscheidung nah», auf allen Gaffen: „lieber ein französisches Pioieciorat als eine Hegemonie Preußens !" Und die halbofficieUe neue Münchener Zeitung ergeht sich in Schmähungen gegen den Frankfurter Verfassungs-Ausschuß, welcher bei Verth,ilung der Slimmenzahl im Staatenhaus „zu Nutz „und Frommen einer ultra -schwarzweißen, lichtsreundlich prote- „stanlischen, handelSfreiheiillchen Sonder-Politik" ganz Suddeuisch- land „handgreiflich übervortheilt" habe Weshalb? ehva weil Preußen 40 Summen, dagegen das 4mal kleinere Baiern statt 10 blos 16 Stimmen erhalten ha»? Nein, der Münchner Aerger verräth sich selbst in seiner häßlichen Leidenschaft. Er fahrt fort pi schmähen, daß „jene ultra-schwarzweiße" Partei den jetzigen Augenblick, „wo sie Oesterreich aus Deutschland hinausgedrängt (!!!) zu haben vermeint, für geeignet halte, „mit beiorn Händen nach dem Scepter zu greifen." (Pfui!) — —
Kassel, 16. Dec. Die Schlußverhandlungrn vor dem Kriegsgericht über die Ercesse der ehemaligen Garde du Corps find ihrem Ende nahe. Vorgestern hielten die Vertheidiger ihre Vorträge: Obergerichtsanwalt Hahn vertheidigt die beiden Wachtmeister Stiegel und Gärtner, Obergerichtsanwalt Scheffer den Rittmeister v. Baumbach und den Cecondlieutenant v, Verschuer II. • Obergerichtsrath Kersting den Secondlieutenant v. Verschuer [. Heute verlas der Garnisons-Auditeur Bode die Relation, jedoch nur den faktischen Theil derselben und zwar erstens über die Er- cesse im Allgemeinen und sodann über die Betheiligung der ein- jtlnen Angeklagtem, und zwar außer den oben genannten Angeklagten auch des Rittmeisters Schenk v. Schweinsberg. Am meisten angeschuldigt erscheinen die beiden Wachtmeister, sowie der Rittmeister v. Schenk und der Lieutenant v. Verschuer 11., wäh- :end hinsichtlich des Lieutenant v. Verschuer I. eine Menge Entlastungszeugen aucsagen, daß er sein Möglichstes gethan habe, um sen ErrefftN zu steuern. Morgen wird die Relation zu Ende verlesen, dann werden vielleicht noch die Vertheidiger mit einigen Schlußbemerkungen gehört werden und Montag wahrscheinlich be- eitS das Urtheil veikündet werden. (Kass. AUg. Z)
Wien, 6. December. Aus Ungarn kommen Reisende, die en Zustand Pesth's und der meisten andern Städte ähnlich dem Pienö im October schildern, nur mit dem Unterschiede, daß l'offuth selbst und seine nunmehr ziemlich geringe Anhängerschaft n sich irre geworden, und kein rechtes Vertrauen mehr zu ihrer rache b,sitzen. Durch die gehemmte Ausfuhr nach Oesterreich :nd an einigen Orten die Lebensmittel bis zu beispiellos billigem Kreise herabgesunken, wahrend alle jene Artikel, die von Oestereich aus cingeführt zu werden pflegen, im Preise fast uuer- chwingltch hoch stehen.
Wien, 10. Dec. Die Hinrichtungen dauern fort, an den Rißtrauenö-Adreffen gegen Mitglieder der Linken wird eifrig forteschmiedet, die loyalen Ergüsse der Geldwechsler und Lieferanten ließen unversiegbar. — Die Wiener Zeitung bringt zur Abhülfe er Finanz-Noth eine Fenster- und Thürenstcuer, sowie eine -teuer aus das Schreibpapier (!!) in Vorschlag. Wir erinnern, aß die Wiener Zeitung noch vor Kurzem sehr „demokralisch" war.
Berlin, 11. Dic. Die Spenersche Zeitung behauptet, die )bergerichte zu Bromberg, Ralibor und Münster, das Geheime )bertribuual und der rheinische Caffalionöhos hätten beim Mini- mum energische Prostete gegen das polnische Verhalten ihrer llitglieder Giercke, v. Kirchmann, Temme, v. Waldeck und Esser ngereicht und weigerten sich dieselben wieder in ihre Mitte auf. inthmen, weßhalb man den freiwilligen Rücktritt jener Herren warte.
Diese Nachrichten der Spen. Zeitung sind unrichtig. Nicht iS Oberlandesgericht zu Ratibor, sondern nur viele Mitglie- er desselben haben sich gegen das Wiedereintreten des Herrn V. irchmann in einer Mißtrauensadreffe an derselben und in ner gleichzeitigen Eingabe an das Justizministerium ausgespro- en. Andere Mitglieder desselben Gerichts haben dagegen einen egenprotest behufs der Veröffentlichung an hiesige demokratische Organe geschickt, worin sie den Wiedereintritt Kirchmannns ent- liedtn fordern und zwar schon aus dem Grunde, weil der Rich- rstand mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln für die Wah- mg des Princips kämpfen müsse, daß kein Richter wegen seiner
politischen Ansichten aus seinem Amte entfernt werden könne. — Die Räthe des rheinischen RevisionS - und Cassationshofes haben gegen Ess er's Wiedereintreten keineswegs protestirt, vielmehr haben sowohl Esser als Daniels, auf Einberufung des Präsidenten, ihre Thätigkeit wieder begonnen. —
Der demokratische Centralausschuß spricht sich in einem Rundschreiben entschieden gegen die hier und da anfgetauchte Ansicht aus, daß der Protest gegen die „aufgedrungene" Verfassung die Verweigerung der Wahlen sein müssen. Im Gegentheile erklärt der demokratische Centralausschuß, die Demokraten müßten Alles auf- bieten, um in beiden Kammern die Majorität zu erlangen, das sei der beste Protest gegen die octroyirle Verfassung. Derselbe Centralausschuß ratb den Urwählern an, vor Beginn des Wahl- Actes einen Protest einzulegen, wodurch man sich „vollständig verwahre gegen alle Eingriffe, welche durch die Octroyirung der Verfassung und deren Inhalt in seine Freiheit und sein Recht gemacht wurden und gegen alle etwa daraus zu ziehende Folgerungen." Die demokratische Correspondenz spricht sich aber auch gegen diese Ansicht im Angesicht der jüngsten Erfahrungen entschieden aus und erblickt darin wieder eine jener Illusionen, welche sich die Demokratie bisher über ihre wahre Stärke gemacht habe und an denen sie so kläglich gescheitert sei. „Im Rausche der einander überstürzenden Ereignisse des Sommers, fährt sie fort, war eine solche Illusion wenigstens begreiflich; aber auch nach den Ereignissen des Novembers noch jene Träumereien und Hirngespinste ferner für Wahrheiten ansehen, das heißt die eigene Partei muthwillig ruiniren." Die demokratische Correspondenz verlangt, daß die Demokraten- führcr zu ihren vielen Fehlern nicht den schlimmsten hinzufügen, daß sie nach ihrer totalen Niederlage den zweiten Feldzug geschickter beginnen, als den ersten, und daß vor Allem die Führer nicht wieder dem Gros der Armee soweit voraus eilten. Sie mögen bedenken, daß der eben bei weitem größere Theil der Urwähler durch die neue Verfassung in seinen politischen Wünschen und Freiheitsbedürsnissen fast ganz befriedigt ist und keineswegs an dem revolutionären Standpunkt der Volkssouveränetät steht, noch eigentlich zu stehn reif ist, daß also die meisten Urwähler, wenn auch einigermaßen über die Thatsache der Octroyirung verstimmt, doch nicht geneigt sein dürften ihre neue politische Thätig- teit mit einem Protest zu beginnen, daß man also sehr viel Stimmen von vorn herein zurückstoßen würde, ivenn man einen solchen Protest abforderte.
V e r l t n , 14. Dezember. Aus guter Quelle wird versichert, daß das nächstens zu erwartende ministerielle Wahlreglement den vieldeutigen Ausdruck des Artikels 67 der Verfassung: „jeder selbstständige Preuße" in derselben Weife interpretiern werde, als es das sächsische Ministerium gethan, nämlich: ein Jeder, der eigene Wohnung und Wirthschaft besitzt. Diese Interpretation ist namentlich in allen großen Städten, wo sehr viele junge und ledige Leute theils in meublirten Zimmern, theils in Schlafstellen u. s. w. wohnen, eine die Anzahl der Urwäh- ler sehr beschränkende. Sie schließt fast sämmtliche Handlungs- diener, Arbeiter, Gesellen, Literaten ii. dgl. in von der Theilnahme an den Urwahlen aus.
Berlin, 14. Dezember. Der Prozeß gegen den früheren deutschkatholischen Prediger Dowiat ist auch bis jetzt, 6 Uhr Abends, noch nicht beendigt. Muthmaßlich wird erst morgen die Begründung der Anklage und das Plaidoyer stattfinden. Heute wie gestern war der Zuhörerraum überfüllt. Die Depositionen der Polizeibeamten und Constadler erregten sehr häufig ein so lautes Mureen des Publikums, daß der Vorsitzende des Gerichts, Directo r Harraffowitz, die Entfernung der Zuhörer androhen mußte. An der Verurtheilung Dowiatö ist kaum zu zweifeln.
München, 19. December. Die Erzherzogin Sophie, Mutter des jetzigen Kaisers von Oesterreich, ist mit ihren Kindern hier eingetroffen, ihr Gemahl wird erwartet.
Wiesbaden, 11. Dec. Unsere Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung ein Anleihegesetz genehmigt, wonach ein Anlehen von 1,200,000 fl. auf Staatsgüter contrahirt und binnen 25 Jahren wieder getilgt werden soll. — Es ist zur Deckung des Deficits in der Staasse und Domäne, sowie zur Bestreitung der Reichsunkosten und zur Bezahlung der auswärtig verwendeten Kontingente bestimmt.