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Neue Hessische Zeitung.

JV. ®O1» Sonntag, den 17. December. 18-T8«

Die Neue Hessische Zeitung erscheint t ä q l i cfl, Sonntag» mit einem Unterhâltungsblatte , und wird vor 12 Uhr Morgen» auSgegeben. Der AboiinementspreiS beträgt 1 Tklr. 15 Sgr. für Dad Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Unzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Frankfurt, 9. Dec. Während in engen und weiteren Kreisen von der Ausscheidung Oesterreichs von dem deutschen Vundesstaate die Rede ist, erfahren wir als zuverlässig, daß sich »asselbe nicht bloß bereit erklärt hat, seinen Beitrag füc die Deutsche Kriegsmarine zu entrichten, sondern daß auch schon ein lamhafter Theil der auf Oesterreich sallenden Beitragsguote an­gewiesen worden ist. (?) (3. M )

L. C. Frankfurt, 12. Dec Die Schroffheit mit welcher die leiden Hauprpartheien der verfassunggebenden Reichsversammlung mander gegenüber stehen, ist in der neuesten Zeit durch die Er- ignisse in Oesterreich und Preußen und durch die lebhaften Ver- andluugen, welche darüber gepflogen worden, nur noch greller ervorgetreten. Während von der einen Seite Interpellation auf nterpellation gestellt wurde, um das Ministerium zu necken, an- agreifen, in Verlegenheit zu setzen, hatte sich die andere Seite mseguenter als je in dem Entschlusse befestiget, alle Dringlich- ütsanträge abzulebnen, um dem Verfassungswerke mit desto grö- erem Eifer und Fleiße obzuliegen.

Zur Milderung jener schroffen Parteistellung, zur Vermitte- lng eines geselligen Verkehrs unter den verschiedenen Fraktionen, ir Herbeiführung eines die Formen des Anstandes und der Sitte lehr beachtenden Tons in den öffentlichen Verhandlungen hatten ch einzelne Mitglieder von verschiedenen Seiten vereinigt, auf stern eine gesellige Zusammenkunft im Gasthause zum Wesden- rsche auSzuschreiben Es hatte diese Idee vielfach Anklang ge- mdcn und es fanden sich gestern Abend Mitglieder aller Par- ien zusammen. Der Verkehr unter ihnen war Heiter uuD ge- llig; man sah Abgeordnete der verschiedensten Richtungen sich rundlich und lebendig mit einander unterhalten und Mancher, r auf der linken nur wüthende Republikaner, auf der rechten ir verstockte Reaktionäre sicht, mochte sich überzeugen, daß doch ch Jeder etwas Menschliches bewahrt hat und daß doch Viele cht so schlimm sind, als man sie sich im Parteikampfe denkt. 5 wird beabsichtigt, allwöchentlich solche Zusammenkünfte zu ranstalten und wir wollen hoffen, daß sie dazu dienen, die aèschreit, ingen auf beiden Seiten zu hemmen, die Gehässigkeiten entfernen, die Leidenschaften zu beschwichtigen und daß sie so r das bessere und kräftigere Zusammenarbeiten an dem großen Werke - r Gründung eines neuen Deutschlands sich als nützlich bewähren.

Im Allgemeinen ist die Aufmerksamkeit und Thätigkeit der itglieder der «Nationalversammlung fortwährend ungleich mehr f die brennenden Fragen, welche außerhalb der Sitzungen ver« ndelt werden, als auf die Sitzungen selbst concentrirt. Zwar preußische Frage, wie sie durch Wesenvoncks Antrag angeregt Tben, ruht noch im Schooße des Ausschusses, und selbst die rke scheint, in richtiger Erkenntniß der Sachlage, auf deren Er- igung nicht zu dringen. Aber desto gewaltiger und einschnci- ider tritt die österreichische Frage hervor. Die österreichischen ^geordneten sind natürlich in tiefer Aufregung und ängstlicher Innung betreffs ihrer eigenen Stellung und der Stellung ihres itrrlandes zu der deutschen Nationalversammlung und zum deut­en Verfassungswerke. Nicht alle aber sind gemeint, die Ent- cklung dieser Stürme ruhig abzuwarten, sondern ein Theil der- "n sucht mit allen Mitteln von ihrem Standpunkte aus auf se Entwicklung einzuwirken. Wenn ich sage, mit allen Mit- 1, so muß ich leider hinzusetzen, daß auch solche Mittel nicht mer verschmäht werden, deren Anwendung nur dazu dienen '», jene sriedliche und freundliche Lösung der entstandenen Ver­ölung, welche so sehr im beiderseitigen Interesse liegt und daher

von beiden Seiten angestrebt werden sollte, zu erschweren, viel­leicht zu verhindern. Wenn österreichische Mitglieder der Rechten unumwunden bekennen, daß sie selbst mit der äußersten Linken fraternisiren würden , um nur ihre Absichten durchzusetzen *) , so kann man eine solche politische Doppelseirigkeit (die man bisher nur an der ultramontanen Partei kannte) nur ebenso milbeklagen, wie die Unklarheit, in welcher andere, einflußreiche Mitglieder aus Oesterreich die ganze Frage zu erhalten suchen. Aus dieser Un­klarheit so bald als möglich herauszukommen, das Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland scharf und präcis zu formalsten , vor Allem den klaren und raschen Fortgang des deutschen Verfassungs- werkes zu sichern gegen drückende und hemmende Einflüsse, wel­che auch da noch sich geltend machen möchten, wo die Unmög­lichkeit eines aufrichtigen und gleichmäßigen Zusammengehens an­erkannt und eingestanden ist das erscheint allen wahren und einsichtigen Freunden der deutschen Freiheit und Macht als drin­gendste Nothwendigkeit. Die Centren sind deßhalb eben jetzt eifrig damit beschäftigt, eine solche klare und scharfe Formulirung für das Verhältniß Oesterreichs zum deutschen Bundesstaate zu finden, um die vorkommenden Falls dem in der «Nationalversammlung zu fassenden Beschlusse zu Grunde zu legen, und es finden darüber häufige und lebhafte Berathungen in den Parteizusammenkünften statt. Zu einem abgeschlossenen Resultate haben dieselben noch nicht geführt. Neben dieser österreichischen Frage und mit ihr im engsten Zusammenhänge, drängt sich die Frage wegen des künf­tigen Oberhauptes Deutschlands ihrer Entscheidung immer hastiger entgegen. Auch darüber wird in den Clubbs lebhaft verhandelt, indessen hat bis jetzt erst ein Clubb , der Augsburger Hof, eine fertige Vorlage (allerdings nur als Vorarbeit einer von ihm be­stellten Kommission) zu Tage gefördert und den andern Clubbs, so wie dem Verfassungs-Auöschusse zur Berücksichtigung mitgetheilt.

Frankfurt, 13. Dec. Ich kann Ihnen aus sicherer Quelle mittheilen, daß für die in London stattfindenden Friedeus- unterhandlungen wegen Schleswig-Holstein von Seiten der pro­visorischen Centralgewalt der Herr Ritter Bunsen ad hoc bevoll­mächtigt worden ist (O. P.-A.-Z )

C P. C. Frankfurt, 13. Dec. Gestern Abend halte zum erstenmale der Reichsverweser sämmtliche Mitglieder der Reichsversammlung zu sich geladen. Man war neugierig, ob sich die feindlichen und zum Theil auch antimonarchischen Elemente auf diesem Boden ebenso bereitwillig zusammenfinden könnten, als es zwei Tage vorher im Saale des Weidenbusches geschehen war. Zu unserer Freude geschah dies. Vertreter aller Fraktionen bis zur äußersten Linken erschienen, und zwar in so großer Zahl, daß die geöffneten Räume zu eng wurden und noch ein anstoßender Saal geöffnet werden mußte. Mögen diese Vereinigungen ein Zeichen guter Vorbedeutung sein für die herannahenden, den Ab­schluß der Verfassung fordernden Sitzungen. Mit großer Freude begrüßen wir auch einzelne Aeußerungen von der Linken, daß man zu resigniren wissen werde im Interesse des Ganzen auf Lieblings­wünsche der Partei, da denn einmal die hierzu nöthigen Vorbedingungen keinen Platz gefunden in der Verfassung. Die Nation wird das zu würdigen wissen, waâ sich dem endlichen Gedeihen des Ganzen patriotisch unterzuordnen weiß, auch auf Kosten vorgefaßter Meinung. DaS Schicksal der Berliner Versammlung, welche diesen Weg nicht zu finden ge­wußt, und welche deshalb von Tag zu Tag offenbarer eine im­mer traurigere Stellung in der Geschichte erhält, ist ein warnendes Beispiel geworden. Der Reichsverweser selbst äußerte

*) Ein Verhältniß, auf welches heut sogar Herr Vogt von der Tribüne auS ziemlich verständlich hindeutete.