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Frankfurt, 12 Dez. Die Beilage der heutigen O-P-A-Z. bringt einen seltsam bedrohlichen Leitartikel, welcher an die neue Preußische Verfassung anknüpfend, erst den Satz ausstellt, Preußen habe sich damit an die Spitze der deutschen Bewegung gestellt und das Panier für Deutschland aufgeschlagen, für die Nationalversammlung aber sei jetzt der Weg zur Erledigung ihrer Aufgaben gebahnt; — und dann folgender Maßen schließt: „Es tritt ein neues Motiv hinzu, um damit zu Ende eilen. Die neue preußische Verfassung nimmt gelegentlich auf die Bundesverfassung als noch zur Zeit bestehendes Recht Bezug. Dasselbe hat das österreichische Programm gethan. Der Bund war aber ein Bund der souveränen Fürsten und freien Städte. Wenn die Regierungen im Innern fertig, und den Forderungen der Ihren gerecht worden sind, die hiesige Versammlung aber durch unermeßliche Delibera- tionen sich zur Vollendung des Reichsbaues ungeschickt bezeigt, so könnte es sein, daß die Initiative von anderer Seite ergriffen, und die Reichsversammlung dadurch in eine unerwartete Stellung gedrängt würde. Das Volk will Ruhe, Ordnung, Bürgschaften für die Zukunft; der Enthusiasmus ist verraucht; die Kunst Hal durch die Künstler gelitten; man fragt nicht ängstlich, woher das Gute komme, wenn es nur erlangt wird. Möge diese Mahnung nicht verachtet werden '"
Ist daS Ernst oder Spaß? oder ist es blos eins von jenen vielartigen gutgemeinten Sumulationsmitteln, womit das kluge Organ der Reichsregierung und Heinrichs v. Gagern schon seit Monaten die Versammlung antreibt, wie der Hirt den Stier, damit sie den Acker umwcrfe und fertig mache, ehe die gute Jahreszeit ganz und gar vorüber ist.
Wien, 8. Dec. Aus Ungarn fehlen seit 3 Tagen birecte Nachrichten über die Zustände in Pesth und Preßburg. Zeitungen und Gerüchte wollen wissen, auf die Nachricht von der Abdankung des Kaisers Ferdinand sei zu Pesch die Dynastie des ungarischen Thrones verlustig erklärt worden. — Bei Krems sollen nicht unbedeutende Bauernunruhen von vertriebenen Studenten angeregt, ausgebrochen sein und die Absendung einer Batterie nebst einem Truppcndetachement veranlaßt haben. — Graf Colloredo, der ehemalige Chef der akademischen Legion, welche er vergeblich zur Selbstauflösung veranlassen wollte, ist von den Aerzten aufgegeben worden.
Kundmachung. Da man neuerdings wahrgenommen hat, daß an öffentlichen Orten, besonders in Wirths- und Kaffeehäusern, von Fremden und Einheimischen Reden geführt werden, welche zum Ausstande und zum Aufruhr aufzureizen geeignet sind, sehe ich mich veranlaßt, an die hierbei beteiligten Bewohner der kaiserlichen Hauptstadt Wien die ernste Warnung zu erlassen, sich derlei aufreizender Reden zu enthalten, weil ich sonst mich in die unangenehme Lage gesetzt sehen würde, gegen die Schuldtrageuden nach dem 7. §. der Proklamation des Hrn. Feldmarschall Fürsten zu Windischgrätz, dd. 1 Nov. 1848, die standrechtliche Behandlung eintreten zu lassen. Wien, 7. Dec. 1848. Von dem Vorstande der kaiserlichen Centralcommission der Stadtcomman- dantur. Frank, kais. Generalmajor.
Wien, 6. Dec. Der D. Allg. Ztg. wird Folgendes geschrieben: Die offiziellen Berichte über die Sitzungen unseres Reichstags übergehen merkwürdiger Weise die vorletzte Sitzung mit Stillschweigen; wie man jetzt hört, soll dieses Faktum darin seinen Grund haben, daß der parlamentarische Kampf in dieser Sitzung in einen andern Kampf ausartele, der sich nicht steuogra- phiren läßt. Es war nänilich die von dem Ministerium verlangte Kreditbewilligung zur Sprache gekommen; die czechischen Deputir- trn hatten das Ministerium zu unterstützen versprochen, falls es sich verpflichte, beharrlich gegen jeden Anschluß an Deutschland zu wirken; die deutschen Depulirten konnten und wollten es nicht ruhig mit ansehen, daß man ihre heiligsten Interessen auf diese Weise verkaufe, besonders da einige Führer der Czechen sich ihnen gegenüber ganz wie übermüthige Sieger gerieten; das Resultat war, daß es zu höchst tumultuarischcn Scenen, wie man sagt zu einem förmlichen Faustkampf kam; Präsident Smolka, der sich vergeblich alle Mühe gegeben hatte, die Ruhe herzustellen, soll in Folge der heftigen Aufregung noch leidend sein. Daß hierauf in der Sitzung vom 4. Dec. die betreffende Vorlage von dem Ministerium gemacht und von dem Reichstage vorläufig an die Fi
nanzkommission verwiesen wurde, ist bekannt. AuS zuverlässig Duelle kann ich mitlheilen, daß den teuticben Reichskonumssän denen früher von dem Ministerium Massenberg alle Aktenstück die sie zu sehen wünschten, offiziell mitgeteilt wurden, von bet neuen Ministerium amtliche Mittheilungen dieser Art verweige worden sind.
Wien, 7. Dezember. Der Nachricht von der bevorsteher den Ankunft des Kaisers in Wien wird widersprochen. E würde unpassend fein, wenn der junge Kaiser die Hauptstadt bk suchen würde, so lange sie noch im Belagerungszustände ist. — Von neuen Ernennungen werden der Graf KoUoreko-Wallsre al Gesandter nach London und Graf Buol-Schauensteiu nach Petersburg bezeichnet. — Dem Generaladjutanien des jungen Kaisers Grafen Grünne, ist die Leitung des Oberst-Kämmerer- und Ober Hosmeister-Anites einstweilen übet tragen, bis jene Stellen besetzt sind Man scheint nach und nach alle notorisch bekannten Diener des alte, Systems entfernen zu wollen — so ist neuerdings Staatsrat! Lebzeltern pensionirt und Legationsrath Humlauer, einer der eif rigsien Diener Metternichs, der den ganzen Sommer über all, Arten von Intriguen versuchte und unter andern eine confidentielli Sendung nach London übernahm, ward zum Piivatsekretär des Kaisers Ferdinand ernannt und ist ihm nach Prag gefolgt. — Die Depulirten in Kremsier sprechen bie Hoffnung aus, mit dem Eintritt deS neuen Jahres wieder in Wien zu tagen Goidmarl und Füster haben das Mißtrauensvotum eines Theiles ihrer Com- mittenten erhalten, sind aber entschlossen, ihr Mandat nichl niederzulegen.
Kossuth hatte für bie Dauer des Winters um Waffenstillstand gebeten. Man hat den Rebellen gar keiner Antwort gewürdigt. — Nach der Augsburger Abendzeitung sind bie Geißeln, welche Fürst Windisch-Grätz nach der Einnahme von Wien forderte, gestellt wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Wien, 10. Dez. Der amtliche Theil der Wiener Zeitung besteht jetzt aus Gratulationsadressen an den Kaiser und aus Todesurtheilen. Nach der heutigen Nummer sind der Geschäfts- führer Joh. Urban und der Lieutenant v. Lesczynski kuegsrechtlich zum Tode verurteilt, aber vom Feldmarschall zu iLjahriger Schanzarbeit begnadigt. Die Glückwünsche der verschiedenen Cor- i poralionen an den Kaiser und dessen Antworten bewegen sich in den gewöhnlichen Phrasen. — Ueber den Bericht Fröbels im Franks Parlament, an dem alle Parteien und alle Blätter die Ruhe und Mäßigung lobten, ist die Wiener Ztg. sehr erbittert und häuft die härtesten Vorwürfe gegen den Undankbaren, der bie Gnade des Fürsten Windischgrätz sobald vergessen habe. Heute druckt sie einen französischen Brief von Matteo Pavovani an Fröbel, datirt Stabsstockhaus 29. Nov., worin dieser Unglückliche in den leidenschaftlichsten Ausdrücken gegen die Vermuthung Fröbels protestirt, er sei als Spion zu ihm und Fröbel ins Gefängniß gesandt, vielmehr sei gerade er es, der aus Fröbels bekannte Bro- : schüre aufmerksam gemacht und dadurch zu seiner Rettung beigetragen habe. —
Prag, 7. Dezember. Eine Feier, die zu Ehren Robert Blums in unserer Stadt veranstaltet werden sollte, hat man unter den obwaltenden Verhältnissen für zweckmäßiger erachtet, zu unterlassen. — Der Kaiser Ferdinand befindet sich in behaglicher Ruhe auf dem Hradschin: er ist ganz zuft jeden mit seiner Wohnung und wird sie nur im Frühling mit dem Baumgarten vertauschen. Die gestern Mittag beim Kaiser vorgefommene Reichslagödepula- tion ist von den herzlichen Trostworten des guten Mannes sehr gerührt worden. — Hier sollte ihr ein Fackelzug gebracht werden, allein die tschechische Partei drohte mit einer derben Katzenmusik; da verglich man sich gegenseitig, und beides unterblieb. Gegen Abend 6 Ubr ist die Deputation nach Kremsier zurückgekehrt. — Es ist eigenthümlich , daß gerade jetzt, wo die Scheidung Oester- ' reichs von Deutschland so gut wie ausgesprochen ist, in Böhmisch- ■ Ku mm au am 30. Herr Franz Stark für die Frankfurter Ratio- nalversammlung gewählt und vom Königgrätzer Kreisamt für den Braunauer Bezirk eine Wahl nach Frankfurt ausgeschrieben worden ist. —
Innsbruck, 4. December. In der von dem tyrolischen Landtage an die tyrolischen Abgeordneten bei der deutschen Nationalversammlung gerichteten Adresse vom 18, v. M. heißt eS: