Reue Hessische Zeitung.
\o AED-V. Freitag, den 15. Deceulber. 1848*
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Politische Nachrichten. Deutschland.
* Kassel, 13. Dez. (Die Kaiserwahl betreffend). Die deutsche eitung erzählt wunderbare Dinge von den Versuchen, welche chnierliiig und die österreichische Partei angeblich unternehmen, in Oesterreich bei Deutschland v1 erhalten. Schon seit längerer eit wird in der Deutschen Zeitung gedrängt, daß man Oesterreich in; und gar fahren lasse, jede Beziehung zu Oesterreich zunächst rfgebe, daß die Oesterreichischen Deputirten ausrreten, Schmer- ng zurücktreie, Gagern das Ministerium übernehme. Es scheint, s ob neben den Hauptrücksichten für die leichtere Entwicklung r Deutschen Verhältnisse die Sorge für Preußens Hegemonie zu esen Ansprüchen veranlasse und in der That werben sie von ahlmann und den entschiedensten Philoborussen am lebhaftesten iterstützi. Ihnen steht der Wunsch eines großen Theils der entren, zu dem auch Gagern gehört, gegenüber, welcher keines- egs ganz mit Oesterreich brechen will, und geneigt ist, eine Depn- tion zum Kaiser zu senden. Natürlich will dieser Theil der ersammlung von den §§ 2 und 3 nichts wissen, kommt viel- ehr auf Gagerns Vorschlag zurück. Hier tritt nun der eigen- ümliche Fall ein, daß die entschieden Preußischen mit der Linken oereinstimmen — in der Aufrechthaltung der §8- 2 und 3 des eichsgewaltentwurfes, welcher bekanntlich bloß Personalunion geiltet. lleberfchaut man nun diese sehr einfache und natürliche achlage und nimmt man die allgemein sich auforängende Ueberzeugung n der politisch nothwendig gewordenen Hegemonie Preußens nzu — eine Ueberzeugung , welche selbst in der Oberpostamts- itung mehrfach zu dem Vorschläge geführt hat, die österreichischen eputirten aus der ReichSversammlung ganz zu entfernen, — mn nehmen sich die zuerst von der Deutschen Zeitung gebrachten niesten Mittheilungen sehr seltsam und unglaublich aus. Die Deutsche eitung redet nämlich von den Intriguen vieler Oesterreicher und runter auch der sämmtlichen Minister, um den Kaiser von esterreich zum Deutschen Kaiser zu machen. (!) Ein Oesterrei- er habe in einer Fraküonöversammlung mit Bitterkeit gedroht, "nn die Centren nicht darauf eingehen würden, so werde er zur nken übergehen. Ja, diese Partei habe geflissentlich bas Gerücht rbreitet, der Kaiser Oesterreichs werde die deutsche Verfassung «bedingt «»nehmen, wenn man ihn zugleich zum Deutschen Kaimache; — ein Gerücht, welches nur die Insinuation bezwecke, s werde dee König von Preußen die Deutsche Verfassung nicht ibedingt annehmen. Diese Partei nun — welche sich natürlich s gut österreichisch auf eine Trennung Oesterreichs durch Per- naluuion nicht einlassen kann — beabsichtige die nochmalige iskussion der §§. 2 und 3 nächstens zur Sprache zu bringen id die Minister wollten daraus eine Cabinetsfrage machen, um r Versammlung milden Verlegenheitenvom September zu imponiren. hm wolle dann nach Aufhebung der gedachten Paragraphen lgendeö bereits vertraulich circulirende Programm durchsetzen: 1 Der österreichische Kaiser empfängt die deutsche Kaiserkrone iedcr; 2) Der Ort des Reichstags wird Wien; 3) Oesterreich itt mit seinen Gesammtlandcn in den Zollverband; 4) Die terreichssche Marine schützt deutschen Handel und Schifffahrt im littelmrer, wofür Oesterreich keine Matrikularbeiträge zu zahlen <t, 5) endlich, die deutschen Truppen Oesterreichs werden deutsche eichstruppen, tragen die deutschen Farben, können aber auch in Österreichs außerdeutschen Gebieten verwandt werden. Man sei rtürlich mit diesen Plänen an der - gut Preußischen — Rechten nz vorbeigegangen, dagegen fei mit der Linken ein Compromiß - wiewol vergeblich — Verfugt worden (?) In den Centren >be daâ Programm nur bei zwei Gruppen Anklang gefunden;
die Hauptgruppen, Casino, habe es entschieden abgelehnt: wenigstens sei dort noch kein Resultat erzielt worden, (welche Widersprüche !) und Heinrich v. Gagern habe die Uebernahme der Mission, um dem Kaiser einstweilen zu gratuliren, abgelehnt. — Diese Dinge gleichen allerdings den Gespenstern, welche die übertriebene Angst um ein geliebtes Wesen (— hier Preußen —) eingiebt. Fast könnte man auch glauben, sie seien erfunden, um auf die Abstimmung zu Gunsten der §§. 2 und 3, d. h. zu Gunsten der totalen Ausscheidung Oesterreichs, einzuwirken. Aber wer verdächtigen wollte, würde klüger verfahren und nicht so viel Ungereimtes zusammenbringen. Es scheint vielmehr — so fabelhaft die Sache klingt, — als bestehe wirklich ein Plan , Oesterreich auf den deutschen Kaiserthron ju bringen. Wenigstens wird es von den verschiedensten unverdächtigen Seiten bestätigt. So berichtet das ehrliche Abgeordneten-Gemüth, welches der Hannov. Morg. Zeitg ihre demokratischen Berichte liefert, und welches mit den Finessen der deutschen Zeitung gewiß nichts zu schaffen hat, schon unter dem 10. im Wesentlichen dieselbe Geschichte und andere glaubwürdige Nachrichten bestätigen es uns.
Dieses Oesterreich, welches so eben noch die Brücke mit Deutschland hinter sich abgebrochen hat, wird plötzlich wieder lüstern nach der deutschen Krone bei dem Gedanken, sein Erbfeind Preußen möchte sie sonst erlangen, und während sein Minister die Slaven zu Kremfier mit der Erklärung ergötzt, in Oesterreich gebe es keine deutschen Reichsgesetze, läßt es durch den Erzherzog d'Este in Frankfurt um die Krone Deutschlands werben.
— Die Sache ist so toll, daß man sie gar nicht glauben darf. Freilich, von diesem hastigen und heftigen Intriguenspiel, von diesem Streit, der jetzt in den Frankfurter Klubbs und in den fürstlichen Kabinetten vorgeht, und mehr als eine Ähnlichkeit mit den Wahlkämpfen Frankreichs bietet, — werden noch andere tolle Geschichten erzählt, welche doch auch nicht so ganz erfunden sind'; so wird z. B. von der süddeutschen Liga zwar Vieles gelogen (Darmstadt fei dabei; ja eine Art Rheinbund, ein Bündniß mit Frankreich werde beabsichtigt) aber das scheint gewiß, daß eine solche Liga besteht, in welcher sich der Partirularismus mit dem Katholicismus ;u einem feinen Bündniß gegen die Superiorität des Nordens und gegen die Machtvollkommenheit der verfassunggebenden ReichSversammlung vereinigt haben mögen. Fabelt man doch schon davon, diese Staaten wollten ihrerseits eine Reichsverfassung für die Nichtpreußen octroyiren. Unter diesen Umständen zählen wir schmerzlich die Secunden, bis der entscheidende Ausspruch gethan ist und die dumpfen Nebel zerstreut sind, die uns jetzt das Nächste verhüllen. —
Was uns aber bei der ganzen Sache schon jetzt — und hiermit kehren wir zum Anfang zurück — unbegreiflich bleibt, ist die verzagende Angst der Preußen in einem Augenblicke, wo Jedermann von der Nothwendigkeit der Preußischen Hegemonie überzeugt ist.
Die Einsicht dieser Nothwendigkeit müssen wir doch wohl der hohen Reichsversaminlung, wenn wir von ihrem politischen Verstände nicht ganz gering denken sollen, zutrauen und faum war es nöthig, wie es die deutsche Zeitung vom 13. thut , noch einmal darauf hiuzuweisen, daß Oesterreich nach 1814 so wenig als vorher die Deutschen Interessen und den Deutschen Geist gefördert, daß es vielmehr immerdar sich als ein vorzugsweise italienisch-slawischer Staat geriet hat.
Frankfurt, 10. Dec. In der Sectio» der VerfafsungS- ausschusseS will Dropsen den Prinzen von Preußen zum Kaiser haben. Beseler will Erfurt als Sitz des Reichsoberhauptes. Das Wahlgesetz zum Reichstage soll verschiedene Beschränkungen erfahren. (H. M. Ztg.)