Einzelbild herunterladen
 

1453 —

als daS freieste Wahlgesetz. Da dieses letztere bei Lichte betrach­tet, ganz erstaunlich wenig mit dem eigentlichen Wohle des Land- mannes zu schaffen hat, es aber die Hauptaufgabe dieses Land­tages ist, weniger mit politischen Beglückungslheorien, als mit dem materiellen Wohlstände der Landbewohner sich zu beschäftigen, so erinnern wir auch an das Gesetz zur Hemmung des Wuchers, an die Gründung einer Irrenheil-Anstalt und an die Errichtung von Ackerbauschulen, und find überzeugt, daß auch in dieser Richtung unsere Herren Abgeordneten ihre Schuldigkeit thun werden.

Mehrere Wähler am Diemelstrome.

Die Wünsche der Rotenburger sind erfüllt, ihre Stadt soll der Sitz eines Obergerichtes werden. Aber wo soll dies Gericht seine Sitzungen halten? wo seine Kanzlei hinbringen? Es verbreitet sich in dieser Beziehung ein Gerückt, dem man nicht gerne Glau­ben beimessen mögte. Das Sckulhaus nämlich mit seinen vier Lehrerwohnungen und Schulsälen, welches mit einem Kosten­aufwands von vielen Tausenden — man sagt 16—17000 Rthlr. .— vor einer Reihe von Jahren erbaut wurde, um der zuneh- menden Kinderzahl eine damals fehlende hinreichende und gesunde Räumlichkeit, den Lehrern einen freundlichen Aufenthalt zu ge­währen, soll — so hört man — zum Listen des Ober- zerichts geräumt werden. Der Bürgermeister selbst soll sch vor Kurzem ganz günstig für die Ablassung des Schul- lauseS zu einem ObergerichtSlokal ausgesprochen haben. — Fragen müßte man, ob solch eine Maßregel wohl von den Be- Hürden und der betheiligten Gemeinde gebilligt werde? Rügen nögte man die Leichtfertigkeit mit der man einen solchen Vor- chlag nur machen konnte. Wünschen muß man, daß die, welche Beruf und Kraft haben, der Ausführung dieses Planes eMgegen- utreten, dies ja nicht versäumen. Sollten die im Schlosse be- indlicken, vordem von der Rotenburger Justizkanzlei benutzten 'okalitäten nicht auf einige Jahre dem Obergericht eingeräumt oerden sönnen bis ein anderer passender Platz gefunden, oder ein Neubau zur Aufnahme dieser Behörde hergestellt wäre?

---13

Was uns drängt und treibt, eine Fürbitte für einen besondern stand im Volke zu thun, ist das warme innige Interesse, Wel­zes wir gewonnen haben an der Entwickelungsanstalt des Volkes - der Schule und somit ihren Lehrern. Wie nöthig es t, besonders in der Jetztzeit beiden aufzuhelfen, leuchtet gewiß dem Vernüftigen ein. Darum sind auch in der jüngsten Zeit an Seiten unserer hohen Staatsregierung die von Lehrerverriuen in und wieder eingeschickten Vorschläge gewürdigt lind zur Ver- irklichung' derselben bereits Schritte gethan worden Unserer shen landständischen Versammlung liegt es nun noch ob, des- llsige weitere Bestimmungen zu treffen. Daniit aber auch wir aser Scherflein zur möglichen und nothwendigen Ausführbarkeit r gerechten Bitten unserer Volkslehrer geben mögen, so haben ir es unternommen, unserer hohen landstandischen Versammlung i Geiste nahe zu werden, flehentlichst bittend: „dem Stande er V ol ks schu ! l ehrer doch diesMal gerecht zu iver = ? n, indem man ihm eine freie, selbstständige, ürdig- ehrenvolle und — was überaus am meisten oth thut — Nahrungssorgenfreie Stellung endlich t Theil werden lassen möge.

Im Namen vieler Gleichgesinnten.

C. Reinhardt.

Durch die jahrelange Verwendung der Forstcandidaten zum Forstschutzdienste, werden dieselben in eine höchst traurige Lage versetzt. Wir wünschen eine hierauf bezügliche Reform nicht nur deßhalb, sondern auch weil diese Einrichtung für das Wohl unse­rer Waldungen insofern schlimme Früchte trägt, als ein so nieder­drückendes, geistloses, mechanisches Geschäft wie die Waldhut in den Händen eines Gebildeten nicht gut aufgehoben ist; wir wün­schen eine deßhalbige Reform auch darum, weil der langjährige Dienst als Forstschütze die spätere Brauchbarkeit des Forstcandi­daten zum Forstrevierverwalter offenbar nicht gewährleistet, häufig sogar gefährdet.

x

Ernennungen re.

Es wurde:

die erledigte Pfarrei Wernswig in der Klasse Homberg dem Pfarrer Wilhelm Wiskemann in Böddiger übertragen;

der zu der erledigten Pfarrei Lützelwig, in derselben Klasse, präsentirte außerordentliche Pfarrer Wilhelm Dallwig in Wernswig bestätigt;

der Ober-Finanzkammer-Director L ome tsch zu Cassel mit dem Curalorium der gräflich v. Bernbold'scken milden Sttiftiiugen be­auftragt ;

der praktische Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer Dr. Johann Eduard Franz Knorz zu Marburg zum Amtsphysicus für das Amt Großenlüder provisorisch bestellt;

der Canzlist bei der General-Brandversicherungs-Commission Carl Hüpeden zum Probator bei derselben befördert;

der Forstmeister von Motz zu Hanau und der Oberförster Müller zu Homberg in den Ruhestand versetzt;

der Steuer-Inspektor Endemann zu Fulda zum Ober- Steuer-CoUegium, zur Dienstleistung bei der Oberstcuer-Jnspection, und dagegen der Steuer-Jnspecwr Jäckel zu Hünfeld zur Steuer- Jnspeclion Fulda, sowie der Steuer - Jnspector Pilgrim zu Frankenberg zur Steuer-Inspektion Hünseld in gleicher Eigenschaft versetzt;

der Steuer-Revisoratsgehülfe Salomon Hörter provisorisch zum Steuer-Revisor bei dem Ober-Steuer-Collegium,

der Revisor Pfeiffer bei der Zoll - Direktion zum Haupt­erheber bei dem Haupt- und Provinzial-Steueramte in Marburg und

der Weserzollverwaller, Zollinspektor Hein in Gieselwerder zum Controleur bei dem Provinzial-Steueramte zu Hanau ernannt ;

der Revierförster Rausch zu Hersfeld in gleicher Eigenschaft auf das Forstrevier Breitenbach mit dem Wohnsitze zu Asbach versetzt und dagegen

der Forstaufskher Joseph Frank zu Neuhof zum Ncvierförster des Forstreviers Untergeig, mit dem Wohnsitze in Hersfeld,

der Berg - Eleve bei den gemeinschaftlichen Schaumburgifchen Gesammt-Steinkohlenwerken Carl Wilhelm Heinrich Spring von Bückeburg zum Accessisten bei dem Gesammt- Bergwerke zu Oberkirchen provisorisch, sowie

der Calculator Georg Kern bei der Obersinanzkammer, Ab­theilung 11., zum Probator bei der Oberfinanzkammer ernannt, auch

bem vom Erblandpostmeister dem Herrn Fürsten von Thurn und Taris zum Postverwalter in Schüchtern vorgeschlagenen Post­halterei-Gehülfen Theodor Köhler daselbst die allerhöchstlairdes- herrliche Bestätigung ertheilt und

der Actuar Wilhelm Berndt von Wetter in gleicher Eigen­schaft zum Justizamte in Burghaun versetzt.

Wir beklagen ein Heer hoffnungsloser Forstcandidaten. Es t dies vorzugsweise seinen Grund in der gar nicht zu rechtfer- zenden Maßregel, daß mehrjähriger Dienst im Jägerbataillon r forstlichen Ausbildung auf Staatskosten berechtigt. Diese nrichtung wird hoffentlich fernerhin nicht mehr bestehen, zumal sie auch noch andere beklagenswerthe Folgen herbeiführt.

Pekanntmachungen.

[361] Geräumige Lokalitäten, auS einer oder zwei Etagen be­stehend, werden gesucht. Man bittet um gefällige Aufgabe der­selben mit genauer Angabe der Räumlichkeiten an die Th. Fischer'- sche Buchdruckerei.