Einzelbild herunterladen
 

1452

Anstalten zur Aufrechthaltung der Ordnung getroffen seien. Der Eingang ist besonders gelungen:Bürger! Morgen ist jeder von Euch zur Erfüllung des feierlichen Aktes der VolkSsouverainetät berufen. Eine große Nation vertrauend auf ihre Rechte, ver­trauend auf ihre Stärke, vertrauend ihrer Aufklärung wird den Mann wählen, dem sie für einen Zeitraum die Sorge, das Amt auflegt, im Verein mit der Nationalversammlung über ihre Ruhe, Interessen unb Ehre zu wachen." In der That ist heute bei all dem unermeßlichem Wahllärm Paris bis jetzt ruhig ge­blieben. Die Negierung hat ihre Maßregeln vortrefflich genom­men. Die Conferenzsäle der Nationalversammlung sind voller Repräsentanten.

Die Liste der vorgestern gewählten Staatsräthe sämmtlich entschiedene Republikaner (siehe unsre gestrige Nummer) ist sehr bezeichnend für den Geist der Nationalversammlung. Die Nationalversammlung hat gestern die Reihenfolge der organischen Gesetze berathen. In erster Linie komnit das Gesetz über Ver­antwortlichkeit der (Staatsbeamten (also auch des Präsidenten). Dann das Gesetz über den Staatsrath; drittens das Wahlgesetz. Die Frage: Ob auch die Departements- und Gemcindeorganisation in diese Reihe aufzunehmen? wird mit 359 gegen 221 Stimmen bejaht. 380 gegen 179 Stimmen entscheiden ferner, daß auch viertens die Gerichtsordnung unter die organischen Gesetze auf­zunehmen sei. Die Versammlung entscheidet ferner, daß auch der sogenannte subseguente Theil der organischen Gesetze (worunter das Unterrichts- und Belagerungsgesetz) in obiger Reihenfolge Platz finden soll.

In der gestrigen Sitzung hatte die Regierung noch einen ob wohl den letzten? Sturm zu bestehen. Jolv interpellirte Heftig: Ich besteige die Rednerbühne, um den Minister des Innern über die Lage von Paris zur Rede zu stellen. (Hört! hört!) Eine große Agitation herrsche in der Stadt. Alle Straßen, namentlich die Winkel um den Vcndcnuplatz seien vollgepfropft und die Cnculcuion sei gehindert. Ein Bürger, der eS gewagt: Es lebe Cavaignac! ausznrufcn, sei fast gesteinigt worden. Alle Welt habe ihm entgegengerufen: Dlieber mit Cavaignac! (Erstau­nen.) Die Elemente deß Hasses seien verschiedener Natur. Die ministerielle Willkür der letzten Tage, die Versammlung der Bür- gcrwehiobnstcn bei dem Minister des Innern, habe sie genährt. Der Kriegsminister haberothe" Offiziere versetzt. Ferner gehe das Gerücht, die Clubbs würden am Montag geschloffen u. s. w. Er wünsche darüber Auskunft.

Dufaure: Ich erwiedere auf die verschiedenen Punkte: 1) ich ließ die Bürgerwehrobersten zu mir kommen, um sie zu con- fultmn. Das war meine Pflicht in Rücksicht auf die Lage. 2) Die Gruppen waren bis jetzt friedlich und daß manNieder mit Cavaignac" geschrien, hat auch noch nicht zu Gewaltmaß- rcgeln gezwungen. Wenn ich sie aber unterdrücken wollte, werde ich es nicht mit Polizeigesetzen, sondern aus dem Altroupements- gesetz thun. 3) Betreffs der Clubbs erwiedere ich, daß die Re­gierung sie dann aufheben wird, wenn sie gefährlich werden und sie wird ihr Gesetz feilst auf die Wahlversammlungen ausdehnen. Für ji£t ist dies nicht nöthig. Ist der Präsident gewählt, dann wird die jetzige Erecutivgewalt zur ergebensten Dienerin herab- sinken. (Stimme: Wir Alle! Lachen ;ur Linken.)

Ledru Rollin widerspricht energisch und teilt dem Minister vor, daß er verhehle , namentlich n-ad in der Versammlung der Obersten der Bürgerwehr geschehen. Der Minister habe eine Zn- snrrection prophezeit, die vom Berge unteistützt würde.

Lamoricière erklärt, daß alle Voisichtsmaßregeln getroffen seien. Was die Ofsizierversetzungen beliesse, so glaube er sich in seinem Richte. Eine Regierung, deren Offiziere rothe Clubbs besuchen dürsten, wäre verloren. Die Interpellation hatte ncuür- lich keine Folgen.

Das nunmehr auszuschiffende Geschwader vor Marseile wurde in Rücksicht auf seine Abreise etwas fiüher zum Votum berufen. Der Semaphore nein 7. December bringt nun folgendes 9irful= tat: Für Louis Napoleon stimmten 1064. Für Cavaignac stimni- kn 914. In den Rest iheilen sich Lamartine und Ledru Rollin.

Alle detachirten Forts bei Paris sind mit Munition und Lebensmitteln vollgepfropft.

Erfreuliches ans dem Lande.

Dem Vernehmen nach haben die bei der Rekrutirung zu Mar­burg und Frankenburg vorgefallenen Skandale für viele der Mi- lilär-Pflichtigen die weiteren Nachtheile im Gefolge, daß, weil ihre Befreiungs-Ansprüche wegen des ftatigehabten Tumultes nicht gehörig haben geprüft und ihnen überhaupt nicht die entsprechende Belehrung Hal zu Theil werden können, in welcher Art sie ihre Ansprüche geltend zu machen batten, ihnen nunmehr auch noch große, beim besten Willen der Behörden nicht zu beseitigende Weitläufigkeiten, Zeitverluste und baare Kosten erwachsen. Ganz anders stellt sich dieses Verhältniß überall da heraus, wo das Ansehn des Gesetzes geachtet wurde, wie z. B. namentlich in den Kreisen Hersfeld und Hünfeld. Ganz besondere Anerkennung aber verdient die ungemeine Ordnung, welche während des Aus- Hebungstermins in Kirchhain vorherrschte, und die Art und Weise, in welcher solche durch den höchst verdienstvollen dortigen Bür­germeister, Hr. Herbold, gehandhabt wurde. Freilich stand diesem trefflichen Ortsvoistande zu diesem Zwecke auch ein vortreffliches Hülfsmittel , nämlich die Beihülfe der dortigen Bürgergarde zu Gebote, deren ganzes Sein und Wesen als ein mustermäßiges ge­schildert wird, wie ja überhaupt der Geist, von dem die gejammte dortige Bürgerschaft beseelt ist, sich schon zu verschiedenen Malen als des höchsten Lobes würdig bekundet bat.

Auch von dem Bürgermeister von Hombressen wird rühmend erwähnt, daß derselbe die junge Mannschaft seines Ortes in großer Ordnung vorgeführt und rurch seine eindringliche Ermah­nung es bewirkt habe, daß kein einziger derselben den Verlockun- ~ gen zum Genusse spirituoser Getränke nachgegeben habe, sondern daß solche in lauter aber höchst anständiger Fröhlichkeit nach be­endigtem Geschäfte ebenso in Reih und Glied und Gleichschritt, wie sie herangekommen, die Stadt Hofgeismar wieder verlassen habe. Auch von vielen andern Dorfgemeinden im Lande wird Gleiches oder Aehnliches berichtet, als ein erfreuliches Zeichen wie der alte Hesfengeist noch allenthalben lebendig sei. Dieser alte Hessengeist, der unsere Väter beseelte, er war es, der jenen öster­reichischen Krieger zu dem Ausspruch veranlaßte:Gliche der Hessen Zahl ihrem Muthe, ihrem Mânncrfinne , kein Volk der Ecde würde ihnen zu widerstehen vermögen." So wir diesen alten Hessengeist treu bewahren, kein Volk der Erde wird der Freiheit würdiger und fähiger sein als das unserige, und unsern Kindern und Enkeln wird ein beneidenswerthcs Glück zu Theil werden, sie werden es auch nicht ferner jenseits des Ozeans zu suchen und zu begründen haben, sondern in der Heimach, da wo ihre Wiege stand, ihrer Väter Grab belegen, es ganz'von selber finden. Von jenem alten Heffengeist aber hier nur ein Beispiel. Als im Jahre 1792 der Einfall Cristines die hessischen Lande bedrohte und deßfaUs in der Umgebung von Marburg rasch ein Truppenkorps zusammengerogen und dessen Abtheilungen durch eiligst ausgebotene junge Mannschaft verstärkt wurden, begab es sich, daß als eben ein Transport junger Rekruten die Möllricher Brücke überschritt, ein altes Bauernmütlerchen, freilich minder er­haben, aber wahrlich nicht minder hochherzig als jene gerühmte h Spartanerin unter vielen Thränen, von ihrem einzigen, ebenwvhl unter jenen Rekruten befindlichen Söhne mit den Worten Abschied nahm:Na Henner, leb wohl! und sinn keine alte"

f

Anfragen, Rügen und Wünsche.

Wir hoffen und wünschen, daß die beiden Vertreter der Diemel- Städte und Gemeinden, die Herren Henkel und Knobel, auf dem jetzigen Landtage allen ihren Einfluß aufbieten, damit endlich die längst für nöthig erkannte Straße durch den Reinhardtswald von Veckerhagen nach Hofgeismar angelegt werde. Wir wollen hier nicht weiter erörtern, wie nothwendig die Verbindung der Weser mit der holländischen Straße, namentlich von Veckerhagen über Hofgeismar durch die Bremer Nebenstraße mit jener Haupt­straße ist, bemerken nur, daß im nächsten Frühjahre, wo so viele Arbeiter der Karls- und Friedrich-Wilhelms Nordbahn unbeschäf­tigt sein werden, die dringende Zeit zum Anfänge sein wird, und behaupten, daß diese Straße mit dem Wohlstände einiger und zwanzig Gemeinden des Kreises Hofgeismar weit inniger zusammenhängt,