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Beilage zu ^r. 198 der Neuen Hessischen Zeitung.

nachdem daS erste Erkenntniß des Oberkriegsgerichts von der Re­gierung nicht bestätigt und die Aburtheilung einem neuen Kriegs­gericht übergeben war. Gegen den Verfasser der bekannten Er­klärung über den Armeebefehl des Generals von Bonin (Robwer aus Holiorff) ist eine dreijährige Zuchthausstrafe. gegen die übri­gen Jnhaftirten sind verschiedene Festungsstrafen und resp, scharfer Arrest erkannt worden.

-j- Cassel, 13. December. Zu Mitgliedern des Bezirksraths für die zweite Unterabtheilung des Bezirks Cassel wurden heute gewählt: 1. AuS der Classe der wissenschaftlich Gebildeten: 1) Herr Ober - Postmeister Nebelthau von hier in erster Wahl mit 14 Stimmen, 2) Herr Literat Salomon Hahndorf von hier in zweiter Wahl mit 11 Stimmen. II. Aus der Klasse der Guts­besitzer oder Landwirthe: 1) Herr Oekonom Beinhauer aus Vollmarsbausen mit 16 Stimmen; 2) Herr Oekonom Kehr aus Wolfsanger, mit 19 Stimmen, beide in erster Wahl. 111. Aus der Classe der Handel- und Gewerbtreibenden, in erster Wahl: 1) Herr Gastwirth Nikolaus Rabe aus Wolfsanger mit 22 Stimmen und 2) Herr Leinweber und Bürgermeister Bernhard aus Niesta mit 17 Stimmen. — Außerdem erhielten in der er­sten Classe Oberbürgermeister Hartwig von hier 8 Stimmen, Regierungs-Assessor König von hier 5 Stimmen, Professor Win­kelblech von hier 6 Stimmen, Pfarrer Ratz zu Simmershausen 5 Stimmen, Pfarrer Meyenfeld zu Wolfsanger 2 Stimmen, Zehrer Janson von hier eine Stimme; in der zweiten Classe Bürgermeister Knobel zu Ehlen 8 Stimmen, Gutsbesitzer Fenners zu Frommeröhausen, Gastwirth Lambrecht zu Bettent ausen, Bür­germeister Vorlcis zu Weimar, Bürgermeister Loth zu Rothenvit- nold und Conducteur Cauer auf dem Fasanenhof hierselbst, jeder üne Stimme. In der dritten Classe Mühlenbeständer Fehrenberg 5, und Bürgermeister Lingelbach zu Kirchditmold, Papierfabrikant Pfeiffer zu Bettenhausen, Bürgermeister Spohr zu Wolfsanger and Fabrikant Moldenhauer hierselbst, jeder eine Stimme.

§. Nauheim, 11. December. Aus unserm Amte ist der Oekonom Dr. Jaup zu Dorheim, Sohn des Hessendarmstävtischen Ministers, in den Bezirksrath gewählt worden: eine äußerst ver- tändige Wahl.

Ungarn.

Pesth, 1. Dec. Hier rücken täglich neue Truppen, neue tationalgarden ein. Die Donauufer sind durch Schanzen und Batterien befestigt, deren Oberbefehl der bekannte Bein, welcher dkneral sämmtlicher Artillerie ist, übernommen hat. Bem ist ein lter Mann mit schon eisgrauen Haaren, und trägt jetzt ober­alb des Auges ein schwarzes Pflaster, ein Zeichen der Wunde on dem letzten Anfalle auf ihn. Die Matadore der Wiener )ctober-Revolution befinden sich jetzt hier, sowie ein ziemlicher cheil der akademischen Legion, welche hier den Namen deutsche egion führt. Sie tragen graue Uniform mit schwarzen Aufschlä- rn, Kalabreser mit Todtenköpfen. Während alle Geschäftsthätig- it darnieder liegt, ist das Leben in Pesth das sorglose und ichisinnige wie früher, dazu kömmt noch, daß viel baares Geld, orzüglich neue Dukaten circuliren.

Schweiz.

Bern, 6. Dez. Wir glauben aus ziemlich zuverlässiger Quelle versichern zu können, daß den angedrohten Maßregeln der rutschen Centralgewalt keine weitere Folge gegeben werben soll, -war war, wie wir von der Grenze vernehmen, der Beschluß i strenger Ueberwachung des Personenverkehrs bereits angekom- en und in Vollziehung gesetzt worden-, allein schon am folgen- n Tage wurden die diesfälligen Befehle widerrufen. fB. Z.)

Auch der Minister Bekk äußerte in der badischen Kammer, iß alle Aussicht zu gütlicher Ausgleichung vorhanden sei.

Italien.

Die Blätter bringen wiederholt daS officiell bereits widerlegte erlicht von einem an Karl Albert verübten VergiftungSversuche. s heißt, der König befinde sich noch keineswegs außer Gefahr- Id selbst wenn er mit dem Leben davon kommen sollte, so seien r seinen Gesundheitszustand doch jedenfalls die bedenklichsten olgen zu befürchten.

In Turin fragte der Abgeordnete Lanza in der Sitzung m 29. Nov., ob das Ministerium officielle Nachrichten über

die letzten Begebenheiten in Rom erhalten habe, und ob es über das politische Verhalten einig sei, welches diese Umstände erfor­dern. 3 Thatsachen seien wahrscheinlich: Ein Einfall Oesterreichs (in die Legationen), Frankreichs (in Civita Vecchia) und Neapels. Er wisse wohl, daß das Kabinet seinen Plan nicht mittheilen könne, aber das Land müsse erfahren, ob es im Sinne der italie­nischen Unabhängigkeit verfahren werde. Minister Pinelli: In Abwesenheit meines Collegen, des Ministers der auswärtigen An­gelegenheiten, erkläre ich der Kammer, daß wir die Nachricht er­halten haben, der Papst sei auf einem französischen Schiffe ent­flohen. Welche Richtung er genommen hat, wissen wir nicht bestimmt. Die Nachricht ist noch zu neu und die einzelnen Um­stände zu unbekannt, als daß das Ministerium schon einen Ent­schluß hätte fassen können. So bald dies der Fall sein wird, werden wir dem Parlamente Mittheilung davon machen. Die Unabhängigkeit der Nation wird immer das Ziel sein, wonach wir streben. (D. Z.)

In Folge der jüngsten Wahlresultate hat das Sardinische Ministerium abgedankt. Pinelli erschien in öffentlicher Sitzung vom 4. Dec. in der Kammer und zeigte ihr an, daß das Mini­sterium zurücktrete. Die Kammer blieb still. Das Volk, mit dcn flüchtigen Lombarden und ihren Fahnen an der Spitze, zog vor die Wohnung des liberalen Gioberti, sang Nationallieder und rief aus tausend Kehlen: Es lebe das freie Italien! Es lebe Gioberti! Tod den Oesterreichern! Es leben die Römer und Tos- caner! — Gioberti soll von Karl Albert mit Bildung eines neuen Kabinets beauftragt worden sein. Dem bonapartistischen Blatte „Liberti" zufolge wäre Colegno, ehemaliger Kriegsminister, damit beauftragt.

Frankreich.

Paris. (Zur Charakteristik der Wahlumtriebe und der handelnden Personen.) Das Journal de Havre und der National erinnern Herrn Thiers daran, daß er am 9. November d. I. zu den Herren Ancelle und Viva, Maires von Havre und Greville, gesagt habe: „Die Wahl Louis Bonapartes zum Präsidenten würde eine Schmach für Frankreich sein" und bitten ihn um eine Erklärung seines späteren Benehmens. Der Kaufmann Riancon erinnert Herrn Cremieur, der sich jetzt für Louis Bona­parte ausspricht, wie er noch im October d. I. bei dem Bankette, das die Nationalgarve von Neuilly der Nationalgarde von Pa­ris und der Armee gab, eine Rede gehalten habe, in der er Louis Bonaparte aus das heftigste angriff, und bittet ebenfalls um eine Erklärung. Endlich läßt Herr Doillon Barrot, der sich im Departement de l'Aisne auf Urlaub befindet, im Ohservateur de l'Aisne erklären, daß er durchaus nicht auf die öffentliche Meinung gegen Cavaignac und für Bonaparte wirken wolle, daß sein Brief in den Journalen ohne seine Autorisation publicirt und verfälscht worden sei und daß er die großen Verdienste des Generals Cavaignac stets anerkannt habe und noch anerkenne.—- Das ministerielle Journal le Credit bringt darauf, daß dem Ge­neral Changarnier, der sich für Louis Napoleon erklärt habe, das Ober - Kommando der Nationalgarde entzogen werde, — denn jedes Votum für Bonaparte sei eine Protestation gegen die Republik. —

Paris, 10. Dezember. C a v aignac hat auch auf den Thiers'schen Brief wegen des Papstes geantwortet. Der Moniteur veröffentlicht heute folgende telegraphische Depesche: „Marseille, 9. Dezember, 10 Uhr früh. So eben läuft folgende Depesche ein: Gaeta, 7. Dezember. An den Minister des Auswärtigen in Paris. Herr Corcelles ist dem Papste durch Herrn von Har­court vorgestellt worden. Seine Heiligkeit schien lebhaft gerührt von dem.edelmüthigen Entschlusse der französischen Regierung. Sie sehnt sich danach, Frankreich zu besuchen, und zeigt die förm­liche Absicht an, sich dahin zu begeben, sobald es die Umstände erlauben werden. Die vor der Insel Pomegue (im Angesicht von Marseille) lagernden Truppen sind zur Mission unnütz. Für Richtigkeit dieser Depesche: (gez.) Alexandre, Telegraphendirektor." Noch gestern Abend hat Cavaignac eine Proklamation an die Pariser gerichtet, worin er zwar bemerkt, wie er seit 6 Wochen sich den Wahlgtist ohne officielle Einmischung habe entwickeln las­sen, zugleich aber die Pariser Bürger darüber beruhigt, daß alle