— 1445 —
Herz! frei und offen erstatt’ nicht wahr, ihr seid nicht ehrlich? ihr meint'S viel schlimmer, als ihr sagt? Ja! mir, die allein Frommen, wir kennen mit unserer erleuchteten Weisheit euch besser, als ihr selbst!
Kassel, den 29. November 1848
Der leitende Central-Ausschuß der Kurhessischen Kreis»
Schulsvnoden:
Braun. Dr. Clemen. Großcurt H. Hartmann.
Janson. Keßler. Wagner I.
Der kurhessische Laudtags-Abschied vom 31. October 1848.
Unter diesem Titel ist bei Friedrich König in Hanau ein kleines Schriftchen (wenn wir richtig vermuthen, von Dr. Dehn- hard) erschienen, welches an den Landtagsabschied sich anlehnend, in klarer und warmer Weise die Freiheiten und Verbesserungen 'childert, welche Kurhessen seit dem März d. I. erlangt hat. Eâ verdient Denen in die Hand gegeben zu werden, die eigentlich stichts gethan haben, als schimpfen und Lärm machen. Am Schlüsse heißt es: „In allem Diesem ist die Staatsregierung )on der Ständeversammlung bereitwilligst unterstützt und gefördert vorden. Verdient diese daher die ihr von mancher Seite geworrenen Schmähungen? Beide, Staatsregierung und Ständever- ämmlung, können mit Recht sagen: an unsern Früchten sollt ihr rns erkennen! Wenn die künftige Ständeversammlung daher ihre Aufgabe in wahrhaft patriotischem Sinne auffaß-, so wird sie, rem Beispiele der letzter« folgend, vor Allem das Ministerium lügen und unterstützen, damit es das so hoffnungsreich begonnene Werk auch kräftig hinausführen könne." —
ein Vergnügen daraus machen, zur völligen Beruhigung dieser Aengstlichen, dieselben zur bald bevorstehenden ersten Probefahrt über die Brücke in der Hoffnung einzuladen, daß sie später zur Benutzung der Bahn und Untersuchung der Brücke sich recht oft einenden, um sich auch für die fernste Zukunft diese Beruhigung zu verschaffen.
Ein sachverständiger Freund des Eisenbahnwesens.
Erledigung
Mit Rücksicht auf die in Nr. 179 S. 1326 dieser Blätter enthaltene Anfrage, in Betreff der, zufolge des §. 16 des Lehen- und Meier-Gesetzes vom 26. August d. J. erforderlichen, Beibringung gestempelter Steuerbuchs-Auszüge, ist uns von zuverlässiger Hand die Mittheilung zugegangen, daß diese Sache bereits (nach einer mildern Ansicht) ihre Erledigung gefunden hat.
Erwiderung.
Da die kasseler Postbeamten, welche über den Gegenstand der Anfrage, resp. Ruge einiger Landpostbeamten in der Beilage zu Nr. 186 dieser Zeitung Mittheilung zu machen in der Lage sind, weder sich für verpflichtet erachten können, sämmtliche Landpostbeamte über den Stand der fraglichen Angelegenheit in Kenntuiß zu erhalten, noch es deren dienstlichem Charakter angemessen finden, eine deßfallsige Benachrichtigung durch die Zeitungen zu geben, so dürfte» die Verfasser der erwähnten Anfrage, um die von ihnen defiberirte Auskunft zu erhalten, denselben höchst einfachen Weg, den bereits mehrere ihrer College» betreten haben, einzu- fchlagen, nämlich persönlich an den Einen oder Andern derjenigen ihrer kasseler College», welche an der am 17. und 18. Juni d. J. abgehalte- nen Postbeamtenversammlung thätigen Antheil genommen, sich zu wenden haben. Ein kasseler Postbeamte.
Die Guntershäuser Brücke
Der' Schaden, der sich an der Guntershäuser Brücke gezeigt >at, besteht nur darin, daß sich an einem der Wafferpfeiler etwas nehr als dies gewöhnlich der Fall zu sein pflegt, da, wo die, de äußere Bekleidung des Pfeilers bildenden Mauersteine auf >en Kanten und Ecken zu dicht sich berühren, dieselben an die- en hier und da in dünnen Schalen ausgesprungen sind, eine Erscheinung, die an den massivsten und solidesten Bauwerken llenthalben da vorkommt, wo die Steine zu dicht aus einander legen und der sogenannte Druck, wie cs die Maurer nennen, ächt gehörig angearbeitet worden ist, d. h. wo die Steine nicht o bearbeitet sind, daß zwischen denselben hinreichend weite Fugen leiben, damit wenn das Mauerwerk sich in voller Belastung usammen drückt, das Ausspringen der Ecken und Kanten der steine vermieden wird *).
Jedem Technicker tst diese Erscheinung sehr wohl bekannt nd hatte daher auch hier von vornherein für keinen derselben, er namentlich die Eigenschaften unserer Mauersteine aus längerer crsahrung kennt, etwas Beunruhigendes. Auf Veranlassung des )beringenieurs wurden jedoch dessen ohngeachtet von Seiten der Direction der Friedrich - Wilhelms - Nordbahn, nachdem man die bgesprungenen Schalen hatte entfernen lassen und den Schaden, er wohl nur von sehr wenigen bemerkt worden wäre, Jedermann loß vor Augen gelegt hatte, die Mitglieder Kurfürstlicher Ober- laudirection sowie viele andere Techniker zur genauen Unter- uchung der Erscheinung eingeladen. Das Resultat dieser gegen ^nde September d. I. vorgenommenen Untersuchung, wobei die Brückenbogen für völlig unversehrt und der fragliche Pfeiler in hinein Profil wohl erhalten gefunden wurden, gaben weiter alle Beruhigung, die nunmehr, nachdem die auf Veranlassung kur- ärstlicher Ober-Baudirection durch Beamte des Staats seit 8 s 10 Wochen vorgenommenen genauen Beobachtungen des jfeilers durchaus keine Veränderungen daran Nachweisen konnten, uch den ängstlichsten Gemüthern hoffentlich genügen wird.
Sollte dies jedoch dessen ohngeachtet nicht der Fall sein, so ird sich gewiß die Direction der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn
*) Zur Vermeidung dieses UebelstandeS hat der verstorbene Ober- au-Director Juffow an dem Schloß zu Wilhelmöhühe 17 mal eine Er- eiterung der Fuge» zwischen den Quadern vornehmen lassen müssen.
Anfragen, Rügen und Wünsche.
Die Gemeinde Altmorscheu petitiouirte bereits bei kurfürstlichem Ministerium und der Ständeversammlung um Zerstückelung der Domäne Heidau daselbst, um demnächst einzelne Parzellen an die vielen armen Bewohner Altmorschens auf Erbleihe oder pachtweise übergehen zu schen. Dieser Wunsch ist bis jetzt nicht erfüllt worden, vielleicht weil man nicht wußte, zu welchem Zwecke die Gebäude der Domäne zu verwenden seien. — Diese letztem wurden kürzlich von einer Commission besichtigt, um zu erforschen, ob sich dieselben nicht für eine daselbst zu errichtende Irren-Heilanstalt eigneten. Das Resultat dieser Besichtigung ist uns unbekannt. Doch wollen wir jetzt unsere Bitte, daß die Grundstücke der Domäne Heidau vereinzelt an die ärmern Bewohner Altmorschens zur Benutzung abgegeben werden mögten, der Staatsregierung sowie der Ständeversammlung wiederholt ans Herz legen, da wir nicht zweifeln, daß die weitläufigen Gebäude nebst dem großen Garten zu einer Irren-Heilanstalt sich leicht Herstellen lassen.
Der Gemeinderath.
Lessing gibt irgendwo folgenden Trost:
Wenn Dich die Lästerzunge sticht,
So laß es Dir zum Troste sagen;
Die schlechtsten Früchte sind es nicht,
Woran die Wespen nagen. —
Indessen fragt doch der allgemeine Unwille: Besitzt denn unsere, sonst so thätige und umsichtige Staatsregierung nicht Kraft genug, dem Unwesen eines Jnsects zu steuern? Wird das Justizministerim nicht bald strafend und das Ministerium des Innern nicht schützend einschreiten?*)
Aus der Provinz. ch.
*) Es gingen uns oft und gehen uns mehr und mehr solche Anfragen und Aufforderungen zu. Wir können aber das bisherige Verfahren der Regierung nur billigen. Die Staatsgewalt muß großartiger daste- hcn und handeln, al« daß sie sich mit „Jnsecten" umherschlagen kann; Privaten aber bleibt es ja unbenommen, die Gerichte anzurufen, wenn sie es der Mühe werth halten. Ist der „Unwille" wirklich „allgemein", so wird dieser Unwille der beste Schutz und die wirksamste Strafe sein. Wehe dem Volke, das nicht sittliche Kraft genug hat, die Auswüchse und Verirrungen der Freiheit, namentlich der Preßfreiheit, durch die Gewalt der öffentliche» Meinung, durch die Macht der öffentlichen Verwerfung, zn beseitigen oder unschädlich zu machen. Aum. der Red.