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sachlich bis Verbesserung brr Lagt mittelloser Dezirksgenoffen ist, haben von dem General von Wrangel die Erlaubniß zur Wiedereröffnung ihrer Berathungen erbeten. Diese Erlaubniß ist ihnen jetzt von dem Polizeipräsidenten ertheilt. Merkwürdig ist hierbei die Erklärung dieses Beamten: er werde den Vereinen volles Vertrauen schenken, jede Absicht einer polizeilichen Überwachung liegt ihm fern, aber — er werde die Vereine sofort schließen lassen, wenn ein Wort von Politik gesprochen werde.
Große Heiterkeit erregt hier das von einem hiesigen Corre- spondenten der Augsb. Allg. Zeit. aufgebundene Mährchen von zwei Guillotinen, die hier verborgen sein sollen. Die Reaction säumt nicht, in Ermangelung aller andern Anzeichen der rothen Republik, die Fabel natürlich in ihrer Weise durch Zeitungsinse- rate auSzubeuten.
Berlin, 10. Dez. Die vor einiger Zeit von Berliner Correspondenzen mitgetheilte Nachricht von einem Projekt, dem Könige von Preußen unter der Bedingung einer Theilung der preußischen Monarchie die Kaiserkrone zu übertragen, wird jetzt angeblich aus sehr guter Quelle mit dem Bemerken wiederholt, daß die Unterhandlungen über« jenen Plan noch immer im Gange seien und im genauesten Zusammenhänge mit der Aufgabe der verschiedenen Abgesandten der Centralgewalt stehen. — Die Con- trerevolution hat, da sie von Gottes Gnaden ist, natürlich auch ihre Wunder und ihre Heiligen. Eine Dame, welche eifrig bemüht ist, für die Soldaten Strümpfe zu schaffen, zeigt alles Ernstes in den öffentlichen Blättern an: es sei ihr von unbekannter Hand mit dem Postzeichen „Potsdam" ein Faden grauer Wolle jugeschickt und dabei bemerkt worden, dieser Faden werde zu Strümpfen für die Garnison ausrcichcn. Wie wunderbar ihr ües auch erschien, so war sie doch der Meinung, daß bei Gott 'ein Ding unmöglich sei. Sie fing an zu wickeln, und obgleich 1 andere Jungfrauen sie in dieser Thätigkeit unterstützten, jo ist wr Faden, der ursprünglich 1 Elle lang war, doch noch nicht zu Ende zewickelt. Der heilige Faden liegt zur Ansicht bereit. Das aus- rwählte Rüstzeug des Herrn, der auf so wunderbarem Wege die Lrangelschen Truppen von Potsdam aus mit Strümpfen ver- chen will, heißt Friederike Knochenhauer. — Der Abgeordnete schramm (für Stricgau) ist, obgleich schon seit 1V2 Jahren mit einer Familie in Berlin ansässig, dennoch gestern polizeilich aus- ewiesen worden. — Die WeihnachtsauèsteUungen sind vom Hrn. . Wrangel nach der heutigen Bekanntmachung des Polizei-Prä- dii gestattet, politische Anspielungen jedoch auf das Strengste ntersagt. Gleichzeitig mit dieser Bekanntmachung der Polizei- chörde annoneirt der bekannte Hr. Held das Etablissement einer polit. Weihnachtsstube" in Mylius Hotel. In dem Programm erden II. a. als Gegenstände der Vorstellungen annoneirt: Vor- rnggemälde nebst Gedicht: von 38 Lappen, der passive Wider- and, die Camarilla, die deutsche Reichèflotte, es giebt keine Re- tion, Monument der Märzerrungenschaften.
Berlin, 10. Dec. Die zukünftige deutsche Centralgewalt id das persönliche Verhältniß der preußischen Krone zu m Repräsentanten dieser Centralgewalt bildet noch immer einen rvorragenden Gegenstand der Berathungen an unsern und ande- a deutschen Höfen. Namentlich hängt die letzte Anwesenheit s Prinzen Karl von Baiern innig mit dieser Angelegenheit zu- mmen. Einmal nämlich steht es ziemlich fest, daß Baiern po- iven Einspruch gegen die Verleihung der deutschen Kaiserkrone das Haus Hohenzollern erhoben hat. Wem die halb offi- llen Artikel des Nürnberger Correspondenten über se bairische Opposition gegen Preußen noch nicht völlige Ge- ßheit gegeben haben, der kann dieselbe aus dem bissigen Artikel öpfen, welchen heute Morgen das mit Gagern in ziemlich gem Parteizusammenhang stehende Organ unsers rechten Cen- ms, die deutsche Reform, gegen das oben erwähnte baie- He Blatt bringt. Andererseits wird uns aus sehr achtbarer aelle berichtet, die Anwesenheit des Prinzen Carl von Baiern se auch den Zweck gehabt, den preußischen Hof zu bewegen, i er seine Einwilligung darein gebe, bei der nächstens unver- dlich eintretenden Abdankung des Reichsverwesens Erzherzog )ann, den genannten baierischen Prinzen an dessen Stelle tre- zu lassen. Preußischer Seits ist dies entschieden abgelehnt iten. Man verfolgt vielmehr von Seiten unseres Hofes den in, den Prinzen Carl von Preußen zum Reichsverweser pro-
clamiren zu lassen, falls nicht die baierische Opposition gegen daS preußisch-deutsche Kaiserthum vorher beseitigt werden kann.
Breslau, 8. Dec. (Bresl. Ztg.) Im Laufe des gestriger» Nachmittags war an den Straßenecken folgendes Plakat zu lesen: Alle braven Preußen illuminiren heute Abend zur Feier der Verfassung. — Das Plakat hatte die Folge, daß sich Abends ein Volkshaufen an der politischen Kornecke zusammenthat, und von da aus Streifzüge unternahm, um etwaige illuminirte Fenster einzuwerfen. Diese Bubenstreiche wurden dann in der That auch an den wenigen beleuchteten Fenstern ausgeübt, und es mußte daher rin Bataillon Bürgerwehr allarmirt werden. Die Ruh^ der Stadt wurde weiter nicht gestört.
Die hiesige akademische Legion ist zufolge eines Mini- sterialbeschlussts, welcher in Gemäßheit des Bürgerwehrge- setzes vom 17. Oct ober die Auflösung aller neben der Bürgerwehr bestehenden bewaffneten Corps befiehlt, entwaffnet worden. Die Studirenden wollen sich in die Bürgerwehr einreihen lassen. Ein Anschlag des Senats publicirt die Aufhebung des Kollegien- zwanges, doch werden die Studirenden auf die Anforderungen der Prüfungs-Commissionen zur Beachtung bei der Wahl ihrer Kollegien wohlmeinend aufmerksam gemacht.
Oldenburg, 6. Dec. Während draußen im größeren Deutschland Alles, was der Frühling brachte, wieder in Frage gestellt zu sein scheint, während die ursprünglich Laugesinnten, deren Zahlenstärke gerade es war, was der Reaction den Muth lieh, rathlos umherblicken und muthlos die Fahne verlassen möchten, fährt unser Landtag fort, berufstreu und unbeirrt das von Fürst und Volk ihm aufgetragene Verfassungswerk seinem Ende zuzuführen. Ertravaganzen, wie der Antrag auf Aufhebung aller Avelstitel, sind auch bei der Berathung abgewiesen, und der Art. 55, welcher von Aufhebung der gutsherrlichen Rechte handelt, und welcher bei der ersten Berathung zu tief in die bestehenden Vertragsrechte eingegriffen hatte, hat eine zweckmäßigere Gestalt genommen. Der Ausschuß brachte einen billigen Mittelweg in Vorschlag , um den Grundrechten Genüge zu thun und zugleich „Frieden und Versöhnung herzustellen mit denjenigen, die durch das Verhältuiß ihres Grundbesitzes den geschichtlichen Beruf hatten, Führer und Vertreter, Rath und Schutz der sie umwohnenden kleineren Grundbesitzer zu sein, und die, nach Beseitigung auâgearteter Standesvorzüge, nach Lösung und Sühne aller die freie Entwickelung fremden Wohlstandes bedrückenden Rechtsübergriffe, die Kraft ihrer Stellung in Staat und Gemeinde nur aus Frieden und Gemeinsamkeit mit den ihre Güter Umwohnenden wiedergewinnen können und werden." Der Landtag entschied sich im Wesentlichen für die neuen Vorschläge des Ausschusses. Daß nicht schon im Jahre 1830 ein zeitgemäßes Ablösungsgesetz, welches fertig lag, erlassen wurde, ist Schuld des Staats. Wo der Staat selbst Gutsherrschaft ist, werden daher alle seit 1830 geschlossenen Ablösungsverträge revidirt und nach dem damals in den Gesetzen anderer Länder üblichen Fuße des 25fachen Ertrages reducirt. Die mit Privatgutsherrn geschlossenen Verträge bleiben in Kraft, mit alleiniger Ausnahme einiger zum Theil aus der persönlichen Leibeigenschaft abgeleiteten Leistungen, für welche gar keine Entschädigung hätte berechnet werden sollen. Nach einer durch das Gesetz bestimmten Tare wird das anzunehmende Aequivalent dieser Leistungen an den in Capital oder Renten noch ausstehenden Ablösungen abgezogen, wo der Vertrag durch Zahlung bereits ganz erfüllt ist, übernimmt der Staat die Zurückzahlung an die Pflichtigen, was nur eine geringe Summe betragen wird. Hinsichtlich aller anderen noch bestehenden gutsherrlichen Leistungen und aller Zehnten bleibt es bei dem früheren Beschlusse der Aufhebung gegen Entschädigung zum 16fachen Jahresertrage.
Außer der Fortsetzung der zweiten Berathung liegen dem Landtage dann nur noch wenige Berathungsgegenstände vor, und er wird in reichlich 8 Tagen sein Geschäft beendigen können, wenn bis dahin über Suspensivveto, Domänen und Civilliste die zustimmende Erklärung der Staatsregierung eingegangen sein wird. Daß diese erfolge, wollen wir zum Heil des Landes um so zn- versichtlicher hoffen, als jedem Oldenburger ein ernster Konflikt zwischen Fürst und Volk zu den undenkbaren Dingen gehört.
Rendsburg, 8. Dec. Seit dem 5. d. ist die Ruh« durchaus ungestört geblieben. Das Zeughaus, wo die Gesänge-