Einzelbild herunterladen
 
  

— 1436 —

habe, man doch in Gesprächen deutlich bemrrfen konnte, was in Oesterreich so sehr gegen Deutschland einnahm — ich muß sagen, daß eS Vieles war, was von der linken Seite ausgegangen war, gerade auch die Proteste jener Linken in Wien, die gegen die hiesige Linke gingen, und die durchaus darauf bestanden, daß nichts in Oesterreich angenommen werden sollte ohne ihre Ralifi- cation. Das aber soll nun unsere Centralgewalt verschuldet ha­ben. sVravo von der Rechten.) Die Linke hatte den Minister Pillersdorf interpellirt und sich besriedigt, als er sagte, es solle nichts ohne ihr, Zustimmung angenommen werden. Die Inter­pellation war an den liberalsten aller Minister gerichtet, und die DersammUing gab sich mit der Beantwortung zufrieden. Dann waren es noch andere Elemente, die sehr gegen Deutschland ein- «ahmrn; es waren dieß die ewigen Schmähungen der Fürsten, die ewigen Schmähungen der Oesterreicher, nementlich auch gegen die österreichischen Slaven von dieser Tribüne herab; Schmähun­gen, wie sie im englischen Parlamente nie gegen einen Staat vorgekommen sind.

Schwarzgelb geht jedem Oesterreicher ans Herz, und heute noch hat man diese Farben verspotten hören. Daß drei Mit­glieder unseres Reichstages mit deutscher Farbe sich an die Spitze des dortigen Aufruhrs gegen den Kaiser stellen, — glauben Sie, das hätte für unseren Reichstag eine große Vorliebe erweckt und für uns, seine Deputation; glauben Sic, meine Herren, daß diese angedichten scharfen Maßregeln des 'Angriffs, die neulich gegen die Slaven ergriffen worden sind, diese sehr bedeutende und ein- siußreiche Partei günstig gestimmt haben? (Unruhe.)

Die ausgezeichneten Männer der slavischen Partei in der Versammlung haben mit den Zähnen geknirscht bei der Verhandlung, als man sich nicht einmal damit zufrieden gab, daß für den Nothfall baierische und andere Truppen consignirt würden, sondern daß sogleich nach Böhmen der Einmarsch gefordert werde, um dir rebellischen Slaven zur Ordnung zu bringen, ein Antrag eines Oesterreichers, der mit großer Mühe beseitigt worben ist. Meine Herren! Denken Sie nicht, daß Völker, die Jahrtausende lang ihre selbstständige Existenz behaupten, cs dulden, wenn von hier aus, wie man sich ausdrückte, von dem Redeübungs- Vereine in Frankfurt, immer solche heftige Worte gegen sie geschleudert werden? Man hat gesagt, man will uns von Frankfurt aus despotisiren, und wir lassen uns nicht despo- tisiren. Leider hat man nur allzu viel Gewicht auf solche ein­zelne Aeußerungen gelegt, und oftmals habe ich in Oesterreich gebeten: lesen Sie nur um GotteswiUrn die stenographischen Be­richte und die Beschlüsse der Versammlung, worin sich die Ma­jorität ausspricht, so werden Sie solche Angriffe nicht finden, sondern eine ruhige, besonnene, mäßige Politik. Sie zwingen mich, auf einen andern Punkt rinzugehen, der in dieser Sache entscheidend war, der aber sehr geeignet ist, ein milderes Urtheil über die österreichische Regierung und ihr Verhältniß zur Cen- iralgcwali zu begründen, wenn es auch für einen einzelnen Mann Ihr Mißtrauen erregen sollte. Fürst Aindischgrätz hat allerdings so sehr uns gegenüber sich als ein zweiter Wallenstein dargestellt; er ist ein Nachfolger von Wallenstein, und hat, ob­wohl in gcbilkeieu milden Formen, doch entschieden seine Macht als Feldherr geltend gemacht mit den Worten: „Eine Einmischung ist unmöglich, mein eigner Kaiser kann das nicht" (Unruhe), ich habe nicht das constituNonellc System Oesterreichs zu vertheidigen und nur eine Thatsache aufzuklären. Wenn Sie die Geschichte der Prager Ereignisse kennen, so werden Sie wissen, daß damals der Füist in seinen Operationen zwei- dreimal durch Gegenin- struciionen vom Hofe aus gehindert wurde. Es war also we­nigstens sehr begreiflich, daß dieser Mann sich unbedingte Voll­macht geben ließ, um die große und schwierige Aufgabe lösen zu können. Es scheint, man hat sie ihm gegeben, und er hat schon damals in Olmütz gewußt, daß Retchsccmulissäre abgesendet wä­ren, und wahrscheinlich auch dagegen sich geschützt, und in der großen Noth, in der Oesterreich war, — die Krone stand auf dem Spiele, — hat man ihm dies, Vollmacht gegeben, und man war in sichtbarer Verlegenheit, als man theilweise die Vollmacht verändern und mildern wollte und es auch endlich nach unserem behältlichen Bemühen, wenigstens dem Wesen nach, wirklich that. Dann aber, meine Herren, will ich Ihnen sagen, daß unsere Be­

mühungen nicht wirkungslos waren; denn nach und nach hat der FeldmarschaU seine sehr harten, grausamen Bedingungen eine nach der andern gemildert oder zurückgenommen. Statt 24 Stun- den, wie er feierlich proclamirt hatte, bewilligte er neue 24 Stun­den , und als die Vorstadt Jägerzeil erstürmt, erklärte er mit Schmerz, mitten im Siege innezuhalten, und er gab neue 24 Stunden; und dann schloß er die Capitulation, worin alle schimpf­lichen Bedingungen gestrichen sind. Keine Herausgabe unbestimm­ter Personen, der Anführer der Legion, nicht die der 12 Geiseln, nicht das ausdrückliche Zugeständnis) der Aufhebung der Preßfrei­heit und des Vereinsrechtes, sondern hier in der Oberpostamts- Zeitung haben Sie die ofstciellen Worte aus dem Hauptquartier des Fürsten: einfach nur Waffenniederlage, Einzug der Truppen und Belagerungszustand halten die Wiener zuzugestehen. So war die Capitulation abgeschlossen, und als in Folge der Capi­tulation der Fürst sein Heer friedlich in die Stadt wollte einru- cken lassen, da wurde er mit Kartätschen empfangen, und der Waffenstillstand war gebrochen. (Hört! Hort!) Meine Herren! - Diese Milderung hatten wir erivirkt, wir sind nicht Schuld daran, daß sie nicht zur Ausführung kam. (Hört! Hört!) Meine Herren! Es ist schwer, sich mit Gleichmuth auszusprechen bei den Beschul­digungen, wir hätten auch etwas bei den späteren, nach diesem schauerlichen Capitulationsbruch erfolgten Greueln verschuldet/ die im Zorne von den stürmenden Soldaten begangen wur­den. Für diese Unbilden und Greuel sollen wir ver­antwortlich sein? Gar vielleicht auch für das bekannte

traurige Ereigniß, das dabei hintennach erfolgte? Meine Herren! Wir sollten, wie unsere Instruction sagte, dahin wirken, daß der Bürgerkrieg ein Ende nehme; wir sollten aber nicht eine fortdauernde Controlle über den gesetzlichen Zu­stand in Oesterreich bilden; da hätte man uns nicht wählen können, weil wir andere amtliche Geschäfte hatten. ES war eine vorübergehende Mission, auf bestimmte Punkte beschränkt, und als die Capitulation abgeschlossen war, und noch nicht gebrochen, da mußten wir denken, jetzt ist nach den wiederholten friedlichen Proklamationen des Kaisers Alles gethan , was geschehen konnte, r Hätte uns die österreichische Regierung den Auftrag gegeben, mil­dere Bedingungen zuzusichern, hätte sie und auf diese Weise nach Wien geschickt, wir würden hingegangen sein; aber, meine Herren, wollen Sie die Reichsgewalt so herabsetzen, daß wir ohne dies nach Wien gehen sollten zu dem Fürsten, der uns nicht anerken­nen wollte; sollten wir das Ansehen der Reichsgewalt auf den Straßen preisgeben, wenn man uns nicht hörte? lind sicherlich, der FeldmarschaU würde uns doch bei jenem beklagenswerthen Ereigniß nicht besser gehört haben, als den sächsischen Gesandten und den mit Oesterreich so sehr befreundeten sächsischen Hof, mit den Verwendungen, die zu Gunsten Blum's von Dresden am 3.E abgegangen, am 4. in Wien sein mußten? Meine Herren! Sie konnten nicht erwarten, daß wir mehr wirkten; wir konnten und durften uns nicht herabwürdigen ; denn wir mußten entweder ein- ftimmen in die maßlosen Bedingungen des Fürsten Windischgrätz, und wenn wir nach Wien gekommen wären, sagen: „unterwerft Euch", obgleich man den Wienern gesagt hätte: „Ihr sollet die schimpflichen Bedingungen erfüllen und eure Genossen und Anführe, ausliefern?" — meine Herren! Wir konnten das nicht im Na­men und zur Ehre der Centralgewalt — oder sollten wir unè selbst auf die Barrikaden stellen? Das konnten wir auch nicht. Wir haben, da wo es gefährlich war, tagtäglich gebeten, nach Wien gehen zu können, aber es ist nicht möglich gewesen. Vollends aber konnten wir es nicht ahnen, daß nach der geschlos­senen und gebrochenen Capitulation noch Abgeordnete in Wier waren. Sie können uns, weiß Gott, doch nicht verantwortlich machen, daß wir nicht wußten, daß Mitglieder der. Versammlung noch zuletzt auf den Barrikaden kämpften. Sollten Sie jeden Abgeordneten, der irgendwo bei einem Aufruhre sich betheiliger will, für jede denkbare Gefahr seines Unternehmens Schutz mit­geben wollen, dann müßten Sie Jedem, der von hier weggehh um Aufruhr zu machen, zum Schutze Reichs-Commiffäre mitgeben dann werden Sie wirksam schützen. (Aus der Linken: Ohs Meine Herren! Ich weise mit Indignatiou jede Beschuldigung dieser Art zurück; ich glaube, sie ist ebenso verkehrt, als die geget unseren edlcn Herrn Präsidenten. Meine Herren! Gott sol