Beilage zu 9t r. 196 der Neuen Hessische« Aeitung.
Welckers Bericht
über die Sendung der Reichskommissäre nach Oesterreich (erstattet vor der deutschen Nationalversammlung in der Sitzung vom
29. v. M.j.
' (Schluß.)
Meine Herren! Wir waren nicht Regenten Oesterreichs, wir konnten vol vor Deutschland und vor der europäischen Welt die Erklärung der »estchenden Behörden und ihre Zusicherung herausbringen, aber mehr richt; wir hatten weder Büttel, noch eine Armee. In Beziehung auf ne Milderung, meine Herren, muß ich Sic nur verweisen auf unsere Depeschen; Sie werden darin das wärmste Anliegen sehen, diese Mildc- ung und wo möglich eine unblutige Beilegung herbeizuführen ; die Argumente, wie wir sie dem Fürsten Windischgrätz sagten, und >ei Wessenberg vorbrachten, waren, daß das Recht und die eigene Ihre der betreffenden Personen diese Milderung forderten, daß ede Härte das Verhältniß gegen Deutschland compromittiren Md stören würde; wir sagten, daß sie den Unruhestiftern Wasen in die Hand geben, und ihr eigenes Werk nicht bloß belecken , sondern mehr oder minder wirkungslos machen, und Niss Neue zum Aufruhr aufreizen würden, weswegen ja auch o Viele sich freuen über die Barbareien, die vorgekommen sind. Dir haben auch die stärksten Argumente für die Wiener gebraucht mb außer der allgemeinen Hinweisung auf die Nothwendigkeit ines friedlichen und gesetzlichen Zustandes auch sie erinnert, — mb das hat man auch verspotten wollen, — daß die Engländer ls ein Motiv ihrer gesetzlichen Zustände den Schutz ihres Eigcn- hums und Wohlstandes, und ihres glücklichen Lebens ansehen und oben sie erinnert, sie sollen nicht ihre Stadt und ihr Land der Verwüstung aussctzcn, sie sollten sich an das Lebensglück und an en Wohlstand des früher so blühenden Wiens erinnern. Meine Herren! Ich weiß nicht, wie es möglich ist, daß Leute, die den Nenschen allen Glauben an das Jenseits und seine Seligkeit zer° tören wollen, es angreifen, wenn man sagt: „Macht doch euere Lachen so, daß ihr im Diesseits glücklich seid!" (Beifall auf der fechten ) Freilich gibt es eine gewisse Partei , die eine Freude at an jedem solchen blutigen Schauspiel, wenn eine Stadt nach er andern, wie leider in Oesterreich, in Krakau, in Prag, Lein- erg und Wien bombardirt und in den Belagerungszustand erklärt irb, wenn Strome von Blut fließen. Ich aber sage, sie arbeiten erade der Zerstörung der Freiheit in die Hand, denn die Leute »erden allmälig so verständig, daß sie diese Volköbeglücker nicht ir Volksbeglücker halten. Aus dem soeben in Belagerungszu- and erklärten Düsseldorf kam einer der ersten Briefe mit den Sorten hierher: „Gottlob, wir sind in Belagerungszustand!" — ’O weit bringen es diese neuen Volksbeglücker, Städte in Asche nd ihr Werk und ihre Freude! — Meine Herren! Ich soll mich ich wohl vertheidigen, daß Wir die Würde der Centralgewalt ld des ganzen deutschen Reichs bei dem Feldmarschall und bei M Minister Wessenberg besser hätten vertreten sollen. Meine errett! Man hat da sich wieder auf einen kleinen Ausdruck be- gen, und aus diesem das Gift gesogen; wenn Sie die Aktenacke vergleichen, so sehen Sie, daß wir im Namen der Reichs- walt Frieden geboten haben, daß wir mit dieser offiziellen Er- arung schriftlich an den Minister Wessenberg und an den Fürsten jindischgrätz gingen; wir haben, nachdem sie die Abschriften be- its in Händen hatten, unsere Vollmacht, um ihnen den Rechts- mft klar zu machen, die offizielle Vollmacht übergeben oder anboten , um zu zeigen, daß es sich um ein Rechtsverhältniß mb[e; wir haben sie dringlich und bei dem Frieden mit Deutsch- nd aufgefordert, und sie verantwortlich gemacht, und ich leugne e infame nichtswürdige Lüge, als hätten wir zu Fürst Windisch- rätz die Aeußerung gemacht: „Er könne es in Gottes Namen achen, wie er wolle, wir hätten nur unsere Pflicht thun wollen." keine Herren ! Wir hatten Wessenberg zu einer Zeit, wo es ge- hrlicher war in Wien zu sein, jeden Tag, jede Stunde dringend, ld absichtlich auch wiederholt schriftlich aufgefordert, uns nach ton zu senden, um dort eine Vermittlung versuchen, die aber cht möglich war mit den Bedingungen, die Windisch-Grâtz geben hatte. Als wir nun bei diesen dringenden Aufforderungen .8 Wort brauchten: „Wir ersuchen Sie", noch einmal dringend ie aufmerksam machend auf die Verhältnisse, auf Ihre Pflicht und
den staatsmännischen Gesichtspunkt, sagt man „Sie sprachen bittend " Meine Herren! Die Reichsminister hatten Leute von Erziehung nach Wien gesandt, diese sprechen im Tone der Erziehung, wo sie nicht losschlagen wollen und können, und wenn ich einen Schuldner habe, der mir zahlen soll und mir gegenüber sogar rechtlich verbunden ist zu zahlen, so sage ich doch: „Ich ersuche Sie, mir bald zu zahlen, was Sie mir schuldig sind;" ich habe aber nicht geglaubt, daß die Argumente, die wir den bestimmten Behörden gaben, noch eines Weiteren bedürfen, als die Argumente selbst; wir brauchten keinen unanständigen und unhöflichen To« anzuwenden, aber Eines, meine Herren , haben wir freilich nicht gethan, wir haben den Fürsten Windischgrätz nicht abgesetzt . . . (große Heiterkeit), wir lieben nicht große Worte, wo die Kräfte dazu fehlen, wir waren nur zwei Manner ohne Waffen, Sie sind, glaube ich, hier Fünfhundert-, wir haben Ihnen nichts vergeben, wir haben dem Fürsten Windischgrätz nichts verziehen, und ihn zuletzt dringend verantwortlich gemacht, — wenn Sie ihn abgesetzt haben wollen, so setzen Sie ihn doch noch ab! (Große Heiterkeit in der Versammlung.) Meine Herren! Wir hatten auch noch eine gewisse andere Rücksicht als die, daß wir nichts Wirkungsloses thun wollten, keine groben, tollen Phrasen machen, denen wir feine Realität geben konnten, — denn die zerstöre« alle Wirksamkeit eines unterhandelnden Ministeriums und der unterhandelnden Gesandten, — wir hatten auch noch eine gewisse andere Rücksicht, als die, uns nicht lächerlich zu machen. DaS war die: Uns ist das gute Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland eine heilige Angelegenheit. Wir wollten nicht durch Bra- vaden, leere Phrasen und Beleidigungen dieses Verhältniß stören. (Bravo auf der Rechten.) Wir haben dem Reichsministerium und der Reichsversammlung Alles in Händen gelassen. Eine Armee hatten wir nicht und konnten sie nicht kommandiren. Sie können ja Alles, was Sic etwa für gut und möglich halten, noch jetzt thun. Nur die Argumente haben wir gebraucht, die wir brauchen konnten, und die damals für unsern Zweck wirksam waren : die moralische Kraft des Rechts und die Verantwortlichkeit, die sich an die Verletzung des Rechts knüpft. Ich muß dann auch noch sagen, und das halte ich für meine heilige Pflicht, damit das Verhältniß von Oesterreich zu Deutschland durch diese unglückliche Sache nicht weiter getrübt werde, als es die unvermeidliche Folge der Ereignisse ist: der Fürst Windischgrätz, ber konstitutionelle Kaiser in seiner Rede und der Minister Wessenberg, sie kamen uns mit einem Rechtssatze entgegen. Ich habe schon gesagt, daß man uns nicht schimpflich zurückgewiesen hat. Es wird Ihre Aufgabe sein, diesen Nechtssatz zu würdigen. ES war bei diesen Männern der erste entscheidende Gedanke, den sie aussprachen, der, daß sie sagten: „Meine Herren, wir sind im Stande, selbst die Ordnung in unserem Staate herzustellen , wir haben 80,000 Mann vor Wien, und wenn ein Staat selbst die Ordnung bei sich wiederherstellen kann, so darf nach dem amerikanischen und schweizerischen Bundesstaatsrechtc die allgemeine Gewalt ohne Anrufen des Staates selbst sich nicht einmischen. Nach der deutschen Bundesakte ist es ebenfalls ausdrücklich ausgesprochen, daß dies nur geschehen kann, wo die einzelne Regierung notorisch unfähig zu dieser Herstellung ist. Meine Herren! Es sagen nun auch die Centralgesetze nicht ausdrücklich etwas Anderes. Ich will aber hier feine Kontroverse führen; aber ich kann es nicht leugnen, daß, da über diesen Punkt nichts Be- stimmtes ausgesprochen ist, dieß auch eine Rechtsansicht war, die man zu erwägen hatte, sie sagten: Wir leiden keine Einmischung in unsere inneren Verhältnisse, weil wir selbst Ruhe und Ordnung herstellen können; uns blieb nur die Beseitigung der Gründe, das Anerbieten unserer Vermittelung und die Bemühungen, die Rücksicht auf die Centralgewalt und die Verhältnisse zu dem Reichsverweser und alle andere obigen Gründe hervorzuheben. Eine staatsrechtliche Diskussion mit dem Felvmarschalt würde nicht weit geführt haben. (Gelächter.) Ich muß nun, um daS ganze Räthsel zu lösen, warum man mit einer gewissen Scheu unsere Einmischung und Vermittelung ansah, — denn ich leugne nicht, daß, obwohl ich in ganz Oesterreich bei den vielen Officieren und Bürgern, die wir sprachen, bei aller männlichen Geradheit doch nur den Ton der Bildung überall in Beziehung auf uns gehört