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Detmold, 29 November. In diesen Tagen hat das Collegium der Stadtverordneten in Lemgo mit 9 Stimmen (die Ausschlagsstimme des Präsidenten mitgerechnet) gegen 8 den Be- chluß gefaßt, die Stadt als r e i ch s u n m i t t e l b a r der deut­schen Nationalversammlung anzutragen und eine Adresse abgefaßt, die Ageordneter Vogt übergeben soll.

Wiesbaden, 4. Dec. Heute sind die Landstände nach Ablauf des Urlaubs zum erstenmal wieder zusammengetreten. Der Reg.-Comm. Vollpracht eröffnete denselben, die Regierung beab­sichtige mehrere Vorschläge der Kammer demnächst zur Berathung und Annahme vorzulegen, wovon ein Gesetz über die Einführung einer neuen Gemeindeordnung und ein Gesetz über das Pensions­wesen der Civilstaatsdiener wie der Offiziere von allgemeinerem Interesse sind.

t Kassel, 12. Dec. Das schon gestern milgetbeilte Er­gebniß der hiesigen Bezirksrathswahl stützt sich auf folgende Ab­stimmungen: 1) Wahl zweier Mitglieder aus der Klasse der wis­senschaftlich Gebildeten; es wählen 31 Wahlmänner; Stimmen- verhältniß wie folgt: für Herrn Ob. A. G. Rath Pfeiffer 30 Stimmen, für Herrn Henkel 12, Herrn Geheimerath Koch 10, Herrn Oberpostmeister Nebelthau 9 und Herrn Ob. G. Anwalt Hahn 1. Da außer Herrn Pfeiffer keiner die erforderliche ab­solute Majorität erlangt hatte, so wurde eine zweite Wahl, wobei relative Majorität genügt, nöthig. Herr Henkel erhielt nun 15 Stimmen, Herr Koch 8, Herr Nebelthau 6 und Herr Hahn 1 Stimme 2) Wahl zweier Mitglieder aus der Klaffe der Land- wirthe und Gutsbesitzer. Es wählten 27 Wahlmänner. Davon sprachen sich 27 Stimmen für Herrn Oekonomen A. Gundelach, 22 für Herrn Waitz von Eschen, 3 für Herrn Oekonomen Wal­lach, 1 für Herrn Partikulier Jaeckel und 1 für den Herrn Ober- forstmeister von der Malsburg aus. 3) Wahl zweier Mitglieder auf der Klasse der Kaufleute und Gewerbtreibenden. Es nahmen daran 29 Wahlmänner Theil; davon stimmten 25 für Herrn Schlossermeister Andr. Boeckell, 25 für Herrn Kaufmann Scheur- mann, 2 für Herrn Schreinermeister Eckell, 2 für Herrn Fabri­kanten Hagelsieb, 1 für Herrn Partikulier Rothfels, 1 für Herrn Schmiedemkister Eysell, 1 für Herrn Schreinermeister Lücken und 1 für Herrn Fabrikanten Eggena Morgen werden die Wahl- männer der Landgerichtsbezirke wählen.

/, Hanau, 9. Dec. Gestern sind die Bezirksräthe für unsere Stadt gewählt worden und das Ergebniß der Wahl ist wider Erwarten ein nicht unbefriedigendes gewesen. Aus der Zahl der wissenschaftlich Gebildeten wurden die beiden Obergerichtsanwälte Blachière und Manns gewählt, beide von anerkannter Tüch­tigkeit des Charakters und gediegener Bildung, ersterer namentlich durch einen seltenen Scharfblick in der Leitung öffentlicher Ge­schäfte ausgezeichnet, wie es sein Wirken als Mitglied des Stadt­rathes, der Ständeversammlung und des Fünfzigerausschusses be­wiesen hat. Aus den Gutsbesitzern und Landwirthen siel die Wahl auf Jacob Eberhard in Kesselstadt und Jacob Will in Bockenheim, aus den Handel- und Gewerbtreibenden auf Lichter­fabrikant Karl Tunger und Kaufmann An ton Pelissier. Der letztere verdankt die auf ihn gefallene Wahl wohl hauptsäch­lich seiner entschieden demokratischen Farbe, indem ein unpartheiisches Urtheil aus unserem zahlreichen und an gediegenen Männern so reichen Handelsstande wohl dem einen oder andern Befähigteren hätte finden können. Hr. Pelissier ist der zeitige Vorsitzende im Volksrathe, einem Institute von rathselhafter Cristen;. Man war allgemein der Ansicht, daß sich diese Behörde oder besser Gesell­schaft, nachdem die tüchtigsten Mitglieder derselben zurückgetreten waren, auflösen würde, statt dessen aber rekrutirte sie sich aus den Reihen der Demokraten und figurirt nun zuweilen in öffentlichen Blättern und Plakaten in einer Weise , die einem großen Theile unsrer Einwohnerschaft gar nicht entspricht. Ein ganz amüsantes Bei­spiel seiner Wirksamkeit sind einige unter Leitung des Volksraths von einer Volksversammlung beschlossene Petitionen an unsre Stände. Wir führen die eine derselben ihrer Originalität wegen an. „Wir petitioniren hierdurch: dieselbe wolle sich für das Recht des preußischen Volkes und seiner Landesversammlung erklären und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verhindern, daß das

Reichsministerium in Ausführung seines Vorsatzes, in Betreff der Steuerverweigerung von der Kurhessischen Regierung unterstützt werde. In der Ueberzeugung, daß diese Petition für sich selbst spreche, haben wir uns aller Motivirung enthalten." Die andere Petition betrifft eine Abänderung der Kriegsartikel und des Fah­neneides. Sie ist mit solchen haarsträubenden Phrasen durchwirkt und mit solcher Gedankenlosigkeit verfaßt, daß es kein vortreff­licheres Mittel gäbe, Jemanden von vornherein gegen die Sache einzunehmen, als wenn man ihm diese Petition zu lesen gäbe, — der politische Verein, dem jene Petitionen zur Unterschrift über­geben wurden, bat dieselbe entschieden abgelehnt. — Ein Seiten-, stück zu dieser Petition ist eine „Adresse an den edlen Bürger Ledru-Rollin" in welcher die Demokraten von Hanau demselben „warm die Rechte drücken, einen großen Bund der Nationen ge­gen die Reaktion" schließen und denselben schließlich bitten „dies, Gedanken, die alle deutschen Demokraten theilten, der hochherzigen Nation, der er angehöre, auszudrücken. Wer das nicht glauben will, der lese die Nrn. 320 und 321 der Hanauer Zeitung, da steht es gedruckt. Schließlich wollen wir noch auf ein bei Fr. König erschienenes Schriftchen „der Kurhessische Landtagsabschied" aufmerksam machen, das, wenn es auch ziemlich oberflächlich ge-- halten ist, doch vieles Beherzigenswert!), enthält und eine allge­meine Beachtung verdient.

Roermond, 2. Dec. Trotzdem die constituirende deutsche Nationalversammlung zu Frankfurt das Herzogthum Limburg als einen unzertrennbaren Theil Deutschlands erklärt hat, haben heute die Wahlverhandlungen der Abgeordneten für die erste und zweite Kammer der Vertreter Limburgs in dem Haag stattgefunden. (A.Z.)

Schweiz.

Der Bundesratb hat Hrn. Dr. Rob. Steiger aus Luzern alc Repräsentanten nach der nördlichen Schweizergrenze abgeordnet um im Sinne des Beschlusses in Betreff der Ausrechthaltung del Neutralität zu wirken.

In Aarau hat der genannte Kommissar alle Anstalten vollkommen befriedigend gefunden und ist am 5. December Mittags nach Liestal und Basel abgereis't.

Italien

In Venedig ist die Ankunft der Franzosen in Civita-Vecchn am 2. d. M. durch Freudensalven gefeiert worden. Nadetzkv ha am 30. November viel schweres Geschütz zur kaiserlichen Arnw nach Padua und Mestre geschickt Es scheint, man will sich gegei allfällige Angriffe der Römer sicher stellen. Die Turiner Radikale! interessiren sich sehr für die deutsche Centralgewalt, die Minister lei der desto weniger. Auf eine Interpellation des Abg. Valerio ü der Sitzung vom 27 November, wie mit der von Schmerling in deutschen Parlamente gegebenen Versicherung, daß sich die deutsch Centralgewalt an den italienischen Verhandlungen betheilige, siü die Erklärung vereinigen lasse, welche der sardinische Minister in Parlamente zu Turin, während der Anwesenheit des Herrn Heckichei gegeben habe: die Regierung habe die Einmischung der deutsche« Centralgewalt in das Vermittlungsgeschäft der beiden Höf nicht zugegeben? antwortete Minister Pinelli: Die Frankfurt, Centralgewalt habe die wohlwollendsten Gesinnungen auch in die ser Sache ausgesprochen und merken lassen, daß auch sie an de Vermittlung Theil zu nehmen wünsche. Indem das Ministeriuv den Dingen anerkenne, welchen die guten Dienste der Frankfurte Reichsversammlung haben könnten, hätte es aber doch nicht zw geben können, daß andere Mächte, als die, welche ihre Vcrmilt lung schon früher angetragen, sich darein mischten. —

Das von Lord Minto gestellte und von den vermittelnde Mächten gut geheißene Ultimatum einer neuen Vereinbarn!! zwischen Neapel und Sicilien bestimmt: 1) eine getrennt' Verwaltung, eine besondere Verfassung, ein aus Inländern bi stehendes See- und Landheer für Sicilien. 2) Vereinigung de beiden Kronen. 3) Werden diese Bedingungen von der eine oder der andern Seite verworfen, so ziehen die Mächte sich zurü und überlassen die Entscheidung dem Waffenglücke. * Der Köni von Neapel hatte bekanntlich früher diese Bedingungen abgelehn Nach der Patria vom 27. Nov. ist der Prinz Joseph Ponialows! rum Ministerrcsidenten von Toscana in Paris ernannt worden.

Betlag