Einzelbild herunterladen
 
  

- 1433 —

gnufrn, und so wir bir Siebe bon Millionen dem Urheber brr Freiheit trë Vaterlandes zu Theil grwoiben ist, werben die spätesten Ge­nerationen , wenn die von der plötzlichen Neugestaltung eines so großen, aus so mannigfaltigen Bestandtheilen zusammengesetzten Staates untrennbaren Wirren längst verklungen find, und der Neubau fest, unerschütterlich dasteht, das Andenken des Gütigsten der Monarchen, dessen schöpferisches „Es werde" die Freiheit und durch sie die Größe und das Glück des Vaterlandes gegründet, mit dankender Verehrung segnen. Wenn die inmitten aller Stürme einer schwer bewegten Zeit unerschütterliche bewährte Treue der uner­meßlichen Mehrheit der Völker Oesterreichs dem väterlichen Herzen Tw. Maj. so wohlthuend waren, wird die Liebe und Dankbarkeit dieser Völker fort und fort die Person des geliebten Kaisers umgeben. Möge der Allmächtige Ew. Maj. zur Freude des Va- lerlandes, in dessen Wohlfahrt und Ruhm Ew. Maj. stets ihr alleiniges Glück erblickten, an der Seite Ihrer Majestät, Höchst- hrer treuen Lebensgefährtin, durch eine lange Reihe von Jahren rhalten. Geruhen Ew. Maj. die durch uns dargebrachte Aeu­ßerung der tiefsten Ergebenheit und dankbarsten Anhänglichkeit, velche der konstituirende Reichstag für Höchstdero Person zu fühlen lie aufhören wird, mit gewohnter Huld entgrgenzunehmen. Krem­er, 2. Dec. 1848. Für den constituirenden Reichstag. Der ßorftanb: Franz Smolka, Präsident. Streit, Schriftführer.

Eure Majestät! Mit freudigen Gefühlen begrüßen wir den tegierungsanlrcll Eurer Majestät. Gestatte» Sie uns, Höchst- >nen unsere ehrerbietigen Glückwünsche darzubringen. Durch die eiwillige Thronentsagung Seiner Majestät Ferdinand 1., Ihres userlichen Oheims, und die Verzichtleistung Höchstihres Vaters uf den konstitutionellen Thron berufen, werden Eure Majestät Ue Ihre Völker mit derselben Liebe und Huld umfassen, wir lllerhöchstdero Vorgänger im Reiche, und wie Er, werden auch ie in dem Vertrauen und der treuen Anhänglichkeit der Bewoh- ?r der Monarchie Entschädigung finden für die Mühen und Sor° n der Regierung. Der Reichstag, durchdrungen von der Wich- jkeit seiner hohen Aufgabe, wird re sich angelegen sein lassen, ne Kräfte unausgesetzt dem großen Verfassungwcrke zu widmen, cd auf diese Welle den Erwartungen Eurer Majestät und der ölter zum Gedeihen des gemeinschaftlichen Vaterlandes zu enl- :echen suchen. Eurer Majestät ist von dem Lenker der Welt- chichte der hohe Beruf beschieden, die von Ferdinand dem Gü- en gewährte Freiheit zu befestigen, gegen alle Wunden der rgangenheit zu heilen. Freie Institutionen sind die festesten ützen des Thrones, und für den Monarchen ist es ein erheben- I Bewußtsein, die Geschicke freier Völker zu lenken. Hoch Utt- constitulicneUer Kaiser Franz Joseph 1.! Kremsier, am 2. cbr. 1848. Für den constituirenden Reichstag. Der Vorstand: anz Smolka, Präsident. Streit, Schriftführer.

Linz, 1. Dez. Wir sind noch immer im buchstäblichen ine überfluthet mit Zeitungsartikeln und Aufrufen gegen die 2 und 3 und werden von allen Seiten gegen Deutschland be­eilet. Unser löbliches Kreisaml läßt mit amtlichen Circularen Protesten und Erklärungen in allen Gemeinden auffordern Geistlichkeit predigt gegen die Gefahren des Anschlusses aus inden der Religion! Demungeachtet wurden in St. Pölten Mölk in Unterösterreich in den letzter» Tagen neue Wahlen Frankfurt vorgenommen, und in St. Pölten der Landesad- t Dr. Prinzinger, ein allgemein höchst geachteter und auch deutsch gesinnter Mann, in Mölk der Geistliche Werner ge­lt. —

Berlin, 6. Decbr. Der preuß. St.-A. enthalt folgende chtigung: Mehre Zeitungen, unter andern die heutige Mag- rger, unterhalten ihr Publikum mit der Wiederanstellung des eren Oberpräsidenten v. Meding und des früheren Ministerial- tors Mathis, sowie von der Beförderung des Polizeidirectors ker auf einen hohen Posten der neu zu organisirenden Poli- Diese Nachrichten sind aus der Luft gegriffen. —

llebrigens deuten verschiedene Zeichen und Winke auf ein vor- zes Verbleiben des Ministeriums Brandenburg im Amte, stheils, heißt es, finde sich nicht leicht ein Ministerium, wel- zur Ausführung der getroffenen Maßregeln bereit fei, andern s wolle man dem folgenden neuen Ministerium vorher eine

Bahn schaffen, so daß es sich sofort im Vertrauen des Landes befestigen könne.

Berlin, 7. Dec. Die Vosfische Zeitung giebt über die aus Freude über die neue Verfassung angeblich in Berlin stattgefundene Beleuchtung folgende sehr dunkel gehaltene Notiz, welche ihrer­seits freilich ganz dem zweifelhaften Zwielicht entspricht, in der sich die Vosfische Zeitung immerdar der dominirenden Partei gegen­über befindet. Es heißt nämlich: Vorgestern war die Stadt in der Freude über die verliehene Verfassung teilweise beleuchtet. Vormittags zeigte sich eine sehr allgemeine Stimmung dafür, indeß wie immer bei dergleichen Anlässen, ist das gemeinsame Handeln schwer zu erreichen. Viele wurden durch das jüngst er­lassene Verbot (wegen des Belagerungszustandes) zurückgehalten, andere hätten sich gern angeschlossen, wollten aber nicht beginnen. So kam es, daß die Beleuchtung der Häuser nur in einzelnen Theilen der Stadt geschah, in anderen gar nicht stattfand.

Berlin, 8. Dec. Während die „Neue preuß. Ztg." über die Erträge der freiwilligen Anleihe erfreut die Versicherung giebt, daß dieselbe eine Zwangsanleihe überflüssig machen werden, heißt es von einer andern Seite, daß das im Laufe des Jahres ent­standene Deficit sich auf mehr als 20 Millionen Thaler belaufe. Um eine richterliche Entscheidung über die Gesetzmäßigkeit der von Hrn. von Wrangel gegen mehre Blätter verfügten Suspension her- beizuführen, hat der bekannte Stieber einen eigenthümlichen, in unserem Civilproceßversahren vollkommen begründeten Weg ein= geschlagen. Er klagt alö Abonnent des „Publicisten" gegen den Herausgeber dieses Blattes, den Criminalactuar Thiele, wegen Lieferung der rückständigen und künftigen Nummern. Erachtet das Gericht die Wrangel'sche Maßregel für ungesetzmäßig, so muß es Hru. Thiele verurtheilen. Mit diesem Urtheile ist dann auch der Belagerungszustand in allen seinen Consequenzen gerichtet, freilich aber noch nicht aufgehoben.

Der Finanzminister zeigt an, daß die von einer Fraktion der Nationalversammlung ausgesprochene Steuerverweigerung nur an wenigen Orten eine ganz kurze Stockung nach sich gezogen habe. Manche Patrioten hätten dagegen mit der uneigennützigsten Hoch­herzigkeit ihr gesammtes Vermögen dem Staat zur Verfügung gestellt, die Staatskasse sei aber in der Lage, diese Opfer ableh­nen zu können, gleichwohl halte es der Minister für eine mit Freudigkeit zu erfüllende Pflicht, den hohen Werth der gemachten Anerbietungen öffentlich dankend anzuerkennen.

Posen, 4. December. General Schäfer hat unsere Pro­vinz bereits wieder verlassen. Als derselbe von Bromberg nach Berlin zurückreiste, wurde im Wirsitzer Kreise ein Mordanfall auf ihn gemacht. Aus einem Gebüsch sprangen 4 Männer auf sei­nen Wagen zu; nur der Schnelligkeit seiner Pferde und dem Zu­fall, daß andere Wagen in demselben Augenblicke desselben Weges kamen, ist es zu verdanken, daß nicht durch den Fanatismus der Partei, die es niemals mit Deutschland ehrlich meinen wird, ein Verbrechen an dem Beamten der deutschen Centralgewalt ge­schehen ist.

Rendsburg, 6. Dec. Es ist gestern eine Militaircom- misston hier angelangt, bestehend aus Generalmajor Krohn, Prinz Waldemar, Oberstlieutenant Zastrow und andern, um eine Unter­suchung wegen der durch die Pionier - Compagnie gegen General v. Bonin veröffentlichten Erklärung einzuleiten. Würtemberger, Hessen und unser zweites Bataillon waren aufmarschirt, um die Compagnie zu zwingen, falls sie sich sträuben sollte. Die Ent­waffnung ist indeß gestern ohne Widerstand vor sich gegangen. Tobende Gruppen umgaben das Zeughaus und verlangten die Freilassung der Pioniere, wurden aber, als sie mit Steinen zu werfen begannen, mit dem Bajonnet auseinander getrieben, worauf die Ruhe hergesteUt ward.

Anderen Nachrichten zufolge ist die Ruhe nicht so schnell wie­der hergestellt werben, vielmehr ist die badisch- Besatzung von Flensburg und das 6. Bataillon von Kiel zu Hülfe gerufen, um den Aufstand zu dämpfen. Der Börsenhalle zufolge solle in Folge dieser Zerwürfnisse , Verwickelungen und Untersuchungen, eine Dislocation aller Truppen in Aussicht stehen, hannoversche, Bremer und Lübecker Truppen werden nach Schleswig - Holstein verlegt.