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Klagenfurt, 23. Nov. Der Landtagsauöschuß hat der Aufforderung Oberösterrrichs zur Beschickung einer Besprechung über gemeinschaftliche Angelegenheiten und über das Verhältniß yl Deutschland nachgegeben und Klagenfurt als VersammluNgs- ort vorgeschlagen. Tyrol ist ebenfalls darauf eingegangen, und so werden Tyrol, Salzburg, Oberösterreich, Sleyermark, Kärn- - then eine Art Liga, den slavischen Provinzen gegenüber, zu bilden suchen. Niederösterreich und Mähren werden zur Mitwirkung ringt laben . Alle werden eine föderative Constituirung Oester­reichs begehren; vielleicht giebt sich dann noch ein Mittel des innigen Anschlusses an Deutschland; wenn nicht, so warten wir ruf die Zeiten, wo ganz Mitteleuropa an einer neuen Föderation Theil nehmen kann. Man ist begierig, was unser Reichstag thun wird; das Frankfurter Parlament hat wenig Sympathien, allein die den sche Sache selbst ist nicht erkaltet.

Berlin, 7. Dezember. Seitens des Regierungspräsidiums zu Potsdam ist nachstehende Ansprache an die Kreis - Landräthe und Magistrate des Verwaltungsbezirks erlassen worden. „Wir find in der innern Geschichte der innern politischen Zustände un­seres Vaterlandes abermals an einem Wendepunkte angelangt. Die in der vergangenen Woche im Dome zu Brandenburg stall- zehabten Ereignisse haben der StaatSregierung die Ueberzeugung »ufgedräugt, daß mit dieser Versammlung von Volksvertretern ine Vereinbarung der von dem Lande heißersehnten Verfassung ur Unmöglichkeit geworden war. Nicht der Widerstand, welchen ine große Anzahl derselben der von der Krone in der wohl- ueinenden Absicht, die Versammlung dem Terrorismus aufgeregter Volksmassen zu entziehen, ihr die freie Verfügungsfähigkeit wieder- ugcben, beschlossene Verlegung des Berathungssitzes entgegensetzte, richt das Forttagen der von Konvenlsgclüsten ergriffenen, in Ber- in zurückgebliebenen Fraktion, nicht jener das Vaterland an den Übgrund des Verderbens führende Beschluß der Steuerverweige- ung, nicht die von jener Partei planmäßig genährten Wühlereien >nd Aufregungen des Volkes, vermochten die Krone wankend ju rachen in ihrem früheren Entschlusse, in freier Vereinigung mit er Nation den Bau der Freiheit im Lande aufzurichten. Erst ann gab sie ihre Hoffnung auf, al? jene Versammlung, zerrissen on der Leidenschaft der Parteien und ihren Beruf, dem Lande ,rieten und Eintracht wieder zu geben im gemeinsamen Wirken lil der Krone, vergessend, das Schauspiel ihrer eigenen Entwür- igung durch die Scenen der ersten Tage dieses Monats auf» ihrte, als auch das Volk in bitterer Täuschung das Grab seiner wffuungcn sich schließen sah. — So hatte die Nationalversamm- mg selbst die Staatsregierung auf die Bahn hingedrängt, welche r, das Wohl des Volkes im Auge, allein zu betreten übrig ieb. Ihre Auflösung war zur uuabweislichen Nothwendigkeit eworden. Aber es theilte sich jene Bahn in zwei Wege, auf nen das Ziel zu erreichen war: Einberufung einer andern Ver- etung und der Versuch einer Einigung mit dieser, oder Ver- chung einer Staatsverfassung. Es soll die Möglichkeit nicht 'geleugnet werden, daß auch der erstere zu einem gedeihlichen esultate hätte führen können; die Nation war vorgeschritten in rer politischen Bildung, sie würde sich bei den Neuwahlen Ver- genwärtigt haben, daß zur Erfüllung der Anforderungen an ren Abgeordneten nicht bloß eine gegen das frühere System ge- ltene Opposition, gleichgültig, ob eine begründete oder unbegrün- te, oder das Versprechen einer Verbesserung der materiellen Lage nügte; sie würde vielleicht geeignetere Persönlichkeiten der Krone gkuübergestclll haben. Allein es würden wiederum viele Wochen das Land gegangen sein, ehe ein geregelter Zustand Raum Wonnen hätte; die Quellen des Wohlstandes — Handel und ewerbe wären verstopft geblieben oder nur trübe geflossen, ib die Wunde, welche dem Lande geschlagen war, wäre von der artei der Anarchie immer von Neuem wieder aufgerissen wor- n. — Eine schnelle und sichere Heilung war auf diesem Wege cht zu erreichen. Durchdrungen von dem Wunsche, dem Lande Segnungen des innern Friedens wieder zu geben, hat die one den anderen betreten und eine Verfassung gegeben, in wel- r den Forderungen der Zeit Rechnung getragen ist, und welche mäßigten Ansprüchen überall Genüge geleistet. Sie wird den weis liefern, daß die Staatsregierung mit dem Geiste der Zeit Einklänge vorwärts schreitet, und es ihr darum zu thun ist,

die Verheißungen der Krone im vollsten Maße zu erfüllen. Die. uns in den jüngstvergangenen Tagen zugegangenen Berichte der Lokalbehörden lauten durchweg befriedigend; überall kehrt der Sinn für Ordnung und Recht zurück, und in der ersten Auf­regung zu Gunsten der Nationalversammlung gefaßte Beschlüsse, werden zurückgenommen oder durch andere int entgegengesetzten Sinne paralysirt. Wir dürfen uns daher der Hoffnung hingeben, daß es auch jetzt gelingen wird, anarchische Bestrebungen, wenn solche hervortreten möchten, niederzuhalten, und hegen die Erwar­tung, daß uns die Lokalbehörden hierbei nach wie vor unterstützen werden Potsdam, den 6. Dezember 1848. Königliches Regie- rungspräsidium. (gez.) von Palow. von Metternich."

Die deutsche Reform behauptet, die preußische Verfassung sei schon Mine November fertig gewesen. Sie sei durch v. Vincke zurückgedrängt worden, welcher das Problem habe lösen wollen, es noch einmal mit der Versammlung zu versuchen und sie ener­gisch aus ihre Aufgabe zu beschränken. Nach dessen Abreise und nach dem Skandale des 1. December sei jedoch kein anderer Aus­weg geblieben als die Verkündigung der Verfassung, welche durch die Ankunft des Prinzen Karl von Baiern und durch die Ab­dankung des Kaisers Ferdinand nur beschleunigt worden sei

Außerdem referht die deutsche Reform über mehre nicht zur Ausführung gekommene „Gedanken" des preußischen Ministeriums: Der Gedanke einer Einschränkung des Wahlrechts im Sinne des Frankfurter Kommissionsentwurfs soll im Schooße der Regierung aufgeworfen, aber wieder beseitigt worden sein; das Ministerium der „Reaction" proklamirt ein Wahlgesetz, das selbst die äußerste Linke freudig überraschte und mancher versichert, so viel hätte sie selbst durch Vereinbarung in der alten Weise nicht zu erreichen gehofft.

Der Gedanke, die an der Steuerverweigerung Beteiligten Ab­geordneten vor Gericht zu stellen, scheint von der Regierung wie­der aufgegeben zu sein. Die öffentliche Meinung hat hier so streng gerichtet, daß eine weitere Verfolgung überflüssig wäre, abgesehen davon, daß sie weder human, noch politisch wäre.

Die Neichskommissäre Simson und v. Hergenhahn sind noch hier und sehr thätig. Herr Simson wird wahrscheinlich nach Frankfurt abreisen müssen, da seine Wahl als Vicepräsident in der deutschen Reichsversammlung erneuert ist.

Gegen den Buchhändler Reuter ist wegen des Verlages einer Flugschrift gegen Bassermann ein Preßprozeß eingeleitet.

Dem Buchhändler Schneider sind vorgestern Abend durch eine Abtheilung Militär 26 Eremplare des in Leipzig erscheinenden Kladderadatsch fortgenommen. Wie wir hören, hat derselbe dafür die Rechnung beim General Wrangel eingereicht.

Die Buchhändler haben in einer jüngst abgehaltenen Versamm­lung Protest gegen das von, General von Wrangel erlassene Verbot, daß auch die Buchhandlungen während der Zeit des Belagerungzustandes der Stadt Berlin keine Flugblätter w. verkaufen dürfen, eingelegt, haben jedoch bis heute noch keine Antwort darauf erhalten.

Potsdam war gestern zur Feier der Verfassungsverkündigung glänzend erleuchtet; ein beabsichtigter Fackelzug wurde vom Könige verbeten. In Luckenwalde sang die Bürgerschaft aus Freude über das Ergebniß das „Nun danket alle Gott" auf offnem Markte.

Berlin, 10. Dezember. Der Staatsanzeiger kann, viel­leicht auch in höherem Auftrage, nicht umhin, „manchen Stimmen gegenüber, welche an die Maßregeln der Regierung Besorgnisse über unsere (d. h. der preußischen Regierung) Stellung zur Cen­tralgewalt knüpfen," Folgendes zu bemerken: „Selbst wohlmeinende Stimmen haben gefürchtet, schon in dem Verbleiben und in der Ergänzung des Ministeriums die Elemente zu einem Bruche mit der Centralgewalt und der Frankfurter Versammlung zu erkennen, und trösten sich nur mit der Hoffnung, daß die wahrhaft deutsch­gesinnten Männer in Frankfurt den guten Willen und die Klug­heit besitzen würden, keinen Bruch daraus entstehen zu lassen. Wir, unsererseits, sind ebenfalls überzeugt, daß Alles, was einen Bruch Preußens mit der Centralgewalt veranlassen könne, an den edlen Bestrebungen dieser Männer, Bestrebungen, die wir in ihrem vollen Maße achten und würdigen, geeigneten Widerstand finden würde. Im vorliegenden Falle wird es jedoch solcher Anstren­gungen nicht bedürfen, denn der Weg, welchen das Ministerium