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— 1413 —

,nds schämen, jenen Mann, dm ich bie Ehre hatte, zum Beglei- ter zu haben, diesen tavkeren Kämpfer aus den Freiheilskämpfen der Jahre 1813 und 1814, einen der ersten Ehrenmänner des Vaterlandes, gegen eine solche unwürdige Beschuldigung irgendwie in Schutz zu nehmen. (Bravo!) Ich will Ihnen sagen, meine Herren, daß wir eher das Gegentheil fürchteten; wir waren direct auf dem Wege nach Wien, und wußten nicht, wie die Stimmung dort war, erhielten aber 6 oder 8 Stunden vor Wien die Wie­ner Zeitung, die Sie einsehen können, worin wir lasen, daß die Aula eine Ehrenbezeigung für uns beschlossen hatte. So gefähr­lich war es also in dieser Beziehung nicht; gefährlich aber wohl, in die Lage gesetzt zu werden, daß wir den Schein erhielten, so­wie man in Wien ausdrücklich forderte, uns parteiisch auf ihre Seite zu schlagen. Ganz klar aber war, daß wir in Wien nichts ausgerichtet hätten für unseren Zweck, weil die damalige Stimmung so war, daß durchaus ein Nachgeben von dieser Seite gar nicht zu erwarten gewesen wäre, da die polnischen, die italienischen, die ungarischen Deputationen und andere terroristische Gewalten dort die Bürger beherrschten. Daß wir dabei richtig rechneten, bewies uns eben so klar der Erfolg. Meine Herren! Wir haben in die­sen Aktenstücken vom Präsidium des Reichstags, Namens des Reichstags, wir hatten wiederholt durch unsere Proklamationen, durch doppelte Schreiben, alle Behörden im Namen des Reiches aufgefoidert, die Waffen ruhen zu lassen, Vergleichsversuche und Vorschläge zu machen, Unterhandlungen zu pflegen, und den Frie­den herbeizuführen. Wir hatten uns aufs Neue damit an den Reichstag gewendet, und wir bekamen noch, nachdem bereits die starke Armee des Feldmarschalls mehr, als alle Worte, den Ge­danken hatte, zum Frieden zu stimmen, von dem Reichstag als Antwort darauf- Ja, wir sollten auf dem Grund unterhandeln, daß die ganze Belagerung des Fürsten Windischgratz für unge­setzlich erklärt, und die Truppen zurückgezogen würden, woraus also folgt, daß der revolutionären Wirthschaft in Wien ihr Lauf gelassen werde. Alle Deputationen, die noch bis auf die letzte Stunde zum Kaiser nach Olniütz kamen, und die wir sprachen, die Deputation der Nationalgarde, der Gemeinderath, der Reichs- ) I tag, Alle forderten dieses aufs Neue, protestirten, und wollten sich nicht unterwerfen, ja nicht einmal anerkennen, daß der Kaiser das Recht habe, wieder zu fordern, daß seine Truppcnmacht, die man aus der Stadt hinausgedrängt hatte, die Stadt wieder be­setze. Man lärmte in Wien über die Kroaten, und die Ungarn rief man zu Hülse, und brach, als sie kamen, die Capitulation. Man forderte, daß der Kaiser seine Armee auflösen sollte, in welcher die Söhne aller Provinzen vereint wareu; man stellte Forderungen, wie Sie sehen, die völlig unmöglich waren. Das war die Antwort auf unser freundliches Zureden; aber freilich muß ich Ihnen sagen, wir hörten dabei von einzelnen derselben Männer, wenn sie vertraulich dem Ohre sich nahten : „Ach, man thäte es gern; aber es sei jetzt nicht möglich; es sei nicht mög­lich in Wien!" — Nun, meine Herren, ich lasse das Alles da­hingestellt sein; aber fragen Sie sich, was Sie als Männer thun würden, wenn Sie nun in die Lage kämen, in die wir wenige Stunden vor Wien gesetzt wurden? Wir hörten da! in dem Au. genblicke trifft der Feldmarschall in seinem Hauptquartiere ein; wir mußten erwarten: Jetzt werden die Kanonen gerüstet; die entscheidenden Proklamationen werden ergehen, und dann ist eine Milderung nicht leicht mehr möglich. Aber die Wiener hatten gcsagt; „Wir sind nur im Vcrtheidigungszustande, wir schießen nicht los; wir wehren, wir vertheidigen uns nur?! — Aber der Fürst Wlndischgrätz hatte gesagt: „Ich beginne das Kampfspiel'" — Ich frage S»e nun: Wo würden Sie, wenn Sie wirken wollten, hingegangen sein? Sollten wir uns Serenaden bringen lassen in Wien, und dort lange Unterhandlungen pflegen, die zu nichts führen konnten; oder sollten wir dort versuchen, das Schwert in der Scheide zu halten, wo es gezogen wurde? Wir mußten das Letztere thun. — Meine Herren! Es ist auch nicht nothwen­dig gewesen, daß wir etwa deßhalb nach Wien gingen, um uns genauer über die dortigen Zustände zu unterrichten. Dieser Vor­wurf ist ebenfalls, wie die Sache liegt, ein gänzlich grund­loser. Nicht, meine Herren, als wollte ich sagen, daß alle diese ungeheuren Thalsachen, diese vielen Zeugnisse, selbst diese officiellen entscheidenden Thatsachen uns vollständig genügt hätten, wenn wir

hätten im Namen der Reichsgewalt ein hartes Urtheik gegen die Wiener aussprechen wollen. Nein, meine Her­ren, dann würden wir sie selbst noch gehört haben; aber, meine Herren, und hier komme ich auf den Vorwand, als hät­ten wir nicht an mildern gesucht; — ich frage Sie, ob wir in unserer ganzen Verhandlung nur einen Schritt gethan, nur ein Wort gesprochen haben zum Nachtheil der Wiener. Alles was wir sprachen und thaten, ging nur von dem einen eifrigen Wunsch und Gedanken aus, den Wienern ihr schweres Schicksal zu erleichtern oder zu ersparen. Nicht e i n hartes Urtheil spra­chen wir aus. Wir wollten dem Fürsten Windischgrätz nicht eine Verurtheilung der Wiener zur Entschuldigung harter Behandlung an die Hand geben; wir wollten auch nicht die Wiener dahin bringen, daß sie in eine nachtheilige Stellung gegen die deutsche Centralgewalt sich setzten, und als Rebellen oder Renitenten gegen die Reichsgewalt dastündeu, ohne daß es nothwendig war. Dazu hätten wir sie veranlaßt, wenn wir nach Wien hineingegangen wären, ohne Bedingungen zu bringen, wobei wir sagen konnten: Jetzt find diese Bedingungen billig-. jetzt müßt ihr nachgeben!—• Mit solcher Klugheit und Schonung suchten wir den Wiener»» gegenüber zu verfahren. In allen Depesche»» kommt fein hartes Wort gegen die Wiener vor. So also brauchten wir auch feine bessere Kenntniß von ihnen zu haben; denn wir haben nur für sie gehandelt. — Meine Herren! Ich muß Sie nun darauf auf­merksam machen, daß wir wirklich in Beziehung auf die Sorge für das constitutionelle System, unb in Beziehung auf eine milde Behandlung der Wiener wohl unter den gegenwärtigen Umstän­den nicht mehr thun konnten, daß wir, was wir thaten, mit dem größten Eifer thaten. Das constitutionelle System war, als wir zur Wirksamkeit kamen, auf eine Weise gesichert, wie wir es wenigstens nicht besser hätten sichern können; lesen Sie die Pro­klamation des Kaisers vom 19 teil, wo er mit seinem kaiserliche»» Worte alle constitutionelle Freiheiten, die Fortsetzung des Reichs­tags und alles Das verbürgte, was in dieser Hinsicht verbürgt werden kann! Meine Herren, ob diese Proklamation vom 19ten, sehr verschieden von den Proclamationen vom löten und 16teii, wegen der Nachricht, daß die Centralgewalt Commissäre schicke, oder wie immer erfolgt ist, weiß ich nicht; aber die deutsche Sprache, die Sprache unter ehrlichen Menschen, kennt keine ent­schiedenere Zusicherung als die förmlich und ausdrücklich durch das kaiserliche Wort besiegelte und was konnten wir zwei Män­ner ohne Armee Anderes erwerben, als die Zusicherung von dem Kaiser? Ji» der Circulardepesche, die mehrere Tage nach unserer Anwesenheit und nach unsern Bemühungen erfolgte , hat sich der einzige konstitutionell handelnde Minister bei seiner Ebre verpflich­tet, durchaus jede constitutionelle Beschränkung der Freiheit als verkehrt zu bekämpfen und nicht darauf einstigeren, und er hat es zugleich für eine Schande erklärt, wenn man die deutschen Interessen den slavischen nachsetzen wollte.

(Fortsetzung folgt.)

Kekanntmachungen.

Gutsverpachtung betreffend.

Das den 1. Mai 1849 pachtlos werdende StaatsdomaineuglU zu Möllenbeck, bei Rinteln in dein kurhessischen Kreise Schaum­burg gelegen, welches außer Den erforderlichen Wohn- und Oeko- nomie-Gebäuden ungefähr in

587 Schaumblirger Morgen Ackerland,

250 „ „ Wiesen,

525 „ „ Fettweiden,

13 „ „ Gärten und

48 „ „ Trieschfläche

besteht, auch mit Schäfereiberechtigung und Branntweinbrennerei versehen ist, soll auf zwölf Jahre anderweit verpachtet und zu dem Ende öffentlich ausgeboten werden. Termin hierzu ist auf Dienstag den 9. Januar 1 849, Morgens 10 Uhr, in das Lokal der Oberfinanzkammer z»l Cassel bestimmt, wozu Pachtliebhaber, welche sich über ihre landwirthschaftlichen Keunt- nisse und über den Besitz eines hinreichenden Vermögens genügend