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Welcker s Bericht übtr bis Sendung der Reichskommissäre nach Oesterreich (erstattet vor der deutschen Nationalversammlung in der Sitzung vom 29. v. M.j.
(Fortsetzung.)
Welcker: Sie wünschen, daß man dahin gehe, wo es revolutionär zu geht, und dort habe ich es von achtungèwerthen Leuten gehört. Nun, meine Herren, so stand die Lage der Dinge, als der Kaiser, und die Minister theils gemordet, theils geflohen waren, als da diese Schreckgeschichten in der Stadt und außer derselben vor sich gingen, und Jedeimann sürchtete, es würde erfüllt werden, was Viele wollten: jetzt würde von Wien aus die Revolution Schritte machen durch ganz Deutschland. So stand die Lage der Dinge, als wir den Auftrag erhielten, nach Wien zu gehen, und die Instruction lautete ganz einfach dahin, ich muß es als Grundlage der Beurtheilung wörtlich Hervorheven! „Und bevollmächtige Sie hiermit, alle zur Beendigung des Bürgerkriegs, zur Herstellung des Ansehens der Gesetze und des öffentlichen Friedens erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, zu dem Ende mit den verantwortlichen Räthen der Krone und, nach Lage der Verhältnisse, mit dem constiluirenden Reichstage in Verhandlung zu treten." Meine Herren' Das ist unsere ganze Instruction, denn, was Sie nachher beschlossen haben, und was in Folge Ihrer Beschlüsse in die Instructionen des Reichsministeriums übergegangen ist, haben wir bei dem gestörten Postenlauf und bei der Unterbrechung der Eisenbahn, eist hier, von Olmütz und Wien zurückgesendet, erhalten, dieses ist unsere ganze Instruction, eine andere Zeile halten wir nicht. Ehe ich nun an das Einzelne gehe, bitte ich Sie, nur sich einfach die Frage vorzulegen, verstanden Sie in dieser Zustruction die Aufgabe, in Wien Partei zu nehmen für die dortigen rebellischen Leute, und etwa wegen ihrer Antipathie gegen die Slaven für sie als Partei aufzutreten. Meine Herren! Verstanden Sie diese Instruction, wir sollten, wenn gar keine friedliche Herstellung der gesetzlichen Autorität insofern möglich wäre, wenn gar keine Nachgiebigkeit stattfände, um das gesetzmäßige Ansehen des Kaisers wieder herzustellen — verstanden Sie diese Instruction so, wir müßten um jeden Preis die Wieder- htistkllung der Gesetze durch Waffengewalt verhindern? Meine Herren! Die Mitglieder des Reichsministeriums und die unendlich große Majorität in der Versammlung würde eine solche Instruction nicht gegeben, sondern verworfen haben. Sie haben die Ordnung in Frankfurt, mit Zustimmung der Nationalversammlung, leider mit Kanonen Herstellen müssen, und haben den Belagerungszustand nicht mißbilligt. Sie konnten dem Neichèministerium auch die Thorheit nicht zutrauen, zu glauben daß, wenn wir es auch wollten, wir auch gekonnt hätten, sobald die kaiserliche Regierung Kraft erhalten hätte, ihr zerstörtes Ansehen wiederberzustellen. Aber, meine Herren, ohne daß das Reichsministerinm ein Wort zusetz.e, daß wir sorgen sollten, daß auf die möglichst schonende versöhnliche und unverlttzende Weise dieser Friede wiederhergestellt werde, ohne daß uns ein Wort zukam, daß wir uns für die constitutionellen Freiheiten bemühen sollten, haben wir das Reichsministerium gar nicht anders verstanden und verstehen können nach den uns bewußten Gesinnungen dieser Männer. Diese Männer wußten, wie ihre Commissäre es wußten, daß ohne constitutioneUe Freiheit eben so wenig Ordnung, wir ohne Ordnung die Freiheit besteht; diese Männer haben es aus der Geschichte gelernt, daß die Reaktion gerade die Revolution fördert, wie umgekehrt der Umsturz, den Sie wenigstens nicht laut genug verwerfen, die Reaction hervor- ruft. Es ist keine Möglichkeit , bei uns Reaktion durchzuführen, als durch die Revolution, und keine Möglichkeit, die Revolution der Republik hervorzurufcn, als durch dir frechste vollkommenste Reaktion. (Beifall auf der Linken). Darum habe ich geglaubt, daß die ehrlichen Männer auf der rechten und auf der linken Seite in diesem Punkte ihre Vereinigung finden müßten. Helfen Sie uns die Revolution und den Aufruhr besiegen, dann wird die Reaktion nicht kommen, und wir werden helfen, die Reaktion zu besiegen, dann wird die Republik nicht kommen. (Beifall auf der Linken). — Meine Herren! Ich gehe nun zu den einzelnen Vorwürfen über: da schäme ich mich fast, einen Vorwurf zu widerlegen: „Wir sollten nicht eifrig genug und zu bequem gewesen sein." Meine Herren! Wir haben in den neun oder
zehn Reisetagen, außer den Tagen, die wir gegen unsern Wunsch in Olmütz zurückgehalten wurden, 520 Wegstunden größten Theils ohne Eisenbahn und Dampfschiffe zurückgelegt.
— — Wir haben in München nicht 1 */2 Tag, sondern nur 1 Tag zugebracht, und haben das, außer den wichtigen Gründen im Bericht, auch deßhalb gethan, weil wir den dritten Reichs- commissär noch erwarteten. Er war aber klüger wie wir, er nahm den Posten gar nicht an. Wir haben dort vor Allem wirklich gründlich wissen und erforschen müssen, nicht wie die Zustände in Wien waren, sondern wir mußten wissen, wo der Kaiser mit seinem constitutionellen Ministerium wäre, und ob er con- stitutionelle Minister bei sich habe. Wir mussten auch nicht, ob wir nicht nach Tyrol reifen müßten, wohin er zuerst entflohen war, wir wußten selbst nicht, ob wir zu ihm reisen durften, denn, wenn keine constitutioneUe Minister bei ihm waren, durften wir nicht zu ihm. Die Instruktion sagt das und befiehlt uns, zuerst dahin zu gehen, und Sie werden sich glich nicht deni Lächeln in Oesterreich aussetzen wollen, daß Sie sagen, Kraus sei das eon- r stitutionelle Ministerium gewesen. Kraus ist ein sehr braver und achtbarer Mann, daß er aber in Wien das constitutio- nelle Ministerium nicht war, geht schon daraus hervor, daß er nicht in der Nähe der Regierung war. Ein constitutio-
neller Minister ist nicht ein Tyrann, er muß mit seinem Fürsten handeln. Es geht aber auch noch aus etwas Anderem hervor. Sollten Sie nicht einen Blick in die Verhältnisse haben? Dieser Kraus hat mit den revolutionären Maßregeln scheinbar geliebäugelt, sie gebilligt und halb unterstützt. Er war der Mann, der die ungeheuern Geldkräfte der Bank u. s. w. seinem Kaiser retten wollte, er konnte in Wien nichts Anderes thun, er hat nicht politisch verhandelt, das war seine Stellung, aber Sie werden nicht glauben, daß der Mann so unwürdig wäre, daß er, wenn er in Wien mit Freiheit politisch gehandelt hatte, in einem Ministerium Wessenberg geblieben wäre, welches die Armee gegen Wien, gegen die Zustände absendete, die Kraus zu billigen schien, wenn er nch überhaupt eine politische Stellung in dieser Beziehung nur irgendwie angemaßt hätte. Er konnte sie in Wien nicht haben. Er war so wenig frei, als andere Männer, die die Ordnung wollten. — Nun, meine Herren, ich will Sie nicht verweisen ans die zwölf im Bericht abgedruckten Depeschen und Noten bei kurzem Aufenthalt während der Reise, und auf die fünfzehn bis achtzehn anderen Aktenstücke die ich hier auf den Tisch des Hauses niederlegte. Ich will Sie nicht an die wiederholten Briefe an den Gemeinde- rath in Wien, an den Reichstag in Wien, und an die Wiener Behörden sammt und sonders erinnern, und nicht an die an den Oberstcommandirenden, noch weniger an alle die vielen Besuche, Gegenbesuche, sowie mündliche Conferenzen, um Ihnen zu beweisen, wie grundlos es ist, uns Bequemlichkeit vorzuwerfen bei einem Unternehmen, das mit größerer Anstrengung vom Morgen bis in die Nacht durchgeführt wurde, wie vielleicht wenig andere.-- Nun, meine Herren, kommt ein zweiter Vorwurf: wir hätten den rechten Ort nicht gewählt, wir hätten nach Wien gehen sollen, und nicht in das Heerlager des Fürsten Windischgrätz Meine Herren! Die Instruction widerlegt schon den einen Vorwurf, daß wir dieses nur allein gethan hätten auf den Rath einer erhabenen Person, die man aus unseren Depeschen in die Verhandlung hineingezogen hat. Wir haben dem Ministerium, als wir die Gründe für und wider abwogen, mit einem Worte an- dcutkn wollen, daß dieser Mann, der dir österreichischer Verhâl nisse und Persönlichkeiten, die auf dem Schauplatze ein. flußreich waren, kennt, es gerathen fand, für den Zweck diese, Mission, den er sicher aufrichtig wollte, dort den Anfang zu ma- chtir, und ich glaubte, es war vielleicht der Gedanke dabei, das dort, wo die Gewalt jetzt war, uns der Einfluß genommen wor den wäre, wenn es den Schein gehabt hätte, daß wir von diese, Seite etwa zu sehr gewonnen wären, wenn unsere Vorstellung» zu Gunsten der Wiener bestimmt zu sein schienen durch Freundschaften, die wir dort geschlossen hätten. Man hat wohl aud eine Hindeutung gemacht auf eine Besorgniß, die wir gehabt häk ten, in Wien aufzutreten. Meine Herren! Ich werde nie voi Muth sprechen; ich weiß, daß die Leute, die davon viel sprechen wenig haben (Heiterkeit und Bravo), und ich würde mich voll