— 1404 —
Iragö gemacht, es solle bad Reichsministerium gegen diejenigen kaiserlichen Generale und Behörden einschreilen, die auf den Antrag der Reichscommissäre, daß die Entscheidung nicht allzu blutig erfolge, nicht eingegangen feien. Wir haben keinen Antrag ähnlicher Art an eine österreichische Behörde gemacht, es war eine vertrauliche Aeußerung an den Minister und nichts weiter in diesem ganz unschuldigen Sinn, den man jetzt so verunstalten will. Meine Herren! Sie haben von der Tribüne ein Pröbchen gehört, wie man mit solchen zusammenhangslosen Fragmenten von Aeußerungen zu Werke geht; es wird erwähnt, daß Fürst Windisch- grâtz bei unserm lebhaften Andrângen auf den Schutz der Wiener, bei unserer Vertheidigung ihrer Lage, soweit eö möglich war, uns parteisch gefunden habe. Er hat uns allerdings gesagt, es scheint fast, als wenn Sie für die Wiener — er hat das Wort „vielleicht" hinzugefügt — für die Wiener Volkssouveränität Partei nehmen. Es wird nun gesagt, ich hätte die Wiener Volks- souveränität etwas gehaßt, und sie deßwegen dem Fürsten Win- dischgrätz preisgegeben. Meine Herren! Sie haben ja selbst soeben gehört, wie die ganz unschuldige Nachricht, daß wir zur kaiserlichen Tafel gezogen worden seien, aus allem Zusammeii- hange herausgerissen worden ist; ich frage Jeden, ob es dem Reichsminister nicht von Einfluß sein muß, zu wissen, ob man freundlich ausgenommen wird. Daraus also hat man geschlossen, daß wir am Hofe schwelgen! Aber noch was Entgegengesetztes hat man aus dem Zusammenhänge gerissen aus einer ander» Depesche. Wir erwähnen bei dem Besuche in dem Feldlager des Fürsten Windischgrâtz und bei der Geschäftsbehandlung mit ihm nur das, was hier bem Minister zu wissen nothwendig war, nämlich die bestimmte Ablehnung unserer Einmischung und geben für das Ministerium deutlich genug zu verstehen, was es mit Hülfe dieser ganzen hohen Versammlung zu thun habe, und sagen, daß dieser selbe Feldmarsck all, der unsere Aufforderung, die Waffen ruhen zu lassen , und der unsere von der Centralgewalt ausgestellte Vollmacht in Abschrift erhalten hatte, was aus einem Aktenstücke des Ministers Krauß hervorgeht, daß dieser selbe Feld- niarfcball uns keineswegs schimpflich behandelt, keineswegs die Cen- tralgewalt schimpflich, im Gegentheil mit der größten gesellschaftlichen Auszeichnung behandelt habe. (Lachen auf der Linken.) Lachen Sie vor allen Dingen über Ihre Unwahrheiten, die Sie gesagt haben, über Thürhinouswerfen u. f. w. (Unruhe auf der Linken.) Ja, Sie haben Unwahrheiten gesagt; es ist unwahr, daß der Fürst Windischgrätz irgendwie die Centralgewalt oder uns schimpflich behandelt hat. (Lärm.)
Giskra (vom Platze): Herr Präsident! Habe ich das gesagt ? — Vieepiäsident Ri esser: Nein! Ich glaube, die Redefreiheit bei Gelegenheit der Rede des Herrn Giskra gewahrt zu haben; ich muß in gleicher Weise bitten, sie auch jetzt zu achten, andernfalls muß ich die Entscheidung der Versammlung verlangen.
Welcker: Ich will nur einer solchen Behauptung gegenüber sagen, daß wirklich alle mögliche Rücksicht, die in ähnlicher Lage genommen werden kann, genommen worden ist. In diesem Bauerndorf sind wir in dem Kreise der Geneiäle bewirthet worden (Lacken auf der Linken); wir sind zweimal im Namen des Fürsten, der nach uns in dem Hauptquartiere eintraf, von dem Zweit-Ccmmandirenden, General V. Wyß, besonders begrüßt worden, und er hat uns zum zweiten Male die Entschuldigung sagen lassen, daß er wegen des augenblicklichen Andrangs militärischer Geschäfte noch eine Viertelstunde Zeit brauche, um uns zu empfangen. Nach Verlauf dieser Zeit sind wir zu ihm geführt und durchaus anständig behandelt worden. — Meine Herren! Wenn so nenig Unterschied in den Begriffen ist, daß man eine Nechts- ablehnung, die überall verkommt, verwechselt mit einer schimpflichen Behandlung, dann habe ich nichts weiter hinzuzusetzen; Rechtsablehnungen kommen überall vor, und sind weit entfernt von einer sck in pfliüen Behandlung. Glauben Sie, daß man auf solche Art Gefahren beseitigen will? Rein! Man will damit auf's Reue das Verhältniß zwischen Oesterreich und der deutschen Centralgewalt in Verwicklungen bringen, um nachher wegen der gestörten Verhältnisse Lärm machen und Phiaseir bringen zu können. (Unruhe auf der Linken.) Meine Herren! Ich könnte Ihnen noch eine ganze Reihe solcher Verunstaltungen vorlegen; ich will dardarauf verzichten. Sie werden den Bericht aufmerksam gelesen
und daraus ersehen haben, wie diese Depeschen auf daS Unb« gräflichste mißhandelt worden sind, und nun will ich noch fraget ob das Ministerium auf diesem Wege Depeschen, sowie das Noll wendige, was eö für seine Unterhandlungen braucht, erhalte kann; es werden Depeschen für die Pauls- oder Peterskirche, nick aber für das Ministerium, und ich will Sie fragen, ob Sie, wen Sie auf diese Weise mit den Geschäftsträgern der Centralgewa verfahren, ferner noch tüchtige Vertreter haben werden, die Lu haben, ihre Geschäfte zu führen? In keinem Lande der Erde, i keinen Parlamentsverhandlunge» — ich kenne die von Engla» und Amerika — behandelt man die Gesandten und Minister j schimpflich, wie in dieser Versammlung, und bann kommt ma und klagt, daß sie fein Ansehen habe». Es wundert mich »ich meine Herren, wenn vielleicht mit aus dieser Ursache das Reicht Ministerium noch sucht an einem Gesandten für Oesterreich. -- Meine Herren! Ich gehe nun über zur Beurtheilung der ringel nen Vorwürfe, wie ich sie vernommen habe, — einige derselbe werde ich noch zu vernehmen haben, und diese kann ich natürlü nicht beantworten, weil ich sie nicht kenne, — unter Anderei wird uns vorgeworfen, wir hatten bessere Mittel und Wege eir schlagen sollen. Mein College ist mit mir in gleich glückliche oder unglücklicher Lage, daß mir eben nicht einen anderen We einseben können, welcher besser zum Ziele geführt hätte, als de wir Ungeschlagen haben. Ich möchte gern hören, welcher We der bessere gewesen wäre. Auf die Vorwürfe, die ich vernomme habe, will ich antworten. Ich muß Sie aber, meine Herrer einen Augenblick bitten, sich fern zu halten von dem große» Miß verftänbniffe, welches herrscht über die ganze Wiener-Oestcrreichis- Streitfrage, sich ferne zu halten von dein Mißverständnisse, meld’«1 herrscht in Beziehung auf den Zweck und die Aufgabe unsere Sendung. Meine Herren! Man stellt das so bar, wir habet dieß in einem milden und interessanten Vortrage gehört, als wär eine slavische Unterbrüefung der Freiheit von Seiten des Hofs ii Wien hereingebrochen, als habe sie die Wiener Bevölkerung zun revolutionären Nothacte am 6. October genöthigt, als hätten di Wiener gar keine gesetzlichen Mittel zur Abwehr der Einmischnn der Slaven in die ungarische Sache gehabt, als seien fernerhst revolutionäre und terroristische Zustände in Wien nicht gewesen sondern es seien freie, gesetzmäßige Gewalten da gewesen, mi welche» man hätte verhandeln können. Meine Herren! Ich wil Ihre Geduld nicht damit ermüden, auf eine ausführliche Dar stellung der in Wien herbeigeführten Katastrophe einzugehen; abe es ist Ihnen so gut wie mir bekannt, daß jedenfalls die Schult der ersten Veranlassung nicht allein bei dein Ministerium mar Ich habe es complett mißbilligt, daß das österreichische Ministe rium in bloßer Cabinetopolitik Jellachich gegen die Ungarn verwende» wollte, denn in unserer Zeit muß Alleö durch das Par lammt gehen. Es muß die Verantwortlichkeit des Parlament und die Kraft der Nation für alle großen, gefährlichen Unterneh mungen gewonnen merben , und das war and) hier möglich Meine Herren! Die Wiener sind aber bei der Sache gar nid unschuldig. Schon drei Wochen vorher lag den Wieneni, so gl wie uns, die Correspondinz zwischen Latour und Jellachich vo und die Unterstützungen Jellachich's mit Geld zu diesem Zwec Nahm denn nun der Wiener Reichstag, nahm die Aula, ode Halm die Wiener Bevölkerung ihre Kräfte zusammen? Wehrte sie sich mit bett gesetzlichen Mitteln gegen den Slavièmus mi gegen die Handlungen des Ministeriums? Haben sie denn pn testirt, haben sie von Interpellationen, Beschwerden und Einsprc chen des Reichstags, von Petitionen der Burger etwas gi hört? — — Von einer einzigen Anfrage weiß ich. Ma hat den Minister Latour gefragt, ob er so viel Geld we« geschickt habe, worauf er mit Ja antwortete, und der Reichst« beruhigte sich. Meine Herren! Die Wiener brachten dem Jelli chich eine Fackelmusik, und die Ungarn waren zurückgewiesen in ihrer Deputation beim Reichstag. Ich mache den Wienern bai über keinen Vorwurf, die Leute haben gedacht, das ist nicht z dulden, daß die Magyaren das erste Grundgesetz des Kaiserstaat die Gleichberechtigung der Nationen, verletzen, es'ist nicht z dulden, daß das herrliche Land Ungarn von Oesterreich revolt tionär soll losgerissen werden. Darum waren die Wüner einve standen mit dem ministeriellen Plane. Nun aber auf einmal a