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Beilage zu Nr. 191 der Neuen «Hessischen Zeitung.

Welckers Bericht

über die Sendung der Reichökommissäre nach Oesterreich *) lerstattet vor der deutschen Nationalversammlung in der Sitzung vom 29. v. M.s.

Meine Herren ! Ich lebe der Hoffnung, daß sachkundige Män- r, welche die nöthige Unbefangenheit haben, in den Ihnen vor- gende» Thatsachen, ActènstÜcken des Berichts, die genügenden runde für di, Ueberzeugung finden, daß die beiden Reichscom- ssâre Alles thaten, was in ihrer Kraft stand, in der schwierigen ge die ihnen gewordene Aufgabe so zu lösen, wie es von den lUigdenkendtN erwartet werden kann. Ich hoffe, daß unsere 'mühungen auch in mehrfacher Beziehung keineswegs wirkungslos iren, daß sie insbesondere auch in der Hauplbeziehung, von wel, er wir feindlich angegriffen werden, in Beziehung auf die Mil- rung des Schicksals von Wien, durch unermüdliches Andringen viel bewirkt haben, daß der Feldmarschall die laut und ssier- t prorlamirten harten uno maßlosen Bedingungen in Mehreren unkten wesentlich gemildert, und in der Kapitulation war jene fimpsliche Bedingung ganz entfernt, und daß nur der treulose apitulationöbruch alle dies, Milderungen zerstörte. Aber wir ben in einer Zeit der Begriffsverwirrung und in einer Zeit der efangenheit, Sie werden es mir also vergönnen, meine Herren, ^ ich nach so maßlosen Angriffen, wie das Benehmen der Reichs- mmiffâre früher noch mehr wie jetzt in diesem Haus, gesunken it, und die noch viel maßlosere und unwürdige Angriffe in der reffe hervorgebracht haben, daß ich jetzt das Wort ergreife, um men ruhig die wesentlichen Momente darzulegen, die noch zur rgänzung des Berichtes gehören. Meine Herren! Ich iU nicht in die früheren Angriffe eingehen, die hier in diesem an fr ausgesprochen worden sind; nur einen dieser Angriffe will h Ihnen doch, um ihren Charakter zu bezeichnen, mittheilen, ch habe einen hier in diesem Hause vor wenig Tagen gedruckt «gebrachten dringlichen Antrag in den Händen. Dieser dring- te Antrag zählt unter sechszehn Nummern wenigstens vier- oder nfmal sechszehn Scheußlichkeiten auf, wie sie die Weltgeschichte um ärger kennt; sie sollen in Wien vorgekommen sein während s Sturmes, sowie unmittelbar nach dem Sturme. Ich kenne e Thatsachen nicht, aber ich glaube zur Ehre der Menschlichkeit, der Antragsteller in Irrthum geführt worden ist. Denn »ßerdem, was bei jeder Erstürmung einer belagerten Stadt nn- rmtidlich ist, enthalten sie Dinge, an die der, welcher an die Menschheit glaubt, nicht glauben kann, bis sie urkundlich belegt id. Nun, nachdem diese furchtbaren Scheußlichkeiten und chandlhaleu der Welt vorgelegt sind, unmittelbar hierauf wer- n diese Greuel deutlich genug als Folgen der Instructionen des eichsministeriums uns des Verweilens der Reichs-Commissäre i der kaiserlichen Tafel dargestellk. Meine Herren! Diese hier »('geführten Scheußlichkeiten, in dieser Verbindung ausgezeichnet, änderten den Tag darauf in Placaten an Frankfurts Mauern. 3er diese Placate besorgt hat, ich weiß eS nicht, aber daß es >r Aufregung der VolkSleidenschaften, zu einer rächenden Auf- izung, hier, wo dieses Volk nicht helfen konnte, zur Bewirkung ner zwecklosen blutigen Rache ihm vorgetragen, darüber werde h mich vielleicht nickt täuschen. Ich habe auch die Wirkungen »von zum Theil gesehen. Hier in diesen Actensiücken befinden sich "i Drohbriefe, der eine mit der Angabe, daß sechs aus einer Verbindung von 190 ausgelost waren, mich zu morden. (Ge- ichter auf der Linken.) Ein anderer solcher Drohbrief ist gleich- ilig an meine Freunde, Bassermann und Mathy, und an mich wicklet. Meine Herden! Glauben Sid nicht, daß das meine lemüthsruhe stört, ich würde den Mann bedauern, der gegen che Angriffe nicht in gerechtem Stolze eine vollkommen ge- ügènde Gegknrüstnng fände. (Bravo im Centrum und auf der echten.) Ich habe aber noch eine andere Waffe, die mich bei

*) Wir konnten wegen des beschränkten Raumes die Rede Welckers unsere Berichterstattung über die Sitzung vom 29. nicht aufuehmen. M a wir sie aber zur Kenntniß und Würdigung der österreichischen Frage .r unentbehrlich halten, eS auch eine Mwenpflicht sein dürfte, den in r Presse so hart und so vielfach angegriffenen ReichScommiffaren min- 'stens das Wort der Vertheidigung zu geben, so glaubten wir unseren esern die den stenographischen Berichten entnommene - -t- Rede nicht orenthalten zu dürfen. - - ' Hie Red.

der tiefen Demoralisation, di, von solchen Schritten und Bestre­bungen ausgehl ; bei dieser tiefen Demoralisation, die jetzt täglich an unserem ehrlichen, treuen und gutmüthigen Volke versucht wird, tröstet, ich habe den Glauben an dieses Volk (Bravo!), eS werde seine wahren Freunde von den falschen, von den Aufwieg­lern und Volksschmeichlern zu unterscheiden wissen (wiederholtes Bravo!), es werde die wahre Freiheit von jener Afterfreiheit un­terscheiden lernen, die da nur lebt von der Lüge, von dem Auf­ruhr und von den» Meuchelmord (Wiederholtes Bravo!) Meine Herren ! Ehe ich zu den Verhandlungen der Sache in diesem Saal« übergehe, erlauben Sie mir, in dem Gefühle, die hohe Würde der Centralgewalt und mit ihr des deutschen Reiches als Gesandter zu vertreten; erlauben Sie mir, im Interesse der Wirksamkeit dieser Centralgewalt, die man wohl schmäht und herabreißt auf der andern Seite, um nachher zu sagen, sie steht nicht in der gehörigen Achtung; erlauben Sie mir in diesem Interesse auf das aufmerksam zu machen, was, glaube ick, noch von einer sehr jungen Staatsweisheit Zeugniß gibt. Das Reichsministerium in seiner Offenheit hat die sämmtlichen Depeschen, soweit sie ihm ge- geben waren, dem Ausschusse vorgelegt. Ich begreife, daß die Herren Minister im vollen Bewußtsein der Reinheit ihrer Absich­ten und Bestrebungen, und der Reinheit ihrer Gesinnungen ihrer Gesandten vertrauensvoll die Depeschen einem Ausschusse mitthei- kn, der dann sich über die Resultate aussprechen kann. Aber, meine Herren , das ist nun und nimmermehr gewöhnlich da, wo man sich auf Politik und Staatsweisheit versteht, daß man diese Depeschen allgemein preisgibt, daß man davon einzelne Stellen und Worte anS ihrem Zusammenhänge reißt, sie in die öffentli­chen Verhandlungen hineinbringt und so Mißverständnisse nicht bloß in Beziehung auf die betreffenden Personen, sondern störende Mißverständnisse in Beziehung auf die Regierungen, mit denen unterhandelt wird, hervorbringt. Diese Depeschen sind der Natur der Sache nach vertraulich, oft erlogen geschriebene Nachrichten für den Minister. Sie werden oft geschrieben unmittelbar vor dem Abgänge eines Couriers, in störender Umgebung, bei Stö­rung durch Besuche und andere Umstände, und sie sind verständ- l'ch für den Mann, der seinen Mann und die Verhältnisse kenne, au boii entendeur deini inot, fit sind aber nicht geeignet, in ihrer vertraulichen Gestaltung zu dtm Gegenstände der Ver­handlung eines großen Publikums wetden, und zwar zerrissen und auf die gröbste Weise gemißdeutet zu werden. Wenn man solche Depeschen der Wahrheit gemäß einrichten will, und so, daß der Minister daraus das ganze Verhältniß richtig erkennen lernt, so muß man manche Mittheilung, z. St über Hof- und Regie- rungSverhältnisse und einflußreiche Persönlichkeiten machen, die gerade nur für den Minister paßt, ihm wichtige Aufschlüsse gibt, die aber gar Nicht geeignet sind, in das groß« Publikum hinein- geworfen zu werden. Ich will Ihnen, meine Herren , Beispiele geben, wie man diese Depeschen aus dem Zusammenhänge gerissen, wie man sie vor dem ganzen deutschen Vaterlaitde behandelt hat, und zwar gewiß noch nicht die schlimmste» Ich wähle mir eint aus, die von einem Manne kommt, dein ich gar nicht zutraue, daß er den bösen Willen haben kann, das zu thun, was er ge­than hat. Wir sagen in Nr. 6 dir Aktenstücke, daß wir die Hoffnung hegen, eine unblutige Beendigung des Wiener Bürger­krieges zu erwirken, es ist dies der wiederholt und immer wieder­holt ausgesprochene Wunsch und die Forderung an alle österrei­chischen Behörden, daß die Sache unblutig brendigt werden solle. In diese Depesche kommt aber in blos enunciativem Zusammen» ffang, da bereits schon einiges Blut geflossen war, und mir viel­leicht im Augenblick des Dictirens der Gedanke in die Seele fuhr, daß es Nicht möglich sei, alles Blutvergießen zu verhüten, der zufällige Ausdruck an unsern Minister des Innern, daß es unsere Hauptaufgabe noch wäre, daß die Beendigung nicht allzublutig wtrde. Nun, meine Herren, ich früge alle diejenigen, auf deren Urteil ich irgend Werth zu legen Ursache habe, ob Sie in dem ganzen Zusammenhänge der Depesche einen so fürchterlichen Sinn, wie den ihr untergeschobenen, finden können? So wie es ausge- briitet wird, soll es heißen: wir wünschten, daß es ein bischen blutig hergehe, aber nur nicht allzublutig. Diese herausgeriffene Stelle wurde sogar zur Grundlage des besonder? dringlichen A«-