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gezeichnetsten Hochachtung rc. Paris, 1. December 1848. (gez.) A. Marrast.

Es heißt, der Papst werde in Fontainebleau wohnen und nicht in den Tuilerien, wie wir gestern berichteten.

Marrast und das ganze Bureau der Nationalversammlung wollen Sr. Heiligkeit bis Bourges entgegenfahren.

Auch wird die Nationalversammlung achttägige Ferien machen müssen, weil viele Mitglieder nach Marseille zur Begrüßung des Papstes abreisen.

Proudhon und Pyat haben sich gestern früh wirklich geschos­sen. Nachdem die ersten Kugeln gefehlt, sagte Proudhon kal!: Da Sie zu Marrast gesagt, daß ich die Arbeiter zur Intervention selbst angerufen habe, so werden Sie noch zwei Kugeln schießen. Aber auch diese fehlten, obgleich die Parteien nur 25 Schritte entfernt standen.

Die päpstliche Angelegenheit scheint die Wahl Cavaignacs vollends sicher gestellt zu haben. Selbst der „Presse" sind jetzt einige Bedenken gekommen, ob Ludwig Bonaparte auch die abso­lute Mehrheit der Boten (d. h. über die Hälfte) erhalten wird. Stimmen z. B. 6 Mill. Wähler und erhält Bonaparte 2,999,500 Stimmen, Cavaignac 1,000,500, Ledru Rollin 800,000, Lamar­tine 700,000, Raspail 500,000, so ist keiner von ihnen gewählt und sämmtliche 5 sind die Canbidaten für die Nationalversamm­lung , die natürlich Cavaignac wählen wird. Die Presse macht allen Wählern der drei letztgenannten Canbidaten bemerklich, daß sie thatsächlich für Cavaignac votirten. Stimmen die rothen Re­publikaner und Socialisten für Ludwig Bonaparte, so möchte dessen Wahl allerdings sicher sein. Bis jetzt scheinen sie aber keine Neigung dazu zu haben. Dieser Tage wird der Congreß der demokratischen Socialisten über den gemeinschaftlichen Candi­daten der Partei entscheiden. Es sind hier bereits 300 Abge­ordnete der Wahlclubs aus den Departements versammelt. Die Frage scheint allein zwischen Ledru Rollin und Raspail zu schweben.

Uebrigens hat Cavaignac unter dem französischen Heere zwei Verwandte, einen Oheim I. M Cavaignac, Divisionsgeneral und früher Pair von Frankreich, und einen Vetter, den Brigadegeneral S. Cavaignac. Damit die für den Conseilpräsidcntcn C. abge­gebenen Wahlzettel nicht etwa auf sie bezogen werden können, erklären sie im National, daß sie sich weder um Stimmen be­warben, noch sie annehmen würden.

Der Minister des Innern hat einen gewissen Bellanger zuni Polizeicommissarius ernannt, der ausschließlich für Cavaignac be­stimmt ist. Man erinnert daran, daß auch Carl X. und Ludwig Philipp derartige Polizeicommissarien lediglich zur Sicherheit ihrer Person anstellten.

Italien

Das Gerücht, daß der König von Neapel an Nom und Flo­renz den Krieg erklärt habe, ist so unwahrscheinlich nicht. In Florenz ist sein Gesandter abgereist, da er nicht verhindern konnte, daß der sicilische Consul das sicilische Wappen an seinem Hause aufhing. Die Regierung des Großherzogs erklärte, sic könne das nicht hindern, cs könne ein Jeder an sein Haus hängen, was ihm beliebe. Die röniische Revolution ist zum großen Theile von flüchtigen Neapolitanern und Sicilianern gemacht worden, und die Wuth des Königs Ferdinand mag um so größer sein, als ihm, wie sich bestätigt, eine neue sicilische Expedition durch das Einmischen der englischen und französischen Flotte vereitelt ist. Außerdem haben die Liberalen bei den Wahlen gesiegt (wo übri­gens von 15000 Berechtigten 1500 wählten.) Sobald der König dieses Resultat erfuhr, sagt die Allgeni. Zeitung, ließ er die Fenster seines Palastes vermauern und die Batterien mit Kanonen versehen. —- Der baierische Gesandte ist von Rem nach Neapel abgereist.

Uebrigens beruhte das Gerücht von der Ankunft des Papstes in Marseille auf einem ungenauen Ausdruck der gestern mitge- jhciltcn telegraphischen Depesche. Noch weiß man cs nicht be­stimmt, da der Telegraph am 2. Dec. wegen trüben Wetters nicht arbeiten konnte. Das Journal des Debats ist sehr besorgt um das Schicksal des Papstes. Am 25. Nov. mußte derselbe in Gaeta eintreffen und man weiß nicht, ob er sich cingeschifft hat auf dem Tenare und wohin er seinen Weg gerichtet? Sieben volle Tage sind verflossen ohne alle Spur!

Die Patrie will wissen, der Papst sei gestorben, ein italieni­

sches Blatt läßt ihn in Malta, ein anderes in Neapel landen Ueber die Flucht des Papstes erzählen die Marseiller Blätter vom 29. November, daß Se. Heiligkeit sich wahrscheinlich aus dem Quirinal durch einen geheimen Ausgang am 28. Novembei Abends 5 Uhr in das freie Feld flüchtete, weil sie entgegengesetz ter Seits sich hätte durch die ganze Stadt begeben müssen, wat man um jeden Preis vermeiden wollte, da sich das Volk bei Flucht widersetzt haben würde. Ueber die Landschaft hinter den Quirinal fchlug der Papst und sein Gefolge offenbar den Wer von Terracina ein, von wo sie ihre Reise durch die sogenannte! pontinischen Sümpfe bis Gaeta dicht über die römisch-neapolita Nische Gränze fortsetzten. Was weiter aus Sr. Heiligkeit gewor den, darüber enthalten die Blätter durchaus nichts Bestimmtes Aus der telegraphischen Depesche des Consuls in Civita Becchn an Bastide erfuhr man nur, daß der Papst den Dämpfer Tenar von dort nach Gaeta Ungeladen hatte, um ihn an Bord zu neh men. Diese Einschiffung soll am 26. Nov. im Laufe des Tage« erfolgt sein. Hiermit schließen die Berichte.

Siebenbürgen.

Der Krieg der ungarischen Szekler gegen die Sach sen in Siebenbürgen nimmt einen furchtbar grauenvoller Charakter an. Morden, Plündern, Sengen und Brennen heißt es in einem Briefe eines Sachsen im Schwâb. Merk., bilde aus den Verunglückten immer frische Räuberhorden. Zuletzt wir' der die gleiche Berechtigung der Nationalitäten bezweckende Kamp in einen Kampf um den letzten Biffen Brod übergehen. E scheint als wären mir siebenbürgische Sachsen von einem große! Theile der Deutschen als reaktionär verschrieen, was wir doch fei neswegs sind. Wir müßten nicht deutschen Stammes sein, liebtet wir die Freiheit nicht — und gerade aus Liebe zu ihr sage, wir uns von den alles knechtenden und terrorisirenden Ungar, los. Der tsz. Regen ist zuletzt das Opfer dieses barbarische! Feindes geworden. Vergebens hatten die Sz. Regener den Szek lern die weiße Fahne entgegengetragen und um Schonung bei Qrtes gebeten, die ihnen gegen Entrichtung einer Brandschatzung von 50,000 fl. C.-M. zug,sichert wurde. Da aber die Reiche.e, bereits geflohen und nur 10,000 fl. C. M. ausgezahlt werde, konnten, so wurde der Orr, trotz des Versprechens, den Rest nach träglich zu zahlen, rein ausgeplündert und an mehreren Orten an gezündet. An den schrecklichsten Beispielen von Grausamkei mangelt es nicht, Ueber 250 Menschen sind in der Gegend vo> N. Sz. Kiraly aus eine grausame Weise geschlachtet morben.

Nach den neuesten Nachrichten in der WienerZtg. jedoch ha der L k. Oberstlieutenant Urban mit feinem bedeutenden Corpt den Szeklern am 13. Nov. eine Schlappe beigebracht. In Klau, senburg schickt sich alles zur Flucht nach Großwardein an.

Uebrigens hat der Graf der sächsischen Nation Franz Salme, einen enthusiastischen Ausruf an seine Landsleute erlassen „Auf meine Mitbürger," ruft er ihnen zu, „meine geliebten Kinde unseres biedern Sachseuvolkes, die Ihr mich vertrauensvoll y Eurem Vater erkoren ! Auf, die Losung ist groß, die Güter, bi es gilt, sind unschätzbar! Die Einheit der mächtigen Gesamml Monarchie Oesterreichs, unter deren Panier alle Völker des G, sammtstaates erstarkt sind, ist in Gefahr! Am mütterlichen Buse Austrias ermannte Söhne wenden sich feindlich ab von ihre Brüdern, um feindselig die Macht unseres angestammten Landes fürsten zu br<d;en, jene väterlich schützende Macht, die unser kleine Völkchen hier, mitten unter feindlichem Druck und am Ende bi europäischen Gesittung bis ins achte und neunte Jahrhundert bi schirmt und bewahrt hat. Unter dem Paniere der Freiheit, Gleict heil und Brüderlichkeit wüthet die Zügellosigkeit, Unterdrückn!! und Feindseligkeit und droht den herrlichen Blüthen und gefegni ten Früchten Eurer oft bewährten 700jährigen Freiheit un Gleichheit ewige Vernichtung, — zu ersticken die süßen Kläm der süßen Gewohnheit unseres häuslichen und nationalen Daseu — auszulöschen den Strahl der großen herrlichen deutschen Sonn der in unserm Völkchen erglänzt."

Es wird darin auch der Tapferkeit und Hingebung der Sacl sen, welche „sich Mann für Mann erhoben", „Blut" und Lebe! Söhne, Habe, Geld rind Gut hingegeben", „ihre besten, an Gei und Herz gebildeten Söhne zum Jägercorps geschickt," das Höchs Lob gespendet.

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