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Beilage z n ^r. 190 der Neuen H> efsis eh en Zeitung.

I fjtet er sich? Zur erzkatholischen Königin von Spanien; zum nige von Cypern, Jerusalem und Sardinien; an den Hof des ljgen Januarius oder in das überfromme Oesterreich? . . . . in, er flüchtet sich in den Schooß der französischen Republik . die vor 50 Jahren den Herrgott und die Religion ab- ' affte, die Priester zu Dutzenden an einander band und ins asser warf; in diese Republik flüchtet sich das Oberhaupt des tholicismus, welcher Beweis, wie groß die Kluft ist, die 1793 1 1848 trennt" u. s. W. Pius IX. betritt übrigens nicht zum en Male die französische Erde. In den letzten Jahren deö iserreichs diente er als Soldat in der damals von Napoleon lichteten italienischen Legion, eine Art kaiserlicher Leibgarde. hu Gardeoffizier brachte er es bis zum Papst was bei der nokratischen Organisation des Katholicismus nichts Seltenes ist. eslon, Minister des Unterrichts und der Culten, den Cavaignac lern nach Marseille schickte, um den Papst zu empfange», ist ehauplet die Hannoversche Morgenzeitung) ein halber Atheist, c vor etwa 8 bis 10 Jahren die Reliquien der Heil. Agathe Angers in die Mayenne, an deren Ufern Angers liegt, werfen ß. Als die gläubige Menge drrüber erstaunte, rief der junge »Vokal Freslon:Wenn diese Reliquien wirklich so wunder- ätig sind, wie man euch vorsagt, dann sinken sie sicher nicht Ner, sondern werden auf der Oberfläche schwimmen." Die Re- [Utcn sanken aber unter und Niemand hätte mehr von ihnen »en hören, wenn nicht der damalige Marimian von Angers jetzt iltusminister und Ceremonienmeister des Papstes geworden cre. Die Nationalversammlung bot gestern Abend einen igenblick lang ein komisches Gemälde dar. Bürger Parisis, Bi­os von Langres, stieg nach Cavaignac und Vivien auf die Tri­ne und hielt eine Dankrede im Namenaller freien katholischen ewiffen " Am Schluffe derselben erhob der Bischof mechanisch e Hände (er glaubte sich wahrscheinlich auf der Kanzel) und zu II Ministern gewandt, begann er folgenden Segen auszusprechen, n wir aus dem Moniteur vom 2 December (Seite 3430) er wörtlich mittheilen:Dieser der französischen Ehre so wür­ge Empfang des Papstes appellirt und constatirl die Benedie- men Gottes auf unsere Staatseinrichtungen und unser Vater- nd. Seien Sie, meine Herren , hierfür beglückwünscht; seien ie im Namen Frankreichs gebenedeiet. (Ah! bas! zur Linken), ebenedeiet im Namen der Kirche (Allons donc! vom Berge) ad im Namen der ganzen katholischen Welt (Unterbrechung zur nken; starker Beifall zur Rechten). Marrast: Hr. Goudchaur - ein Jude hat das Wort bezüglich der Finanzlage Frank­ichs. (Gelächter). Goudchalir besteigt die Tribüne.

Der Papst soll die Tuillerien bewohnen! Heute Vormittag ht man bereits Reiniger und Tapezierer darin beschäftigt.

Der Päpstliche Nuntius hat heute früh Paris verlassen und sich ach Marseille begeben. Die Cardinäle Bonald (in Lyon), Du- )nt in Bourges und Giraud in Cambrai sind durch den Tele- aphen ebenfalls von der Flucht des Papstes in Kenntniß gefetzt orden. Auch sie werden wahrscheinlich unverzüglich nach Mar­ille aufbrechen.

Wie es heißt, soll Pius IX. acht Tage in Marseille ausruhen ad dann mit starkem Ehrengeleite virect nach Paris geführt werden.

Die beiden andern Tageskapitel sind in den Hintergrund ge­säugt. Was das Duell betrifft, so standen Proudhon und Pyat 'stern vor dem Bureau der Nationalversammlung, vor welchem e, statt sich zu versöhnen, sich von Neuem erzürnten.

Rücksichtlich der Wahlbewegung ist zu bemerken, daß Lamar- ne, welcher so eben noch für Cavaignac zurücktrat , nun doch üeder Lust zur Präsidentschaft hat. Er schreibt heute an alle ournale einen Brief, worin er sie benachrichtigt: daß er keines- »egs auf seine Präfldentschaftscandidatur verzichte. Cavaignac ährt fort, unwahre Gerüchte über seine Person berichtigen zu assen. Der National erklärt die Behauptung der Presse, daß Ca- «ignac Protestant sei, für eine Lüge. Cavaignac und sein Vater ehoren dem Katholizismus an.

Man liest im Moniteur:Das JournalLa Liberte" (ein äonapartistifches Blatt) fragt, ob es wahr sei, daß oie franzö- -Icke Regierung am Schluffe der gestrigen Sitzung der National- ersammlung einen Courier nach London geschickt habe um sich

zu entschuldigen, daß sie, ohne es zu fragen, Truppen nach Civi- ta-Vecchia geschickt habe und daß sie diese Absendung auf Wahl- nothwendigkeiten gegründet? Derartige Fragen verdienen nur die tiefste Verachtung."

Die Genoudesche Gazette de Franze wurde gestern Abend auf der Post und in ihren Bureaus confiscirt, weil sie einen empö­renden Artikel gegen Cavaignac zu Gunsten Ludwig Bonapartes brachte. Letzterer soll dem Herzog von Bordeaur zur Uebergangs- brücke dienen.

Großbritannien.

2. Dec. Obgleich die römische Katastrophe der City nicht unerwartet kam, so hat doch der freilich unvermeidliche Umstand, daß Frank­reich hierbei einen Vorsprung hatte, einige Scheelsucht hervorge­bracht. Selbst die Times, welche Cavaignac sehr unterstützen, können ihr Mißbehagen nicht ganz unterdrücken. Sie hätten ge­wünscht, daß Parker mindestens auch sechs Linienschiffe von Nea­pel nach Civitavecchia schicke, um mit den französischen Schif­fen zum Schutz des Papstes zucooperiren." Nebenbei fließt der Wunsch ein, diese Cooperation auch gegen die unruhigen De­mokraten in Italien überhaupt auszudehnen. Morning Cdronicle und Morning Post sprechen sich stark gegen die bewaffnete In­tervention aus. Was werden sie erst sagen, wenn der Papst in Frankreich seine zeitweilige Residenz aufschlägt und vielleicht Paris ein anderes Avignon wird?

Zum nächsten Dienstag ist in London ein großer Cabinets- rath im auswärtigen Ministerium angesetzt. Eine der nächsten Fragen ist wohl die, ob die französischen Truppen bei Civita- Vecchia nun wieder nach Marseille zurückgehen werden. So sicher ist das nicht, obgleich ihre ostensible Seudung erfüllt ist.

Aegypten.

Ibrahim Pascha ist wirklich am 10. Nov. in Kahiro gestorben. Er hatte sich einige Tage vorher in einem Zustande völliger Be­wußtlosigkeit befunden. Eine Stunde nach Mitternacht, am 1q., erhob er sich einen Augenblick und gab den Geist auf, sowie er sich wieder niedergelegt. Die Frauen Des Harems zogen sich so­gleich zurück, ganz in der Stille, und sogleich traten die Ulemas hinzu, die nach einem kurzen Gebete den Leichenwäschern Platz machten. Die Gebete dauerten dann fort bis 11 Uhr, wo die Leiche gehoben und in die Familiengruft Imam Safi gebracht wurde. Das Leichenbegängnis; war nicht sowohl einfach, als vielmehr auffallend ärmlich; nur eine geringe Anzahl Truppen waren ausgerückt, und nur wenige Honoratioren haben sich dem Zuge angeschlossen. Sein Vater empfing die Todesbot, chaft mit dem Worte:Schade," sprach aber sogleich von anderen Dingen, und zwar irre wie sonst, ohne sich weiter um seinen Sohn zu kümmern. Während der Gebete tm Harem hatte sich ein Diwan, bestehend aus den einflußreichsten Mitgliedern der Familie, Kiainil, Sheris, Achmed Pascha, ferner Samy, Achmed Menikli und Has­san Pascha, sowie einigen Bey's, im großen Rathssaale versam­melt, wo der Beschluß gefaßt wurde, den Nachfolger Ibrahims, Abas Pascha, Mehmed Alis Enkel, aus Mekka, und Said Pascha, nunmehr Mehmed ältsten Sohn, herbeizuholen, einstweilen die Geschäfte im Namen des Präsidenten dieses Diwans zn be­treiben und von allem diesen die hohe Pforte in Kenntniß zu setzen. Die Stadt ist vollkommen ruhig. Die Bevölkerung scheint wenig Notiz vom Ableben Ibrahim Pascha's zu nehmen, die, welche den Reformator fürchten, überlassen fid) sogar einer gegen die Schicklichkeit verstoßenden Freude. Von Abas Pascha spricht man mit Achtung; er wird als verständig, freigebig und Freund der Ordnung geschildert. Er wurde 1811 geboren. Ibrahim Pascha war 1789 geboren und, obgleich von herkulischer Com- plerion, dennoch stets leidend; er war nie verheirathet. Von drei noch lebenden Slavinnen hat ec drei Söhne; der älteste und der jüngste, Achmed und Ismail Bey, studiren in Paris , der mittlere, Mustapha Bey, studirt in Kahira unter der Leitung eines französischen Pädagogen. Sie erben zu gleichen Theilen sämmtliches Vermögen ihres Vaters, das zu den bedeutendsten int Oriente gezählt wird. Der Verstorbene hat während seiner Ver­waltung keinen seiner weitaussehenden Reformpläne ins Werk gesetzt. (Wien. 3 )