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ültißfeit wohl wenige Vertheidiger finden dürfte. Bis zur lßersten Gränze ging jedoch Hr. v. Daniels. Es ist in der irlamentarischcn Geschichte wohl der Fall unerhört, daß durch n Votum von 80 Deputirten mehr als 200 ausgestoßen worden äicn ; diesen Fall stellte der gestrige Antrag des Hrn. v. Daniels in uèsicht. Die Stimme der Mäßigung blieb dagegen nicht ungehört. ,r. Kosch legte mit tiefer Bewegung Protest gegen ein solches Zerfahren ein und forderte Achtung für das Opfer, das er und Vic seiner Freunde mit Resignation auf ihre innerste Ueberzeu- ing schon durch den bloßen Eintritt in diesen Saal gebracht, s ist bezeichnend für die Bodenlosigkeit unsrer gegenwärtigen arlamentarischen Verhältnisse, daß der Antrag von Simons urch 72 Stimmen zum Beschluß erhoben werden konnte, eine iahl, die nicht den fünften Theil der Versammlung repräsentirt.
3 enthielten sich der Abstimmung.
Der von den 73 Mitgliedern zum Beschluß erhobene Antrag on Simons und Genossen lautet wie folgt: „Die Versamm- ung wolle ihren Präsidenten beauftragen, das Slaatsministerium u ersuchen, für diejenigen Mitglieder, welche sich bei dem letzten Namensaufrufe nicht gemeldet haben, die Stellvertreter einzube- usen." Die Versanimlung ist also bis zum Donnerstag den L vertagt.
Berlin, 2. Dec. Neuer Angriffsplan der Majorität.) Unser parlamentarischer Kampf ist seit gestern wiederum in eine neue sZhase getreten. Nachdem man vorgestern Abend sich hier in iZerlin noch einmal in einer Versammlung sämmtlicher zurückgebliebenen 'Abgeordneten die Lage der Dinge vergegenwärtigt, nach- em man namentlich den unmittelbar vorhergegangenen militäri- chen Gewaltschritten gegenüber beschlossen hatte, wieder auf dem Kampfplätze zu erscheinen, um mit Aufbietung aller Kräfte dem Ministerium Brandenburg entgegenzutreten, gaben 97 Abgeord- rete durch Untei schreiben einer Erklärung den Willen kund, sich gestern früh nach Brandenburg zu begeben; sie thaten es, Mehrere reilich nur, wie z. B. die Herren Pilet, Arntz k. , um auf der ju^rrrtribüne dem Kampfe zuzüschauen. Die eigentlichen Stimm- ührer der Parteien, wie die Hrn. Rodbertus, Berg, Jacoby, Waldeck, d'Ester halten sich freilich auch gestern noch nicht nach Brandenburg verfügt. Was die gestrige Sitzung in Brandenburg gebracht hat, darüber liefern die Sitzungsberichte selbst das Ge- rauerc; der Beschluß wegen Einberufung der Stellvertreter ist, zanz abgesehen davon, daß nicht 74 Personen (denn nur soviel aetheiligten sich bei der Abstimmung darüber) für einen Dritten ündende Beschlüsse fassen können, schon deshalb ein überflüssiger, veil die Abgeordneten selbst nunmehr den passiven Widerstand tufzugeben entschlossen sind, nachdem ihnen in einer für sie rechtsverbindlichen Weise durch den Präsidenten v. Unruh eine Einbe- ufung zugegangen war. Dieses Einberufungöschreiben, uuterzeich- iet von dem Präsidenten v. Unruh und den Vicepräsidenten Philipps und Ploennies, ist erst gestern Abend, also nach dem Schluffe der gestrigen Versammlung, an die hier zurückgebliebenen Abgeordne- icn gelangt, und stützt sich auf den am 12. gefaßten Beschluß, »aß der Präsident, wenn die Fortsetzung der Berathung hier in Berlin unmöglich gemacht werden sollte, die Befugniß haben soll, sie Versammlung nach jedem anderen Orte der Monarchie einzu- berufen. Die Berathungen in den Parteien hierüber waren gestern Abends ziemlich stürmisch, indem mehrere Abgeordnete für den Fall tue Ansicht geltend machten, daß sie entschlossen seien, vorher eine Berufung an ihre Wähler eintreten zu lassen. Wirklich sind bereits gestern Abends Einzelne, z. B. die Herren v. Berg, Schultze (Delitsch) , w. in ihre Wahlbezirke ab geeist- Wahrscheinlich hängt mit diesem Beschlusse das völlig unbegründete Gerücht zusammen, dessen heute in sämmtlichen Berliner Zeitungen Erwähnung geschieht, daß die Herren Waldeck, Rodbertus, Berg, Jacoby, Jung, v. Kirchmann, Berends, d'Ester, Hildenhagen, Ploennies beabsichtigen, ihr Mandat niederzulegen. Wir sind von den erwähnten Parteiberathungen genau unterrichtet, und können daher mit Zuverlässigkeit die nannigfach ausgesprochene Ann nähme zurückweisen, als ob die hier gebliebenen Abgeordneten entschlossen seien, eine Vermittelung von der Hand zu weisen. Umgekehrt, es wurde gleichseitig von allen Seiten die Nothwendigkeit einer solchen Vermittelung anerkannt, allein man glaubte, als eine erste Grundbedingung für jedes weitere Nachgeben
an der Entlassung des Ministeriums Brandenburg festhalten zu müssen und war in diesem Entschlusse auch vor Allem durch die neuen Gewaltschriite, die eS sich der Habeas-corpus-Acte zum Trotz vorgestern wiederum hatte zu Schulden kommen lassen, von Neuem bestärkt worden.
Sollte die Regierung in diesem Eardinalpunkte nicht nachzugeben auch ferner gewillt sein, so will man sie in die Nothwendigkeit versetzen die Kammer aufzulösen und dadurch eine Appellation an das Volk eintreten zu lassen, die in den Neuwahlen ihren naturgemäßen Ausdruck finden würde. Auch die Stimmführer der Rechten, wie z. B. Reichensperger, Baumstark, Milde je. sind gestern Abend von Brandenburg hier eingetroffen, um an den Vorberathungen zu dem entscheidenden Kampfe am Donnerstag sich zu beteiligen.
— Die rechte Seite des Landtags hat heute einen „Aufruf an das Land" erlassen, in welchem sie über das Ergebniß der Freitagssitzung berichtet. Durch das Verhalten in derselben, so behauptet sie, „ist eine offene Auflehnung gegen die Krone erklärt, der Bürgerkrieg in den Dom von Brandenburg verlegt und eine Regierung von Unruh gegenüber der Regierung Friedrich Wilhelms IV. zu errichten unternommen."
2/ Kassel, am 6. Dez. 1848. (Ein Rückblick auf den 6 Dezember 1847.) Es war ein düsterer, kalter, nebeliger Tag, der 6. Dezember 1847, und entsprach somit auch ganz der trostlosen Oede der damaligen politischen Zustände. War ja damals jeglicher Bürgermuth gebrochen und selbst die Toga des Richters zum Hofkleire umgewandelt, waren doch die Vertreter des Volkes stumm geworden, oder höchstens nur beflissen, durch Aussprüche zweideutiger Klugheit, der innern Mahnung — thue recht und scheue Niem und — den schärfsten Stachel zu rauben.
An diesem Tage war es, wo die Kohorten unserer Krieger, stumm und düster wie Alles, was sie umgab, in langen Kolonnen die schönen, so öden Straßen unser Hauptstadt entlang, nach dem schönsten ihrer weiten großen, öden Plätze dahin zogen, um sich dorten in gedrängten Heerhaufen zusanimenzuschaaren. Aber wenn schon seih Sonnenstrahl sich wiederspiegelte in jenen tausenden von Waffen und Helmspitzen, niemals seit ihrem Bestehn, seit länger denn 150 Jahren, niemals erschienen sie glänzender, denn aus der Mitte der Kohorten jener Krieger erhob sich, rauschend in den Lüften, das tief in den Staub getretene Banner — des hessischen Bürgerm uthes. Mit ruhiger Resignation erfaßt, ward es mit starkem Arm hoch empor gehoben. Jene Krieger weigerten, was die Bürgerpflicht gegen daS Vaterland ihnen verbot.— Für das Vaterland zu sterben, 0' das ist fürwahr für ein edles Kriegerher; ein beneidenswerthes Loos, aber durch bethätigte Ueberzeugungslreue sich dem Schicksale blos zu stellen, mit seinen Lieben allen in Armuth und Elend verkümmern zu müssen, dieser Gedanke kann wahrlich auch den Muthigsten erbeben lassen. Darum darf, wer solchen Krieger- und solchen Bürgermuth in sich vereinigt, wohl zu den Besten gezählt werden. Ob bas damals begriffen und verstanden worden ist, damals, wo es noch nicht einmal Maulhelden der Freiheit, sondern fast nur kriechende oder zitternde, oder höchstens seufzende, und nur wenige, sehr wenige knirschende Sklaven gab — ? Ob's später gelohnt wurde? — O ja! schon damals, wie das rechtschaffene Handeln immer gelohnt wird, durch das Bewußtsein, durch den Gollesftjeden in der eigenen Brust des Rechtschaffenen, als der höchste dem Menschen von Gott gesendete Lohn.
Ob's gedankt wurde vom dankbaren Vaterlande, damals und als schon nach wenig Monden eine neue Aera der Freiheit begann, und jene Krieger den für das Volkswohl notb- wendigen Reformen wahrlich auch nicht einen Strohhalm in den Weg legten, sondern freudig zu allen Opfern sich bereit erwiesen, bei allen Gelegenheiten die größte Besonnenheit und mehr als einmal die höchste Selbstverläugnung beurkundeten?— Folgende Stelle eines vaterländischen Blattes wird es künden :
„Das Volk wird sich in der nächsten Revolution (kann auch „heißen bei der nächsten Gelegenheit, id est Krawall, Zeughaus- „sturm ober dgl.) sofort der Familienglieder der Offiziere be= „mähtigen müssen und so gegen die Brutalität des Militärs die „letzte Appellation einlegen."