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erscheinen können, weil es mit der Einberufung der noch fkblen- den Mitglieder nach Brandenburg beschäftigt sei. (Lachen rechts. Eine Stimme: „das ist doch zu arg!") — Unter heftigem Tu­multe ward hierauf ein Antrag von Parristus aus Vertagung bis Montag mit 145 gegen 113 Stimmen verworfen Die Rechte verlangte neue Constituirung der Versammlung, während die Neu- eingetretenen, welche an die Berliner Verhandlungen unmittel­bar anknüpfen, widersprechen, weil das „Präsidium" noch nicht alle Mitglieder habe einberufen können. Baumstark erklärt, man kenne hier keinen Präsidenten v. Unruh: die am 12. No­vember in Berlin angenommene Präsidentenwahl sei eine unge­setzliche gewesen Hierauf verließen 90 Mitglieder den Saal, so daß die Zahl der Anwesenden wieder auf 170 herab­sinkt. Bornemann erklärt, er sei am 12. November zum Vice- präsidenten erwählt, aber nicht, wie er es ansehe, für die gegen­wärtige Versammlung. Der Namensaufruf ergiebl, daß 172 Mitglieder anwesend und demnach die Versammlung nicht be­schlußfähig ist. Simons bringt seinen Antrag: „Die Stellver­treter für alle bei dem letzten Namensaufruf Abwesenden cinzu- berufen," zur Debatte. Von vielen Seiten wird dagegen prote- fiirt, weil die Versammlung nicht beschlußfähig sei. — Nach län­gerer Debatte kommt man zur Abstimmung. Da verlangen Wachsmuth u. A. namentliche Abstimmung, um dem Lande zu zeigen, wer einen solchen unrechtmäßigen Beschluß faßte. Der Antrag wird mit großer Majorität angenommen werden. (Ab­gang des Dampfzuges.)

Offenbar sucht die Rechte bis zum Donnerstag die Zeit zu be- riutzcn, um sich durch Stellvertreter und Schwankende beschluß­fähig zu machen, dagegen wird die Opposition versuchen, sich Lurch die noch fehlenden Mitglieder des linken Centrums und der Linken die Majorität zu sichern. Gelingt dies, so wird die rechte Seite sich entfernen, und die Regierung entweder eine neue län­gere Vertagung aussprechen, oder die Versammlung auflösen; ge­lingt es aber nicht, so wird die Opposition sich entfernen müssen, Las Centrum wird bleiben und das Ministerium Brandenburg voll- fländig gesiegt haben.

Der Präsident Unruh ist zurück nach Berlin gekommen und hat alle Abgeordneten der Linken zu einer Conferen; einladen lassen um sie zu bestimmen, ihm nach Brandenburg zu folgen. Dies ivirb jedoch um so weniger gelingen, da ein großer Theil heute abgereist ist und die Zurückbleibenden fest bei der Ansicht verharren, daß sie nicht nach Brandenburg gehen dürfen.

Berlin, 1. Dec. Der hier verbliebenen Versammlung soll folgende Adresse, welche bereits zahlreiche Unterschriften gefunden hat, zugehen:

„Hohe Nationalversammlung! Nachdem die Nationalversamm­lung mit eben so viel Würde als Entschlossenheit die Rechte des Volkes gegen die Uebergrisse des Ministeriums Brandenburg zu wahren gewußt hat; Nachdem dieselbe einen rechtsgültigen Beschluß dahin gefaßt hat, daß die Krone nicht berechtigt sei, die Natio­nalversammlung einseitig zu vertagen, zu verlegen oder aukzulösen; nachdem derselben für diese ihre Beschlüsse die einmüthige Zustim­mung des Volkes zu Theil geworden ist; nachdem endlich dieselbe dem ihr widerrechtlich gegebenen Befehl, am 27. Nov. in Bran­denburg zu erscheinen, nicht nachgekommen ist, sprechen wir hier­durch die Ueberzeugung aus, daß die Vertreter des Volkes weder ihrer eignen Würde, noch dem Rechte des Volkes irgend etwas vergeben, wenn dieselben beschließen, durch Verlegung ihrer Be­rathungen nach Brandenburg auch diejenige Fraclion wieder zu sich zu ziehen, die sich bisher von derselben getrennt hat, nnd der Krone Veranlassung geben, in Gemeinschaft mit einer vollständigen Nationalversammlung die verletzten Volksrechte wieder herzustellen und die Verfassung des preußischen Staates ins Leben zu rufen. In diesem Sinne fordern wir die Nationalversammlung auf, ihre Verlegung nach Brandenburg zu beschließen, und auf diese Weise es unmöglich zu machen, daß nicht unter dem Scheine des Rech­tes Beschlüsse gefaßt werden, durch welche die Freiheit und Las Wohl des Volkes auf längere Zeit gefährdet werden könn­ten. Berlin, 30. November 1848."

Berlin, 1. Dec. Die Voss. Ztg., welche gestern wußte,

daß Gagerns Vermittlung eine Art Erfolg gehabt habe, zeigt heute an, daß „auch die Bemühungen des Präsidenten des deut­schen Parlaments gescheitert seien." Sie fügt hinzu, das Mini­sterium habe in Folge brr Unterhandlungen mit Hrn. v. Gagern seine Entlassung gegeben. Der König aber habe sie nicht ange­nommen.

Frankreich.

Paris, 30. November. Die Nationalversammlung ist über die römische Jnterventionsfrage mit 480 gegen 63 Stimmen zur Tagesordnung übergegangen. — Proudhon soll im Duell von F. Pyat erschossen sein (?)

Italien

R o m. Am 21. Novembember war die Deputirtenkammern in genügender Zahl versammelt. Der Abgeordnete Pntenziani schlug vor, eine Avdresse an den Papst zu richten, um ihm die Gefühle ihrer Ergebenheit auszudrücken. Die Mehrzahl der Kam­mer verwarf diesen Vorschlag, als des siegreichen Volkes unwür­dig. — Nichtsdestoweniger wird die Depulirtenkammer aller Wahrscheinlichkeit nach bald aufgelöst oder wenigstens gesprengt; werden. Mindestens ist dies in dem, jetzt den Ton angebenden Volksverein (Circolo populäre) von dem Präsidenten, Vicepräsi- denten und andern einflußreichen Mitgliedern verlangt worden.

Erklärung.

In der in Nro. 175 dieser Blätter enthaltenen, von glaub­würdigster Seite mitgetheilten und im klebrigen durchaus bestätig­ten Schilderung der bei der Militäraushebung zu Marburg vor- gekommenen Ercesse ist auch eines Buchbinders Sch. als Haupt- Tumultuanten gedacht worden. Herr Buchbinder Schaaf zu Mar­burg hat hiergegen mit der Bemerkung reclamirt, daß er in jener Stadt der einzige Buchbinder Sch. sei, und die Darstellung jener Scenen, soweit sie den Buchbinder Sch. betreffen, mindestens auf einem Mißverständniß beruhen müsse. Nach der hierauf eingezogenen sorgfältigen Erkundigung beeilen wir uns, dem genannten Herrn zu bezeugen, daß nicht er, überhaupt nicht ein Buch b i n d e r Sch., sondern ein Buchdrucker Sch. sich in der erwähnten Weise bei den beschriebenen Auftritten betheiligt haben soll.

Kassel, 3. December 1848. D i e Redaction.

Angekommene Fremde vom 2- und 3 December.

Im König von Preußen (Schambeck): Amtmann Heinze auf Sondershausen; Part. Otto mit Familie aus Hamburg; Hofrath Schweinz mit Tochter aus Berlin; Kauft. Schafrath aus Hanau, Helmuth aus Braunschweig u. Auerbach aus Berlin; Lieut. Wersseur aus Geismar; Part. Röbner aus Augsburg; Assessor Sauerländer aus Paderborn; Reut. Gotthelf mit Gemahlin aus Weißenfels.

In der goldnen Krone <F. Schade): Geistlicher Löffler aus Er furt; Oeconomen Bogt aus Störmede ». Dippel aus Volkmarsen ; Guts­besitzer Schäfer aus Querbach; Kauft. Merdens aus Berlin, Schmidt auS Wiesbaden, Anschütz aus Frankfurt a. Bk. u. Meher auS Bremen; Cas­sirer Engelhardt aus Wolfhagen; BataillonSarzt Dr. Bestelen aus Cassel.

Im Römischen Kaiser (I. L. Lang): Ingenieur Dickhoff auS Minden ; Assessor Berkheim ans Magdeburg; Landrath Stanzer aus Schwe­rin ; St. jur. Thaugott aus Halle; Part. Kellermann aus Münster; Kauft. Weishaar aus Magdeburg, Werner auS München, Peltzer auS Rheydt, Tyrell aus Frankfurt u. Buchholz auS Bremen.

Im Hotel <le Russie (C Klein): Kauft. Lohnstâdt aus Erfurt, Halin aus Braunschweig und ManS aus Iserlohn; Regt. Fruchet auS Metz; Rent. OrtjieS aus Amsterdam.'

Repertoire des Kurfürstlichen Koftheaters.

Dinstag, 5. Dec.: Der Berggeist. Romant. Oper in 3 Aufz. von G. Döring. Musik von L. Spohr.

Mittwoch, 6. Dec.: Erstes AbonnementS-Concert der Mitglieder des Hof-Orchesters.

Donnerstag, 7. Dec.: Der Gang ins Irrenhaus. Lustsp. in 1 Aufz. nach Scribe und Delestre-Poirsvn von Herzenskron. Hierauf: Der Majoratserbe. Lustsp. in 4 Aufz. von der Verfasserin von „Lüge und Wahrheit."

Sonnabend, 9. Dec.: Ein Drama ohne Titel in 5 Aufz. nach St. Hilaire von Forst und Leutner.

Sonntag, 10. Dec.: Die Vestalin. Große Oper mit Tanz in 3 Aufz. von Jouy. Musik von Spontini.

Druckfehler: Im letzten NntcrhaltungSblatte S. 92 Sp. 2. Zeile 10.11. von unten „Scladin" statt „Saladin", Z. 6. „ganze" statt „junge" Z. 3. „inniger" statt „voll inniger", Z. 1. „der" statt „des".

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Kassel.