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Dir Erklärung ist unterzeichnet vom Steimmig, Nethe, v. Man­nheim, Rehme, Haase, Kunth, Elkenau, Schadebrod, Sohr­eide, Dunker und noch 4 bis 5 Anderen aus dem Centrum. - Der Redner fügt hinzu; Ich spreche persönlich bis zuversicht- che Hoffnung aus, daß morgen die Versöhnung in diesen Räu- m angebähnt sei und daß diese Crists zum Heil des Vaterlan- >s ausschlagen wird.

Parristus: Auch ich habe mich persönlich zu erklären. Ich be- nde mich nicht im Einklänge mit den beiden Rednern vor mir. ch bin hierher gekommen, um die Versammlung, soviel an mir egt, vollzählig zu machen, und um hier den Kampf gegen ein ,lks- und freiheitsfeindliches Ministerium fortzuführen. (Furcht- mr Lärm. Fortwährender Ruf: zur Ordnung! zur Ordnung! ) ch habe aber noch einen zweiten Standpunkt. Ich denke, die Nationalversammlung wird die Macht haben, dieses Ministerium i überwinden. (Neuer endloser Tumult. Wiederholter Ruf zur Ordnung. Der Präsident stellt mit der Glocke endlich die Ruhe er.) Meine Herren, ich gebe Ihnen die Versicherung, daß, wie h fest stehe gegen das Ministerium für das Volk und seine Frei- eit, ich, so lange meine physischen Kräfte ausreichen, dahin mir» ',, werde, daß die Freiheiten des Volks von keiner Seite beein- ächtigt werden.

Bauer (Berlin): Ich erinnere an das, was die beiden vor- ^trn Redner gesprochen haben. Es waren Worte der Versöh- ung. Der letzte Redner hat diesen Weg nicht eingeschlagen. Inter dem Vorwande einer persönlichen Bemerkung hat er den- lben Weg betreten, auf welchen seit 7 Monaten zum Unheil des andes nur Zwiespalt ausgesäet wurde. Ich protestire dagegen, aß hier Charaktere verdächtigt werden und von einem unter uns esagt werde, daß er nicht für die Freiheit kämpfe. — Parristus iu die Tribüne besteigen. (Neuer Lärm Ruf zur Tagesord­nung.) Ich habe eine faktische Berichtigung zu machen. Es ist ine sehr schwere Anklage gegen mich erhoben. (Ja wohl!) Die Verdächtigung von Charakteren. Es wird mir doch wohl gestattet in, zu behaupten, daß ich für die Freiheit zu kämpfen enischlos- n bin. — Reichensperger: Es kann nicht gestattet werden, daß er jeder von der Tribüne herab Erklärungen über sein persön- ches Verhalten gebe. Sollte das zulässig sein, so hätten wir, te wir in der Presse und aus jede Weise verdächtigt wurden, icl eher Grund hier aufzutreten und uns gegen ungerechte An­riffe zu vertheidigen. Der Alterspräsident verkündet das Resul- it der Zählung: gegenwärtig sind 182 Mitglieder und 3 mit Entschuldigung abwesend. Auf der Tagesord- ung steht der Antrag von Simon. Simon erklärt: Verschie- wc Umstände bestimmen mich dahin anzutragen, daß die Verhand- ing des von mir gestellten Antrages bis morgen verschoben erde. — Dies wird genehmigt und die Vertagung der Sitzung is morgen Vormittag i 1 Uhr beschlossen. — Schluß der Siz- mg 12'/* Uhr.

Berlin, 28. Nov. Ueber das Verhalten der bis jetzt icht nach Brandenburg gegangenen Mitglieder ist die wahrschein- chste Vermuthung , daß sich die hiesige Versammlung auflösen, n Theil der Abgeordneten sich in seine Heimath begeben unv ein nderer eventualiter nach Brandenburg gehen wird, um falls durch iequisilion von Stellvertretern es der Regierung gelingen sollte, ine beschlußfähige Versammlung in Brandenburg zusammenzu­ringen, dort den Beschlüssen der ministeriellen Kammerpartei ent­egenzutreten.

Im Verlage von Reuter und Stargardt ist von dem als U'chtslehrer bekannten Abg. Temme eine Broschüre unter dem itel „Rechtliches Bedenken über die Verlegung und Vertagung T preußischen Nationalversammlung" erschienen. Von dem Abg. ung erscheint bei denselben Verlegern eine Brochüre „der Ma­strat von Berlin, seine Begriffe von Ehre, sein Muth, sein -erstand."

Durch eine Verfügung deö Generals v. Wrangel ist eine zum 9. in Berlin beabsichtigte Erleuchtung zur Feier der silbernen ochzeit des Königs, im Interesse der Aufrechthaltung der öffent- chen Ordnung und Ruhe untersagt worden.

Der s. g. Präsident des Lindenclubs, Hr. Müller, ist am 28. i die Stadivoigtri abgeführt worden.

Der Prinz Wilhelm von Preußen, Oheim des Königs und

Vater der Königin von Baiern, ist am 27. von Nymphenburg in Potsdam kingetroffen.

Berlin, 29. Nov., Abends. Heute waren in Brandenburg 151 Mitglieder anwesend, einige waren krank und 22 hatten ihre Abwesenheit entschuldigen lassen. Heut Abend hat nun das Hotel de Russie beschlossen, nach Brandenburg zu gehen, kommen dazu die Bauern, so könnte die Versammlung möglicherweise mor­gen 209 Abgeordnete zählen, also beschlußfähig sein. Auf diesen Moment wartet die Regierung und namentlich der kluge und ge­wandte Herr von Manteuffel, um ihrerseits mit Maßregeln gegen die Berliner Fraclion vorzugehen. Sollte es indeß den Anschein gewinnen, daß die Brandenburger Versammlung beschlußfähig würde, so wollen die übrigen Abgeordneten in Masse hinüber- gehen, um am Freitage wieder Hrn. v. Unruh auf den Präsiden- renstuhl zu setzen, denn dieser will nur gehen, wenn er seiner Ma­jorität gewiß ist. Er wird dann zur Wiedereröffnung das Pro- tocoll vom 15. b. verlesen lassen mit der Steuerverweigerung. Darauf wird die Rechte vielleicht den Saal verlassen und wir stehen dann auf dem alten Fleck, das sind die Aussichten von heute Abend. In Brandenburg hat man nichts gethan, als die Versammlung zählen; morgen aber kommt der Simonsche Antrag vor. Hier sind die Parteien noch jetzt um Mitternacht in voll­ster Berathung über die zu fassenden Entschlüsse. Die Männer der strengen Consequenz, deren freilich nicht viele sind, haben entschieden jede Verbindung mit Brandenburg abgelehnt, nachdem sic sich einmal dagegen ausgesprochen; die anderen politisiren; jene haben ihre hauptsächlichste Stütze an H. Simon von Bres­lau. Hr. v. Gagern ist hier außerordentlich scheu und vorsichtig aufgetreten; er habe es nur mit den deutschen Verhältnissen zu thun. Er befand sich heute in Brandenburg in der Diplomaten- loge und ist heute Nachmittag nach Berlin zurückgekehrt. Nach Angabe der „Deutschen Reform" will er morgen nach Frankfurt zurückkehren, ebenso Vincke, dessen Cabinetsbildung sich zerschlagen zu haben scheint.

Berlin, 29. Nov. Nach einem langen und hitzigen Kampfe wurde in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten über den Antrag des 77. Bezirkvereins und des Centralvereins, eine offi­zielle Widerlegung gegen den vom Reichscommissär Bassermann über die Berliner Zustande gegebenen Bericht, zu veröffentlichen, mit 49 gegen 45 Stimmen zur Tagesordnung übcrgeganqen.

Berlin, 29. Nov. Ueber die Ansichten und Absichten der Krone, über den Erfolg der Gagernschen Bemühungen und über das Verhältniß zu Frankfurt weiß man noch immer Nichts. Beweis dafür die sich total widersprechenden Nachrichten der sonst gut unterrichteten Blätter und Berichterstatter. Uebrigenö scheint die Mission des Herrn v. Gagern keineswegs nach Wunsch aus­gefallen zu sein. Diese peinliche Thatsache wird von den ver­schiedenen wohlgesinnten Blättern in mehr oder weniger verhüll­ter Weise angkveulet, der Vofflschen und der Deutschen Reform.

D^e Deutsche Reform bemerkt: Herr v. Gagern beschäftigt sich wie es scheint ausschließlich mit der Feststellung der definiti­ven Centralgewalt und läßt Preußen seine inneren Verhältnisse, wie es auch nicht anders sein kann, selbst ordnen. Ob der Auf­ruf des Reichsverwesers ihm dabei gute Dienste leistet, ob ein Staatsmann von seiner Einsicht die betreffenden Handlungen der Reichsminister billigt, das wissen wir nicht; zugleich sind wir aber überzeugt, daß weder er den großen Gedanken der deutschen Einheit, den er mit Iugendgluth erfaßt hat und festhält, wegen augenblicklicher Schwierigkeiten ausgeben, noch auch daß Preußen aus denselben Gründen seinen Beruf der deutschen Nation gegen­über, der jetzt klarer als je zu Tage liegt, jemals verkennen wird. Aus dem sogenannten Kaiserthum wird nichts werden, wie über­haupt aus keiner Centralisation, welche den einzelnen deutschen Staatskörpern die Eigenheit ihres Daseins rauben könnte; wohl aber hoffen wir, wird eine feste Föderation zu Stande kommen, bei der auch Sachsen und Baiern ihre ungeschwächte Erlstenz be­haupten werden."

Die Vossische Zeitung schreibt dagegen unterm 30. November Folgendes, wonach Gagern doch sich mit der Lösung des preußi­schen Conflicts beschäftigt haben würde: — „Herr v. Gagern soll, dem Vernehmen nach, heut seine Rückreise nach Frankfurt angetreten haben. Er hätte seine Mission zwar nicht in der