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ich noch nichts für mein Land gethan, zugewandt. Aber je mehr mich daS Andenken an den Kaiser begünstigt und mir Ihre Stim­men verschafft, desto mehr fühle ich mich verpflichtet, Ihnen meine Gefühle und Grundsätze zu erkennen zu geben. Zwischen Ihnen und mir darf keine Zweideutigkeit herrschen. Ich bin kein Ehr­geiziger, der bald Krieg, bald Kaiserthum, bald die Verwirklichung verbrecherischer Ideen träumt. In freien Ländern und in der Schule des Unglücks erzogen, werde ich stetS den Pflichten treu bleiben , welche mir ihre Stimmen und der Wille der National. Versammlung auferlegen. Wenn ich zum Präsidenten gewählt werde, so werde ich vor keiner Gefahr, vor keinem Opfer zurück- weichen, um die noch so kühner Weise angegriffene Gesellschaft zu vertheidigen. Ich werde mich ganz und ohne allen Rückhalt der Befestigung einer Republik hingeben, welche weise durch ihre Gesetze, red­lich durch ihre Intentionen, groß und stark durch ihre Handlungen ist. Ich werde meine Ehre darin suchen, nach Ablauf von vier Jahren meinem Nachfolger die Staatsgewalt fest, die Freiheit unberührt, vom wahren Fortschritt erfüllt, zu überliefern. Welches auch das Wahlresultat sei, ich beuge mich vor dem Volkswillen und mein Beistand ist im Voraus jeder gerechten und festen Regierung zu- gesichert, welche Ordnung sowohl in den Gemüthern wie in den Dingen herstellt, welche die Religion, Familie und Eigenthum, diese ewigen Grundlagen aller gesellschaftlichen Ordnung, aus­gedehnt schützt, welche mögliche Reformen hervorruft, den Haß be- fänftigt, die Parteien aussöhnt und auf diese Weise dem beun­ruhigten Vaterlande gestattet, auf einen Morgen zu zählen. Ord­nung wiederheistelltn, heißt das Vertrauen zurückführen: durch Kredit der vorübergehenden Unzulänglichkeit der Hülfsquellen vor­sehen, heißt die Finanzen wieder beleben. Religion unb Familie beschützen, heißt dir Kultus- und Unterrichtsfreiheit sichern. Das Eigenthum schützen, heißt die Unverletzlichkeit der Produkte aller Arbeiten aufrecht erhalten, fcirie die Unabhängigkeit und Zuver­lässigkeit des Besitzlhums, diese unerläßlichen Grundlagen bürger­licher Freiheit, gewährleisten. In Betreff der möglichen Reformen, so erscheinen folgende als dir dringendsten: Alle Ersparnisse ei»- zuführen, welche, ohne den Staatsdienst zu lähmen, eine Verrin­gerung der Steuern erlauben, die ain härtesten auf dem Volke lasten. Unternehmungen zu ermuthigen, welche den Reichthum der Agrikultur vermehren und in Frankreich sowohl als in Algerien brcdlcse Hände beschäftigen. Dem Greisenalter der Arbeiter durch Versorgungsanstallkn Hülfe zu leisten. In unsere industriellen Gesetze Verbesserungen einzuführcu, irr lese dahin streben, nicht den Reichen zum Besten der Armen zu ruiniren, sondern den Wohl­stand eines Jeden auf den Wohlstand All.r zu gründen. Die Zahl der von der Regierungsgewalt zu vergebenden Stellen in ihre möglichst engen Gränzen zurückzuwtiftn, denn diese Stellen­jagd macht aus einem freien Volke ein Volk von Bitisiellern. Jene schlimme Tendenz zu vermeiden, welche vom Staat ausfüh­ren lassen )viU, was Privatleute eben so gut und oft besser thun können. Die Centralisation der Interessen und Unternehmungen liegt in der Natur des Despotismus. Die Natur der Republik stößt das Monopol von sich. Endlich die Preßfreiheit gegen zwei Hebelgriffe zu beschützen-: gegen Willkür der Negierung und eigene Ausschweifung. Krieg nach Außen wurde unseren Uebelstanden keine Linderung verschaffen. Friede uütde also der theuerste mei­ner Wünsche sein. Frankreich nor bei seiner eisten Revolution kriegerisch, weil es gezwungen war, dies zu sein. Den Fnmden- einfali erwiederte ,s mit Eroberung. Heute, wo es nicht herauS- gesordert ist, kann es seine Hülfsquellen Friedensverbesserungen zurrenden, ohne auf eine ehrenvolle unb entschlossene Politik zu verzichten. Eine große Nation muß schweigen oder nie den Mund vergebens öffnen. Paris, 27. November 1848.

(gez.) Louis Napoleon Bonaparte. Nordamerika.

London, 27. Nov. Das Tampfboot „Hibernia" mit Nach- richten vom 15. Nov. aus Newyork, ist heute von dem Mersey lelegraphirt worden. Die Präsidentenwahl ist entschieden; General Taylor hatte am 15. bereits 173 Stimmen, während nur 146 erforderlich sind, um ihm die höchste Würde zu sichern. — Aus Caraccas sollen in Newyork wichtige Nachrichten eingetroffen fein; Paez habe, so heißt cs, die Stadt mit 2000 Mann besetzt.

Landtag.

Heute den 1. December fand die feierliche Eröffnung bi Ständeversammlung durch den Minister*) des Innern im Au trage des Kurfürsten Statt. Auch die übrigen Minister ur sämmtliche ordentlichen und außerordentlichen Ministerial-Referel ten re. waren in großer Uniform zugegen. Herr Eberhard, vc einer Deputation, bestehend aus den Herren von Schenck, Eissei gartheu und Gundlach, eingeholt, trug folgende Eröffnungsrede voi

„Hochgeehrteste Herren! Durch allerhöchste Vollmacht Sein Königlichen Hoheit des Kurfürsten zur Eröffnung des Landts berufen, beiße ich Sie alle freundlichst willkommen.

Wenige Wochen sind erst verflossen, seit die Verhandlung, eines Landtags zu Ende gelangten, der durch die in dem Lani lags-Abichiede vom 31 v. M. niedergelegten Resultate den übe zeugenden Beweis gegeben hat, daß äußere und innere Schwiern feiten überwunden werden, wo Regierung unb Stände in ei, müßigem Zusammenwirken ein Ziel verfolgen. Die Regierun meine Herren, ist unausgesetzt von dem aufrichtigen Streben b seelt, der Befestigung unb zeitgemäßen Entwickelung volksthün lieber Institutionen neben der Förderung der wahren Wohlfah aller Volksklassen alle ihre Kraft zli weihen; — möge sie hie bei Ihres Vertrauens, Ihrer kräftigen Unterstützung keinen Auge, blick entbehren.

Die Verkündigung der auf den, letzten Landtage zu Stanl gekommenen Gesetze ist erfolgt. Daß die dadurch bedingte volki thümliche Umbildung der Landesverwaltung und der Rechtspflec in kurzer Frist ins Leben treten möge, darauf hat die Regier»» inmittelst nach Kräften hinzuwirken gesucht.

Die in dem jüngsten Landtagsabschiede zugesicherten und i Aussicht gestellten Gesetze während der jetzt beginnenden Landtags Periode zur Erledigung bei dem Landtage zu bringen, ist die ernst Absicht der Regierung; dennoch aber ist es für zweckmäßig gi funden , Ihnen, meine Herren, zunächst nur den schon auf bei letzten Landtage mit drei Vienbeilen der Stimmen der anwesende Mitglieder angenommenen Gesetzentwurf über die Zusammenfetzun der Ständeversammlung unb die Wahl der LandtagSabgeordnete zur verfassungsmäßigen Beistimmung vorzulegen, welchem sodaw Vorschläge zur nothwendigen Regelung des Finanzhaushaltes baldig nachfolgen werden.

Meine Herren! Mit gerechtem Stolze darf das Volk auf Ver fassung und Gesetzgebung unseres Landes blicken, ohne Scheu vo einem Vergleiche mit irgend einem Staate unseres deutschen Va ierlankeö. Unsere Verfassung bot einen sichern Halt in der jüngst verflossenen Zeil allgemeiner Bewegung, sie war der feste Grund auf dem in ruhiger Entwickelung die Freiheiten und volksthüm lieben Institutionen aufgebaut werden konnten, deren Erstrebn» in anderen Staaten noch heute nicht ohne starke Erschütterung vo sich geht. Was die deutsche ReichSversammluug dem deulschti Volke gewähren ivirb in den verfassungsmäßigen Grundrechten - im Wesentlichen besitzen wir cs bereits in unserem engeren Vater laude, und nur weniger Aenderungen wird es bedürfen, um bi völlige Uebereinstimmung damit in Verfassung und Gesetzgebun zu erzielen. Die Regierung ivirb den Tag freudig begrüßen, w das vollendete deutsche Verfassungswerk eine neue Garantie unse rer verfassungsmäßigen Zustände gewähren, und den heißen Wün [eben nach Einheit des großen deutschen Vaterlandes ErfülluN bringen wird. Bis dahin aber fest zu stehen auf dem Boden de Verfassung und verfassungsmäßiger Fortbildung, auf dieser Grund läge die gesetzliche Freiheit und Ordnung zu schirmen, und da Wohl des Landes zu fördern, — das ist die feste Absicht de Regierung, wilche Ihres Beistandes, meine Herren, dabei ebenst bedarf, als gewiß zu sein glaubt."

Hierauf fand die Beeidigung des Präsidenten und dann bi der übrigen Mitglieder durch den landesherrlichen Vertreter Stall Die in § 74 der Verfassungö - Urkunde vorgeschriebene Eidesfor Niel lautet wie folgt: „Ich gelobe, die Staatsverfassung heilig zi halten und in der Ständeversammlung das u uzer t'r e nn l i ch

*J Herr Staatsrath Eberhard ist zwar nur „Vorstand des Ministe riums des Innern", sollte aber gleich Andern längst Minister sein. De Kürze halber nennen wir alle Vorstände re. Minister und hoffen, da man den ganzen Titel-, Rang- und Bezeichnungs-Unterschied bet ihnel nächstens aushcben wird. Aum. d. Red.