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davon, einen Theil der Linken in Anklagestand zu versetzen, viel- mehr schien der neue Minister des Innern nach Popularität zu streben und die designirten Deputaten erschienen ganz unbeküm­mert. Eine Druckerei war noch nicht hergerichtet. An der heu- tigen Schranne haben die Getreidepreise auf starke Zufuhren be­deutend abgeschlagen.

Wien, 26. Nov. Die rigorosen Maßregeln treten mehr itnd mehr in den Hintergrund. Bereits 32 Zeitungen dürfen hier ohne alle Censur erscheinen; darunter wird heute auch M. G. Saphirs Humorist angekündigt. Selbst Schwarzer soll seine Concession wieder erhalten haben und Willens sein, sie vorerst durch Herausgabe eines Blattes zu Kremsier zu benutzen. Auch der juridisch-politische Leseverein gehl seiner Wiedereröffnung ent­gegen, nachdem man hinlängliche Ueberzeugung geschöpft, wie er sich in der That politisch, insbesondere aber loyal und harmlos herausstellte. Von Morgen an beginnen wieder die Fahrten auf der Nordbahn von und nach dem Nordbahnhof nächst dem Pra­ter zu den gewöhnlichen Stunden, welche für die Abfahrt nach Brünn, Olmütz und Oderberg auf 6 Uhr früh und 7'/2 Uhr Abend vom Nordbahnhof in Wien angesetzt sind. Von der Staatsverwaltung ist eine Gewehrlieferung auf nicht weniger als Eine Million Stück innerhalb auf einander folgender Termine ausgeschrieben; dem Vernehmen nach soll die ausländische Con- curren; a ^geschlossen bleiben.

So wie gestern der Gemeinderath, so überreichte heute das Handelsgremium der Stadt durch eine Deputation dem Fürsten Windischgrätz vor seiner Abreise nach Ungarn eine Dank- und Verlrauensadresse für den in der Stadt gewährten Schutz und die milde, rücksichtsvolle Behandlung der Schuldigen." Auch bei Jellachich und Weiden hatte die letzte Deputation Audienz und wurde daselbst freundlich ausgenommen.

Am Hostager zu Olmütz sammeln sich nach und nach immer mehrere von den ungarischen Magnaten, welche durch die Wirren im Vaterlande in alle Welt versprengt worden sind. Fürst Ester­hazy ist zuletzt dort angekommen; derselbe soll vor seiner Abreise noch die Stadt Oedeiiburg zur widerstandlosen Uegergabc an die kaiserlichen Truppen veranlaßt haben.

Wien, 28. November. Das Gros der ungarischen Oecu- pationsarmee unter unmittelbarem Commando des Fürsten Win- dischgrätz selbst beginnt allgemach sich in Bewegung zu setzen. Es bildet die Basis des kombinirren Angriffes, der in 5 Hauptrich- tungen auf Ungarn geführt wird, und mit möglichster Beiseitlas- sung aller auf dem Wege etwa befindlicher verschanzter Orte, erst in Budapest, dem Herzen des Landes, sein eigentliches Ziel finden soll. Von Galizien aus rückt General Jehlik mit 15,000 Mann über Kascha» herab. Simonich dringt über Tyrnau vor und lehnt sich durch das Corps des Generals Wyß an den linken Flügel der Hauptarmee. Von der Untersteier wird General Dah­len unterstützt von einem Aufgebot kroatischen Landsturms über Czakathurn, welches bereits besetzt ist und vom Banne Buckner mit den Serben, Walachen und siebenbürger Deutschen gegen Pest marschiren. Es entfaltet sich auf Diese Art die großartigste krie­gerische Bewegung, welche die österreichischen Länder, seit 1808 nnb 1809 je gesehen haben. Bereits gestern zeigte der flaMmen- geröthete Himmel im Südosten, daß der Brand seinen fürchter­lichen Anfang genommen. Ueberschlägt man übrigens die uner­meßlichen Kosten dieser Unternehmung, welche von dem in den letzten 8 Monaten allein über 60 Millionen fl. betragen den De­ficit der Staatskasse wohl schwerlich bestritten werden können und für welche das papierne Geld, das selbst bis zu den kleinsten Be­trägen emittirt wird, aber schon jetzt in starker Differenz zum Geld­werth steht, — nur eine kurze Aushülfe gewährt, dann scheint es allerdings, als ob der Bankerott ganz unvermeidlich sei. Der Mangel an baarem Gelde lähmt den Kleinverkehr und ist bereits so weit gediehen, daß der Silberzwanziger ein Aufgeld von 3—4 kr. W. W. erhält und man, um das nöthige Ausgleichungsniittel zu gewinnen, die Banknoten von einem Gulden in 4 oder mehr Theile theilt.

Olmütz, 23. Nov. Der bisherige Ministerpräsident Frhr. v. Wessenberg hat hinsichtlich seines Austrittes aus dem Mini­sterium nachstehendes Circularreseript an sämmtliche k. k. Gesand- schasten erlassen: „Olmütz, den 21. Nov. 1848. Gesundheits­

rücksichten , und nur diese haben mich bewogen, Se. Maj. d Kaiser zu bitten, mich von den mir anvertrauten Staatsämt, zu entheben. Ich fühlte mich zu diesem Entschlusse verpflichtet der Ueberzeugung, daß meine geschwächten Kräfte der mir gewo denen Aufgabe unter den gegenwärtigen Umständen nicht nie genügen dürften, und war daher solchen dem mir allerhöchst g schenkten Vertrauen selbst schuldig. Mein Programm ruhte, n bekannt, auf dem Gedanken, die Monarchie auf konstitutionell Grundlage zu befestigen. Dieses Programm war, ich darf es t Häupten, der Ausdruck der Gesinnungen des Monarchen, welche die Völker Oesterreichs ihre Freiheiten verdanken. Ich scheide n dem Bewußtsein, diesem Programm treu geblieben zu feil • ich scheide mit der Ueberzeugung und der Beruhigung, d. dasselbe auch jenes des neuen Ministeriums ist. Ich ersucl Euer 2C. in diesem Sinne die allenfallsigen falschen Gerüchte üb die Ursachen meines bermaligen Rücktrittes aus den Staatsg schäften berichtigen zu wollen. Empfangen rc. (gez.) Frhr. vc Wessenberg."

P rag, 24. Nov. Die ganze Stadt war gestern in Au regung, Erzherzog Wilhelm sollte eine Estafette bekommen habe der Kaiser sei in Olmütz gestorben; man sprach über das nei entsetzliche Unglück, welches dieser Tod über Oesterreich bringe werde. Nun werden die Gemüther durch ein Placat des Gi bernialvicepräsidenten Mecsery beruhigt: „Es ging das beunri higende Gerücht in der Stadt um , daß der Kaiser gestorben ft Ueber eine von mir im telegraphischen Wege gestellte Anfra, erhielt ich soeben, 1 Uhr Mittags, vom Minister Fürst Schwa: zenberg die Antwort, daß sich Se Maj. der Kaiser in alle, wohl befindet. Prag, 23. Nov. 1848." — Truppen marschire ab und zu. In diesen Tagen sind 2 Bataillone vom ungarische Regiment Michael hier eingetroffen. — Das neue Ministerium soll liberal Verfahren wollen; der Belagerungszustand in Wie soll demnächst aufgehoben werden. —• Der alte Wessenberg bleil diesen Winter in Olmütz und soll dann gesonnen sein, sich wied» nach Freiburg zurückzuziehen.

Eger, 22. Nov. Vorgestern wurde hier die Versammln» ' der Vertrauensmänner aller deutschen Vereine in Böhmen eröf net. Es wurden verschiedene Anträge gestellt und beschlösse! gegen die Errichtung eines Statihaltereirathes entschiedene Ve> Wahrung einzulegen, ferner im Namen von ganz Deukschböhme um die Aufhebung des Belagerungszustandes in Wien zu bitter eine Vereinskasse zu bilden, über ganz Böhmen Wahlausschüsse zi errichte» u. s. w.

Mainz, 26. Stov. In der heutigen demokratischen Ver einssitzung war Julius Fröbel anwesend und erstattete Bericht übe. di Ereignisse in Wien. Den Soldaten der preußischen Garnison i der Besuch des demokratischen Vereins streng verboten word« und waren zu diesem Zwecke drei Unteroffiziere im Vorhofe de Lokals aufgestellt.

M ü n che n, 23. Stov. (9L M. Z.) Der König hat tu Antrag des Cadettencorvs-Commando's die Verfügung getroste! daß die seit Jahren bestehende Trennung der Zöglinge katholisch! Religion von jenen protestantischer Confessio» beim Vortrage bi Geschichte in diesem Institute von nun an nicht mehr stattfinde soll. — Prinz Luitpold ist zum Divisionsgeneral ernannt.

München, 28. November. So eben ist in Folge gcmei; fam getroffener Maßregeln von Frankfurt und von hier aus Heu früh unser Feldmarschall Prinz Karl von Bayern, Schwager bi Königs von Preußen und Oheim des mistigen , mit wichtig, Aufträgen und Vollniachten sowohl des Rcichsverwesers als ui seres Königs nach Berlin gereist.

Gotha, 26 Nov. Unser Landtag hat den Antrag, ein Anerkennungsaddresse an den Landtag in Berlin zu erlassen a Gründ des Bassermannschen Berichtes abgelehnt.

Das Dresdener Journal erklärt die Nachricht von der Abb rIlsung des österreichischen Consuls in Leipzig für unbegründet.

Oldenburg, 22. Nov. Der Landtag hat sich in sein heutigen Sitzung zu Gunsten der birecten Wahlen und für bi suspensive Veto ausgesprochen. Die bimse Wahl ist freilich no nicht als Regel des Staatsgrundgesetzes gestellt, dies ist vie • mehr dem nächsten ordentlichen Landtag überlasten worden.

Gelinge