Neue Hessische Zeitung.
M 18«. Sonnabend, den 2. December. «848.
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem UnterhaltungSblatte, und wird vor 13 Uhr Morgens ausgegeben. )er Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 15 Sgr. für das Quartal, wofür alle kuthessischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet. —
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Anzeige.
Es ist hier und da, wie ich höre, die Befürchtung, beziehungsweise die Hoffnung aufgetaucht, daß die Neue Hessische Zeitung «t dem Ende dieses Jahres eingehen werde. Es mag dazu der Umstand Veranlassung gegeben haben, daß ich bisher bedeutenden schaden bei der Herausgabe gehabt habe. Ich lasse mich jedoch in meinen Ansichten und Bestrebungen nicht so leicht beirren; viel- iehr geben mir die zunehmenden Bestellungen und die noch mehr zunehmenden Lobsprüche und Zufriedenheitserklärungcn die Ueber- eugung, daß Haltung und Richtung der Zeitung von der Art sind, daß sich dieselbe — trotz aller Angriffe einer Seils und trotz Iler Lauheit und Gleichgültigkeit anderer Seils — allein in Hessen einen solchen Leser- und Mitarbeiterkreis gewinnen wird, der hren Forbestand dauernd zu sichern so bereit als befähigt ist. Daß dies dadurch befördert werden muß, daß sowohl der Preis der Leitung als die Gebühren für Einrückungen derhältnißmäßig ungewöhnlich billig sind, bedarf kaum berührt zu werden. Die Zei- ang wird demnach auch in künftigem Jahre und zwar in unveränderter Weise forterscheinen. Ins Besondere wird sie fortfahren, je wichtigsten Gesetzentwürfe, wie bisher, zu veröffentlichen.
Die Bestellungen für das nächste Vierteljahr bittet man möglichst bald zu machen, damit Störungen in der Zusendung verlieben werben. Neuzugehende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage des Eingangs der Bestellung an bis zum Ende des Renats unentgeltlich.
Diejenigen hier am Orte, welche sich die Zeitung fernerhin zubringen lassen wollen, können bei dem Herumträger Schmalz bonniren; alle klebrigen werden ersucht, sich gefälligst an die Post zu wenden.
Kassel, 1. December. Der Herausgeber.
Politische Nachrichten.
Deutschland.
-4- Frankfurt, 30. Nov. 126. Sitzung der D. N.-V. lei Beginn der Sitzung % 10 Uhr war die Zahl der anwenden Abgeordneten so gering, daß der Vorsitzende Niesser sich enöthigt sah, zum Behufe der Genehmigung des Protokolls, die lbgeordneten zählen zu lassen, um zu wissen, ob die beschlußfä- ige Anzahl anwesend sei. Während der Vornahme der Zählung, 'elche die Zahl 195 ergab, füllte sich jedoch die Versammlung, ) daß daS Protokoll genehmigt werden konnte. Der Vorsitzende lüpfte an diesen Vorfall die Bitte, daß die Abgeordneten in jukunft sich pünktlich einfinden möchten. Unter den Abgeordne- n befindet sich Herr Schlöffel, der von seiner Erkursion nach -chlesien wieder zurückgekehrt ist.
Nachdem Deiters für den Verfassungs-Ausschuß angezeigt atte, daß der revidirte Entwurf der Grundrechte und das Ein- ihrungsgesetz dazu noch heute an die Mitglieder vertheilt wer- en würde, und nachdem der Austritt Sonnenkalbs verkün- et war, wurde zur Tagesordnung übergegangen. — Tagesord- uug: 1) Ergänzungswahl in den Ausschuß für Geschäftsordnung. ) Fortsetzung der Berathung über den vom Abgeordneten Löw ; hu Posen, Namens des Ausschusses für die österreichischen An- elegenheiten erstatteten Berichts über verschiedene Anträge und ingebrachte Petitionen. 3) Berathung über den vom Abgeordne- '» Stande erstatteten Bericht: ein Wahlapsschreiben des Land- ubermums in Mähren betreffend. 4) Berathung über den vom lbgeordneten Francke, Namens des Volkswirthschaftlichen Anschusses erstatteten Berichts, die Aufhebung der Flußzölle betref- -nd. 5) Berathung über den Bericht des Abgeordneten Francke leschlperde der Segelschiffer betreffend. In den Ausschuß für die Geschäftsordnung wurde mit 176 Stimmen Edel gewählt.
V e n ed eY erhielt dann zunächst das Wort, um den Mino- üätSant>ag bt 3 Ausschusses für die österreichische Angelegenheit r vertheidigen. Bei der Ausführung des doppelten Tadels, der i diesem Anträge gegen die Kommission und das Ministerinm "Hallen fein soll, konnte seine eigene Partei oft nicht ein Lä- â über die verwirrte, oft wirklich lächerliche Beweisführung nterdrücken. Kein Beifall lohnte den Redner bei seinem Abtre- n. Löw aus Posen wies in einen kürzeren, aber klaren Vor- age nach, warum die Majorität des Ausschusses die dem Aus- hussc zur Begutachtung überwiesenen Anträge habe abweisen müs
sen und dem Minoritätsantrage nicht habe beistimmen können. Wenn die österreichische Frage nicht gelöst ist, wie man es wohl hätte erwarten können, so liege der Grund davon nicht in den Personen der Kommissäre, sondern in der Stellung und Lage Oesterreichs zu Deutschland. Die Anträge von Golds und Genossen: In Erwägung, daß die Herstellung und Befestigung der Freiheit und Gesetzlichkeit in Wien eine innere Angelegenheit Oesterreichs ist — dann in Betracht, daß die Jngeren; der Centralgewalt in diese innere Angelegenheit eine bundesstaatliche Unterordnung der österreichischen Regierung unter die Centralgewalt Deutschlands voraussetzt, welche Unterordnung faktisch zur Zeit nicht besteht, und vor Abänderung des Staatsgrundgesetzes der vereinten österreichischen Länder durch die verfassungsgebenden Organe derselben auch rechtlich nicht beansprucht werden kann; beschließt die Nationalversammlung: über die Anträge der Abgeordneten Venedey, Simon, Wiesner und Vauernschmid, dann des bießfälligen Ausschusses zur Tagesordnung überzugehen; v. Philipps und Genossen: In Erwägung 1) daß die völkerrechtlichen Verhältnisse der österreichischen Gesammtmonarchie zu Deutschland noch nicht definitiv festgestellt sind, und so lange die gesetzliche Ordnung in Ungarn noch nicht aufgerichtet ist, auch nicht können ; 2) daß es eine tief in die Entwickelung Oesterreichs eingreifende und eine für alle Theile nachhaltige Zumuthung an die Regierung wäre, von derselben die Durchführung der Beschlüsse der constituirenden Reichsversammlung in Deutsch - Oesterreich zu fordern; 3) daß unter allen Umständen vor der zweiten Lesung die unbedingte Annahme der 88- 2 und 3 des Entwurfs nicht erwartet werden kann, eine solche Annahme aber in der Zumuthung, die Beschlüsse durchzufübren, enthalten wäre-, 4) daß dagegen die Veränderung Oesterreichs nicht nur das Wohl Oesterreichs, sondern noch mehr Deutschlands gefährden würde, beschließt die Nationalversammlung: „über die Ausschußanträge zur motivir« ten Tagesordnung überzugehen; sowie der Antrag Wiesners und Genossen: die hohe Nationalversammlung möge beschließen: I. der über Wien verhängte Belagerungszustand ist sofort aufzuheben ; II. die österreichische Reichsversammlung ist von allen in- constitutionellen Einflüssen zu befreien und in das Recht der freien Volksvertretung wieber cinzusetzen; 111. alle in Wien von der Militärgewalt eingeleiteten, noch schwebenden Untersuchungen sind sofort aufzuheben; IV. die Wiederaufnahme der Untersuchung von Seite des ordentlichen Richters gegen alle Jene emittieren , die von der Militär- gewalt auf Grund der erwähnten Proklamation zu Kerkerstrafen