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Majorität vorlag — in dritter Abstimmung 22 Stimmen für Herrn Nebelthau und 14 für Herrn v. Sybel. Man verfuhr hierbei nach Analogie des §. 37 des Wahlgesetzes vom 16. Febr. 1831, da die neue Geschäftsordnung für die Ständeversammlung in dieser Hinsicht eine Lücke enthält. Zum Schriftführer wurde Herr Mans mit 28 und zum Stellvertreter Herr Oetker mit 22 Stimmen gewählt. Auch der Ausschuß zur weiteren Prüfung der Wahlzeugnisse wurde alsbald bestellt; er besteht aus den Herren Nebelthau, welcher mit 33, Henkel, welcher mit 31, Oetker, der mit 20, Lederer, welcher mit 19 und Knobel und von Schenck, von denen jeder mit 18 Stimmen gewählt ist. Der Ausschuß trat alsbald zusammen und wird der Ständcversammlung morgen Bericht erstatten, so daß die Eröffnung des Landtages wahrscheinlich schon übermorgen Statt finden kann. Der Landgraf von Hessen-Philippsthal hat den Geheimen Oberfinanzrath von Baum, bach zum Bevollmächtigten bestellt. Bon Seiten der Standesherrn rvar noch Niemand erschienen.
Berlin, 27. Nov. Wie verlautet, ist die Brandenburger Versammlung unbeschlußfähig, und es waren nur 127 Abgeordnete gegenwärtig. Eine weitere Vertagung wird als wahrscheinlich angenommen. Hr. Milde, v. Besser und seltsamer Weise auch Hr. Parrisius sotten nach Brandenburg abgegangen sein. Hr. Hansemann ist wahrscheinlich nicht persönlich in Brandenburg, wohl aber sein Stellvertreter. Hr. Hansemann selbst soll mit der Aenderung der Dinge in Preußen durchaus nicht einverstanden sein. Er erinnerte neulich im Kreise politischer Freunde an seine Rede vom 7. September in der Kammer und bemerkte, daß wenn man seinem Ministerium noch zwei Monate Zeit gelassen hätte, er unter den Beamten so aufgeräumt haben würde, daß Seitens des Gouvernements solche Verlangen zu organistrten Gesetzen gemacht worden sein, daß dann ein solcher Zustand, wie er jetzt sactisch in Preußen eristire, unmöglich gewesen wäre. Das Un- glück der gegenwärtigen Kammer sei die Portefeuille-Jägerei, die leider in ihr vorherrsche. Der ehemalige Ministerpräsident, Hr. v. Auerswald, sowie sein Bruder, der frühere Minister des Innern, soll bis heute noch nicht in Brandenburg eingetroffen sein. Heute Mittag rückte gegen das Hotel Mylius, das bekannte Versammlungslokal der Linken, eine Abtheilung von etwa 300 Mann des Kaiser Franz-Regiments unter Anführung des Major von Blumenthal vor. Der Herr Major begab sich an der Spitze der Offiziere und einer kleinen Abtheilung Soldaten in den Versammlungssaal selbst und forderte die dort anwesenden Deputaten (etwa 70) „im Namen des Gesetzes und der höhern Gewalt" auf, den Saal zu verlassen. Die Abgeordneten wurden buchstäblich herausgedrängt. Man suchte nach Papieren, nahm verschiedene auf dem Tisch liegende Drucksachen in Beschlag. Ein Offizier ging sogar soweit, als der Abgeordnete Jacobv auf seine Aufforderung ihm nicht also gleich ein Packet Papiere, auf dem der Hut des Hrn. Jacoby stand, übergab, den Hut herunterzuwerfen und sich alsdann in den Besitz der Papiere zu setzen. — Herr v. Gagern soll heute von Potsdam nach Brandenburg gefahren sein, um mit den dort anwesenden Abgeordneten Rücksprache zu nehmen. Gutunterrichtete wollen wissen, daß eine neue Kabinetsbildung durch Hrn. v. G. nicht in Aussicht stehe.
(Han. Mg.-Ztg.)
Berlin. General Wrangel macht im Staatsanzeiger unter dem 27. bekannt: daß, nachdem heute die Versammlung in Brandenburg eröffnet sei, Nebenversammlungen von Abgeordneten in Berlin nicht geduldet werden könnten, hiernach auch sich alle betreffenden Gastwirthe zu achten hätten. Demzufolge ist dann auch die Versammlung im Case Milenz aufgehoben worden.
Brandenburg, 27. November. Fünf Minuten vor l/2 11 Uhr waren etwa 150 Deputirte im neuen Sitzungslokal eingetroffen. Doch sollten noch mehre ganz gewiß kommen und man sagte, die Versaminluug werde beschlußfähig werden?— Der Ministerpräsident hat sie einstweilen mit folgenden Worten eröffnet: „Im Namen Sr. Majestät des Königs erkläre ich die zur Vereinbarung der Verfassung berufene Versammlung für eröffnet, nnd fordere dieselbe auf, sich unverzüglich neu zu constituiren, um eine königliche Botschaft zu vernehmen." Dann ward Seitens des Alterspräsidenten v. Brünneck zur Zählung geschritten. Das Er
gebniß ist noch nicht bekannt. (Der Bericht der Magdeburg Zeitung geht nur bis 10s/4 Uhr).
Nachschrift. Der Erfolg hat den Erwartungen entspi chen. Im Ganzen sind 154 Abgeordnete gegenwärtig gewest unter diesen haben 24 gegen die Vertagung und Verlegung pr testirt; es sind daher nur 130 Stimmen für das neue Minis rium gewesen, das ohne neue Gewaltschritte nicht zum Zi kommen kann. Die Versammlung zeigte einen trübseligen Anbli Mißstimmung drückte sich in den meisten Gesichtern aus, west durch die Redensarten der Herren Reichensperger und Riedel n vermehrt werden konnte. Am Schluß der Sitzung glaubte mir daß morgen ein neues Ministerium, Gagern an der Spitze, ve kündigt werden würde.
Die beschlußunfähige Versammlung vertagte sich auf den 2!
Wien, 25. November. Windischgrätz hat das standreâ liche Verfahren einstellen lassen. Es tritt jetzt nur noch i kriegsrechtliche Prozedur ein.
Wien, 23. Nov. Erzherzog Johann (schreibt die Bresl.Z ! soll entschlossen sein, die Stelle als Reichsverweser wieder niedi zulegen, indem die Stellung Oesterreichs zu Deutschland mit dem Tage zweifelhafter wird und wie man vernimmt, bemnäd sogar die Abberufung der österreichischen Abgeordneten aus Frar furt erfolgen soll; Oesterreich will die Hegemonie in Deutschla entschieden an Preußen abtreten, falls nicht mit Beseitigung t Idee der Nationaleinheit der gesummte Kaiserstaat in den bei scheu Bund ausgenommen wird. Oesterreich gedenkt sich in d fern Falle abgesondert zu constituiren und nur mit Deutschla ein Trutz - und Schutzbündniß abzuschließen, wodurch es jede durch seine schwankende Lage zwischen Slavismus und Germani mus desto sicherer der Auflösung entgegengeht. — In ähnliche Sinne äußert sich die lithographische Korrespondenz: Mehre Wal bezirke der Stabt und Umgebung Wiens werden, wenn der öste reichische Reichstag gegen die in Frankfurt gefaßten Beschlüsse k züglich der Art des Anschlusses an Deutschland von Seite Oeste reichs keinen Protest entlegen , oder dieser Protest die gehof Wirkung nicht haben sollte — ihre Abgeordneten zum Fran furter Parlament zurückberufen. Die Stände von Kärnthen u Krain haben den Kaiser in einer Adresse gebeten, sämmtliche öste reichische Abgeordnete von der Nationalversammlung zu entferne Mehre Abgeordnete kehren von selbst zurück; neue Wahlen we den vorläufig nicht vorgenommen. (Richtig ist, daß die Wien Zeitung Candidaten auffordert, sich zu melden.) Die beutst österreichische Sache scheint einer sehr nahen Entscheidung et gegen zu sehen. Oesterreich wird die deutsche Politik fallen lass und seine Hauptpolitik verfolgen; Oesterreich wird und kann oh Deutschland bestehen; ohne daß wir eben behaupten könnten, d dieses auch bei Deutschland der Fall wäre (???) — Die Hau durchsuchungen gehen hier ungestört vor sich. Ein Schulleh^ — Vater von 4 minderjährigen Kindern, würbe gestern in l Vorstad» Josephstadt verhaftet, weil er in seinem Garten ein Säbel, sein Privateigenthum vergraben, und einem Studenten r Aufenthalt im Lusthause des Gartens, ohne die vorgeschriebi Meldung gestaltet hatte. — Man erzählt sich hier, daß der K ser dem Fürsten Windischgrätz erlaubt habe, sich eine Gnade ar zubitten. Der Fürst soll gebeten haben, Se. Majestät möge • nach Wien zurückkehren.
Das schon erwähnte Handbillet des Kaisers von Rußla an den Feldmarschall Fürsten Windischgrätz lautet so: „H Felbmarschall Fürst zu Windischgrätz! Ich erfahre eben die 3 setzung Wiens durch die treuen und tapferen Truppen, welche 1 Kaiser, Ihr Herr, Ihrem Oberbefehle vertraut hat. Würdig ihi alten Rufes und ihres edlen Feldherrn haben diese Truppen t verbrecherischen Widerstand einer anarchischen Fraction beste welche es gewagt hat, sogar in der Hauptstadt der Monarc die Fahne des Aufruhrs aufzupflanzen. Indem Sie diese U sturzpartei auch auf den andern Puncten der Monarchie bezw' gen werden, wo dieselben sich immer noch thätig ^eigt , werb Sie mit ihren tapfern Waffengefährten den in europäischer ©ul in Herstellung der Ordnung und Gesetzlichkeit geleisteten Dw auf das Glänzendste vollenden. Der Ruhm der österreichisch Beilage