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und mußten auch, nachdem Smolka kurz und würdig gedankt hatte, eine Rede vom Abgeordneten Schuselka anhören, worin er die letzten Vorgänge des Reichstags in Wien erzählte und gegen die Verlegung des Reichstags protcstirle.
Da er die Stellung eines Berichterstatters des permanenten Ausschusses behauptet habe, so fühle er sich verpflichtet auszusprechen, daß der Reichstag seine Beschlüsse rechtskräftig gefaßt habe und bis zuletzt vollzählig geblieben sei, daß er in dieser Rechtskraft vom Kaiser und den Behörden anerkannt worden sei. Der Reichstag habe gegen seine Verlegung protestirt. Man würdigte ihn keiner Antwort. Er wollte eine zweite Vorstellung deshalb an Se. Maj. richten, wurde aber daran durch die Ereignisse in seiner Beschlußunfähigkeit gehindert. Seine letzte Siz- zung hielt er nämlich bei Anwesenheit von 136 Mitgliedern. Ein General, der jetzt als Ministerpräsident genannt wird, gab den Befehl, ohne denselben dem Hause mitzutheilen, die Gallerien zu schließen. Dadurch blieb die Sitzung geheim. Ebenso waren viele Mitglieder abgehalten, aus den Vorstädten in den Reichstag zu kommen. Sie seien nach Krcmficr gekommen, weil sie vor- ausgesehen hätten, daß die Majorität dahin kommen werde, ohne daß sie der Regierung irgendwie das Recht einräumen können, einseitig den Reichstag an diesen oder jenen Ort zu verlegen, wie sie es gethan habe. Die Sitzungen wurden dann auf Sonnabend vertagt. — Der russische, französische und belgische Gesandte sind zu Kremster abgestiegen.
Braunschweig, 25. Nov. Heute Mittag kamen eine Anzahl Mitglieder der Reichsversammlung, darunter Heinrich von Gagern, v. Vincke, v. Mylius, V. Boddien, Simson, Milde u. m. A. auf ihrer Reife von Frankfurt nach Berlin hier durch. Auf dem Bahnhöfe wurde der Präsident der Reichsversammlung von den zahlreich versammelten Anwesenden mit Lebehochs begrüßt, worauf er einige Worte erwiederte, welche ungefähr dahin lauteten: „Es wird hoffentlich zum Heile des Vaterlands sein, wir gehen nach der Hauptstadt!" Gewiß begleitet die Vertreter des deutschen Volks der beiße Wunsch aller Versammelten, es mochte ihnen gelingen, die Deutschland bedrohenden Stürme zu beschwichtigen.
Hamburg, 23. Nov. Der elektromagnetische Telegraph, zur Verbindung zwischen Hamburg und dem inneren Deutschland bestimmt, ist mittelst Eröffnung der letzten beiden Stationen, Stade und Otterndorf, jetzt vollendet. (H. Z.)
Quakenbrück, 16. Nov. Dank der Frechheit, mit welcher die Reaktion auftritt, beginnt es auch hier zu tagen. Damit auch wir bei dem großen Kampfe nicht ganz unbeteiligt bleiben, bereitet sich die Bildung eines demokratischen Vereins vor.
Dresden. Für Robert Blums Familie sind hier allein 13000 Thlr. gezeichnet worden; — in Leipzig noch nicht 1000. Die schon jetzt vorliegenden Pariser Subskriptionen sollen sehr bedeutend sein.
Stuttgart, 20. Nov. Das diesen Abend ausgegebene „Neue Tagblatt" enthält folgende Anfrage: „Ist Fürst Windisch- grätz, der Mörder des deutschen VolkSabgcordneten Robert Blum, noch würdig, ferner Mitglied irgend einer deutschen Ständekammer zu sein ? Diese Frage wird nicht umsonst gestellt. Fürst Windisch- grätz ist nämlich als Besitzer der standesherrlichen Herrschaft Eglofs, Oberamt Wangen, Mitglied der würtembergschcn Kammer der Standesherrn und hat Sitz und Stimme in dieser Kammer- unter den Häuptern der standesherrlichen, fürstlichen und gräflichen Familien. Kann bic Kammer noch mit Ehren einen Fürsten Windischgrätz in ihren Reihen zählen? Wird die Kammer der Abgeordneten keine Schritte thun, ihn aus der Liste der Gesetzgeber des würtembergschen Volkes streichen zu lassen? Wird das würtembergsche Volk einen Jollen „Ritter" als seinen Gesetzgeber anerkennen wollen?"
Darmstadt. In der Sitzung der 2. Kammer vom 23. November wurde mit 39 gegen 2 Stimmen beschlossen: die großh. Staatsregierung zu ersuchen, kräftigst und schleunigst dahin zu wirken, daß die deutsche Centralgewalt den zwischen der Krone Preußen und der preußischen Nationalversammlung eingetretenen Conflict friedlich und im Sinne des Rechtes und der gesetzlichen Freiheit schleunigst löse.
Bemerkungen *) zu dem in Nro. 134, 135 u. 136 ver Neuen Hessischen Zeitu enthaltenen Aufsatze „die Organisation des Staatsbai Personals in Kurhessen."
Der erwähnte Aufsatz enthält viele schiefe Urtheile und fals thatsächliche Behauptungen. Der Verfasser sagt: eine Centn Oberbehörde sei für das Staatsbauwesen nicht vorhanden. • Diese Behauptung ist falsch; wir haben eine solche Oberbehöt in der Oberbau ° Direktion, wie sich der Verfasser durch Anst der pos. 5 des Tit. II. der Verordnung vom 29. Juni 181 überzeugen kann. — Im Verlaufe seines Aufsatzes erkennt d der Verfasser auch an, indem er sagt: „die Oberbau-Direction s wohl die eigentliche reLnifche oder die Oberbehörde hinsichtlich! Technik sein, kann dieser Anforderung aber nicht entsprechen." • Durch die für diese Behauptung angeführten Gründe, können r uns für seine Ansicht nicht bekehren lasten, um so weniger, , wir die Behauptung, daß die Stellung der Oberbau - Direktil als technische Oberbehörde, nicht selbstständig genug sei, gänzlich ungcgründet erklären müssen, wir müßten denn — n von wir weit entfernt sind — der Zusammensetzung dieser 9 Hörde dies Sckuld geben. — Als irrig müssen wir ferner Behauptung bezeichnen, daß die Baucommissare — Straßenbe Kommissare gibt es von 1841 an in Kurhessen nicht — t Baumeistern bloß für den Straßenbau beigegeben seien; letzt können jene vielmehr in dem ganzen Umfange ihrer Dienstfur tion (jedoch nur in rein staatsbaulichen Angelegenheiten) Verist den. — Unrichtig ist weiter des Verfassers Behauptung, daß den Staaten außer Kurhessen für alle Zweige des Staatsbank scns in der Regel nur eine technische Oberbehörde Vorhand fei, denn in allen Staaten steht das Kriegsbauwesen und den meisten das Eisenbahnbanwesen aus nahe liegende Gründen, die eben darum einer Entwickelung nicht bedürfe unter einer besonderen technischen Oberbehörde. Für ung gründet müssen wir auch die Behauptung erklären, daß die Ba meister, nach der jetzigen Organisation übermäßig mit Berus arbeiten belastet seien. —• Wir kennen keinen Landbaumeister, 1 nicht noch Zeit übrig hälie, um neben seinem amtlichen Beri noch Privatgeschäfte zu übernehmen, als: Privatbauten zu leit Baurisse und Kostenanschläge anzufertigen, Taxationen von 6 bauten vorzunehmen, als Sachkundiger in Streitsachen zu d nen re.; wir kennen aber deren, die solche Nebengeschäste so eist betreiben, daß sie es ungern sehen, wenn ein ihnen untergeben Baucommissar in dieser Beziehung mit ihnen concurrirt.
Was des Verfassers Vorschläge zu einer Reorganisation bt Bauwesens betrifft , so halten auch wir es für zweckmäßig, wn dasselbe ohne Zw i sch e» b e h ö rd c n durch daS betreffende Mu sterium geleitet werde. In Kurhessen wird cs jedoch , aus na liegenden Gründen, nicht dahin kommen, daß, wie des Verfass, Meinung zu sein scheint, für das Bauwesen ein besonder Ministerium („eine Abtheilung der Staatsregierung") gebil wird. Es werden vielmehr für die einzelnen Fächer des B,1 wesenS dem Minister Referenten betjugeben und diese Bureaus stände sein. Unter dem Ministerium werden dann die ausführ, den Baubeamten sieben, wobei eine Trennung des Bauwesens n seinen Hauptfächern in Hoch-, Straßen-, Wasserbau rc. rc., a nicht so zweckmäßig erscheint, als deren Vereinigung unter ein Beamten, und zwar dergestalt daß für jeden der 40 unteren V waltungsbezirke ein Baumeister bestellt werde. Dieser Beai kann jedoch nur unter besonderen Umständen einen Gehülfen Hal müssen, der ihn in seinen Arbeiten unterstützt und ihn in P Hinderungsfällen vertritt. Wie man diesen Gehülfen titulirt, Baukommissar, ob Baukondukteur oder Bau-Aufseher, ist gleichg tig. Diese Gehülfen für die Zukunft aus den Bauzöglingen nehmen, sobald sie durch eine Prüfung als qualificirt sich ern sen haben, halten auch wir für angemessen, mögten jedoch v schlagen, daß sie vorher auf eine gewisse Zeit im Vorbereitung dienst sich bewährt haben müßten. Zunächst wird man jedoch diesen Unterbeamten diejenigen Baukommissare zu verwenden hab welche sich nicht zu Baumeistern eignen; denn auf den barol
*J Theils wegen Mangels an Raum, Theils wegen Unerheblichl und wegen persönlichen Seitenblicke gekürzt mitgetbeilt. Die Red.