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gewinnen, da Herr v. Gagern in das Ministerium eintreten verde. —
Frankfurt, 25. November. Unter den harmlosen Jrrthü- nern, welche in den letzten Tagen über Personen und Verhält- nsse in hiesigen Kreisen durch die Zeitungen verbreitet wurden, ^wähnen wir folgende: 1) Der Reichsverweser wolle abtreten und Frankfurt verlassen; 2) Hr. v. Beckerath sei in Potsdam gesehen vorden (kann nur ein scharfes Auge sein); 3) Hr. v. Schmer- ing sei aus dem Ministerium getreten und Hr. Wydenbrugk der Rann, von welchem Deutschland seine Rettung erwarte; 4) Hrn. Sassermann sei der rothe Adlerorden «»geboten worden (für Verbreitung dieses Irrthums hat sich die „Deutsche Zeitung" herge- zeben); 5) Herr Raveaur habe mit seinem Gesandtschaftsposten mf einen Gehalt von 12,000 fl. verzichtet (der Verzicht auf den Posten war eben nicht durch den Verzicht auf einen Gehalt er- chwert oder veredelt; 6) Herr Biedermann sei zum Reichsgesand- en in der Schweiz ernannt. Wir werden fortfahren, den Zei- ungen, welche das Unglück haben, mit Irrthümern heimgesuchl zu werden, Gelegenheit zur Berichtigung zu verschaffen. (O-P-A-Ztg.) j Kassel, 28. Stov. Die Abgeordneten zum neuen Landtage treffen nach und nach ein. Heute Morgen werden die vorläufi- ;en Legitimationsprüfungen vorgenommen. Sicherm Vernehmen lach hat der von den Städten Homberg re. gewählte Advokat Hartert zu Melsungen wegen Krankheit auf seine Wahl verzichtet und ist deßhalb anderer Wahltag auf den 29. d. M. nach Homberg ausgeschrieben worden, Wie man hört, haben einige Wahlmänner auf den Dr. H. König zu Hanau ihr Augenmerk gerich- et. So erfreulich aber dessen Erwählung wäre, so bliebe doch vahrschcinlich auch von ihm eine ablehnende Antwort zu befürchtn und zwar ebenfalls leider wegen Kränklichkeit. Gleichwohl «äre es sehr wünschenswerth, daß möglichst bald der Abgeordnete )er betreffenden Städte hier einträfe, weshalb wir hoffen wollen, raß man entweder erst bei König angefragt hat oder alsbald einen Unbern wählt. Wir erinnern für den nöthigen Fall an die schon nehr genannten Männer: Pfarrer Meyer zu Kassel, Obergerichts- ath von Meibom zu Hanau re.
Breslau. Aus der Prov. Schlesien laufen Berichte ein über die in «schreckendem Grade zunehmende Unsicherheit des Eigenthums. Lei Liegnitz und Falkenberg haben sich große Räuberbanden ge- rildet. Das Schloß in Jenkau bei Groselauditz ist von einer olchen Bande zur Nachtzeit ausgeraubt worden; ebenso wurde ras Schulhaus von der Bande überfallen, indeß gelang cs dem Lehrer Allarm zu machen, worauf die Räuber in mehrere benach- rarte Dörfer zogen und dort weitere Einbrüche versuchten. In dem Schlosse des Gutsbesitzers Kutsche beträgt der Schaden durch Lerwüstung mehrere tausend Thaler.
Breslau, 23. Nov. Von Berlin aus war an das hiesige Kommando der Bürgerwehr die Aufforderung ergangen, einen Bürgerwehr - Congrcß sür ganz Preußen in Breslau zusammen berufen. Die Versammlung hatte sich hiermit einverstanden «klärt und die weitere Ausführung der Central - Commission der Bürgerwehr-Klubs im Einvernehmen mit dem Wehramt übertragen. In der heutigen Sitzung beschloß nun die Central- Commission einen „Kongreß der Bürgerwehlmänner Preußens" nach Breslau zusammen zu berufen. Es wurde zu diesem Endzwecke eine Kommission ernannt, die ;nach Verabredung mit dem Wehramt, morgen das Diätere veröffentlichen wird. Der Termin, an welchem der Congreß hier zusammentreten soll, ist auf Mvn- ag den 4. Dezember angesetzt.
Breslau, 25. Nov. Magistrat und Stadtverordneten haben n einer Adresse an den König ihre Beschlüsse wegen Steuer- sieservirung als auf unrichtigen Prämissen ruhend zurückgenom- nen. Der Sicherheits-Ausschuß verlangt jetzt die Auflösung der Ltadtverordneten-Versammlung.
Breslau. Der Regierungspräsident in Breslau Hr. von Schleinitz, macht d. d. Breslau, den 21. Nov. öffentlich bekannt, aß er auf Anweisung des Königl. Staatsministcrii in dieDienst- eschäfte des Oberpräsidenten Pinder, welcher sein Amt niederge- egt habe, interimistisch eingetreten sei.
Wien. Bekanntlich haben die wegen der Ermordung Blums ach Wien gesandten Kommissäre den Auftrag, die Acten einzu- nden. Während nun aus Wien versichert wird, die Acten
seien den mit teer größten Zuvorkommenheit behandelten Commis- sâren ausgehändigt und bereits nach Frankfurt gesandt worden, stellt ein Wiener Corresp. der Breslauer Zeitung die Sache als unmöglich dar: Die Herren im Reiche scheinen keine Idee von dem Verfahren im österreichischen Militär-Standrechte zu hahen, sonst könnten sie wahrhaftig nicht von Acten sprechen. Wenn das außerordentliche Verfahren des Standrechts eingeleieet ist, so ist dasselbe an den gewönlichen Gang und an die Förmlichkeiten einer Untersuchung durchaus nicht gebunden. Die nöthigen Verhöre werden unter freiem Himmel vorgenommen, der Auditor schreibt die Aussagen mit Bleistift stehend auf Trommeln. Das Urtheil darf nicht anders als auf Tod ausfallen und der Auditor stellt den Antrag, indem er zu den Beisitzern sagt: „Wer meiner Meinung ist, ergreife das Seitengewehr." Gegen das Urtheil, welches sogleich kund gemacht und binnen 2 Stunden vollzogen wird, findet kein Rekurs, kein Gnadengesuch statt. Die Stimmenmehrheit ist wohl entscheidend, allein man muß annehmen, daß die Beisitzer Militairs sind, welchen natürlich die Fähigkeiten mangeln, um das Votum des Auditors mit juridischen Gründen zu widerlegen. Seit der Zeit, als die österreichische Armee ihre Urtheile in dieser Form schöpft, konnte wenigstens der Fall einer Einsprache gegen das votum informativum des Auditors nicht nachgewiesen werden; es war also von dieser Seite auch für Blum um so weniger etwas zu hoffen, als seine Richter jene waren, denen er wenige Tage vor seiner Verurtheilung zum Tode durch sie feindlich gegenüber stand. Ob die mit Blum vorgenommene Uniersuchung aus Vorsicht von diesen kriegsgesetzlichen Vorschriften abwich, ob anstatt mit Blei mit Dinte geschrieben wurde und Blums Geständnisse mit seiner Unterschrift versehen sind, wissen wir nicht*). Während der vom Militair auf dem Laaer Berge am 18. gehaltenen Todtenfeier für Latour waren auf den Hauptplätzen Wiens Kanonen aufgefahren. — Die an tra- gsschen Momenten ohnehin so reiche Katastrophe Messenhausers, des liebenswürdigen Dichters und unglücklichen Patrioten ist für die Wiener noch erschütternder dadurch geworden, daß 6 Stunden nach der Hinrichtung die Reichstagsdeputation, welche vereint mit dem Wiener Gemeinderath für ^lhn beim Kaiser gefleht hatte, mit der Begnadigung eintraf. Man hatte bei Windischgrätz um 3 Tage Aufschub angesucht, er hatte dem Schlachtopfer nur einen gegönnt, — und 30 Stunden hätten hingereicht. Daß einem solchen Manne die Herrschaft über Leben und Tod gegeben wurde, das mögen die Lenker in Olmütz einst verantworten.
Der Kaiser Hal für die bei der Bestürmn» g Wiens an ihrem Eigenthum verunglückten Bewohner der Stadt und Vorstädte eine Aushülfe von 4 Millionen Gulden aus dem Privatvermögen der k. k. Familie angewiesen. — Die Arbeiter-Aufregung der letzten Tage hat sich gelegt. Ruhe und Ordnung sind ungestört. Gestern wurde hier eine Banknotenfabrik von der Stadthauptmannschaft entdeckt mit einem Vorrath von 18,000 Stück falschen Banknoten zn 1 und 2 Fl.
Die bis gestern aus der Stadt und Umgebung eingelieferten Feuergewehre und Handwaffen bestehen aus 72,000 Stück. Es sind demnach kaum die Hälfte der im März aus dem bürgerlichen Zeughause und am 6. October im kaiserlichen Zeughause genommenen Waffen zurückgestellt. Allein man muß berücksichtigen, daß viele 1000 Stück zu Spottgeldern aufgekauft und Kossuth nach Ungarn zugeschickt wurden. Eine große Anzahl ist ferner in die Donau geworfen, und eben so viele gänzlich zerstört worden. — Heute sind in der Wiener Zeitung die Manifeste des Kaisers an die Magyaren, sowie die Proklamation des Marschalls Fürsten Windischgrätz an die magyarische Armee erschienen. Man weiß jetzt, daß die Operationen gegen Ungarn am 27. beginnen werden.
Die neueste Wiener Zeitung ist mit kaiserlichen Manifesten „An meine Völker in Ungarn" angefüllt, welche eine Menge Versprechungen enhalten. Eines derselben proklamirt die Ernennung des FML. Lamberg zum Overbefehlshaber sämmtlicher ungarischen Truppen und bewaffneten Corps.
Selbst ein Olmützer Blatt entwirft von Wien folgendes Bild: „Seit der Erschießung des Brünners Borgini, wegen Worte, find alle Kaffee- und Wirthshäuser still geworden. Der Freund
*) Man vergleiche doch Fröbels Bericht, wonach allerdings Acten vorhanden sein müssen.