— 1334 —
Breslau. Der Fürstbischof von Breslau hat dem politischen Streite seines Volkes auch die religiöse Seite abzugewinnen gewußt, und rücksichtlich der Steuerzahlung sich an ihr Gewissen gewendet vermittelst eines Erlasses, in welchem es heißt: „Die Pflicht der Steuerzahlung kann ohne sündhaften Ungehorsam gegen die Aussprüche Christi, unseres göttlichen Gesetzgebers und seines Apostels, nicht außer Acht gelassen werden, und ich ermahne daher alle meine Dibcesanen im Namen des dreieinigen Gottes, sich in Erfüllung dieser Pflicht nicht irren zu lassen; ich ermahne Sie, dem Könige zu vertrauen, daß er die seinem Volke gemachten Zusagen gewissenhaft erfüllen werde, und in der Treue gegen ihn unwandelbar zu beharren; denn seine königliche Gewalt ist von Gott angeordnet, und wer sich ihr widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes, und die sich widersetzen, ziehen sich selbst die Verdammniß zu."
Posen, 21. Nov. Am 19. Mittags empfing der General V. Schäffer den Stab der hiesigen Bürgerwehr, und äußerte sich auf das Freundlichste gegen denselben, indem er hervorhob, wie ganz Deutschland jetzt über die deutschen Verhältnisse in Pofen aufgeklärt sei, und nun nicht mehr daran gedacht werden könne, 50,000 Deutsche Preis zu geben. Der Deputation des Vereins für König und Vaterland sprach der General aus, daß man das Streben des Vereins für die preußische und deutsche Sache, denn beides gehe Hand in Hand, in Frankfurt bereits gewürdigt habe. Auch dem Stadtverordneten - Vorsteher und einer Deputation der Stadtverordneten dankte er für ihre seit den Märztagen bewiesene kräftige Haltung. Er sprach die Hoffnung aus, daß seine Sendung der unglücklichen Provinz endlich die ersehnte Ruhe geben werde. Sollte dies nicht der Fall sein, so sollte man auf die Centralgewalt rechnen, und er selbst werde dann die Feder niederlegen und mit seinem Schwerte ihnen beistehen.
Frankreich.
* Paris, 21. Nov. Der neuliche Bankett-Spektakel hat die Wahlagitation nur auf einige Tage zurücktreten lassen. Sie nimmt jetzt wieder alle Gemüther und alle Blätter der Hauptstadt und der Departements in Anspruch. Der Erzbischof von Paris hat einen vorsichtig abgefaßten Hirtenbrief wegen der Wahlen erlassen, der zwar Niemanden nennt, aber offenbar für Cavaignac redet. Im Süden werden die Aussichten für Cavaignac besser. Der Repräsentant Pfarrer Coguerel hat ihn der protestantischen Geistlichkeit empfohlen. — Ucbrigens nimmt die Agitation mit jedem Tage an Leidenschaft und damit an Rohheit und Perfidie zu. Es sind Personen zur Haft gebracht, welche des beabsichtigten Mordversuches gegen einzelne Candidaten bezüchtigt werden. In der Presse bleibt man bei den Versuchen nicht stehen. Die Ehre und der gute Namen der Candidaten wird hier wirklich gemordet und durch die niedrigsten Mittel, durch wahre und falsche Geschichtchen vollständig zu vernichten gesucht. Am wirksamsten ist dabei das Mittel der Persiflage, unter welchem der ohnehin schon so lächerliche „Prinz" Napoleon am meisten zu leiden hat. Daneben sind die Blätter mit Empfehlungen rc. einflußreicher Personen für den betreffenden Candidaten angefüllt.
Paris, 23. Nov. Der Abend-Moniteur meldet den Tod Rossis, des römischen Conseilpräsidenten, welcher an einem Dolchstiche verschied. Der Mörder ist noch nicht entdeckt. — Die Patrie bestätigt die im Standard gegebene Nachricht von Ibrahim Paschas (nicht Mehcmed Alis) Tod. — Die diplomatischen Verhandlungen der englisch-französischen Mediation in der italienischen Frage sollen in Brüssel eröffnet werden. Lord Monti wird England und V. Tocqueville die französische Republik Vertreten. — Die Presse giebt dem Könige von Preußen den Rath, folgende Proclamation an sein Volk zu richten: „Ihr habt zu wählen zwischen der Einheit, Monarchie und der Republik. Im ersteren Falle gebt mir das Recht, die Nationalversammlung zu prorogi- ren und sogar aufzulösen. Wo nicht, so ziehe ich mit meiner Familie ab und ihr mögt die Republik mit allen ihren Folgen proclamiren. Ich gebe Euch vierzehn Tage Bedenkzeit; aber daß sein Blut während dieser Frist vergossen werde!" — Die Presse, welche unter dem Titel „Communication" seit einiger Zeit interessante diplomatische Artikel mittheilt, giebt unter derselben Ru
brik heute Folgendes: Hr. Bastide habe als Grund der Nicht- anerkennung der deutschen Centralgewalt (officiell) angeführt, das er bei dem jetzigen precâren Stand der Dinge seinem etwaigen Nachfolger, wenn der Präsident gewählt sei, nicht die Hände binden wolle. Von dieser Aeußerung in Kenntniß gesetzt, habe hierauf der Ministerrath in Frankfurt entschieden, daß bis nach dei Präsidentenwahl Herr v. Raumer in Paris bleiben solle, daß wenn aber dann die Negierung der französischen Republik noch ausweichend antworte, die Würde der deutschen Nation erheische, ihren Gesandten von Paris zurückzuberufen, hoffend, Frankreich werde mit der Zeit einsehen, daß eine enge und aufrichtige Verbindung mit Deutschland im wahren Interesse beider Nationen liegt
Ernennungen rc.
Es wurde:
der Staatsanwalt Justizrath Ernst Zimmermann in Marburg zum Obergerichtsrathe im Civilsenate des dasigen Obergerichts ernannt; auch
der Actuar Friedrich Ritter zu Burghaun in gleicher Eigengenschaft zum Justizanite in Nentershausen versetzt.
Bekanntmachungen.
Frische Austern, Frankfurter Würstchen unt Kieler Speckbückinge zum Rohessen
[295] ' bei Wilhelm Ritz.
[296] TodeS-Anzeige.
Von achtwöchigen, schweren Leiden hat heute morgen um 4'/« Up ein sanfter Tod unser vorjüngstes Töchterchen, Amalie, erlöst Verwandten und Freunden diese Anzeige mit der Bitte um still Theilnahme. Kassel, am 27. November 1848.
Friedrich Nebelthau.
Ida Nebelt hau geb. Neumüller.
Angekommene Fremde vom 23 u 2G November.
Im König von Preußen (Schambeck»: Mad d'Affailly mit Fa milie und Dienerschaft aus Paris; Berghüttenmann Ehürschner aus Dil lentaq; Kaust. Venen aus ^soest, Vogtherr ans Chemnitz u. Reyenbas aus Schaumburg; Oeconom Krül aus Rheda; Gutsbesitzer Kröger mi Familie ans Klaushof; Privat. Röhm aus Eisenach.
In der goldnen Krone (F. Schade); Amtswundarzt Simon au Ellershausen; Kaufl. Rindskopf aus Frankfurt a. M., Cramer am Brandenburg, Bauermeister, Rosse u. Kruhm aus Karlshafe», Trost am Frankfurt u. Bach aus Elberfeld; Madam Spangenberg mit Familie aui Marburg; Candidat Mühle aus Göttingen; Stadtkâmmerer Geäste au Karlshafen; Oeconom Jäger aus Göttingen; Gutsbesitzer Schäfer au Steinbach: Advocat Meyl aus Herleshausen; Fabrik. Jörgens aus Dresden
Im Römischen Kaiser (3. 8. Lang): Kanfl. Wiebel auS Wett mann, Cramer aus Glauchau, Ellering aus Rheydt u. Bülen n Glee aus Hamburg; Major a. D. v. Hanrleden auS Fritzlar; Oeconome Gebrüder Wolkenhauer mit Familie aus Lauenfürde u. Echte aus Hel marshausen; Beamter Mügge aus Lauenfürde; Part. Neuburg aus Paris Gutsbesitzer Baron v. Spiegel ans Helmarshausen u. Vaupel aus Nie derhone; Advocat Rößling aus Magdeburg; Ingenieur Leistner auS Dret den; Jnspector v. Linden mit Frau aus Leipzig.
Im Hotel <le Kassie (C. Klein): Rauh und Theobald au Hanau; Oeconom Schreiber aus Nerden; Kaufl. Lütgen aus Seesen Pappier aus Bremen u. Menne aus Stuttgart; Fabrikant Dedekin au Wolfenbüttel; Rent. Krvnne aus Hannover.
Repertoire des Kurfürstlichen Koftheaters.
Dienstag, 28. Nov.: Der arme Poet Schauspiel in 1 Aufzug von Kotzebue. — Hierauf: Der galante Abbö. Lustspiel in 2 Auf nach dem Franz, von Eduard Coßmann.
Donnerstag, 30. Nov.: Die Hugenotten. Große Oper mitTai in 5 Aufz. nach Scribe von J. F. Castelli. Musik von Meyerbecr. - Margaretha: Mad. Schreiber-Kirchberger, letzte Gastrolle.
Sonnabend, 2. Dec.: Das letzte Mittel. Lustspiel in 4 Aus von Frau v. Weißenthurm
Sonntag, 3. Dec.: Die schöne Müllerin. Lustsp. in l Aus nach Mölesville und Duveyrier von L. Schneider. — Hierauf, zur. ersten Male; Die beiden Flüchtlinge, oder: Hacchzeittagd Fatalitäten. Ballet in 2 Aufz. nebst einem Vorspiele, vom Balle meister A- Wienrich.
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Kassel.