Reue Hessische Zeitung.
V' 181» Montag, den 27. November. HS4S.
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben, r Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 1-5 2gr. für das Quartal, wofür alle kurheffischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern, «zeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit I Sgr. berechnet. —
Politische Nachrichten. Deutschland.
Frankfurt, 24. November. Die Abgeordneten Bredt d Gierke (früherer Minister, jetzt Oberlanvesgerichtspräsident in omberg, beide Herren sind aus dem rechten Centrum) sind hier s Berlin eingetroffen, um Vorstellungen über die Lage der nge zu machen. Sie stellen alles Gute in Aussicht, wenn das inisterium geändert und die Versammlung in Berlin gelassen rd. Herr v. Vincke ist nach Berlin gereist, um seinen Sitz als »geordneter einzunehmen. (Deutsche Ztg.)
Frankfurt, 23. Nov. Das Frankf. Journ. theilt ein hreiben des Reichsjustizministers Mohl an die Reichscommissaire Oesterreich mit, worin er sagt, daß er von den österr. Bevoll- lchtigten Auskunft über die angeblich von kais. Soldaten an err. Studenten verübten grausamen Mordthaten und Verstüm- lungen verlangt habe und die Neichscommissaire auffordere, auch dieser Richtung thätig zu sein. Denn es sei offenbar hohe it der drohenden grausamen Barbarei mit aller Strenge des setzes und der ganzen Entrüstung des Rechts und Sittengefühls gegenzuwirken.
Auch auf Seiten der Majorität in Frankfurt dachte man in Ziehung auf die preußischen Wirren an außerordentliche Maß- ifln. Ein Frankfurter Korrespondent der „Leipz. Ztg." berichtet rüber Folgendes: Man dachte daran, von hier aus ein Mini- num dem Könige zu bieten; man dachte daran, einige verwichsten Notabilitäten , vielleicht Gagern selbst hinzusenden, damit och sie schaffend geschlichtet werde. Zu diesem Ende fanden eher, wie damals in der österreichischen Angelegenheit, Confe- ,zen bei Gagern statt. Gegen Erwarten erklärte Gagern selbst v mit ihm mancher Mann von Bedeutung: der Augenblick zu außerordentlichen Schritten sei noch nicht gekommen und diese mßische Bewegung sei hohl. Das Land werde bald einsehen, ß es aus Furcht vor bloßen Namen den Ultras in die Arme au stil sei. Für etwas, was verpuffen müsse, dürfte das große erk der deutschen Reichsversammlung nicht aufs Spiel gesetzt rden durch übermäßige Betheiligung an den Wirren eines Einstaates. Hier müsse ein fester Untergrund bleiben, auf welchen s umhertreibende Schiff immer wieder mit Sicherheit zurück- nmen könne. Verfassung zu machen sei die stetige Aufgabe, ürden die Stürme noch einmal so groß — und die jetzigen ?n ohne innere Kraft — daß außerordentliches Dreingreisen thig werde, dann solle man hier eine ungeschwächte Kraft fin- i, und dann erst werde man hier den besonnenen Gang auf- ben und binnen einer Woche eine Verfassung beschließen. So igt aber der Drang der Nothwendigkeit nicht so groß sei, solle m sich nicht irren, wenn auch zu rüstiger Förderung antreiben sen. In Berlin sei übrigens doch ein Ministerium Grabow 'r Beckerath sicher, sobald das jetzige unpopuläre Ministenn der tief eingefressenen Anarchie die nöthigen Schranken gest. Eine wirkliche Reaction unter Manteuffel sei ein Unding, d wenn sie wirklich entstehen wollte, dann sei man wahrhaftig rk genug, an einem Tage die alten Gelüste zu beseitigen.
Kassel, 26. Nov. Das Trauerfest wegen der durch den U Wiens und durch die Ermordung Robert Blums, des deuten Volksvertreters, der Deutschen Freiheit geschlagenen tiefen unde ist gestern in würdiger Weise und mit möglichster Beobach- ig des in diesen Blättern vorgestern mitgetheiltcn Programms zangen worden.
Wien, 20. Nov. Die Studien sollen bestimmt im Laufe i Monates Dezember wieder beginnen, dennoch aber die Uni« sität, d. i. das Gebäude derselben, geschlossen bleiben. Es soll
nämlich für die medicinischen Studien die Josephsakademie, für die juridischen die theresianische Ritterakademie, für die technischen daS Polytechnische Institut, denen es immer gewidmet war, für die philosophischen das Convictsgebäudc neben der Universität und für die theologische das erzbischöfliche Alumnat eingeräumt werden. — Doch sind Pässe und sonstige Legitimationen unerläßliche Bedin- gung des Aufenthalts, wodurch besonders die Ungarn in Verlegenheit gesetzt sind, denen es widerstrebt, sich gegen Oesterreich zum Kriegsdienste pressen zu lassen und welchen hiemit eine unliebsame Heimath aufgenöthigt wird. — Mit der jetzt in Wien von de« Militärgerichten gehandhabten Justiz sieht es folgender Maßen aus: In erster Instanz werden mit den Beeinzichtigten Verhöre von einzelnen Profoßen vorgenommen, welchen immer ein Unter# Offizier beigegeben ist. Je nach Wichtigkeit des Falles werden die Verhöre von mehreren, bis zu 10 Profoßen vorgenommen, ohne daß die Ergebnisse gegenseitig mitgetheilt würden. Nur das Mi» litairgericht selbst gelangt zur Einsicht der verschiedenen aufgenommenen Protokolle. Dasselbe besteht aus 1 General, 1 Oberst, 1 Major und abwärts bis zum Gefreiten and 2 Individuen von jeder Charge. Die geschöpfte Ansicht theilt sich durch den Vorsitzenden General leise mit und die Uebereiustimmenden ziehen zum Zeichen die Säbel. Schuldig oder nicht schuldig wird der Jn- quisit nach dem Verhör nicht wieder in den früheren Gewahrsam zurückgeführt.
Der französische Gesandte erinnert durch Maueranschlag die hier lebenden Franzosen sich in die Listen der Gesandtschaft eintragen zu lassen, um nöthigen Falls seine Protektion in Anspruch nehmen zu können. Der Gemeinderath macht bekannt, daß er bet dem Militärkommando eine weitere Frist bis zum 19. d. M. für die Waffenablieferung erwirkt habe, und knüpft daran die eindringlichste Mahnung, den Befehlen des Militair-Commandos nachzukommen. Es kam bisher häufig vor, daß Einer dem Anderen heimlich Waffen in Haus und Hof brachte, um sich von denselben zu befreien.
Fenneberg, welcher schon vor einigen Tagen von der rauhen Alp aus ein Schreiben in die öffentlichen Blätter einrücken ließ, worin er die gegen Blum gerichteten Verläumdungen widerlegt, ist als Kohlenjunge auf einem Dampfschiff entkommen.
Wien, 21. Nov. Das neue Ministerium ist nun endlich gebildet. Fürst Felir Schwarzenberg, Aeußeres; Graf Stadion, Inneres; Dr. Bach, Justiz (provisorisch); General Baron Cordon, Krieg; Thienfeld (aus Graz) Kultus; Kraus, Finanzen; Bruck, Handel und öffentliche Arbeiten. Man erwartet noch heute mehre Mitglieder des Kabinets.
Die Wiener Zeitung bringt folgende Nachricht: Fürst Lieven, Generaladjutant des Kaisers Nikolaus, brachte dem Feldmarschall Fürsten Windischgrätz das Großkreuz des St. Georg Ordens und dem Banus von Kroatien, Baron Jellachich, das Großkreuz deS St. Wladamir Ordens mit eigenhändigen Handschreiben diese- Monarchen, womit er als Anerkennung der Tapferkeit und der Umsicht, welche diese Heerführer bei der Einnahme von Wien bewiesen, fein kaiserliches Wohlgefallen ausdrückt.
Berlin, 23. Nov. Nücksichtlich der zuerst von der Kölnischen Zeitung mitgetheiltcn Erzählungen über die formlose und geschäftswidrige Art und Weise, wie die erste Lesung des sogenannten Steuerverweigerungs-Beschluffcs vom Präsidium der Landes-Versammlung zu Stande gebracht worden fei und über die dem Präsidenten von Unruh wegen seines Benehmens von der eignen Fraktion widerfahrene Ausschließung rc. hat v. Unruh folgende Berichtigung ergehen lassen:
Die Köln, und Magdeb. Ztg. enthalten einen Aufsatz au- Berlin vom 16. d. M., angeblich von einem Mitgliede des Cen--