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Mitteln ausgerüstet sei, um seinen Beschlüssen Vollziehung zu verschaffen, was bei dem auf der Kantonalsouveränetât beruhenden Fünfzehnerbunde nicht der Fall war. Zwar haben bis jetzt nur noch Nâf , Frei -Herose und Ochsenbein die Annahme ihrer Wahlen in den Bundesrath erklärt. Allein es steht zu erwarten, daß auch die übrigen Gewählten dem ehrenvollen Rufe folgen werden. Sehr zu bedauern wäre es, wenn Bürgermeister Furrer in Zürich, dessen Rechtlichkeit und staatsmännische Befähigung von allen Parteien anerkannt wird, auf seinem Entschlusse beharren würde, seine Wahl zum Bundespräsidenten nur in dem Falle anzunehmen , wenn Zürich zum Bundessitze erhoben werden sollte. Auch die Wahlen ins Bundesgericht sind im Allgemeinen gut ausgefallen. An der Spitze desselben steht der durch seine Rechtlichkeit, wie durch seine Kenntnisse gleich ausgezeichnete Dr. Kern, welchen Viele lieber im Bundesrathe gesehen hätten. — Jm Laufe dieser Woche wird nun endlich über den Bundessitz entschieden werden. Die Commission, welche zu dem Ende niedergesetzt worden ist, soll ihrer Mehrheit nach günstig für Bern gestimmt sein.
Frankreich.
Ueber die politischen Zustände der „Republik" stellt ein Berichterstatter der Weser Zeitung sehr trübselige, aber wahrheitsgetreue Beleuchtungen an. Die Behauptung, daß das „monarchische" Deutschland zehn Mal mehr Freiheiten und Rechte genieße, als das „republikanische" Frankreich, enthält freilich nichts Neues. Dieses Verhältniß besteht schon seit Monaten, seitdem die Presse und Associations- wie Versammlungs - Freiheit durch die Gesetzgebung nach unseren Begriffen so gut wie aufgehoben ist. Ebenso ist die Klage über willkürliche und langwierige Verhaftungen ohne Verhör schon zur alten Geschichte geworden. Neuer ist schon die Wahrnehmung, wie die Negierung jetzt immer entschiedener in die Fußrapfen Louis Philipps tritt, sie fängt an, die Bankette zu verfolgen. So bat der Minister des öffentlichen Unterrichts allen Lehrern der Republik die Theilnahme an politischen Banketten streng untersagt und es ist vorauszusehen, daß ein von jenen dagegen eingelegter Protest diese Bestimmung nicht ändern wird. Die Beamten, welche von der provisorischen Negierung eingesetzt wurden, nehmen zu Dutzenden ihre Entlassung, weil sic stch den Plackereien absolutistischer Minister nicht länger aussetzen wollen; an ihre Stelle treten natürlich die Kreaturen der letzteren. Das alte Orden- und Titel-Unwesen kommt überall wieder offen zum Vorschein; hier sieht man die Adjutanten Cavaignac's mit Louis-Philippistischen Orden, während dieser selbst neulich vom vom Kaiser von Rußland den Wladimir-Orden dankend annahm. Die Notare führen auf ihren amtlichen Siegeln zum größten Theile noch die königl. Wappen und der Justizminister, Hr. Marie, hat kein Verbot dagegen. Der Revolutionsplatz, so genannt nach der Februar-Revolutiou, auf dem am Sonntag die frostige offi- tielle Feier der Constitution stattfand, heißt in den amtlichen Erlassen wieder Eintrachts-Platz, ja die reactionäre Neuerungssucht der Royalisten geht so weit, daß sie den alten Namen für Findelkinder, welche seit der Revolution enfans de la patrie hießen, wieder angenommen hat. Daß unter diesen Umständen die Erbitterung und dumpfe Gährung zunimmt, ist natürlich. Ledru Rollin gewinnt mit seinen bluttriefenden Reden wieder Bedeutung und man erinnert sich bei den Banketten, wo er sie vorträgt, unwillkürlich der Bankette vom Februar und ihres Agitators Ledru Rollin. Ledru Rollin hat bekanntlich die Freiheits-Män- uer von 1793 in Allem sich zum Muster auserlesen, auch in der unglücklichen Idee, den Völkern die Freiheit mit den Waffen bringen zu wollen. In diesem Sinne hielt er am 19. im Chateaurouge vor versammeltem Berge eine fulminante Rede gegen die Regierung, welche freilich durch die Ereignisse von Wien und Berlin hinreichende Kraft erhielt. Es heißt barin : Berlin erhebt sich kaum vier Wochen nach uns, und statt es in seinem Kampf gegen das Königthum zu unterstützen, paktistrt man mit diesem und läßt es stark genug, um jetzt die Nationalversamml. zu sprengen. (Ruf im ganzen Saal: Es leben die Wiener und Berliner!)
O Blum! Möge sich Dein Geist bei diesem Beifallssturm er. hoben fühlen: der Gedanke an Deinen Tod wird allen Deutschen das Schwert in die Hände geben, womit sie alle ihre Unterdrücker vertilgen werden ! (Anhaltender Beifall.) — Für R o ber t Blums Familie hat übrigens die demokratische Presse eine europäische Sub- scription eröffnet. Sämmtliche demokratische Journale nehmen Beiträge an. Auch in den Cafè's liegen Listen aus.
Paris; 21. November. In der heutigen ersten Sitzung der Nationalversammlung hat die Schlacht wegen der Präsidentenwahl begonnen. Cavaignac bestieg die Rednerbühne, um die gegen ihn gerichteten Angriffe zu beleuchten. „Er habe bisher geschwiegen, um seine Freunde zu schonen; — aber jetzt werde er Alles sagen Er bat sich den Donnerstag für diese Angelegenheit aus. Die Versammlung ging mit großem Vergnügen bardüf ein, und bestimmte den Sonnabend, wo denn auch die sämmtlichen „Sreunbc" zugegen sein sollen.
Nordamerika.
lieber die in diesem Augenblick vollzogene Präsidentenwahl, bei ,reicher sich der Demokrat General Caß und der Whig General Taylor gegenübersteben, stellen die „Times" folgende feine Betrachtungen an: „Selbst in den Vereinigten Staaten ist das Interesse für die Wahl sehr erzwungen und gemacht. Die beiden Generale sind in neuen und vorübergehenden Verhältnissen. Taylor erklärt sich für Frieden und Schutzzölle; Caß erklärt sich für Krieg und Freihandel. Nun ist ohne Zweifel ein Krieg ein schlimmeres Ding als ein Prohibitivzoll, aber die Drohung mit Krieg kann doch dabei minder gefährlich sein, als die Drohung mit Prohibitivzöllen; gerade so wie bei einem Kinde die Drohung : „Ich werde dir den Kopf abschneiden," ihm wahrscheinlich weniger Kummer machen wird als die Drohung: „Ich werde dir keinen Pudding mehr geben." Es mag daher auch für Tay- lor leichter sein, etwas Weniges für die ihn unterstützenden Manufaktur-Interessen zu thun, als für Caß, seinen ihn unterstützenden Irländern Gelegenheit zu geben, den Engländern die Kehlen abzuschneiden. Wir fühlen uns jedoch nach allgemeinen Grundsätzen verpflichtet, denjenigen der beiden Bewerber vorzuziehen, welcher für den Frieden auftritt. Dabei achten wir in diesem Falle auch auf eine Gefahr, welche die britischen Interessen nicht unmittelbar berührt. Krieg ist nämlich eine Tendenz der Republiken. Ein Consul ober ein Präsident hat nur eine kurze Zeit der Regierung vor sich, und ist natürlich bemüht, seine Regierung mit einem dauernden Denkmale zu bezeichnen. Teras und Cali- fornien machen Mr. Polk unfterb(id), und es ist möglich, daß auch Mr. Caß sich bemühen würde, seinen Namen mit der Erwerbung von Cuba zu verbinden. Was Wellington ist für unser Land und Cavaignac in Frankreich, das ist General Tavlor in den Vereinigten Staaten. Wir könnten das Verzeichiiiß dieser Namen noch auSdehnen; denn es ist für diesen Augenblick kaum eine Regierung in der civilisirten Welk, welche nicht unter dem friedlichen Einflüsse eines Militairchefs stände. Ein Mann, welcher die liebel des Krieges erfahren und den Preis derselben errungen hat, arbeitet aber mit aller Macht daran, den ersten von feinem Vaterland? abzuwenden und den letzteren für sich zu be. halten." —
Fruchtpreise.
Kassel. Vom 23. November
1848.
Waizen d. Vrtl.
von 5 Thlr. 15 Sgr. — Hlr. bis
6 Thlr. — Sgr. — Hlr.
Roggen „ „
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3 „ 18 „ — „
Gerste „ „
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ß , II.
Hafer „ „
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Kurfürstliches Koftheater.
Sonntag, 26. Nov.: Alessandro Stradella. Romantische Oper in 3 Aufzügen mit Tanz. Musik von F. Flotow. —. Barbarino: Herr Schreiber, vom Hoftheater zu Schwerin, als Gast.
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag »ob Th. Fischer ia Kassel.