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Dom ungarischen Kriegsschau platz. — Nach den neuesten Nachrichten aus Göbing vom 18 war in Angern ein Jägerregiment zur weiteren Verstärkung des F.-F.-L. Simunich eingetroffen. Aus Galizien rückt ein neues Armeekorps von 12,000 Mann Infanterie und 14 Eskadrons Kavallerie unter Commando des F-M.-L. Schlik gegen Oberungarn vor. Es wird gegen Kaschau operiren Die Magyaren stehen bei Presburg, Komorn, Raab, überall verschanzt. Pesth war nach Berichten vom 16. ganz ruhig. Aus Niedcrunqarn ist die Nachricht eingetroffen, daß ganz Banat von den Magyaren frei und in den Händen der kaiserlichen Truppen ist. An der Grenze Kroatiens sind 16,000 Kroaten unter General Dahlen bereit, vorzurücken. Die Manöver Koffuth's beschränken sich seit der Einnahme Wiens auf Versuche, das Landvolk in Slavonien und an der Grenze Kroatiens aufzuwiegeln. Aus Siebenbürgen melden die gestrigen Berichte v. 10., daß F. - M. - L. Buchner die kaiserlichen Truppen concentrirt und die weiteren Befehle aus Wien erwartet. (Brest. Z )
Aus Prag vom 17. Nov. schreibt man der D. Allg. Ztg.: Wie ich aus ziemlich glaubwürdiger Quelle erfahre, werden die czechischen Deputirten, die bisher die äußerste Rechte gebildet haben, bei den Berathungen der Verfassung zwar nicht ihren Platz ändern, allein bei allen Abstimmungen mit dem linken Centrum stimmen. Ursache dieser Sinnesänderung ist die öffentliche Meinung, die sich täglich entschiedener gegen die bisherige Haltung der czechischen Deputirten ausspricht. Einige derselben erwartet man sogar auf der Linken ihren Platz nehmen zu sehen, die ihren Entschluß, nicht nach Kremsier zu gehen, aufgegeben hat und vollzählig am Reichstag erscheinen wird. Smolka hat bereits zum Erscheinen am Reichstag aufgefordert, und Löhner soll schon in Kremsier eingetroffen sein. Das Beispiel der preußischen Bauern, welche die Steuerzahlung und Rekrutenstellung verweigern, wirkt mächtig auf unsere deutsch-böhmischen Bauern. Schon spricht man auch dort von Steuerverweigerung und Widersetzlichkeit gegen die Rekrutenstellung für den Fall, daß ein volksfeindliches Ministerium ernannt werden sollte.
Berlin, 22. Nov. Die Central- und die Fachkommission der Nationalversammlung setzen ihre Arbeiten ununterbrochen fort.
Ein Schreiben aus Striegau in Schlesien vom 18. meldet: So eben werden vom Viagistrat die öffentlichen Kassin aus das Rathhaus gebracht; auch wird der Sicherheitsausschuß heut gewählt. Der ganze Kreis zahlt keine Steuer mehr. In einer heut Nachmittag abzuhaltenden Volksversammlung wird der Antrag an die Nationalversammlung gerichtet werden, das Militair durch Beschluß von seinem bisherigen Eide zu entbinden.
Der „Börsenhalle" zufolge hat der König den beiden Reichs- commissairen Simson und Hergenhahn erklärt, er werde seine Sache selbst und allein durchführen.
Berlin, 23. Nov. Die Herren Rodbertus und v. Berg reisen heute Abend im Ariftrage der Nationalversammlung nach Frankfurt, um folgende von mehr als 200 Mitgliedern der Versammlung unterschriebene Adresse an die deutsche Ntichsversamm- lung zu überbringen:
„Hohe Versammlung! Der Herr Unterstaatssecretair Bassermann hat in der 118. Sitzung der deutschen Reichsversammlung über seine Sendung nach Berlin Bericht erstattet. Wir verschmähen es, mit Herrn Bassermann darüber zu rechten, wie und wo er seine Anschauungen von der Physiognomie der Stadt, von der Haltung der Bevölkerung, gegenüber den Gewallstreichen der Regierung, gewonnen hat. Der 9. Nov. ist schon der Geschichte anheimgefaUen. Der Presse mag es überlassen sein, nachzuweisen, daß Herrn Bassermanns Schilderung bis in die kleinsten Züge falsch ist. Wenn aber ein Beamter des Reichs über seine amtliche Thätigkeit die hohe Versammlung mit so folgenschweren Unwahrheiten zu hintergehen sucht, so wäre Schweigen ein Verrath an der heiligen Cache, für die wir im ehrlichen Kampfe stehen und fallen, die wir aber nicht meuchlings wollen morden lassen. Wir Unterschriebene erklären daher: »daß Hr. Bassermann, als Abgesandter der deutschen Centralgewalt, mit der preußischen Nationalversammlung oder mit den zurückgebliebenen Deputirten,
wie er sich auszudrücken beliebt, gar nicht unterhandelt, zu unt handeln nicht einmal versucht hat."
Seine ganze Thätigkeit in dieser Richtung bat sich, so \ wir durch die sorgfältigste Nachforschung haben ermitteln könn darauf beschränkt, daß er unter der ausdrücklichen Erklärung, komme als Privatmann, dem Präsidenten von Unruh einen 9 such gemacht, einen, nach der Ansicht des Hrn. v. Unruh unai führbaren Vorschlag geäußert, und daß er bei Gelegenheit eil Krankenbesuchs ein Mitglied des linken Centrums seine perfönli Meinung über die Bedingungen einer Transaclion hat aussprech hören, ohne dieselben richtig erfaßt zu haben. Daß die preußis Nationalversammlung nur auf die von Hrn. Bassermann angel bemn Bedingungen mit der Krone unterhandeln wolle, ist e Unwahrheit. Berlin, 22. November 1848."
Ueber die Thätigkeit der jetzt nach Frankfurt zurückgekehr Herren Simson und Hergenhahn erfahrt man, daß dieselben einer Conferenz mit Mitgliedern aller Fraktionen der Nation. Versammlung zu dem Zwecke die Theilnahme an einer Sitzung Brandenburg anempfohlen haben, um dort das von dem Al Wachsmuth und Genossen schon vor dem 9. Nov. cingcbraü Gesetz zum Schutz der Versammlung und der einzelnen Mitgl der zu berathen und anzunehmen. Die Abgeordneten lehn! diese Zumuthung einstimmig ab, indem sie wiederholt darauf hi wiesen, daß je t die Freiheit der Berathungen nach Unten 1 mehr als nöthig geschützt sei. Ueberdies fehlt es schon jetzt ni an Gesetzen, welche jeden Angriff auf die Versammlung mit Str fen bedrohen. Es sei deshalb gegen»ärtig jedes von der Reg rung vorgeschützte Motiv zur Verlegung der Versammlung bes tigt. Dieser Theil der Frankfurter Beschlüsse vom 14. d. 9 (mit denen die conferirenden Mitglieder sich überall einverstand erklärten) sei mithin vollkommen erledigt und es liegt nunnte lediglich in der Hand der Regierung, den übrigen Theil — 1 Ernennung eines volksthümlichen Ministeriums — zu verroh lichen. — Die Commissarien der Centralgewalt, die übrigens e klärten, daß sie ermächtigt seien, für den Fall, daß jene Vermi' lung nicht zu Stanve komme, selbst eine Entscheidung zu treffe stellten nunmehr die Frage: ob die Versammlung stet’ einer En scheidung der Ceniralgen alt und der Frankfurter Versammlut fügen werde? Ein Mitglied der Linken verneinte diese Frag die andern Fraktionen behielten sich ihren Beschluß vor. D Commissare sind abgereist, um erweiterte Instructionen zu Holei
Berlin, 23 November Es geht das Gerücht, die Sta Erfurt fei auf Veranlassung des Widerstandes der zum Einkleide beorderten Landwehrmänner, und der hier,ach entstandenen Unru hen, in Belagerungostand erklärt und bombardirt worden. Hier auf sei die Ruhe wieder hergestellt und die Einkleidung vollzogt worden. In Köln haben unerhebliche Tumulte stattgefunden, welkt beseitigt wurden, ohne daß es zu Conflicten kam.
Der Handelöstand zu Magdeburg soll der Regierung eine Vorschuß von 1 Million Thaler eröffnet haben. — Die Cur sind an der Berliner Börse im fortwährenden Steigen begriffet Aus Westphalen und der Provinz Sachsen laufen jetzt viele Adre fen gegen die Steuerverweigerung ein. Eine mit 100 Unter schnfien bedeckte Adresse aus Münster ist nach Frankfurt abgeganget Die deutsche Cent,algewalt wird darin dringend gebeten, die ener gischsten Schritte zu ergreifen , um ihren Beschlüssen gemäß de Frieden zwischen der preußischen Krone und der Nationalversamm lung wieder herzustellen. Es wird die Versicherung hinzugefügl daß man die Cemralgewalt in der Ausführung ihrer Beschluss auf Leben und Tod unterstützen werde. — Wenn man den gu unterrichteten und zum Theil halbosficiellen Artikeln der Regie rungsblätter, so wie der Oberpostamiszeitung glauben darf, s denkt die Krone ^teuften nicht daran, eine Verfassung octroyirer zu wollen. — A» der Tagesordnung ist jetzt das auch von Ein geweihten bestätigte Gerücht, die Krone werde die Versammlung bis zum Abschluß des deutschen Verfassungswerkes vertagen. — Abgeordneter Hansemann ist in Berlin angekommen. Simsot soll nach Frankfurt abgereist, Hergenhahn aber in Berlin zurück geblieben sein.
Posen, 20. Nov. Der Reichscommissar Generalmajor v Schäfer hat bereits seine Wirksamkeit als Reorganisator angetre-