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Centralgewalt, Euch zur Seite zu stellt, und mit all' ihren Kräften eine günstige Entscheidung des Kampfes zu beschleunigen und zu erleichtern! — Durch die Beschlüsse der Reichsversammlung vom 13. und 14. d. M. ist diese Pflichterfüllung erkannt und begonnen worden.
Euch aber, wenn Ihr mit weiser Mäßigung im eben so ruhigen, als entschiedenen Widerstände ausharrt, Euch kann der Sieg nicht entgehen! Ihr werdet, Ihr müßt siegen zum Heile Preußens, zur Festigung der Einheit, Freiheit, Macht und Wohlfahrt Deutschlands! —
Cassel, am 20. November 1848.
Der als Vorort deS nationalen Vereins für Deutschland bestellte Ausschuß des hiesigen Bürgervereins. (Folgen die Unterschriften.)
An hohe preußische Nationalversammlung, zu Händen des Herrn Präsidenten v. Unruh, zu Berlin.
Wir ermangeln nicht, diese Adresse sofort zur Kenntniß aller verbundenen Vereine zu bringen, und diese, dem Anträge der oben genannten Vereine entsprechend, zu ähnlicher Kundgebung ihrer Ansichten, insofern solche nicht bereits erfolgt ist, einzuladen.
Cassel, am 20. November 1848.
Für den Vorort des nationalen Vereins für Deutschland. B. W. Pfeiffer. Dr. N. H a r n i e r.
Wien, 18. November. Schwarzenberg, Helfert und Bach sind aus Wien in Olmütz eingetroffen; Lazansky aus Schlesien. Die Mitglieder der kaiserlichen Familie sammeln sich in Olmütz; sie miethen ihre Wohnungen auf ein ganzes Jahr. Der bekannte Dr. Schütte, dessen Auslieferung Fürst Windischgrätz verlangte, ist in Breslau angekommen. Schütte soll übrigens am 3. d. M. ganz gewiß in Wien gewesen sein, und unter dem Schutze einer Gesandtschaft gestanden haben. — Was übrigens die Wiener Zustände betrifft, so werden dieselben, wie uns scheint und durch die achtungswürdigsteu Pnvatnachi ichten bestätigt wird, durch nachfolgende Betrachtungen der Weserzeitung erschöpfend bezeichnet.
(Die Militairherrschaft.) Der Siegerstolz, mit dem einst Tilly nach dem Fall Magdeburgs dem katholischen Ferdinand schreiben konnte: seit Trojas und Jerusalems Eroberung sei keine solche Viktoria gesehen worden, war sicher kein gerechterer, als es heute der ist, mit dem sich unser moderner Städtebandiger in seinen Berichtn, nach Olmütz rühmen kann, er habe in seiner Art bis jetzt das Großartigste geleistet. Was dem jetzigen Schreckenswerke an Furchtbarkeit abgeht, das wird durch die empörende Kaltblütigkeit, mit der man dabei vorgeht, ersetzt.
Nichts läßt schließen, daß sich durch die bisherigen Füsiladen die Leidenschaft, welche jetzt einzig und allein die Herrschaft führt, gesättigt und ein Verfahren, für welches jede übliche Bezeichnung bedeutungslos geworden ist, seinen Gipfelpunkt erreicht habe. Diese Hoffnung ist uns in weite Ferne gerückt, wenn man weiß, welche Anstrengungen der Gemeinderrath und viele sonst einflußreiche Personen gemacht haben, um dem Conimandanten das Leben zu retten.
In Olmütz selbst ist, wie man wissen will, die Zahl der zaubermächtigen Meister, welche die Bannfvrmel für die heranfbe- schwornen bösen Geister besitzen, eine sehr geringe, worauf die Thatsache hinweist, daß bis zur Stunde sich noch kein neues Ca- binel constituilen konnte. Obwohl man es diesfalls nicht an schmeichelhaften Einladungen hat fehlen lassen, so wollen doch nur wenige der bürgerlichen Politiker ihre Namen zur Vollführung des Werkes, das im Gauge ist, hergeben. Für die radi- calc Aufräumung alles liberalen Wesens, für die tabula rasa die man dort beabsichtigt, ist die moralische Verantwortung — eine andere ist wohl nicht zu fürchten, — doch zu groß.
In Olmütz, wird auch der D. A. Z. geschrieben, steht eine Militairpartei der Civilpartci gegenüber und wie groß auch die reactionairen Zugeständnisse sind, welche die Herren Stadion und Consorten machen wollen, so genügen sie doch nicht in den Augen des Generaladjutanten Fürsten Lobkowitz und seiner Satelliten. Die ganze Märzerrungenschaft steht auf dem Spiele. Preßfreiheit und Nationalgarde sind auf daS gefährlichste bedroht. Der Verband mit Deutschland ist vollständig aufgegeben und man will sogar hinter den Bundestag zurückgehen nnd selbst das lockere Band lösen, welches uns seit dem Wiener Congresse mit dem gesammten deutschen Vatcrlande zusammenhielt.
Mittlerweile ist die Lage Wiens noch immer eine tiefbekla genswerthe. Hatte es früher von Knabenwillkür und Demagogen. Umtriebe» zu leiden, so war die dadurch erzeugte friedliche Anar chie eben deshalb weniger leib- und lebensgefährlich als vielmehr kindisch; jetzt aber scheint es alle Schrecken einer unerhörten mb litairischen Gewaltherrschaft durchwachen zu müssen. Die Verhaftungen und Haussuchungen dauern fort; erstere mit etwas größerer Auswahl der Betroffenen, letztere aber jetzt noch insbesondere zu dem Zwecke, um Rekruten für die ungarische Jnvasions. armee auszuheben (diese zählt bereits über 120,000 Mann und soll noch ansehnlich vermehrt werden, um gleich durch die Masse den Feind erdrücken zu können) Theater und Zeirungen stehen noch immer unter Censur; die deutschen Blätter werden je nach Verfänglichkeit ihres Inhalts in Bezug auf die hiesigen Verhältnisse manchen Tag gar nicht ausgegeben, wie dies am 14. b. der Fall war. Daß noch immer feind der vorhin nur einigermaßen liberal gehaltenen hiesigen Blätter erscheinen darf, versteht sich von selbst, was auch schon darum nicht leicht möglich wäre, da die meisten Redacteure derselben, von manchen, z. B. der Constitution, sogar das ganze Setzer und Druckerpersonal verhaftet sind.
Wien, 19. Nov. (Grätz in Belagerungszustand). Mittelst telegraphischer Depesche vom gestrigen Tage hat der Gouverneur von Steiermark Graf Wickenburg angezeigt, daß Grätz in Belagerungszustand versetzt sei. Der dortige Gemeinderath , welcher in der letzten Zeit, besonders seit dem Eintreffen der in Wien thätig gewesenen steierschen Nationalgarden, Studenten und anderer politischer Flüchtlinge den Ausbruch blutiger Unruhen befürchtete, hatte selbst um Verfügung jener Maßregel nachgesucht.
Salzburg, 16. Nov. (Adressen nach Frankfurt.) (A. Z.) In unsern Gauen und in allen österreichisch-deutschen Provinzen sind feit einigen Tagen Adressen an die Nationalversammlung in Frankfurt im Werke, in welchen die Zustimmung zu den §§. 2 und 3 der Reichsverfassung und die Bitte ausgesprochen ist, diese Beschlüsse energisch aufrechthalten zu motten Ebenso werden viele Mißtrauensvoten an österreichische Deputirte, die am 27. Oct. gegen die beiden Paragraphen stimmten, nach Frankfurt abgehen.
In Breslau haben die Zustände einen Rückschlag erlitten. Nicht blos der Gemeinderath hat sich gegen die vom Bürgergarde- Kommandeur, Herrn Engelmann, usurpirte Erecutivgewalt energisch erhoben, sondern unter der Bürgerschaft selbst ist ein Verein für Erhaltung der gesetzlichen Ordnung zusammengetrelen und hat, freilich unter großen« Tumult der gegnerischen Partei, eine zahlreiche Versammlung gehalten. Das Militair lagert in den Vorstädten. Düsseldorf ist in Belagerungszustand erklärt. In Bonn ist die Ruhe hergestellt. In Köln hat der Magistrat den Komniandanten ersucht, die Truppen doch nicht aus der Stadt zu ziehen.
Berlin. Unter verschiedene«« namhaften Berliner Flüchtlingen, die in Hamburg eintrafen, war auch Assessor v. Wache, verfolgt wegen eines Plakates gegen Wrangel. Er reiste so vorsichtig, daß er 4 Tage zwischen Berlin und Hamburg unter- wegS «rar.
Held hat Berlin verlassen und wohnt in Potsdam. Bornc- mann ist auf der Besserung: das Gerücht von seinem Wahnsinn ist eine schale Lüge.
Auch von der deutschen Kaufmannschaft in Brüssel ist eine zustimmende Adresse an die Berliner Versamnilung abgegangen.
Berlin. Die deutsche Zeitung redet von einem großen Coinplotte, welches der demokratische Verein am Dienstage gemacht habe. „Nachdem die Nationalversammlung aus verschiedene«« Lokalen vertrieben war, hatte er derselben das Lokal in der Friedrichstädtischei« Halle zur Disposition gestellt. Wenn dort die Deputirte«« vereinigt mären, war der Beschluß, so sollten sie plötzlich durch eindringende Haufen gezwungen merben , sich als Convent zu erklären und eine dahinzielende Proklaniaiion zu erlassen, die dann schleunigst in alle Provinzen befördert werden sollte. Hiervon war die Regierung bei Zeiten unterrichtet worden, und gerade sie ist es gewesen, die die Deputaten abgehalten hat, sich dort zu versammeln und die dieselben mit jenem Plane zuerst bekannt gemacht hat." —
* * Berl«», 22. Nov. Die Versicherungen der „deutschen Reform" der „constitutionelleu", der „Parlamentar. Correspond/ wonach eine Vermittlung in naher Aussicht stünde, werden immer Beilage