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Die erste kurhesfische Landes - Schulsynode
Diese wurde den 12. und 13. Oktober in Kassel gehalten md war von sämmtlichen 21 Kreis-Schulsynoden beschickt. Hat mn auch eine Nachrickt darüber nicht mehr den Reiz der Tages- aeuigkeit, so dürfte doch eine gedrängte Diittbcilung über die Er- ;ebiiisse ihrer Thätigkeit auch jetzt noch um so willkommner sein, ;e mehr das Synodal - Institut für die Entwickelung und Wirk- ämkcit des kurhessischen Schulwesens bedeutsam zu werden verbricht und schon jetzt manches Gute gestiftet hat.
Nachdem die Landes-Schulsynode durch den Vorstand des lci- enden Ausschusses Dr. Clemen eröffnet war, wurde Director Kraft zum Präsidenten und Juspector Röder auë Hanau zum Licepräsidenten gewählt und sofort die O e ffe n l l i ch k e i t der Lersammlung beschlossen. Dieser Beschluß konnte zwar nicht .Nehr veröffentlicht werden; aber dennoch wohnte ein zahlreiches Auditorium, meist aus Lehrer» Kassels und der Umgegend bestehend, den Verhandlungen bei. Nach Feststellung der Geschäftsordnung rind Erledigung verschiedener äußerer Angelegenheiten wurden zahlreich eingedruckte Anträge verlesen und den vom Central-Ausschuß durch gedrucktes Ausschreiben vom 28. August d. J. zur Verhandlung empfohlenen 8 Punkten eingeordnet. Hierauf oeschloß die Landes - Schulsynode, die Eingabe des Central - Anschusses an kurfürstliches Ministerium des Innern vom 2. Aug. ,. J. hinsichtlich der darin aufgeführten Desiderien durch eine Pe- ltion an dasselbe zu unterstützen, zu deren Entwerfung eine Com- nission von drei Mitgliedern gewählt wurde. Nächster Gegen- iand der Berathung waren die Statuten der Schulsynoden, deren inzelne Paragraphen erörtert und festgestellt wurden.
Am zweiten Tage veranlaßte ein eingegaugenes Schreiben, »aß die Landes-Schulsynode sich für die endliche Abstellung der ins den israelitischen Lehrern besonders lastenden Uebelstände aus- prach und dies in ihr Gesuch ans Ministerium aufzunehmen be* chloß. Mittheilungen , welche sodann Direktor Gräfe darüber nachte, was bis jetzt hinsichtlich der Schulverbesserung von der Staatsbehörde geschehen fei, führten zu mehrfachen Erörterungen, wbei die Erklärung der marburger Abgeordneten, daß der Be- chluß der oberhessischen Provinzial-Negierung, welcher die Ein- ührung des sogenannten kurhessischen Kinderfreundes und der biblischen Geschichte von Bang und Fricke verfügte, zurückgenom- nen sei, besondern Beifall fand. Hierauf führte die Tageso»d- rung zur Berathung über den Anschluß der kurhessischen Lchulsynoden an den allgemeinen d e u t sch e ii Leh rcr- »e r e i n. Nachdem über die Verhandlung der allgemeinen Lehrerver- ammlung zu Eisenach berichtet war, wurde der von der dafür nieder- esetzten Commission gestellte Antrag, daß die Landes-Schulsynode en Anschluß an Viesen allgemeinen deutschen Lehrerverein be- chließen niögte, angenommen und der Central-Ausschuß mit Aus- Ührung dieses Beschlusses beauftragt. Zugleich wurde der Ent- vurf einer Tags zuvor beschlossenen Adresse an die deutsche Na- ionalversammlung genehmigt, worin die Landes-Schulsynode die »on der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung in Eisenach gebellte Bitte um Modifikationen in den das Schulwesen betreffen« ,ien Grundrechten zu der ihrigen macht. Hiernach sollen die hier- ier gehörigen Bestimmungen so lauten: •)
8« 18. Satz 5. Alle öffentlichen Schulen sind Ltaatsanstalten, der Beaufsichtigung der Geistlich- eit enthöbe»» und künftig nurvonwirklichen Schul- nänne rn z u beaufsichtigen. Satz 6. Die öffentlichen ehrer sind Staatsdiener. Satz 7. Der Staat wählt nter gesetzlich geordneter Theilnahme derGemein- en aus den Geprüften die Lehrer der Volksschulen.
§• 19- Satz 2. Unbemittelten, welche Befähigung und Neigung haben, soll auf allen öffentlichen Bildungsanstalten reier Unterricht gewährt werden. Armenschulen finden nicht Statt. )rr Staat besoldet die Lehrer in angemessener Leise auS der Staatskasse und hat auch für dir nderweitigen Bedürfnisse der Schule zu sorgen.
Ueber die Wahl eines Centralorgans zur öffentlichen Bespre- »ung der kurhessischen Schulangelegenheiten wurden verschiedene lnträge gestellt. Nach langer Debatte vereinigte sich die Ver-
•j Das gesperrt Gedruckte bezeichnet die beantragten Veränderungen.
sammlung dahin, daß ein eigenes volksthümliches Schulblatt zu gründen gesucht werde. Außerdem soll aber die „Neue Hessische Zeitung" als politisches Blatt den Lehrer,» empfohlen und auch ferner dazu benutzt werden, Schulangelegenheiten von allgemeinen» Interesse zu besprechen.
Nachdem sodann die Wahl des neuen Central-Ausschuffes vor» genommen war, wurde der Entwurf einer Petition an kunürstl. Ministerium d. I. vorgelesen und mit einer geringen Modification angenommen, auch eine Deputation zur Ueberreichung derselben gewählt. Ferner wurde noch beschlossen, eine Erklärung der Landes-Schulsynode in allen kurhessischen öffentlichen Blättern ab» drucken zu lassen, worin sie ihre Beistimmung zu dem im Ertra- Beiblatt der „Neuen Hessischen Zeitung" Nro. 134 enthaltenen Aufsatz „Gegen die Widersacher der kurhessischen Schulreform" mit dem Beifügen ausdrückt, daß der kurhesfische Lehrerstand die wohlberechtigten religiösen und confessioneUkn Interessen bei der Bildung der Jugend in keiner Weise beeinträchtigt wissen wolle. Endlich wurde noch festgesetzt, daß die nächste Landes-Schulsynode, deren Zeit vom Centralausschuß binnen einem Jahre zu bestimmen ist,, in Fulda gehalten werden soll.
In Vorstehendem haben wir nur einen matten, dürftigen Umriß von dem freundlichen, lebensvollen Bilde geben können, das die erste Landes-Schulsynode darbot. Eine ausführlichere Mittheilung darüber hat bereits der leitende Central-Ausschuß in besondern Abdrücken veröffentlicht. 9Zur das sei daher hier noch bemerkt, daß die Synode reichen Stoff der Anregung unb Belehrung bot, das so oft schon getäuschte Lehrerherz aufzurichten geeignet war und auf's neue zu der Hoffnung ermuthigte, endlich werde ja auch wohl der einer gründlichen Hülfe so sehr bedürftigen Lage der Schule und des Lehrerstandes die staatliche Fürsorge zu Theil werden.
Erwiderung.
Es ist eine, jeder Eisenbahnverwaltung bekannte Thatsache, daß auf einer Eisenbahn diejenigen Wagenkästen am meisten benutzt werden, in welchen man am wohlfeilsten reifen kann. Um daher auch dem Unbemittelten, überhaupt solchen Leuten, welche lieber sehr wohlfeil alS bequem fahren, die Gelegenheit dazu zu geben; da ferner die Wohlfeilheit der Fahrpreise nur alsdann möglich ist, wenn in einem Wagen auch eine weit größere Anzahl Passagiere untergebracht werden kann; damit also nicht nur ein Ae- guivalent für die niedriger»! Einzelpreise, sondern auch durch die möglich gemachte vielseitigere, größere Benutzung der Fahrten der Eisenbahnkasse eine verhältnismässig größere Einnahme erwachse: so mußte von den platzversperrenden hölzernen Sitzbänken der Wagen 3. Klasse abgegangen und Wagen zum Stehen eingerichtet werden. Allerdings soll man, wie billig, bei dieser Einrichtung von „Reisebequemlichkeiten" absehen; wie aber die Friedrich- WilhelmS-Nordbahn dergleichen Wagen ohne Dach und Fach con» struirt und eingefaßt har, verdient heutiges Tages wahrlich feine Nachahmung. Man sehe bagegen die Stehwagen, welche durch die Verwaltung der Staatseisenbahn construirt sind und welche auch von den Staaten Hessendarmstadt und Frankfurt für die Main-Weserbahn angenommen werden: so wird man sich überzeugen, daß die in diesen Wagen fahrenden Personen gegen Wind und Wetter hinlänglich geschützt sind, und daß der Anblick eineS solchen besetzten Wagens keineswegs jenen Eindruck hinterläßt, welcher sich des Zuschauers bei einem dahin fahrenden „offenen Mensch,nwagen" (bekanntlich nicht verschieden von einem „Viehwagen") unwillkürlich bemeistert. Im Uebrigen aber kann versichert werden, daß eS ein Vorurtheil ist, als sei das Fahren in einem Stehwagen weniger erträglich, als das Sitzen im Wagen 3. Klaffe auf harter hölzerner Bank*). £.
*) Diese Versicherung mögte doch nur bei Wenigen Glauben finden. Die Raumersparniß bei Stehwagen kann ohnehin, im Verhältniß zu com- pendiösen Sitzeinrichtungen nicht bedeutend sein und wird sich durch einen Wagen mehr ohne erhebliche Vermehrung der Betriebskosten ausgleichen lassen. Anm. d. Red.