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Beilage zu 9t r. 177 der 9t euen Hessische« Zeitung.

nen Palästen der hohen Aristokratie aufbewahrt werden sollen, welchem Zweck bereits die Fürsten Schwarzenberg, Liechtenstein, uersperg rc. ihre Räume angeboten haben. Die beiden Pulver- agazine in der Umgebung, nämlich der Pulverthurm auf der genannten Türkenschanze nächst Währing und das Artilleriede- >t im Neugebäuve auf der Simmeringer Haide, werden gleich- lls stark verschanzt, während die Türkenschanze in eine kleine «tadelte verwandelt wird, erheben sich um das ohnedem sehr lid und bombenfest gebaute Neugebäude die furchtbarsten Erd- ille, die dergestalt mit Kanonen vom schwersten Kaliber bespickt ld, daß nach der Aussage erfahrener Offiziere selbst der Angriff wr Macht von 30,000 Mann nicht zu fürchten wäre.

Die Entwaffnung kann um deswillen nicht zur Wiedererlan- ng der sämmtlichen Gewehre führen, weil ein großer Theil rstlben nach Ungarn gewandert ist, wo neuerdings auch 80,000 tück Feuergewehre aus Belgien und England eingetroffen sind.

JeUachich geht dieser Tage auf der Süvbahn nach Croatien, N dort den Oberbefehl über die Truppen unter Dahlen und ugknt zu übernehmen, wesche von Süden her in Ungarn ein- ingen werden, indeß Windischgrätz von Westen über Preßburg lernt, Simonich den Norden bedroht und die Serben und Sie- nbürgen die Ostseite beunruhigen. Man hofft Preßburg trotz fei» r furchtbaren Verschanzungen leicht zu nehmen; es herrscht große rbitterung in der Armee gegen die Ungarn, welche viele Kranke ld Marodeurs der eroatischen Armee in Stuhlweißenburg und roßkanischa ermordet haben.

Wien, 16. November. Heute morgen um 8 Uhr wurde r ehemalige Oberkommandant der hiesigen Nationalgarde, Mes­ahauser, nach kriegsrechtUchem Ausspruch im Stadtgraben beim men Thor erschossen. Eine große Menschenmasse hatte sich da- lbst eingefunden und Messenhauser erschien eiligen Schrittes zu Inmitten einer sehr starken Mililärabtheilung, welche sofort 1 Ouarröe formirte. Meffcuhauser küßte zweimal das von dem riester dargereichte Kruzifir, warf sodann Mütze und Mantel nweg, und stand baarhaupt in einem kurzen Sammtrock und einkleidern von karrirtem Stoff vor seinen Mördern, denen er eine rze Anrede hielt, von der aber das entfernte Publikum nichts rflaut. Darauf legte er die Hand aufs Herz und kommandirte her: Feuer. Er stürzte rücklings nieder, da er die Kugeln stehend rpfing und sich auch die Augen nicht verbinden ließ. Er starb wie ein eld, wie Blum, mit religiöser Ergebung, vertrauend auf die Unbesiegt irkeit der Freiheit. Er hat in den letzten Tagen, bevor er sich eiwillig dem Kriegsgerichte überlieferte, in stiller Einsamkeit ein/ enkschrift über die Oktoberrevolution, welche demnächst ans Licht eten wird und für die Beurtheilung jener merkwürdigen Ereig- sse von der größten Wichtigkeit sein muß. Schwarzer ist it seinem Ansuchen wegen Wiedererscheinen seiner Zeitung ab- hlâgig beschieden worden, ein Beweis, daß die Militärherrschaft gar eine edle und gestnnungsvolle Opposition nicht zu dulden neigt ist. Rothschild liquidirt und hat seine Bankgeschäfte reits sistirt. Zufolge der in Paris und Wien erlittenen Ber­ste will er sich aus der Handelswelt zurückziehen.

Wien, 17. November. Als Proben der jetzigen öffent- chen Zustande in Wien mögen die folgenden in der heutigen Ziener Zeitung enthaltenen officiellen Erlasse dienen ) «Der provisorische Oberkommandant der Wiener National- rrde, Wenzl M e ssen h a u ser, ehemaliger kaiserlich königlicher Iberlieutenant, zuletzt bei dem Infanterie - Regiment? Hoch- und Deutschmeister, wurde, da derselbe den bewaffneten Aufruhr in Zien und Umgebung leitete, Aufgebote zum Landsturm beförderte, rch der mit den k. k. Truppen abgeschlossenen Kapitulation den waffneten Widerstand fortsetzte und insbesondere durch Erlassung oeier Bülletius über das siegreiche Fortschreiten der Ungarn, die ufrührer zum Wortbruche reizte, durch eigenes Geständniß über- iesen, zum Tode mit dem Strang verurtheilt; diese Strafe aber im Erschießen durch Pulver und Blei gemildert, wurde heute -ormittags 9 Uhr im hiesigen Stadtgraben an ihm vollzogen." ) Um der Verbreitung böswilliger Gerüchte, die in Ansehung 's Verfahrens bei der Verurtheilung des Robert Blum zur enntniß der Militärbehörde gelangt sind, zu begegnen, findet die tztrre im Nachhangt zu ihrer, diesen Gegenstand betreffenden, in

der Wiener Zeitung bereits erschienen Kundmachung zu erinnern: Robert Blum aus Leipzig, als einer der thätigsten Beförderer deS Oktoberaufstandes bekannt, wurde in Folge des bereits am 20. Oktober proklamirten Belagerungszustandes für Wien und Um­gebungen , nach dem Einrücken der k. k. Truppen in die Haupt­stadt, Ungezogen und vor das Standrecht gestellt. In der dies, fälligen Untersuchung wurde er durch fein Geständniß und beeidete Zeugen überwiesen, daß er am 23. Oktober in der Aula zu Wien den bewaffneten Aufruhr durch eine feurige Rede ange- facht und als Führer einer Compagnie des Corps d'Elite mit den Waffen in der Hand an demselben Theil genom­men habe. Robert Blum wurde demnach in Gemäßheit der be­stehenden Militärgesetze von dem Standrechte mit Einhelligkeit der Stimmen zum Tove durch den Strang verurtheilt, und dieses Ur­theil innerhalb 24 Stunden, vom Zeitpunkte seiner Stellung vor die standrechtliche Commission gerechnet, durch Pulver und Blei vollzogen.

3. Es ist Sr. Durchl. dem Herrn Feldmarschall von ver­schiedenen Seiten zur Kenntniß gelangt, daß in mehreren Pro­vinzen durch Emissäre und Placate Versuche gemacht werden, um die kaiserlich königlichen Truppen zum Treubruche zu ver­leiten. Hochdieselben erachten bei dem in der kaiserlich königli­chen Armee sich stets und auch in der neuesten Zeit mit wenigen Ausnahmen bewährten vortrefflichen Geist der Truppen jede Er­innerung an dieselben in dieser Beziehung für überflüssig, finden jedoch hiemit zur alsogleichen und öfters zu wiederholenden Pu­blication bei sämmtlichen Truppenkörpern anzuordnen, daß jener Mannschaft vom Feldwebel und Wachtmeister abwärts 25 fl. C.-M. ausgezahlt werden, welcher einen Emiffair oder Aufwiegler zu Stande bringt und ausliefert, der, fei es nun durch Worte oder durch Vertheilung von Placaten und Flugschriften den Solvaten aufzuwiegeln und zum Treubuche zu verleiten sucht.

4. Mitbürger! Die Kundmachung des k. k. Herrn Ge­neralmajor von Frank, Vorstandes des k. k. Centralcommission der Stadtcommandantur vom 15. d. M , durch welche die letzte Frist zur Ablieferung der sämmtlichen Feuer-, Hieb- und Stich­waffen auf heute 10 Uhr Morgens festgesetzt worden ist, spricht sich deutlich dahin aus, daß Jedermann, der bei der nun­mehr erfolgenden Haus- und Wohnungsdurchsuchung noch im Be­sitze von Waffenstücken betreten wird, un nachsichtlich dem stand­rechtlichen Verfahreir unterworfen werden wird. Der Gemeinde­rath der Stadt Wien, stets besorgt um das Wohl seiner Mit­bürger, aus deren freien Wahl er hervorgegangen ist, erachtet es für seine Pflicht, selbst auch seine ivarnente Stimme zu er­heben, daß Ihr diesem von Sr. Durchlaucht dem k. k. Herrn Feldmarschall erlassenen Befehle Euch in keiner Hinsicht entziehet; die unausbleibliche Folge eines solchen Widerstrebens würde die unabwendbare Todesstrafe sein. Beherziget die Warnung Euerer wohlmeinenden Vertreter, stürzet Euch nicht selbst, und mit Euch die lieben Angehörigen in unabwendbares Verderben. Wien, 16. November 1848. Vom Gemeinderathe der Stadt Wien.

Wien, 17. Nov. Eben eingehenden Nachrichten aus Triest vom 15. d. war der sardinische Admiral Albini mit seiner Flotte ganz unerwartet auf der dortigen Rhede eingctroffen. Er hatte die weiße Flagge aufgezogen und sandte alsoglcich einen Parla­mentair an den österreichischen Marine-Ober-Kommandanten v. Kudriafsky, welcher sich sogleich mit demselben in Verbindung setzte, und unmittelbar darauf, wie man versicherte, mit Anträgen des Admiral Albini nach Wien abreiste. Es hieß allgemein, Albini habe Unterhandlungs-Vorschläge wegen Venedig gebracht. Letztere Version scheint um so eher wahrscheinlich, als sich nach den neuesten Berichten Venedig, wo die Umsturz - Partei auf einen Sieg der Wiener Radikalen gerechnet hatte, seit der Ein­nahme Wiens in einer furchtbaren Aufregung und Anarchie be­fand. Die Noth und Unzufriedenheit der geringeren Klaffen war ungeheuer, und die provisorische Regierung ohne alle Hülfsmittel. Kudriafsky ist heute früh hier eingetroffen. Morgen wird auf Anordnung des FM. Fürsten Windischgrätz ein feierliches Requiem für den ermordeten FZM. Grafen Latour abgehalten. Der Fürst hat befohlen, diese Trauer-Andacht, zu welcher die ganze Garnison ausrückcn wird, außerhalb des Weichbildes der Stadt und Vor-