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fen noch keine Antwort erfolgt war. Es wurde eine von dem Dolkscomitè im Vereine mit andern Abgeordneten aus sämmtli­chen hier bestehenden politischen Vereinen zu entwerfende Adresse an daS kurhessische Volk beschlossen, bei der gegenwärtigen ge­fahrvollen Krisis für die Vertheidigung und Wahrung seiner Freiheit wachsam zu sein. Auf den Antrag der Herren Herbold und Fränkel wurde für die Hinterbliebenen Robert Blums die Veranstaltung einer Kollekte, auf Antrag des Hrn. Dr. Kellner «in Aufruf an sämmtliche Ortschaften Kurhessens zu Errichtung von Volksräthen und Einigung derselben gegen die Reaktion mit dem Volksrath in Kassel und auf Antrag des Herrn Lotzge- sell, auf Errichtung mobiler Corps innerhalb der gesetzlich beste­henden Bürgerwehr-Corps zur Vertheidigung der bedrohten Frei­heit hinzuwirken , entlieh auf Antrag des Hrn. Heise eine Eingabe an die deutsche Nationalversammlung beschlossen, worin dieselbe zum letzten Male zum männlichen Handeln zu Gunsten der bedrohten Freiheit unter der Aussicht auf eventuelle Verwei­gerung der Reichssteuern und Einstellung der Diäten - Zahlnng aufgefordert wird. Zuletzt wurde Hrn. Franz Raveaur für sein ehrenvolles Zurücktreten von dem Posten eines Reichs-Gesandten ein dreimaliges Hoch gebracht. (Kass. Allg. Ztg.)

^ Kassel, 21. Nov. (Kurhessen und die Reaction.)

Es wäre mir früher, He . Redakteur, nicht zweifelhaft gewe­sen, in nie weit Sie mit den letzten Maßregeln des Volkskomi- 's und mit den Beschlüssen der letzten Volksversammlung ein­verstanden sind. Seitdem Sie als Deputirter des Bürgervereins zu der Verstärkung des Volkscomitè's gehören, ist mir die Sache freilich nicht so klar, indeß, da wir jedenfalls über die Zwecke einig sind, werden Sic mir, wie ich hoffe, auch eine von der Ihri­gen abweichende Ansicht über die Mittel in Ihren Blättern zu äußern erlauben. Es ist schon in Kassel der Ruf ergangen, unb es soll im ganzen Lande verbreitet werden, durch die Ereignisse in Wien und Berlin sei für Hessen nicht blos das Ergebniß des März, sondern selbst die Verfassung von 1831 gefährdet. Ich weiß nicht genau, in welcher Weise die Urheber dieses Rufs sich die Gefahr vorstetten. Man könnte, wenn nicht an die österrei­chische, aber doch an die preußische Armee denken, man könnte das Obsiegen reactionärer Gesinnung in Frankfurt befürchten, wie dem aber auch sein möge, so viel ist klar, daß ein Uebel für die inneren Verhältnisse Kurhessens daraus nur dann entstehen würde, wenn eine politische Gewalt im Lande selbst sich zum Werkzeuge jener Einflüsse hergäbe. Denn wenn bei uns Fürst, Minister, Stande und Volk einig sind, so möchte der Kaiser von Rußland in Berlin, und der Kaiser von China in Wien regieren, und wir hätten fürs Erste wenig davon zu befahren. Alles hängt also davon ab, daß bei uns die politischen Gewalten im Sinne der Freiheit einmütig bleiben, oder mit andern Worten, für uns ist die erhebliche Frage, ob wir befürchten müssen, daß den Berliner Wirren bei uns ein Bruch zwischen Hof und Ministerium folgen, und welche Mittel gegen eine solche Wendung der Dinge die wirksamsten sein wür­den. Bis jetzt daS ist positive Thatsache ist von einem solchen Bruche nicht der geringste Anschein zu spüren, und wahr­haftig, das Beispiel des Königs von Preußen zeigt auch bis jetzt wenig zur Nachfolge rezente Früchte. Indeß, es sei so, Vorsicht sei nöthig nach so mancher früheren Erfahrung, auf welchem Wege wird in unsrer Lage ein charaktervolles und seiner selbst gewisses Volk seine Sicherheit suchen? Ich sollte denken, das Beispiel Preußens allein gäbe darauf die überzeugendste Antwort. Zn Preußen hat man nicht die Proletarier zu den Waffen geru­fen , man hat dort nicht die Nationalversammlung mit ungehöri­gen Rathschlägen von unten herauf überschüttet, man hat nicht dH jedem einzelnen Flecke sich mit dünkelhaftester Weisheit auf eigne Hand gesetzt sondern man hat das Mittel gefunden, sonst unbesiegte Waffen durch die Beseitigung aller Waffengewalt zu lähmen, man hat von der Nationalversamuckung als der leiten­den und herrschenden Behörde die Befehle erwartet, man hat ihr die moralische Kraft gegeben, welche der Beifall und die Ergeben­heit eines ganzen Volkes gewährt. Ueberall hat die Bewegung sich soviel wie irgend möglich um bestehende gesetzliche Auceoritâ- ten geschaart, die städtischen Behörden, die Bürgergarden - und Landwehlformationen, über Allen und sie Alle vereinend und be­herrschend, die Nationalversammlung. So war es wenigstens in

den ersten Tagen nach dem 9. November, in den Tagen der rein­sten und größten Erfolge: wenn seitdem einzelne Schritte in an­derer Richtung geschehen sind, so erkennt man jetzt schon den Nach­theil für die gute Sache.

Bei uns aber will die radikale Partei vor Allem Andern das prächtig lautende Ding, allgemeine Volksbewaffnung, d. h. ins Praktische übersetzt, Bewaffnung der Menschen, die nach altem und neuem Bürgerwehrgesetz gerade keine Waffen haben sollen. Sie will nicht den passiven Widerstand, der unerschütterlich an jedem Punkte im Boden wurzelt, sondern sie will mobile Colonnen, Freischaaren, die das Land durchstreifen und die Reaction mit Pulver und Blei bekämpfen sollen. Sie will die Leitung dieser Maß­regeln nicht in der Hand der bestehenden gesetzlichen Autoritäten, sondern sie will Volksräthe in jedem Orte, und dann in Kassel eine Gencralcon- ferenz derselben, die das ganze Landmit dem Blitze der Agitation burch flamme." Das Alles läuft also vom ersten Worte bis zum letzten theils neben dem Gesetze her, theils geradezu wider dasselbe: es ist vom Anfang an activer und bewaffneter Widerstand gegen einen Feind, der bis jetzt nur möglich, aber noch nicht wirklich ist. Wenn daneben die Forderung ausgestellt wird, der Landtag solle binnen drei Tagen einberufen werden, so klingt dies allerdings recht sehr konstitutionell: aber kein Mensch kann sich dadurch täuschen lassen, der sich von der Wahlgesetzagitation her der tiefen Ver­achtung erinnert, den die radikale Partei gegen unsre Landtage geäußert hat, der daneben die Generalconferenz der Volksräthe,, und die Forderung einer constituirenden Versammlung austauchen sieht. Um den Landtag an sich selber als Stütze und Mittel­punkt eines gesetzlichen Widerstandes ist es der Partei entfernt nicht zu thun: sie dringt auf plötzliche Einberufung der Stände nur deshalb, weil dadurch das Ministerium ein feierliches Miß­trauensvotum gegen den Kurfürsten ausspräche, und so der radi­kalen Agitation den vollkommensten Vorschub leistete. Einmal dies geschehn, würde der jetzt so ersehnte Landtag von der Partei gleich wieder in den Winkel gestellt, er würde wieder als ein Haufen Privilegirter über die Achsel angesehn, und im Namen der Volkssouveränetât zur Abdankung getrieben werden.

Sinn und Zweck hat offenbar die ganze Agitation nur unter der Voraussetzung, daß eine große Milnärreaction gegen das Volk, die Stände und die Minister beabsichtigt werde. Und glaubt man denn im Ernste, in diesem Falle werde die Bewaffnung einiger Proletarier etwas auSrichten, oder der Auszug mobiler Sensen­männer , die zunächst nur dem Lande, das sic durchziehen, zu Last, Kosten und Verwirrung gereichen? Alle Maaßregeln dieser Art können vie gute Sache nur anrüchig machen. Auf tem Felde der Waffengewalt ist tie Freiheit der Militärreaction nun und nimm« gewachsen; es ist Verrath an der Freiheit, den Kampf auf dieses Gebiet zu verpflanzen. So würden wir urtheilen, wenn die Reaction bei uns schon offen und sichtbar wäre; noch viel entschiedener müssens wir es jetzt, wo nur ihre Möglichkeit vermuthet wird, dem jede ungesetzliche Maaßregel, wie z. B. die Bildung von Frei schaaren, würde jetzt das Ministerium zu Repressivschritten nbthu gen und so der Reaction nach allen Beziehungen die Wege ebenen

Es ist eine durchgreifende Regel in politischen Bewegungen auf jeder Stufe des Kampfes das Entsprechende, nicht weniger aber auch nicht mehr, zu thun. Jeder Pfeil, der. über das Zie hinausfliegt, prallt auf den Schützen zurück. Ein revolutionäre Schritt, der bei vorhandener Reaction heilsam sein kann, erzeug, und rechtfertigt die Reaction, wenn er zu früh kommt, bei um steht es so, daß noch keine Reaction sichtbar ist. Sollte si eintreten, so müßte ihre erste, unumgängliche That die Aenderung bei Ministeriums sein. Hiernach ist jedem wahren Vaterlandsfreunde bi Regel für sein Verhalten vorgezeichnet. Wenn das Land eine Reactim besorgt und die Oteaction nicht selbst durch Ungesetzlichkeit hervor rufen will, so liegt der Weg ganz unzweideutig vor. Das Vol mache durch eine große moralische Bewegung jede Veränderum des Ministeriums unmöglich. Es vereine sich zu Adressen, worn es dem Ministerium sein Vertrauen zu der bisherigen Haltum und die Aufforderung ausspricht, der Unterstützung, des Lande, gewiß den bisherigen Gang ferner mit Kraft und Festigkeit inn zu halten. Eine solche Stellung des Volkes würde der Reactior alle Werkzeuge mit einem Schlage entziehen.

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