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welche bei unseren dringenden Arbeiten zum Wohle des .Volkes hätten verwendet werden können ; so hat man uns doch nicht ab- zuhalten vermocht, den Kampf gegen die brutale Gewalt mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu führen. Die Anklage des Mini­steriums wegen Hochverraths ist eingeleitet, und demselben die Verwendung der Staatsgelder und die Erhebung der Steuern durch einstimmigen Beschluß vom 15. Nov. untersagt. So haben wir das letzte parlamentarische Mittel erschöpft. An dem Volke ist es, unsere Beschlüsse auSzuführen. Berlin, 18. Nov. 1848."

Das bedeutendste Ereigniß des Tages ist die Entscheidung des Kammergerichts über die Publication des Martialgesetzes. Auf Den Antrag der Assessoren Wilhelmy und Oppenheim traten schon vor mehren Tagen der Justructious- und Criminalsenat zusammen und entschieden sich heut in einer Plenarsitzung dahin, die Publi­cation des Knegsgesetzeö nach reiflicher Erwägung der thatsäch- lichen und Rechtsverhältnisse für ungesetzmäßig zu erklären. Der diesen Ausspruch näher begründende Protest wurde sofort dem Justizminister Rintelen zugefertigt. Bemerkeuswerth ist, daß die Stimmen gleich waren und deshalb die des Präsidenten v. Strampff, des bekannten Mitgliedes der Untersuchungskommission für die demagogischen Umtriebe den Ausschlag gab. — Auch der Ober- apveUalionksenat des Cammrrgerichts, der sich an dieser Berathung, von welcher ein solches Resultat kaum zu erwarten war, nicht betheiligte, wird die Sache in Erwägung ziehen. In einer be­reits stattgefundenen Vorberathung haben sich 18 Stimmen gegen 3 für die Ungefetzmäßigkeil der Wrangelschen Publication ent- 'chieden. Dieser Senat genießt noch aus der Zeit, in welcher hm Hr. v. Grollmann präsivirte, den Ruf unerschütterlicher Un= Abhängigkeit. Sein gegenwärtiger Chef ist Herr Breseri. — Das Auditoriat hat sich gleichfalls geweigert, nach dem Kriegsrecht Urtheile abzufassen.

Vorzugsweise hat sich in dieser Beziehung der Vorsitzende oes Kriegsgerichts, Geh. Rath Salbach, energisch ausgesprochen. Zur Beseitigung dieser Bedenken hat der General Wrangel eine on sämmtlichen Ministern kontrasignine Cabinetsordre ertrahirt, n welcher General Wrangel ermächtigt wird, kriegsgerichtliche Erkenntnisse, selbst wenn sie auf den Tod lauten, statt des Kö- rigS zu bestätigen und vollstrecken zu lassen. Die Auditeure Ha­ien sich indeß hierdurch nicht bewegen lassen, von ihrer ausge- prochenen Erklärung abzugehen. — Herr Milde hat bereits am 16. d. M. dem Staatsministerium die Erklärung zugehen lassen, >aß er, sobald der Präsident der Nationalversammlung ihn berufen verde, in diese einzutreten entschlossen sei.

Man versichert, daß in Potsdam die größte Neigung zur llachgiebigkeit herrscht und Schritte vorbereitet seien, um ein Mi- ijsterium aus den Centren zu bilden. In der durch die heutigen Norgenblätter veröffentlichten Erklärung des Hrn. Grabow spricht mch dieser sich für die Unrechtmäßigkeit der Maßregeln des Mi- tisteriums aus.

Eine Deputation des Teltower Bauernvereins ist, wie es heißt, nit einer Loyalitätsadresse beim Könige vorgelassen.

Berlin, 19. Nov. Die Stadt ist vollkommen ruhig, »dessen organisirt sich der gesetzliche Widerstand unter Leitung es Landtags immer mehr, die Linke tritt zwar mit ihren rorbitanten Plänen mehr hervor; sie wollte sogar einen Ausschuß üt den ausgedehntesten Vollmachten, eine verkappte provisorische Legierung (Waldeck, Jacoby, d Ester, Temme ) niedersetzen, ist je- och bei den anderen Parteien auf den entschiedensten Widerstand estoßen. Auch die von ihr beabsichtigte Ausschließung der Par- ri des „Hotel de Russie" scheiterte an dem Widerspruch der Mehrheit; die Möglichkeit einer Vermittlung mit der Regierung heint daher noch nicht ganz abgeschnitten. Mit Beckerath sollen wirklich Unterhandlungen wegen eines neuen Cabinets angeknüpft in; man will in Potsdam sein Programm annehmen, das aber tzt kaum mehr genügen dürfte. — Der Landtag vermehrt sich rglich durch zurückkehrende Abgeordnete.

Die Linke hat eine Proklamation aus Volk erlassen, in wel- er sie den König für unfrei erklärt.

(A u s den P r o v i n z e n.) Die Kölnische Zeitung erzählt, aß der in Breslau zusammengetretene Wohlfahrts-Ausschuß nur nt zwei Stimmen Majorität die beantragte Verhaftung des )berpräsidenlen zurückgewiesen habe. Nach dem Tagesbericht der

Breslauer Zeitung vom 17. Oktober hatte die Bürgerwehr dort alle öffentlichen Gebäude besetzt, sich der Kaffen versichert rc. In einer großen Volksversammlung wurde dieses mitgetheilt und zu­gleich hinzugesügt, der Oberpräsident habe noch keine definitive Antwort ertheilt, ob er den Steuerverweigerungsbeschluß anerkenne oder nicht. Es fei ihm noch keine offizielle Kunde geworden. Nach verschiedenen Anträgen beschloß endlich die Volksversamm­lung, mit Umgehung ihres so eben gewählten Wohlfahrts-Aus­schusses, dem Oberpräsidenten vor das Haus zu ziehen und ihn selbst zu fragen. Die Versammlung, berichtet ein anderer Artikel des officiellen Organs des Breslauer Wohlfahrts-Ausschusses, stand vor dem Regierungsgebäude und war in sehr erregter Stimmung. Die erste Mittheilung von Dr. Asch, daß der Oberpräsident dem Magistrale seinen Entschluß bereits mitgetheilt, ließ unbefriedigt. Man drang auf Mittheilung. Dr. Asch begab sich nochmals zum Oberprästdcnten und brachte sodann der Versammlung die Nach­richt, daß der Oberpräsident die Erklärung abgegeben habe, sich den Beschlüssen der Nationalversammlung zu unterwerfen. — Man begnügte sich auch damit nicht und verlangte diese Erklärung von dem Oberpräsidenten selbst zu hören. — Derselbe erschien auf dem Balkon und äußerte sich, nachdem er die Versammlung be­grüßt , etwa in folgender Weise: Ich habe dem Ministerium be­reits meine Willensmeinung dahin ausgesprochen, daß ich den Be­schluß der Nationalversammlung als bindend erachte. — Ich bin ein konstitutioneller Beamter und werde es bleiben. Nur wundere ich mich, daß bei den Bewohnern Breslau's der geringste Zweifel über diese meine Gesinnung entstehen konnte

In der permanenten städtischen Kommission stellte ein Abge­ordneter der Bürgerwehr von Ratibor den Antrag: daß eine Ver­sammlung von Abgeordneten sämmtlicher Städte in Schlesien in Breslau zusammenberwen werden möge, um sich dahin zu erklä­ren, daß, wenn die Nationalversammlung nicht binnen 2 Tagen frei von Militairgewalk berathen könne, ganz Schlesien sich zu ihren Gunsten erheben würde. In Bezug auf diesen Antrag wurde zunächst beschlossen, eine Proklamation an die Provinz Schlesien zu erlassen, in welcher der Standpunkt, auf welchem Breslau gegen­wärtig stehe, auseinandergesetzt, und die Provinz zum Beitritt auf- gefordert werde.

Die Glogauer Klubbs haben an die Behörde der Stadt die kategorische Frage gestellt, ob sie mit der Nationalversammlung oder mit Brandenburg stünden.

Die bäuerlichen Depulirten aus dem Glogauer Bezirke haben die Audienz beim König durchgesetzl. Sie sind am 15. zurück- gekommen. Sie waren sehr verblüfft über die Leutseligkeit der Minister und die Vereiterungen des Königs. Dieser hat ihnen gesagt: „Man will mir die Krone nehmen, wie bei der französi­schen Revolution von 1792, dieses werde ich aber, so wahr ein Himmel über mir ist, nicht zugeben."

( P r o t e st e gegen die S t e u e r v e r w e i g e r u n g.) Die beiden Städte des Königreichs, welche zuerst und am kräftigsten gegen die Maßregeln Brandenburgs protestirten, Stettin und Magdeburg, haben jetzt auch zuerst ihren Protest gegen die Steuerverweigerung eingelegt.

Kassel. In einer am 19. stattgehabten äußerst zahlreichen Volksversammlung erstattete Hr. Henkel Bericht über den Erfolg der an die Regierung gerichteten Eingaben um sofortige Einfüh­rung allgemeiner Volksbewaffnung und schleunige Einberufung der Ständeversammlung. Vom Ministerium ist in letzterer Be­ziehung die Antwort eingegangen, daß dasselbe die Furcht vor der Gefährdung unserer freien Institutionen nicht theilen könne, weil die Ereignisse in andern Staaten ohne Einfluß auf den festen Willen der Regierung bleiben werden, die Volksfreiheiten im Verein mit den Ständen zu vertreten. Eine frühere Einberufung der Stände als auf den 28. sei wegen der noch nicht beendeten Wahlen unthunlich. In Betreff der allgemeinen Volksbewaffnung wird erwidert, daß in der Bürgergarde nnd den Schutz-Corps bereits eine theilweise Volksbewaffnung bestehe, und daß nach der Zusage des Landtags-Abschiedes dieselbe durch Vereinigung mit den Ständen noch vollständiger ins Leben treten werden. Das Volkscomitè, obwohl die in dieser Antwort kund gegebenen ehren­haften Gesinnungen anerkennend, glaubte sich dabei nicht beruhigen zu können, und hat nochmals dagegen remonstrirt, worauf indes-