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Neue Hessische Zeitung.

â is®* Sonnabend, den 18. November. ISIS.

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Die Berufung des Landtags.

Kassel, den 17. November.

Borgestern hat hier eine Volksversammlung im Hinblicke auf ne Berliner und Wiener Ereignisse eine Petition an das Mini­sterium beschlossen, dasselbe möge die Ständeversammlung binnen Drei Tagen eitl berufe«. Wir müssen die Intentionen dieses Ge- uches vollkommen billigen, und wir wünschen ihm insofern )ie allseitige Unterstützung des Volkes, wie die bereitwilligste Auf- lahme beim Ministerium. Nur über die Art, wie das Wesent- iche des Gesuches zu erfüllen sei, glauben wir bei der Wichtig­keit der Sache mit unsern Ansichten nicht zurückhalten zu dürfen. Ls ist gewiß, daß in einem Augenblicke, wo die gefahrvollste Krisis eines großen Nachbarlandes den Bürgerkrieg bei sich ent­rinden und weit über Deutschland verbreiten kann, die Anwesen- leit des Landtages für Krone, Volk und Ministerium gleich wün- chenswerth erscheint. Niemand kann die Folgen berechnen, die >lötzlich aus den Berliner Stürmen sich für ganz Deutschland ntwickeln mögen: bei einer solchen Ungewißheit ist es gut, alle institutionellen Gewalten vereint und zur Wirksamkeit bereit zu laben. Es ist wahr, eine plötzliche Einberufung würde nach an- wrn Seiten hin nachtheilige Folgen haben, welche bei einem ru- ügkii Auögang der preußischen Wirren, bei einer noch nicht hoff- «ungslosen Beseitigung der deutschen Gefahr, die Maaßregel sehr >edauern ließen. Das Ministerium hat bis zum 28. alle Hände oll, um die nöthigen Vorarbeiten zu erledigen; es hat die neuen Einrichtungen der Justiz und Verwaltung im Lande zu verwirk- ichen; es hat augenblicklich dringende Budgetfragen ins Reine u bringen; dies Alles würde durch ein früheres Zusammentreten er Stande verwirrt und gestört, und solche Störungen sind zwar zering zu achten, wenn es sich um eine Lebensgefahr der Freiheit »der der deutschen Nation handelt, sind es aber auch nur in ei- ikm solchen Falle.

Dazu kommt nun, daß von 47 Wahlen zum Landtage nicht veniger als 12 noch zurück, daß für einen guten Theil der voll- ogenen drei bis vier Tage erforderlich sind, um die Nachricht 'er Berufung, und ebenso viele, um den berufenen Deputaten an Ort und Stelle zu bringen, eine Frist, womit der ursprünglich »'gesetzte Termin beinahe erreicht wäre. Endlich können wir ioch eine Befürchtung nicht verschweigen. Wir leben in der Zeit rcr Mißverständnisse. Wie, wenn ein Theil des Lankes die be- chlsunigte Berufung in anderem Sinne auffaßte, wenn er in hier Maßregel, die ein energisches Zusammenwirken aller con- iitutionellen Gewalten für höhere nationale Zwecke beabsichtigt, zerade die Spuren des Gegentheils zu finden, und das Ministe- ium etwa der Unterstützung der Stände gegen anderweitige Ein- lüsse bedürftig glaubte. Alle Welt redet von der Verbindung wischen Olmütz und Potsdam man wird uns bad Weitere, nan wird uns jede Ausführung erlassen, wie unheilvoll jede cheinbar officielle Erregung dieses Verdachtes wäre. Bei der ligemeinen Lage der Dinge ist Vorsicht, äußerste Vorsicht nach J(en Seilen gerecht; aber ein wesentliches Element der Vorsicht st es, daß man den Teufel nicht an die Wand male. Nichts at z. B. in Preußen die Reaction so stark provocirt, als das Heschiei von Reaction, als noch kein Grund dazu vorhanven war.

Unter diesen Umständen würde unserer Ansicht nach dem Mi- üsterium zunächst obliegen, dem Lande die Versicherung zu eben, daß es die Entwickelung der deutschen Verhältnisse und eren mögliche Einwirkung auf Hessen keinen Augenblick 'N beachtet lasse, und daß es im ersten Momente, wo es stoth thue, sich mit dem Rathe und der Unterstützung der Volks- ertreter umgeben werde. Dazu wäre vor Allem erforderlich,

daß die noch rückständigen Wahlen ohne Zaudern vollzogen und sämmtliche Deputirte schon jetzt angewiesen würden, in jedem Augenblicke der Berufung ge­wärtig und zum sofortigen Erscheinen bereit zu sein. Dann würde bei dem ächt volksthümlichen Sinne unserer Minister alles Nöthige für die Freiheit gewahrt sein, ohne daß einer der angegebenen Uebelstände für die Wohlfahrt des Landes einzutreten brauchte.

^Dittifdie Nachrichten. Deutschland.

Frankfurt, 16. Nov. Vorm. lO'^ Uhr. (Unser voll­ständiger Bericht ist ausgeblieben. D. Ned.) Der Präsident der Reichsversammlung zeigte in der heutigen Sitzung den Tod des Abgeordneten Robert Blum an, indem er den Abgeordneten Kirchgeßner ersuchte, den Ausschußbericht über den auf dieses traurige Ereigniß bezüglichen Antrag des Abgeordneten Simon von Trier und 60 Genossen der Reichsversammlung mitzutheilen. Der Antrag des Ausschusses lautet:Die Nationalversammlung, indem sie vor den Augen von ganz Deutschland gegen die mit Außerachtlassung des Reichsgesetzes vom 30. Sept. l. J. voll­zogene Verhaftung und Tödtung des Abgeordneten Robert Blum feierlich Verwahrung einlegt, fordert das Reichsministerium auf, mit allem Nachdrucke Maßregeln zu treffen, um die unmittelbaren und mittelbaren Schuldtragenden zur Verantwortung und Strafe zu ziehen." Der Antrag wird für dringlich erkannt und ohne Discussion einstimmig zum Beschlusse erhoben. Ein Schreiben des großh. badischen Bevollmächtigten an den Präsidenten der Nationalversammlung, bezüglich der Ergänzungswahl für Thingen, resp, der von neuem auf F. Hecker gefallenen Wahl in dem ge­nannten Bezirke, wird mit einem Anträge des Abgeordneten Simon aus Trier, auf Einberufung Hecker'S, an den zur Be­gutachtung der Wahl für Thingen schon bestehenden Ausschuß gewiesen. Die Versammlung beschäftigte sich sodann mit der Debatte über den Artikel V in seinen vier §§. (2528), die Flttßwasser-Wege betreffend, welche morgen fortgesetzt werden wird.

* Kassel, 18. Nov. Der Ausschuß des Bürgervereins zu Kassel als Vorort des allgemeinen nationalen Vereins für das gejammte Deutschland hat gestern folgende Adresse an die Natio­nalversammlung zu Frankfurt erlassen, welche die einhellige Zu­stimmung der Generalversammlung des Bürgervereins erhielt.

Hohe National - Versammlung!

Dv letztvergangenen Tage haben uns aus den deutschen Haupt­städten Berlin und Wien Ereignisse zur Kunde gebracht, welche jeden deutschen Bürger auf das Tiefste erschüttern und zu allge­meiner Erhebung auffordern.

Unter dem Vorwande, der Unordnung zu steuern, welche kein guter Bürger gebilligt, hat und gegen welche es innerhalb des constitutionellen Staatslebens die kräftigsten Mittel giebt, hat eine reactionssüchtige Partei die Unordnung da proclamirt, wo sie dem Vaterlande rettungslos Verderben bringt, unter den Staatsgewalten selbst. Der König von Preußen hat sich von schlimmen Rath- gebern verleiten lassen, die Zügel der Regierung in die Hände eines Mannes zu legen, den das allgemeine Mißtrauen seines Volkes und die entschieden ausgesprochene Abneigung seines Par­lamentes für die gedeihliche Verwaltung des in der jetzigen ver­hängnißvollen Zeit doppelt wichtigen Regierungsamtes ganz un­geeignet erscheinen ließ. Mußte sich hierdurch schon das Gefühl aller derjenigen deutschen Männer schwer verletzt fühlen, denen der (institutionelle Staat nicht eine leere Form, sondern die Bürg­schaft der Volksfreiheit ist, so war die übermüthige Weise, womit der neue Minister sein Amt begann, indem er der Existenz