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von einer Zerstückelung der Monarchie, während doch nur von einem getrennten Verfassungsleben die Rede fein könnte, ja man muß bereits auf das Acrgste gefaßt fein und eine Abberufung der österreichschen Abgeordneten von Seite der Negierung erwarten. Mehrere Wahlbezirke, welche sich deshalb zum Behufe einer Meinungsabgabe zu versammeln wünschten, wendeten sich deshalb mit der Anfrage an den Generalmajor Cordon, ob derlei Wählerzusammentretungen bei dem jetzigen Belagerungszustand gestaltet seien, und erhielten hierauf die ausweichende Antwort, daß solche Versammlungen unter den gegenwärtigen Verhältnissen Veranlassung zur Aufregung geben würden, und die Absendung entsprechender Adressen den Zweck gleichmäßig erfüllen dürften, ohne ähnliches Aufsehen zu erregen.
Wien, 10. Nov. Der Reichstag in Kremsier soll nun wieder auf einen Monat, nämlich bis zum 15. Decbr. vertagt werden, und es laufen noch immer von den Provinzen nach Ol- mütz Adressen ein, die gegen die Verlegung des Reichstags nach Kremsier sich aussprechen. In der Meinung, daß cs nicht zu einer Neichstagssitzung in Kremsier kommen werde, ließ man sogar dem hier verbreiteten, doch nicht begründeten Gerüchte, daß bas Schloß in Kremsier «»gezündet wurde, Glauben schenken. (Han. Morg.-Ztg.)
—- Gestern Morgen 6 Uhr hörte Robert Blum im Gefängniß das standrechtliche Urtel, welches den Tod über sein Haupt verhängte, man sagt durch den Strang, und nur die Schwierigkeit der Vollstreckung habe die Umwandlung zum Erschießen veranlaßt. Er erklärte mit heroischer Fassung, die Sentenz käme ihm nicht unerwartet und bat um die nöthige Zeit, um den Scheidebrief an seine Frau schreiben zu können. „Fasse Dich muthig ob meines Schicksals — heisst es darin — und erziehe unsere Kinder, daß sie meinem Namen keine Schande machen. Ich sterbt für die Freiheit." Gegen 7 Uhr langte der Zug in der Brigittenau an, Blum aber war in dem von Cürassieren begleiteten Wagen, ohne einen Augenblick Geistesgegenwart und Seelenstârke zu verlieren. Die Brust entblößend, wünschte er mit nnverbundencn Augen dem Tode entgegen zu schauen, schlang aber selbst das Tuch um die Augen, als man ihm bedeutete, daß dieß in der Sitte sei, und kniete nieder. Drei Schüsse streckten ihn todt nieder, die drei Jäger hatten wohl gezielt. Zwei Kugeln trafen die Brust, die drille den Kopf. Am Abend lag der Leichnam im Militairspitale. Vielleicht findet sich Herr v. Kön- neritz, der sächsische Gesandte, bewogen, für den Hingerichteten Landsmann und Frankfurter Dcputirten wenigstens eine Grabstätte , den Hinterbliebenen und Freundcn kenntlich, zu besorgen. Eine amtliche Notiz der Wiener Zeitung bezeichnet ihn heut als Buchhändler aus Leipzig. Mit Tausenden und aber Tausenden irliege ich dem Eindrücke der furchtbaren Katastrophe. — General Bem ist erst heut im Bürgerfpital verhaftet worden Vielleicht schon in zwei Tagen wird sein Haupt sicherlich fallen. — Herr Bodenstedt ist nach der amtlichen Bestätigung der Hinrichtung Blums heut sofort von der Redaction des „Oesterreichischen Llogds" zurückgetreten. Herr Kuranda läßt vorläufig die ostdeutsche Post nicht erscheinen, ungeachtet man bei der bekannten Mäßigung des Herrn Kuranda nicht Willens war, das Erscheinen zu inhibiren Ich bin nur dort gemäßigt, soll er geantwortet haben, wo ich auch radical sein darf und verzichte aus die Erlaubniß.
(Bresl. Ztg.)
Wien, 12. Nov. Dem amtlichen Theile der Wiener Zeitung zufolge ist der zum Tode durch den Strang verurteilte Julius Fröbel, aus Grießheim im Früstenthum Schwarzburg-Rudol- stadt gebürtig, von dem Gcncralfeldmarschall Fürsten zu Windisch- giätz in Berücksichtigung der für ihn vorgekommenen Milkerungs- umstände mit Nachsicht der Todesstrafe unbedingt begnadigt worden. — Einer gestern hier eingegcmgencn telegraphischen Depesche aus Ollmütz zufolge hat Se. Majestät der Kaiser den Reichstag in Kremsier bis zum 22 November vertagt.
Berlin, 13. Nov. *) Für einige von den Abgeordneten, welche sich ohne Urlaub aus der Nationalversammlung entfernt
*) Diese gestern wegen fehlenden Raumes aus unserem Blatt, ausgefallenen Berichte haben zwar das Interesse der Neuheit verloren, inzwischen glauben wir sie unsern Lesern der Vollständigkeit wegen noch nachträglich liefern zu müssen. D. Red.
haben, sind die Stellvertreter bereits eingetroffen. Für den Oberst- burggrafen v. Brünneck Hr. Thienemann, für den früheren Ministerpräsidenten v. Auerswald Hr. Glück.
In Potsdam hat es gestern und heute ziemlich ernste Conflicte gegeben, gestern sogar unter den Augen des Königs. Eine Proklamation unserer Stadtverordneten warnt vor Gewaltmaß- regeln. Man hat eine zweite Deputation nach Potsdam geschickt. Die Wachen vor den, Oranienburger, Hamburger und Nosenihaler Thor sind noch von den Maschinenbauern besetzt. Die königlichen Gebäude liegen voll Militair; aus Potsdam ist heute Garde du Corps eingerückt. Daß in diesem Augenblick die verschiedensten Gerüchte circuliren, deren Glaubwürdigkeit gar nicht zu prüfen ist, wird Niemandem auffattrn. So erzählt man, daß in Halle sich eine provisorische Regierung constituirt habe, daß einige nach Berlin gezogene Regimenter sich ihren Führern gegenüber renitent zeigen, daß die hiesige Universität werde geschlossen werden, daß der König eine Verfassung wie die belgische octroviren werde u. a. m (Diese letztere Nachricht wird auch durch Privatnachrichten unterstützt.) —
Die Thore der Stadt bleiben ungeschlossen, da der Belagerungszustand auch für einen Umkreis von 2 Meilen erklärt ist.
N a tio n a l - V e r sam m l un g. Am 12. um 10 Uhr Abends hielt die Versammlung Sitzung im Schützcnhause. Sie wählte ihren Präsidenten und die Vicepräsidenten. Fast einstimmig fiel die Wahl zu ersterem auf v. Unruh, zu den letzteren auf Phillips, Waldeck, Bornemann und Plönnies. Der Antrag auf Steuerverweigerung wurde als unnütz zurückgezogen, dagegen der um 6 Uhr ausgesprochene Belagerungszustand für ungesetzlich und ungültig erklärt, und dem Präsidenten, wie den Vicepräsidenten das Recht eingeräumt, die Nationalversammlung nach jedem Orte innerhalb des preußischen Staates zu berufen. — In der Sitzung vom 13. waren 241 Deputirte zugegen (39 mehr als erforderlich). Die Tribüne mußte, um die Menge der Zuhörer tragen zu können, gestützt werben. Im Vorsaale erblickte man die Abgeordneten Rappard aus Frankfurt und Sander aus Dessau. Die Denkschrift an die Nation, welche die Beschwerden gegen die Minister in 11 Puncten zusammenstellt, wurde verlesen und genehmigt, auch beschlossen, den Staatsanwalt alsbald aufzusordern, wegen Hochverraihs gegen die Minister ein- zuschreiten. Endlich schritt man zur Verlesung der aus bett verschiedensten Städten des Königreiches, u. A. Breslau, Köln, Düsseldorf, Magdeburg, Mühlhausen, Liegnitz, Görlitz, Torgau, Stettin 2C. bereits zahlreich eingelaufenen Adressen.
Um V23 Uhr hat Militair das Schiitzenhaus besetzt und den Vicepräsident Plönnies nebst den anwesenden Sccretairen gezwungen , es zu verlassen. Die Stadverordneten haben der Nationalversammlung ihren eignen Sitzungssaal eingeräumt.
Die Bevölkerung hält sich musterhaft in den Grenzen des passirten Widerstandes. Nur einige Volkshaufen wurden durch Patrouillen, welche in halber Compagnie - Stärke die Straßen durchziehen, mit dem Bajonnet verstreut. Diese Patrouillen nebst ausgestellten Pigncts sind besonders geschäftig, die neben den Wrangklschcn Proclamationcn angeklebten Proclamaiionen der Versammlung, welche jene für ungültig erklären, wieder abzureißen. Aber immer erscheinen sie wieder miss Neue. Morgen werben noch 8000 Mann in die Stadt einrücken. Alle öffentlichen Gebäude und das Schloß sind stark besetzt, doch ist der Verkehr der Truppen mit dem Volk lebendig und ungestört. Es scheint nicht, als ob es zum Blutvergießen komme. Die Bürger- wehr ist cnischicden, ihre Waffen nicht abzugeben, nachdem die Nationalversammlung den Belagerungsziistand als ungesetzlich erklärt hat. So fahren auch die Zeitungen fort zu drucken ohne die Erlaubniß der Polizei cinzubolen und sich einer Censur zu unterwerfen, ebenfalls weil die Nationalversammlung die Ungesetzlichkeit ausgesprochen hat. Im klebrigen ist alles heiter und Wohlgemuth, denn man stützt sich auf das Land vom Niemen bis zum Rhein.
Die Ablieferung der Waffen Seilens der Bürgerwehr ist biS morgen Nachmittag 5 Uhr verlängert worden. Nach her dies« fälligen Bekanntmachung des Polizeipräsidenten, die eine baldige Reorganisation der Bürgerwchr verspricht, scheint cs, als beginne man schon einzulenken.
Was übrigens das Verfahren des Reichscommissairs Basser- mann betrifft, so erscheint es statt aller Mittheilung von Geruch«