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Beilage zu 9tr. 168 der Neuen Hessischen Zeitung.

Glänzendste bewährt; aber zu besonderem Troste in diesen Tagen schwerer Prüfung gereicht sie Meinem- tief betrübten Herzen. Es hat mir wohlgeihan zu vernehmen , daß, während in anderen Theilen Meines Reiches die von den Feinden der Ordnung aus- gestreiue Saal des Mißtrauens bereits zur blutigen Ernte gereift ist, unter jenem biedern Alpenvolke die ererbten Tugenden der Väter fortleben in ««geschwächter Kraft, und die Künste der Verführung bisher nicht seine treue Liebe zu dem Kaiser­hause, sein muthiges Ausharren in der Stunde der Ge­fahr zu erfüllen vermochten. Auf die Anfragen, welche weiterhin in Eurer Eingabe enthalten sind, werdet Ihr die Antwort mittlerweile in Meinen Manifesten vom 16., 19. und 22. d. M. gefunden haben. Vor Allem muß die ge­störte Ordnung hergestellt werden, um sodann auf den von Mir gewährten und mit Meinem kaiserlichen Worte verbürgten Grund­lagen den Neubau des konstitutionellen Oesterreichs zu beginnen. Eine besondere Aufmerksamkeit wird hierbei dem Gemcindewesen zu widmen sein. Ich gedenke ihm die möglichst freie Bewegung innerhalb der natürlichen Grenzen zu sichern. Um aber ein so großes und wichtiges Unternehmen die Wiedergeburt des freien Vaterlandes zum Vesten Meiner Staaten baldigst zu vollen­den, bedarf es des aufrichtigsten Zusammenwirkens von Regierung und Reichstag. Mich mit Räthen Meiner Wahl zu umgeben, die zugleich auf das Vertrauen der Wohlgesinnten gerechten An­spruch haben, wird meine nächste Sorge sein; sowie Ich bereits die fonftituhenbc Versammlung nach einem Punkte verlegt habe, wo sie ihrem wichtigen Berufe unbeirrt wird in voller Freiheit nachkommen können. Und somit hoffe Ich, daß das große Werk Unserer vereinten Bestrebungen mit Gottes Hülfe gelingen werde, und Wir einer bessern Zukunft mit Zuversicht entgegen sehen können. Olmütz, den 30. October 1848. Ferdinand m. p. Wessenberg in. p.

Wien, 8. Nov. In dem Belagerungszustände sind bedeu­tende Erleichterungen eingetreten. Heute ist auch an den meisten Linien die Communication zwischen Vorstädten und Umgebung frei. Die Maßregeln sind im allgemeinen so milde, daß der jetzige Belagerungszustand kaum ain solcher zu nennen ist. Bei dem guten Sinne, der dem Wiener so eigen ist, steht zu erwarten, daß unsere Verhältnisse und Zustände zu einem sehr günstigen Re­sultate führen werden.

Einer Verfügung des Justizministeriums vom 5. zufolge kön­nen alle Wechsel, welche in Wien zwischen dem 6. Oct. und 9. Nov. zur Annahme hätten präsentirt werden sollen, noch am 10. Nov. mit voller Nechtswirknng präsentirt werden, so wie auch wegen derselben bis dahin noch Protest erhoben werden kann. Die 195 Verloosung der älteren Staatsschuld von 1818 sollte am 8. Nov. stalthaben.

(V.-H.) Nach den neuesten in Ratibor eingetroffenen Be­richten sollen im Ganzen bis jetzt in Wien 800 Individuen ver- haftet sein. Auch haben bereits in Folge standrechtlicher Verur- theilung mehrere Hinrichtungen stattgefunden. So sind vier Bür­ger erschossen worden, welche, nachdem die Kaiserlichen schon festen Fuß gefaßt hatten, noch bewaffnet und die Menge zu Erneuerung des Kampfes auffordernd betroffen wurden. Auch ein National- gardcn-Hauptmann, der früher im Militär gedient hat, soll hin­gerichtet worden sein.

Wiener Neustadt, 7. Nov. (B.-H.) Außer dem be­reits arretirten Wiener Abgeordneten Pater Füster soll auch der in der Zehent- und Robothsrage vielfach genannte Abg. Kudlich kingezogen worden sein, weil derselbe in der letzten Zeit in Gmunden und Vöklabruck die Landbewohner zum Landsturm auf­zureizen versuchte, was ihm aber bei der guten besonnenen Hal­tung der dortigen Landleute nicht gelingen konnte. Wie mir aus guter Quelle versichert wurde, sollen mehrere Reichstagsde- .hutirte der Linken sehr compromittirt und leider sogar der Beste­chung durch fremdes wie man sagt, ungarisches Geld ver­dächtig sein!

Messenhauser, Bem, Pulsky und die anderen Häupter des Ausstandes sollen noch immer nicht gefangen genommen sein. Da­gegen ist der Mörder Latours, ein Schlosser ergriffen worden. Die «rausche Brücke an der Donau ist wieder fahrbar gemacht und

an der Wiederherstellung der Eisenbahnbrücke wird fleißig gear­beitet. Wer unter den entwaffneten Proletariern kriegstauglich anerkannt wird, den steckt man sogleich in die gelichteten Reihen des Militärs. Von Studenten ist keine Spur; die unglaub­liche Nachricht bestätigt sich, man habe bei der Bestürmung der Aula bloß einzelne Stürmer und Legationsabzeichen, aber keine Studenten gefunden.

Wien, 7. Nov. (Brest. 3 ) Der Belagerungszustand ist int Ganzen nicht sehr fühlbar und lägen nicht unter den Stadtthoren und am Linienwall Militair um lodernde Wachtfeuer und wäre die seit dem Mai donlinirende Nationalgarde allwärts verschwunden, man würde auf den ersten Anblick die Ausnahmsregeln kaum er­rathen, unter denen die Hauptstadt Oesterreichs gegenwärtig schmach­tet. Bei genauerer Prüfung jedoch bemerkt man gar bald an der großen Anzahl von Officirren an allen öffentlichen Orten die tiefste Verwandlung des äußerlichen Lebens, denn hier war es stets Sitte, daß die Officiere blos im Dienste in Uniform er­schienen, sonst aber gern unerkannt in Civilkleidung sich bewegten. Nicht minder befremdet die Aintirung von Militairpersonen bet allen Behörden und der umständliche und pünktliche Geist, in dem alle Geschäfte daselbst gehandhabt werden. Der Stadtkomman­dant, Generalmajor Cordon, scheint geneigt zu sein, alle mit dem Zweck der Mußregel vereinbaren Erleichterungen alsbald eintre- ten lassen und schon in der nächsten Woche soll die Polizeistunde, die jetzt für die Vorstädte auf 10 und für die innere Stadt auf 11 Uhr festgesetzt ist, bis Mitternacht erstreckt werden, wo dann auch wieder die Schauspielhäuser, die seit dem 6. Okt. geschlossen sind, geöffnet werden dürfen. Fürst Windischgrätz, der die Stadt noch nicht betreten, hat sein Hauptquartier aus dem k. k. Jagd­schloß zu Hetzendorf nach dem Residenzschloß Schönbrunn verlegt, während der Ban Jellachich bereits seinen Einzug in die Stadt gehalten und seinen Wohnsitz in dem Palais des Erzherzogs Maximilian d'Este in der Nebengasse der Vorstadt Landstraße auf­geschlagen hat.

Die Nachricht von der Hinrichtung des Gererals Philippo- witsch, der in Pesth kriegsrechtlich erschossen wurde, hat die Wuth der österreichischen Armae neuerdings gegen den Magyarismus aufgestachelt und die Truppen werden ohne Zweifel in Ungar» furchtbar hausen, während sie hier die strengste Mannszucht halten müssen. General Philippowitsch starb mit trotziger Entschlossen­heit und sowohl während des Verhörs als auf der Nichtstätte'' entschlüpfte den Lippen dieses eisernen Kriegsmaunes nicht die kleinste Silbe. Feldmarschall-Lieutenant Baron Dahlen und Feldzeugmeister Graf Nugent haben in Croatien und Steier­mark ein Armeecorps von 25,000 Mann gesammelt, mit dem sie gleichzeitig gegen Pesth vorrücken wollen, das westlich von Windischgrätz und Jellachich, südlich von den Generalen Puchner und Suppllkatz rind nördlich vom General Simonich ernstlich bedroht wird. Man denkt bis zum Beginne des neuen Jahres oie Unterwerfung Ungarns vollendet zu haben.

Gestern wurde der ehemalige k. ungarische Staatssecretair Pulsky von dem Militair zu Enzersdorf am Marchfelde ver­haftet, als .r eben der ungarischen Grenze zueilen wollte; in einem wohl verschlossenen Wagen, zwei Officiere mit der Pistole in der Hand an der Seite und von zwölf Dragonern eskortirt, kam Pulszky hier an und wurde sofort in das Hauptquartier des Fürsten Windischgrätz abgèführt. Pulszky war der Hauptagent Koffuth's in der österreichischen Hauptstadt und ihm namentlich wird der Ausbruch des Aufstands am 6. October wegen Ver­hinderung des Abmarsches des deutschen Grenadierbataillons zur Last gelegt, sowie er am Vorabend des Ereignisses in der Aula allein die Summe von 50,000 Fl. Conventionsmünze vertheilt haben soll. In seiner Person hofft man die Fäden der ganzen Bewegung in die Hände bekommen zu haben und somit in den Stand gesetzt zu werden, die Partei des Radikalismus mit Einem Schlage zu zerschmettern, welche, zum Theil aus Ueberzeugung, zum Theil aus Interesse, an der Auflösung des österreichischen Staatsver­bandes arbeitet.

Seit einigen Tagen befindet sich Graf Stadion, früherer Mi­nister, in unserer Mitte. Man glaubt, daß er zum Minister des Innern bestimmt sei.