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Nachdem noch eine Adresse der Spandaner Bürgerwehr ans das Bureau niedergelegt und die Petitions-Commission mit dem Bericht über die Adressen x. beauftragt war, ward die Sitzung um 11 % Uhr geschloffen und die nächste Sitzung aus 3 Uhr Nachmittags festgesetzt.

Die Mitglieder begaben sich hierauf in ihre Fraclions-Ver- sammlungen; beim Abtritt aus dem Sitzungslocale empfing si- das Volk mit lautem Zuruf, worauf der Präßivent mit den Wor­ten dankte: Die Vertreter des Volkes stehen im Begriffe, alle gesetzlichen Mittel $u erschöpfen. Was aber auch geschehen möge, sie stehen und fallen mit der Freiheit

Vor entscheidender Wichtigkeit für die Lösung des Conflictes ist jetzt die Stimmung und der Ausspruch der Provinzen: Ihr werden wir unsere Aufmerksamkeit vorzüglich zuwenden müssen. Zunächst begegnen uns Adressen einiger demokratisch - constitu- tionelUn Klnbö aus Landsberg, Anclam rc. vom 6. und 7. Nov., welche dem Abgeordneten Jacoby ihre Zustimmung ausdrücken. Unverdächtiger nimmt sich schon eine Adresse des konstitutionellen Kreisvereins für den Lebuser Kreis aus, welche die Haltung der Versammlung in der jetzigen Krise entschieden billigt und sie, als der Volkes letzte Hoffnung, beschwört, sich durch nichts von den gethanen Schritten abwendig machen zu lassen. Ebenso die sämmt- lichen Vereine Stettins, der Gemeinderath u. die Stadtverordneten- Versammlung zu Magdeburg und die Bürgerversaminl derselben Stadt. Letztere erklärt außerdem in einer von 3000 Unterschriften bedeckten Zu­schrift :Wir, versammelte Bürger Magdeburgs, protestiren feier­lich und mit allem Nachdruck gegen diesen Staatsstreich; wir er­kennen das Recht, ja die Pflicht der Nationalversammlung, sich diesen Befehlen eines Ministeriums, welches also das ganze Volk zum blutigen Kampfe herausfordert, nicht zu fügen, vollkommen an und sprechen derselben für ihr standhaftes Beharren den un­umwundensten Dank und die unbedingteste Anerkennung aus.

In Frankfurt a. d. O. wurde sogar in einer Bürgerwehr-Ver­sammlung der Antrag gemacht: eine etwa beabsichtigte Truppen­beförderung ans jede Weise zu verhindern, worauf der zeitige Kommandeur, Generallieutenant von Pochhammer sofort sein Kom­mando niederlegte. Eine Deputation begab sich zu dem komman- direnden General von Weyrach und theilte ihn die Ansicht der Bürgerwehr mit, worauf derselbe erklärte, es sei ihm zwar kein solcher Befehl zugegangen, sollte cs aber geschehen, so würde er sich schon Bahn zu machen wissen. Der Magistrat und die Stadtverordneten dieser Stadt haben ebenfalls eine Adresse an den König beschlossen, worin die Schritte der Regierung als ge­fahrdrohend für das ganze Land und für die Freiheit geschildert werden.

In Breslau soll es nach freilich sehr unverbürgten Gerüchten zu einem Kampfe gekommen sein, in dessen Folge die Truppen die Stadt verlassen hätten.

Berlin, 11. Nov., Abends 9 Uhr. (Hannov. Morgen-Ztg.) Ilm 4l/4 Uhr wurde die Sitzung der Nationalversammlung im Schützenhause eröffnet und dort der Bürgerwehr der Dank des Vaterlandes zuvörderst zuerkannt. Hierauf stellten die Abgeord­neten Rodbertus, Arntz, Pilet u. s. w. den Antrag, es möge eine Commission ernannt werden, welche in einer Denkschrift dem Lande darthäte, daß das Ministerium Brandenburg sich des Ver­brechens des Hochverraths schuldig Anmacht habe. Hierzu stellte das Centrum das Amendement, die Commission solle zugleich prüfen, ob nach den bestehenden Gesetzen diese Minister nicht we­gen Hochverraths vor die Gerichtshöfe gezogen werden könnten. Antrag und Amendement wurden einstimmig angenommen.

Inzwischen hatte ftd) die Nachricht verbreitet, daß durch Be­fehl des Königs die Bürgerwehr Berlins aufgelöst sei. Hierauf der Antrag des Abgeordneten Waldeck, 1) daß diese Auflösung ungesetzlich sei, 2) daß jeder Civil- und Mililärbeamte der dabei helfe, sich des Verraths am Vaterlanve schuldig mache, 3) daß diese Beschlüsse sofort veröffentlicht werden sollten. Das Centrum stellte wieder das Amendement 4) die Staatsregierug aufzuforder», diesen ungesetzlichen Befehl sofort aufzuhebeii, 5) die Bürger Berlins zur Ruhe zu ermahnen, bis die Antwort des Ministeriums da sei. Endlich wurde der Antrag gestellt: das Ministerium Brandenburg sei weder berechtigt zur Steuererhebung noch zur Verwendung von Staatsgeldern. Dieser Antrag auf

Steuerverweigerung wurde auf Antrag des Präsidenten v. Unruh einer Commission von 8 Mitgliedern zur Prüfung übergeben. Die Versammlung vertagte sich bis morgen Nachmittag 2 Uhr. Die Erbitterung in der Stadt ist unbeschreiblich. Mit größter Mühe wird die Ruhe aufrecht erhalten. Die Bürg erw ehr will auf keinen Fall die Waffen abgeben.

P r ocl a m a t io n.

Der in Meiner Haupt - und Residenzstadt Berlin seit gerau­mer Zeit herrschende gesetzlose Zustand, der das ganze Land in den Abgrund der Anarchie zu stürzen drohte, hat Mich genöthigt, auf den Rath Meiner verantwortlichen Minister, die zur Verein­barung der Staatsverfassung berufene Versammlung nach Bran­denburg zu verlegen und dieselbe, damit diese Maßregel ausgeführt werden könne, bis zum 27. dieses Monats zu vertagen. Aus demselben Grunde habe ich die Truppenmacht in dieser Meiner Haupt- und Residenzstadt ansehnlich verstärken, auch die dortige Bürgerwehr mit Rücksicht auf ihr ungesetzliches Verhalten in Gemäßheit des § 3 des über die Errichtung der Bürgerwehr unter dem 1 7. Oct. d. J. ergangenen Gesetzes bis zu deren Reorganisation auflösen müssen. Ich bin Mir wohl beirußt, daß diese Maßregeln mannigfacher Mißdeutung ausgesetzt und von einer Umsturzpartei dazu miß­braucht werden können, auch bei sonst gut gesinnten Staatsbür­gern Besorgnisse über den Vollbestand der Meinem Volke ge­währten Freiheiten hervorzurufen. Ich bin Mir aber eben so klar bewußt, daß Preußens und Deutschlands Zukunft diesen Schritt von Mir und Meiner Regierung zu fordern berechtigt war. Ich wende Mich deshalb in dieser entscheidenden Zeit an Euch, Meine treuen Preußen Alle, mit der Zuversicht, daß Ihr den ungesetzlichen Widerstand, den ein Theil Eurer Vertreter, un­kingedenk ihrer wahren Pflichten gegen Volk und Krone, der Verlegung der Nationalversammlung entgegengestellt, ernst und entschieden mißbilligen werdet. Ich mahne Euch, nicht Raum zu geben den Einflüsterungen, die Euch glauben machen, Ich wolle Euch die in den Märztâgen verheißenen Freiheiten verkümmern, Ich wolle wieder ablenken von dem betretenen constitutionetten Wege'

Preußen! Ihr, die Ihr noch feststeht in dem alten guten Vertrauen zu Mir, Ihr, die Ihr noch ein Gedächtniß habt für die Geschichte meines Königlichen Hauses und Seiner Stellung zum Volke, Euch bitte Ich ferner daran festzuhalten, in guten wie in bösen Tagen. Ihr aber, die Ihr schon daran zu wanken beginnt, Euch beschwöre Ich, Halt zu machen auf dem betretenen jähen Pfade und abzuwarten die Thate», die da folgen werden! Euch Allen aber gebe ich nochmals die unverbrüchliche Ver­sicherung, daß Euch nichts verkümmert werden soll an Euren kon­stitutionellen Freiheiten, daß es mein heiligstes Bestreben sein würd, Euch mit Gottes Hülfe ein guter konstitutioneller König zu sein, auf daß wir gemeinsam ein stattliches und haltbares Gebäude er­richten, unter dessen Dache, zum Frommen Unseres preußischen und ganzen deutschen Vaterlandes, Unsere Nachkommen sich ruhig und einträchtig der Segnungen einer echten wahren Freiheit Jahr­hunderte lang erfreuen mögen!

Dazu wolle Gott seinen Segen verleihen'

Sanssouci, dcn 11. November 1848.

(gez.) Friedrich Wilhelm.

(Eontr.) Graf v. Brandenburg, v Ladenberg, v Strotha v. Manteuffel.

Justizminister Kisker ist auf sein Verlangen entlassen und der Abg. Geh. O -Tr.i-Rath Rintelen zum Justizminister ernannt. Das Obertribunal erklärt im Staats - 'Anzeiger das Gerücht , es habe sich gegen die Berechtigung des Königs erklärt, für eine reine Erdichtung.

Oesterreich. Der Feldmarschallieutenant v. Welde» ist zum Gouverneur von Wien ernannt worden. Windischgrätz und Jellachich sind gegen die Ungarn auf, welche gleichzeitig Mini Buchner von Süd-Ungarn aus und durch Riga» von Steiermarl her angegriffen werden.

Der Kaiser hat als Antwort auf die Tyroler Adress folgenden Aufruf erlassen: An den ständischen Ausschuß del Tnrolischen Landtages, die Landesbehörde» unD Bürgerschaft voi Jnsbruck. Die Eingabe vom 15. d. M. in der Ihr Mir di treue Hingebung und Anhänglichkeit der Bewohner Eurer Pro vin; dargelegt, konnte Mich zwar nicht überraschen, denn stet und noch in neuester Zeit hat Tyrol diese Gesinnungen auf da

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