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Neue Hessische Zeitung.

^/U i^^» Montag, den 13, November. 1848.

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 15 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurheffischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeige» jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

* Berlin, 11. Nov. Unter dem ernsten Schweigen der Bevölkerung trat am 9. um 6'/4 Uhr die Nationalversammlung ju ihrer Abendsitzung zusammen. Die Straßenecken waren mit Plakaten bedeckt; aber wie die Einwohner selbst, so zeigten ihre Plakate im Gegensatze zu so manchen wüsten und trostlosen Tagen der letzten Monate nicht das Aufreizende und Herausfordernde früherer Aufrufe. In einigen ward zwar ermahnt, sich dicht um die Nationalversammlung zu schaaren, gerüstet zu sein zum letzten Kampfe so im Aufruf des Bürgervereins der Friedrich-Wil- helmsstadt alle aber warnten vor angreifenden und tumultua- rischem Verfahren, die meisten forderten überhaupt nur zum fried­lichen Widerstande auf. Andere Aufforderungen redeten im Sinne des Königs und diese waren die heftigsten: der König wolle die Freiheit vor den Berliner Anarchisten retten und habe deshalb die Versammlung nach Brandenburg verlegt. Dort werde sie die Verfassung frei berathen und mit dem Könige vereinbaren. Ein Verräther am Vaterlande", heißt es,wer dem Rufe seines Königs nach Brandenburg nicht folgt! Volk von Preußen, schaare Dich um Deinen konstitutionellen König." Während so die Haltung Berlins von gemessener Ruhe zeugte, und auch die auf dem Gensd'armenmarkt stehenden Gruppen nur durch die ge­spannte Erwartung zusammengeführt schienen, war von Seiten einzelner Deputirten von der Rechten (man nennt die Herren Harkort, Hartmann, Tüshaus, Milde) beim Könige der vergebliche Versuch gemacht worden, ihn zur Zurücknahme der Vertagung zu bewegen. In demselben Sinne sollen einem Gerüchte zufolge der englische und französische Gesandte bei Hofe ausgetreten sein.

Um 6/4 Uhr ward die Versammlung wieder eröffnet. Die Deputirten Steiger und Schulz von der Rechten erklären unter dem Beifall der Versammlung, daß sie nicht austreten werden. Harrassonutz: er sei im Teltower Kreise wieder gewählt, und als­bald heute Mittag hierher geeilt, um seinen bleibenden Platz in der Versammlung zu nehmen. (Bravo ) Der Präsident läßt so­dann das Schreiben verlesen, welches er zufolge des in der Mor- gensttzung kundgewordrncn Ministerialbefehles an die Beamten der Versammlung erlassen hat. Es ist würdevoll und kräftig gehalten und erhält den lauten Beifall der Versammlung. Nachdem zur Tagesordnung geschritten und der Bericht der Commission über das Abgabengesetz gehört ward, stellt Philipps den Antrag, die Versammlung möge sich bis um 9 Uhr folgenden Morgens ver­tagen und zugleich veranlassen, daß die Mitglieder des Bureaus und zwei Schriftführer die Nacht hindurch im Sitzungslokale ver­bleiben. Die Versammlung habe die Berathung des Abgabenge­setzes begonnen, um ihr Recht zu wahren; zur wirklichen Bera­thung bedürfe sie frischer Kräfte. Bornemann trägt auf Theilung an; doch erhebt die Versammlung den Antrag ungeteilt zum

Versammlung wird hierauf mit einer Scene der Eintracht und Erhebung geschlossen, v. Berg hatte sich das Wort zu einer persönlichen Bemerkung erbeten. Er erklärt: Meine Herren, Sie werden es nicht zu streng mit mir nehmen, wenn ich in Form persönlicher Bemerkung um einem allgemeinen Wunsch der . ; gesummten Versammlung zu genügen die Bitte an Sie stelle, dem Präsidenten durch Aufstehen zu erkennen zu geben, daß er sich heute durch sein energisches und würdevolles Benehmen um das Vaterland wohl verdient gemacht. (Sämmtliche Mitglieder erheben sich. Ein lauter, lang anhaltender Jubel erschallt aus der Versammlung und von allen Tribünen herab. Der Präsident: Z Meine Herren, ich habe nur meine Pflicht gethan. (Bravo.) Vie­

len Deputirten und Zuhörern standen die Thränen in den Augen. Die Sitzung wird um 6% Uhr bis zum folgenden Morgen um 9 Uhr vertagt.

Aber schon um 2 Uhr Nachts werden die Abgeordneten durch die Huissiers der Kammer geweckt und schleunig zur Sitzung be­rufen. Sie finden das Sitzungslocal im weiten Kreise schweigend umringt von der Schützengilde, den, Künstlercorps und mehreren Bataillons der Bürgerwehr. Endlich gegen 5 Uhr Morgens nachdem die beschlußfähige Anzahl von Mitgliedern vorhanden und der Präsident nebst einem Vicepräsidenten, welche zu einer Deputation des Gemeinderaths herausgerufen waren, wieder ein­getreten sind, erklärt der Präsident die Versammlung für eröffnet. Er verkündet derselben, daß er in Folge der ihm heute Nacht zn- gegangenen Nachrichten genöthigt worden sei, die Sitzung statt um 9 Uhr, wie festgesetzt war, schon um 5 Uhr zu eröffnen. Hierauf werden folgende Schriftstücke verlesen: 1) Eine Erklärung des Abgeordneten v. Daniels:Auf den Grund des §.12 des Wahlgesetzes vom 8. April und mit Bezug auf die königliche Botschaft vom gestrigen Tage, sehe ich mich genöthigt, zu erklären, daß ick mich am 27. in Brandenburg cinfinden werde und die Beschlüsse, die bis dahin in der Versammlung gefaßt werden sollten, für nicht bindend halten kann. v. Daniels." 2) ein Schreiben des Ministerpräsidenten an denRegierungsrath" von Unruh. (Der Präsident bemerkt, er habe dem Ministerpräsiden­ten das Protokoll über die gestrigen Beschlüsse zngesendet und darauf dieses Schreiben erhalten.) Es lautet: Ew. Hochwohl­geboren haben dem Staats - Ministers in dem Schreiben vom heutigen Tage von dem Inhalte mehrerer Beschlüsse Mittheilung gemacht, welche die Nationalversammlung gefaßt haben soll, nach­dem die Verlegung der Versammlung bereits erfolgt war. Ich halte mich verpflichtet, Sie darauf hinzuweisen, daß dergleichen Beschlüsse nicht nur völlig ungesetzlich, und deshalb nichtig sind, sondern daß auch die Abgeordneten, welche daran Theil genom­men, sich der Anmaßung von Hoheitsrechten und eines Vergehens an der Verfassung schuldig gemacht haben.

Indem ich Ew. Hochwohlgeboren überlasse, den Inhalt dieses Schreibens zur Kenntniß der Abgeordneten zu bringen, welche die gesetzlichen Schranken überschritten und dem Befehle Sr. Majestät des Königs den schuldigen Gehorsam verweigert haben, gebe ich Ihnen zu erwägen, daß Sie sowohl, wie alle Abgeordneten, welche die Rechte der Krone so schwer verletzt haben, die volle Verant­wortung trifft wegen der aus diesem ungesetzlichen Schritt etwa entstehenden unglücklichen Folgen. Berlin, den 9. Nov. 1848.

Der Minister-Präsident, (gez.) Graf v. Brandenburg.

An den königlichen Regierungsrath Hrn. v. Unruh, Hoch­wohlgeboren.

Sodann wird ein Schreiben des Polizei-Präsidenten an das Kommando der Bürgerwehr nebst der Antwort des letzteren ver­lesen. Beide Schreiben sind an den Präsidenten der Versammlung vom Bürgerwehr-Kommando cingcliefert worden. In dem ersteren Schreiben wird auf Anordnung des Ministers des Innern , in Erwägung, daß ein Theil der Abgeordneten durch eigenmächtige Fortsetzung der Berathungen nach geschehener Vertagung seine Befugnisse überschreite und die Rechte der Krone verletze, das hochlöbliche Bürgerwehr - Kommando ersucht, die Fortsetzung der Berathungen zu hindern, allen nach dem Sitzungslocale zurück­kehrenden Mitgliedern den Zutritt zu versagen und zu diesem Zwecke alle Zugänge abzusperren, dabei jedoch auf den ungehinderten Ausgang der innerhalb des Gebäudes befindlichen Abgeordneten Rücksicht zu nehmen.

Die in Uebereinstimmung mit den Vataillonscommandeuren der Berliner Bürgerwehr gegebene Antwort verweist auf ben §. 1,