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faffung angrorbntt ist, auszuwählen. Eine constituirtndt Versammlung aber mitten in ihrer Thätigkeit zu verlegen, das ist ein Schritt, welchen nur die höchste Noth gestattet, nachdem alle Mittel erschöpft sind und bei welchem der politische Anstand es mindestens fordert, daß man die Versammlung selbst zuvor befrage. Diese einseitige und exorbitante Handlungsweise hatte, wie es in der Königlichen Botschaft heißt, die Freiheit der Versammlung zum Zweck. Nun wolan, war es nicht möglich, diese Freiheit durch verfassungsmäßige Mittel zu retten? War es nicht durch Recht und Klugheit geboten, diese zuvor anzuwenden? Die Regierung durfte, ja sie mußte mit rücksichtsloser Energie auftreten, sie mußte, wie ihr verfassungsmäßig zusteht, die als unfähig überführte Bürgerwehr auflösen, sie durfte vor keinem Mittel zurückschrecken, welches Pflicht nnd Ehre geboten, aber sie hatte keine Nöthigung, den Streich, der gegen die Anarchie gerichtet war, gegen die Nationalversammlung zu richten. Indem sie dieses that, machte sie sich gegen die Anarchie unmächtig und gegen die beleidigte Nationalversammlung unmöglich.
(Fortsetzung folgt.)
politische Nachrichten. Deutschland.
sDas Treffen mit den Ungarns (Bresl. Ztg.) Ueber den Angriff, welchen die kaiserlichen Truppen gegen die von der Leitha bis zu der Anhöhe von Schwechat vordringenden Ungarn, größtentheils eine Art von Freischaaren, mit sehr entscheidendem Erfolge unternommen haben, können wir aus guter Quelle folgendes milthrilen:
„Die Ungarn waren am 29. Oktober bis in die Gegend von Schwechat vorgedrungen, und erwarteten wahrscheinlich die Signale, welche denselben vom Stephanslhurme her gegeben werden konnten. Solche Verständigung mittelst aufsteigender Raketen fand auch wirklich Statt. Die kaiserl. Division Kempen hatte Schwechat besetzt gehalten, als sich am 30. Oktober flüh zwischen ihr und den ungarischen Insurgenten der Kampf entspann. Während eines längere Zeit andauernden Kanonen-Feuers von beiden Seiten, warf sich die kaiserliche Cavallerie unter Befehl des G. M. Franz F. Liechtenstein über Ober - Lagendorf auf die linke Flanke der Insurgenten, und drängte sie so ernsthaft, daß sie sogleich ihren Rückzug antraten, welcher bei einbrechender Dunkelheit bis zu den Schwandorfer Höhen fortgesetzt wurde. Die Division Kempen folgte den Ungarn auf dem Fuße, und dem Vernehmen nach sollen die Ungarn große Verluste erlitten haben. Sie wurden von dem Bau verfolgt und hinter die Leitha zuruckgetrieben." — (Aus dem kroatischen Heerlager erhalten wir nachfolgende Mittheilung, die wir trotz ihrer schwarzgelden Farbe doch deshalb hier abdrucken, weil über jene Aktion zwischen den Ungarn und den Kaiserlichen noch wenig oder gar keine nähere Berichte veröffentlicht worden sind. Dieselbe lautet:)
„Wir rückten, froh, endlich unsern Feind zu finden, aus unserer Position bei Roth - Neusiedel aus. Die Magyaren hatten bereits Sonntag die österreichische Grenze überschritten und standen bei Stammersdorf (?) und Stir-Neusiedl. Wir hatten 46 Schwadronen meist schwerer Kavallerie bei uns. Franz Liechtenstein führte sie. Der Feind zählte 8000 Mann reguläre Truppen und war im Ganzen circa 22—26,000 Mann stark. Seine Kavallerie und leichte Truppen bestand ungefähr aus 24 Schwadronen. Unsere Position war meisterhaft. Gingen die Magyaren in die Falle, nicht ein Mann wäre entkommen. Leider war es unserer Kavallerie nicht möglich, die gänzliche Umstellung zu bewirken. Sie hatte die Aufgabe, unsere wahre Stellung durch Hin- und Hermarschiren zu decken und sich bis auf unsere feste Position bei Schwechat zulückzuziehen. Der Feind verfolgte seinen Scheinvortheil lebhaft. Als er uns nahe kam, öffneten sich die Reihen unserer Deckung und begrüßten ihn auf 15 Schritte mit einem donnernden Kugelhagel. Mit dem Bajonett angreisend trieben wir ihn von uns. Beiläufig 1200 Maun blieben auf dem Schlachtfelde. Eine kleine Schaar ward in die Donau gesprengt. — Das Husarenregiment Kaiser Nikolaus machte mit uns Front gegen die Fliehenden, der Kavallerie ward es vorbehalten, die Fliehenden zu verfolgen, wir rückten wieder vor Wien.
— Ein Reisender, der von Preßburg kam, erzählt, eine große Menge Verwundeter, namentlich vom Preßburger und Pesther Gebiete in Preßburg ankommend, gesehen zu haben. Auch Kos- suth sei daselbst gewesen und habe sich Mühe gegeben, die Fliehenden zu sammeln. Sie erklärten, nimmermehr auf österreichischen Boden gehen zu wollen. Leute aus der Umgebung von Ungarn im Marchfelde sahen einzelne Bauern mit blutenden Füßen, die Stiefeln in der Hand und verbundenen Köpfen der Hei- math zu hinken.
Berlin. (Sitzung vom 9. Nov. Nachtrag.) Als der Ministerpräsident seinen Protest gegen die Fortsetzung der Verhandlungen verlesen hatte, erhoben sich die Minister und mit ihnen die meisten Mitglieder der Rechten. Es entstand große Unruhe. Da erklärte der Präsident: Ich kann nicht aus eigener Machtvollkommenheit die Sitzung schließen, ich muß die hohe Versammlung darüber befragen. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß eine Versammlung, die als Vertreterin von 16 Millionen Menschen berufen ist, die heiligsten Interessen des Landes zu wahren, das absolute Recht der Entscheidung über den Schluß ihrer Sitzungen hat. Die Linke und die Centren riefen Bravo. Die Rechte entfernte sich. Der Präsident läßt dann auf Jacobys Antrag namentlich abstimmen, ob er schließen solle. Nur 30 von den noch Anwesenden stimmten für Schluß. — In der Motivirung des Antrags von Waldeck, Bornemann und Genossen bemerkte Gierke, daß noch nicht alle Mittel zum Schutze der Versammlung er- schövft seien und deshalb noch keine Veranlassung vorliege, die Verhandlungen zu vertagen oder den Sitz der Versammlung zu verlegen. Nachdem die gestern bereits mitgetheilten Beschlüsse gefaßt waren, beschloß man, sic nebst der königlichen Botschaft drucken zu lassen.
Der Präsident zeigte an, daß er schon gestern Abend den Stenographen und sämmtlichen Beamten der Nationalversammlung den schriftlichen Befehl habe zugehen lassen, die Bureaus ohne seine Erlaubniß nicht zu verlassen. Hiermit hängt ein Ministe- rial-Erlaß zusammen, in welchem Herr Manteuffel eben diesen Beamten unter Androhung der gesetzlichen Strafen den Befehl zugehen läßt, das Sitzungshaus nach Verlesung der Königl. Botschaft sofort zu verlassen.
Inzwischen lief ein Schreiben des Grafen Brandenburg ein, worin eine beglaubigte Abschrift der Kabinetsordre mitgetheilt wird, weshalb Baumstark seinen dahin gerichteten Antrag zurückzog. Kühnemann hatte den Muth, die Vertagung der Sitzungen zu beantragen und die Versammlung beschloß gegen den Widerspruch Jungs, zur Besprechung über diesen Antrag die Sitzung auf eine halbe Stunde zu vertagen.
Die um 1274 Uhr vertagte Sitzung ward um 2 Uhr wieder eröffnet. v. Berg wünschte die Aufnahme zweier, sich widersprechender Thatsachen in das Protokoll: einerseits habe nämlich das Ministerium gegen die Fortsetzung der Verhandlungen pro- testirt, und andererseits doch nach seinem Abgänge noch eine Botschaft kingebracht; damit aber die Verhandlungen anerkannt. Der von Mitgliedern der Linken gestellte Antrag auf fortwährende Besetz» ng des S <Dauspiel Hauses durch die Bürger wehr wurde auf die Bemerkung des Präsidenten, daß dieser Antrag nur eine Wiederholung des bereits am 2. Nov. gefaßten Beschlusses sei, zurückgezogen.
Sehr wichtig für die Beurtheilung der Stimmung und Tendenz der Versammlung, insbesondere der Stimmführer der reinen Linken, scheint die Versicherung v. Bergs, welcher den Abgeordneten Schulze aus Minden versicherte, daß die Versammlung die Besonnenheit nie verlieren werde, und daß insbesondere die compacte Masse der Centren und der Linken ihre augenblickliche numerische Ueberlegenheit nicht dazu benutzen werde, um solche Anträge durchzubringen, welche einzelnen, etwa anwesenden Mitgliedern der Rechten bedenklich erscheinen könnten. Dieses Bedenken hatte nämlich den Abgeordneten Schulze veranlaßt, gegen den Antrag v. RodbertuS zu sprechen: die Versammlung möge beschließen, bei Wiedereröffnung der Sitzung mit der Berathung übek unentgeltliche Aufhebung verschiedener Lasten und Abgaben fortzufah- ren. — Nach jenen beruhigenden Erklärungen v. BergS ward der Rodbertuösche Antrag fast einstimmig angenommen und die Sitzung um 2 7i Uhr bis 6 Uhr AbendS vertagt.