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Beilage z« Str. 165 der Steuen Hessischen Zeitung.

übrigens schon verschiedentlich als Schriftsteller aufgetreten, unter andern im naturhistorischen Fach, mit dem ich Mick viel beschäf­tigt habe, und vermöge einer gewissen Jdeenverbindung, denke ich eben an die Klasse und Ordnung , in welche der Verfasser jenes Ar­tikels gehört, und betrachte das Ganze vom Standpunkte der Zoologie auS. Wenn derselbe nach der Weise seiner Partei mich indirekt zu verdächtigen sucht, so sehe ich das als eine Unart an, die nun einmal in seiner Natur liegt; wenn er in Zweifel zieht, ob wir einer intelligenten Majorität gegenüber unsere Ansichten würden vertheidigen können, so bitte ich ihn, das der Zeit und der Er­fahrung zu überlassen, und sich darüber keine weiteren grauen Haare wachsen zu lassen. Daß ihm die Wahl so unbefriedigend erscheint, thut mir leid, denn ich möchte gern alle meine Mitbürger vergnügt sehen; aber als politischen Gegner kann ich ihn kaum anerkennen, aus vorhin bemerkten Gründen. Was ferner den heftigen Applaus gleichgesinnter Versammlungen betrifft, so habe ich darauf nie viel gegeben, vielmehr nicht gescheut oft der eigenen Partei bittere Wahrheit zu sagen, wie ich denn über­haupt nicht um meiner selbst willen den Weg betrat, auf welchen ich eben gehe; wenn der Herr Verfasser vor lauter Intelligenz und Gelehrsamkeit die Mahnungen einer großen Zeit nicht versteht, so gleicht er darin wieder jenen festgewachsenen Zoophyten, deren Welt auf den Raum beschränkt ist, welchen ihre Fühlhörner und Fußspitzen erreichen, und von denen man nicht recht weiß, zu welchem Reiche der Natur sie gehören. Es wird vielleicht er­wartet, daß ich ihn zur Nennung seines Namen auffordern werde, daß ist aber gar nicht der Fall, er mag als Anonymus leben und sterben.

Frankreich.

Paris, 6. Nov. Proudhon zeigt in einem Schreiben an den Moniteur die Gründe an, weshalb er gegen Annahme der Constitution gestimmt habe.Ich habe gegen die Constitution gestimmt," sagte er,nicht etwa, weil sie gewisse Dinge enthält, die ich verwerfe, oder weil sie andere nicht enthält, die ich hin- eingesetzt haben möchte. Ich habe gegen die Constitution gestimmt, weil sie eine Constitution ist. Das Wesentliche einer politischen Constitution ist die Theilung der souverainen Gewalt in eine le­gislative und eine erecutive, ohne welche Theilung es keine Con- stitution gibt, sondern lediglich eine souveraine Autorität, die Ge­setze macht und dieselben durch ihre Ausschüsse oder Minister auS- führen läßt. So und nicht anders muß eine republikanische Re­gierung meiner Meinung nach beschaffen und organistrt sein. Eine Constitution ist folglich in einer Republik ganz überflüssig. Ich bin überzeugt, daß die Constitution, deren erste Folge die Schöp­fung der Präsidentschaft ist, die so gefährliche und strafbare Prä­rogativen, Leidenschaften und Hoffnungen erweckt, weit mehr eine Gefahr, als eine Bürgschaft für die Freiheit und Demokratie ist."

Die Commission, welche zur Anordnung des Constitutionsfestes eingesetzt worden ist, hat Arago zum Präsidenten und Birio zum Secretair ernannt, und beschlossen, daß das Fest künftigen Sonn­tag, den 12. d. M. gegeben werden soll. Auf dem Concordien« platz wird das Fest mit einer religiösen Feierlichkeit eröffnet. Den armen Familien, nicht nur in Paris, sondern in ganz Frankreich, sollen bei dieser Gelegenheit reichliche Unterstützungen zufließen. Auch hat die Commission zahlreiche Begnadigungen beantragt. Sie beschloß ferner, daß die Nationalversammlung ein großes Ban­ket zu geben habe, dessen Kosten die Mitglieder der Versammlung tragen würden.

Paris, 7. Nov. Der Kriegsminister hat den Befehl tele- graphirt, aus allen Gegnrden der Republik Deputationen zu dem Constitutionsfeste nach Paris zu senden.

Italien

Turin, 28. Oct. Die Consulta Lombards, d. h., die pro­visorische Regierung, welche nach der Vertreibung der Oesterrei- cher in Mailand zusammengetreten war und sich bis zur Besitz- Ergreifung Karl Alberts in ihrer Würde behauptete, auch von diesem den Titel forterhielt, hat eine Adresse an die Königl. Re­gierung veröffentlicht, worin sie gegen die ohne ihr Zuthun ge­pflogenen Verhandlungen mit Oesterreich protestirt. Die Adresse enthält sodann die Aufforderung zu einem neuen Kriege, der eu­ropäisch werden müsse, die Darstellung des Elends der Lombar­

dei, die Beschreibung der Zerrüttung Oesterreichs, die Erörterung der Nothwendigkeit die Vermittlungsunterhandlungen abzubrechen und die Feindseligkeiten gegen den Kaiserstaat ohne Verzug wie­der aufzunehmen.

29. Oct. Das Ministerium hat eine Modification erlit­ten. An die Stelle des Kriegsministers Dabormida ist Ober­general Della Marmora getreten; zum Minister der öffentlichen Arbeiten wurde Herr Torelli ernannt.

Die Allg. Ztg. berichtet über die vollständige Bewältigung der an verschiedenen Punkten, namentlich in den Gebirgen nörd­lich vom Comersee erhobenen Insurrektionen.

Mailand, 3. Nov. Armeebefehl. Soldaten! Ich gab euch bekannt, daß verabscheuungswürdige Grâuelscenen die Stras­sen Wiens besudelten, daß unser Kaiser genöthigt ward, aus der Burg seiner Väter zu fliehen. Wien das einst so treue, von seinem Monarchen so geliebte und begünstigte Wien, an dessen Wällen die Macht des Orients sich brach, das die Christenheit vom Untergange rettete, hatte verleitet durch fremde Eindring­linge und Abenteurer aller Nationen, durch fremdes Geld ver­führt, die Fahne der Empörung aufgepflanzt. Der Kaiser sah sich genöthigt ein mächtiges Heer zusammenzuziehen, denn es galt die Erhaltung des Throns und der Monarchie. Die Stimme des Friedens verhallte, die anqebotene Versöhnung ward zurückgewiesen. Unsere tapfern Waffengefährten unter den Befehlen des Feldmar- schalls Fürsten Windischgrätz haben am 29 Oct. nach einem 9» stündigen Barricadengefecht alle Vorstädte erobert, die Empörer in die Stadt zurückgedrängt. In Folge dieses Sieges hat sich Wien unbedingt unterworfen. Soldaten! Bürgerkrieg ist ein großes Unglück, aber das schrecklichste aller Uebel ist Anarchie. Wenn die Gesetze keine Geltung mehr haben, wenn Blut die Al­täre Gottes befleckt, wenn die Bande der Familie zerrissen sind, Laster und Immoralität frei das Haupt erheben, und mit frecher Stirn in den Straßen der Städte einhergehen, dann ist es Zeit, mit Waffengewalt die Menschheit vom Rande des Verderbens zu­rückzuhalten. Das war der Fall in Wien. Die Empörung ist besiegt, und die freisinnigen Institutionen, die der Kaiser mit bei­spielloser Güte seinen Völkern verlieh, werden nun segenbringend emporblühen können. Gelüstet es unserer Jugend nach Thaten der Waffen, dann eile sie dorthin wo auswärtige Feinde die Grenze des Vaterlands bedrohen; dort wird sie ihr Blut rühm­licher verspritzen können, wie in den Reihen der Empörer. Ra­detzky, m. p. Feldmarschall.

Eine weitere Mittheilung, die uns aus dem Hauptquartier Mailand vom 3. Nov. zugekommen, besagt:Wir lasen in Nr. 304 der Allg. Ztg. vom 30. Oct. eine Ergebenheitsavresse an Se. Maj. den Kaiser und König, welche angeblich vom Feldmar­schall Grafen Radetzky ausgegangen sein soll. Weder der Feld­marschall, noch die unter seinen Befehlen stehenden Truppen ver- läugnen die Gefühle der Treue und Ergebenheit, welche diese Adresse ausdrückt; nichtsdestoweniger sind wir ermächtigt, zu er­klären, daß diese Adresse eine Fiction ist. Die Treue des alten Helden ist Sr. Maj. zu wohl bekannt, als daß es einer solchen Versicherung bedürfte."

Venedig, 30. Oct. Im Innern der Stadt ist bis jetzt die beste Ordnung gehandhabt worden, und Lebensmittel haben nicht nur nie gemangelt, sondern sind auch nicht theurer geworden. Seit Freitag Abends haben wir wieder 14 sardinische Segel vor Malamocco, und so ist von der Seeseite die Vlokade so gut wie aufgehoben. Vorigen Freitag wurde ein combinirter Ausfall von hier über Fusina und von Marghera aus gegen Mestre unter­nommen. Es sollen zusammen an 6000 Mann gewesen sein, denen es glückte die Oesterreicher zu überraschen, letztere seien etwa 900 Mann stark gewesen, von denen gegen 400 gefangen ge­nommen und hieher gebracht wurden; auch sollen 5 Kanonen in Mestre und 3 Kanonen in Fusina genommen sein. Der Verlust der Italiener soll an Todten gegen 200 und noch mehr an Ver­wundeten betragen; sie sind im Nebel unter die Batterien gekom­men. Mestre ward an demselben Abend von den Oesterreichern wieder besetzt. Die Feindseligkeiten bei Fusina dauern fort. Heute Nacht hörte man wenigstens mehrere Stunden lang heftiges Kano- nenfeuer.