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Lehrerleben, auch nicht darauf, daß wir das halbe Jahr hin­durch als Confirmandenlehrer selbst Schullehrer sind. Solcher Beweis findet keine Anerkennung bei Jenen, weil sie die Ent­deckung gemacht haben, daß einige Prediger nicht methodisch nn- terrichten können. Das Unrichtige der Folgerung von Einigen auf Alle wollen sie nicht einsehen. Wir unsererseits wollen ge­rechter sein und aus dem Umstande, daß einige Lehrer ungeschickt in ihrem Amte sind, nicht den Schluß ziehen, daß alle dazu un­tüchtig seien. Wir erinnern aber daran, daß bei manchen unter ihnen das jugendliche Alter zu solchem Urtheile Hinreißen konnte, wodurch ein ganzer Stand verdächtigt wird; wir erinnern auch daran, daß durch einen dreijährigen Seminarkursus unmöglich sich eine solche Masse von Schulweisheit erwerben läßt, welche dazu berechtigte auf alle Andern in dieser Beziehung von oben herab tu sehen. Freilich wenn Jene, die solches sagen, allein alles Wissen in Schulsachen haben, wie sie behaupten, dann bleibt für Andere, für Prediger, Landräthe, Regierungen und Ministerien Nichts zu wissen mehr übrig. Wunderbar aber ist dabei dies, daß so viele Geistliche ausgezeichnete Pädagogen waren, daß die Schullehrer meist von Geistlichen ihre Kenntnisse auf den Semi­narien erlangt haben, und noch sonderbarer ist, daß sie den Ju­risten solche Kenntnisse zutrauen, denn diese sollen nach dem Vor­schläge der Kreisschulsynode zu Marburg (man vergleiche pag. 19 ihres Schriftchens von Kleinschmidt über die Bedürfnisse der Volks­schule) die Vorstände der Volksschulräthe werden.

Man will das vermeintliche Fach der Beaufsichtigung von Seiten der Geistlichen abschütteln und meint, eine solche Beauf­sichtigung vertrage sich nicht mit der Würde von Männern, die aller Hindernisse ungeachtet, versteht sich von Seiten der Kirche und der Geistlichen, den Kern des Volkes in das erste Stadium der Mündigkeit gebracht haben und denen nur noch erübrigt, die Menschheit auf den höchsten Stand der vernünftigen sittlichen Frei- Heit zu erheben. Wie doch die Herrn auch hierin ihr Verdienst wieder überschätzen! Es ist eine irrige Voraussetzung, wenn man die niedere Volksschule als die einzige oder auch nur hauptsäch­lichste Quelle aller Volksbildung betrachtet. Wie das Licht nicht von unten nach oben geht, sondern von oben nach unten fällt, so kommt auch die Bildung des Volkes vornehmlich von oben nach unten, d. h. von der Kirche, vom Staate und von welthi­storischen Ereignissen. Der schlagendste Beweis für diese Behaup­tung liegt wohl darin, daß in England und Frankreich, obgleich hier die Volksschule viel niedriger steht als in Deutschland dennoch mehr Gemeingeist, praktische Tüchtigkeit und politische Bildung als in unserm Vaterlande gefunden wird. Tagt es in Kirche und Staat, so strahlt dieses Licht auf die Schule zurück, aber nicht umgekehrt; wichtige in das Herz nnd Leben des Vol­kes eingreifende Ereignisse sind es vornehmlich, die ihm Sinn, Herz und Verstand aufschließen und bilden, und wozu dies in der Volksschule in früher Jugend Gelernte nur das Vehikel des Verständnisses abzugeben im Stande ist. Das Brüsten mancher Lehrer, daß sie es seien, die alles Licht und alle Bildung unter das Volk brächten, mahnt uns an den Mond, der es etwa der Sonne gegenüber mit Nachdruck geltend machen wollte, daß er doch die Nacht erleuchte und daß die Erde darum der Sonne für die Nacht gar nicht bedürfe. (Schluß folgt.)

Erwiderung.

In der allgemeinen Warnung, welche in ver Beilage dieses Bl. Nr. 141 kingerückt war, erkennen die Bureaubeamten der Friedrich- Wilhelms-Nordbahn unter Nr. 1 54 dieses Blattes eine Verläumdung, wie Jeden befremden wird, der den Artikel mit Ruhe durchlieft, indem er sich auf Eisenbahnbeamte, so wie auf Beamte jeden Faches, in und außerhalb Hessen, anwenden läßt. Der Artikel war in wohlmeinender Absicht geschrieben, und wird hoffentlich seinen Zweck nicht verfehlt haben, ohne daß es der von den Bureau­beamten der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn gewünschten weiteren Angabe bedarf. So wenig es mir in den Sinn kommen konnte, das Gesammtpersonal einer Behörde angreifen oder gar einer un­würdigen Handlung zeihen zu wollen, eben so wenig vermag ich auch jetzt die Beschuldigung in der Erwiderung der Bureaube- amtcn der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn aufzunehmen und muß

diese entschieden zurückweisen, mit dem Hinzufügen, daß ich dem Einzelnen gegenüber, der sich durch meine Worte in Nr. 141 dieses Blattes verletzt fühlen könnte, und der meinen Namen bei der Redaction dieses Blattes erfahren kann, weitere Erklärung; geben werde. y.

Berichtigung.

Der mit Sp. unterzeichnete, in Nr. 161 der Neuen Hessi­schen Zeitung enthaltene Artikel ist geeignet, dem mir schon mehr­fach zu Ohren gekommenen Gerücht Glauben zu verschaffen, als sei mein Unterricht an der Gewerbschule im Laufe des Sommers für längere Zeit unterbrochen worden. Ich erlaube mir daher die Mittheilung, daß meine Sendungen nach Hamburg und Frank­furt fast gänzlich in die Pfingst - und Herbstserien fielen und daß ich in Allem, während der neun Jahre, welche ity an der Gewerbschule fungire, genau achtundzwanzig Tage Urlaub hatte. Winkel blech.

Anfragen, Rügen und Wünsche.

Von mehreren Orten her hört man über das Benehmen der Recrutirungsbeamten bei der gegenwärtigen außerordentlichen Aus­hebung klagen. Die Unzufriedenheit darüber dürfte noch größer werden, wenn nicht, wie in dieser Zeitung schon bemerkt worden, das Gesetz vom Jahr 1836 wieder hergestellt wird, wornach die abwesenden Militairpflichtigen sich bei der Verwaltungs- oder Recrutirungsbehörde ihres jetzigen Wohn- oder Aufenthaltsortes melden und untersuchen lassen dürfen. — Man sollte von den Verwaltungs - und Recrutirungsbeamten in gegenwärtiger Zeit mehr Umsicht, Humanität und Rücksicht gegen die Staatsbürger beobachtet sehen. Sie dürften sich die Mühe nicht verdrießen lassen, den jungen Männern die Motive des RecrutirungsgesetzeS und die Nothwendigkeit der Disposition über eine jeder Zeit ver­fügbare Mannschaft zur Vertheidigung der Ehre und Unabhängig­keit des einigen und freien Deutschlands auseinander zu setzen. Die Motive enthalten so viel Beruhigungsgründe für unsere Militaipflichtigen, daß man das Vertrauen zu unsern jungen Mitbürgern fassen darf, die Motive würden ihre Anerkennung fin­den und sie sich gern dem Gesetze der Nothwendigkeit unterwer­fen, dabei aber zugleich der Hoffnung Raum geben, Gott werde die Geschicke des Vaterlandes so lenken, daß sie ihren häuslichen Verhältnissen nicht entrissen zu werden brauchen. Sollte die Vereinigung der ausgehobenen Mannschaften zur Einübung des Kriegsdienstes erforderlich sein, so hofft man von unserer Negie­rung, daß sie die nöthigen Officiere und Unterofficiere nebst Ge­freiten an die Hauptorte der Verwaltungsämter senden werde, um an diesen die Uebungen vornehmen zu lassen, damit die ausge­hobenen Familienväter und in unabkömmlichen Berufsgeschäften stehenden Männer ihren häuslichen Verhältnissen bis zum ent­scheidenden Augenblick nicht entzogen werden.

Die Redactionen der Provinzial-Wochenblätter und der Local- blâtter werden ersucht, diesen Aufsatz in ihre Spalten aufzuneh­men und wohlgesinnte verständige Ortsvorstände und Bürger­freunde gebeten, zur Bekanntmachung schleunigst milzuwirken *).

St. G.

Es hat in der Kassel'schen Allgemeinen Zeitung vom 27. d. M. eine Stimme aus dem Heere sich belehrend darüber ver­breitet, daß ausgezeichnete Regenten, als Gustav Adolph, Friedrich der Große und Napoleon auch zugleich große Heerführer gewesen sind.

Sollte vielleicht dieses im Publikum nicht schon bekannt ge­wesen, oder übrigens jemals bezweifelt worden sein?

Sollte jene eine Stimme aus dem Heere aber wohl nicht auch schon vielfältige Ursache und Anlaß gehabt haben, sich des Dichterspruches erinnern zu müssen:

Wie er räuspert und wie er spuckt, Das habt ihr ihm glücklich abgeguckt;

Aber sein Genie, ich meine sein Geist

Sich nicht auf der W a ch t p a r a d c erweist.

Eine Stimme aus dem Volke.

*) Der Abdruck ist leider durch Zufall verspätet worden. Die Red.