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lassen sich nicht alle Details dieser bewegten Tage angeben, wo sowohl Einzelne der Legion, wie das Studentencomitë mäßigend, zügelnd eingriffen; aber zur Zeit, wo Jeder einen Stein aus sie wirft, ist es Pflicht und Schuldigkeit, auch ihre Verdienste her- vorzuheben. Vielleicht kommt bald wieder eine Zeit, wo die muthigen, aufopferungsfähigen Jünglinge voran stehen, und dann nachhaltiger an der Spitze bleiben, da die Ideen geklärter, und die praktische Möglichkeit von phantastischen Idealen sichtbar und er­kennbar geschieden sind."

Wien, 4. Nov. Das Ministerium ist reconstruirt. Wes- fenberg als Premier ohne Portefeuille, Bach ist für das Innere, Kraus für die Finanzen geblieben, Buchner Krieg, Maier Acker­bau und Industrie, Helfert Unterricht, Fürst Schwarzenberg Aus­wärtiges , Breda Justiz, Bruck Handel, neu eingetreten. Die öffentlichen Arbeiten sind noch nicht besetzt. Kraus wird sich über bie Beibehaltung, wie ihm sehr höflich anheimgestellt worden, noch zu bestimmen haben. Das neue Cabinet hat delikate Bedingun­gen gestellt. Das Hof-Special-Cabinet muß aufhören, eine Reihe von Personen die Umgebung des Kaisers verlassen, der Einfluß des Erzherzogs Franz Carl ist, scharf formulirt worden. Wessen- berg hat man jedenfalls nur behalten, um nicht der Schwäche beschuldigt zu werden. Von Wessenberg muß sich Jedermann scheu abwenden! Maier, Helfert sind tüchtige parlamentarische Capazitäten, Schwarzenberg wird muthmaßlich wenigstens die Hälfte des Talentes, das ihm zur Seite steht, bewähren. Die Stadt ist noch verschlossen, stündlich erwarten wir die freie Er­öffnung. Von bekannteren Namen werden mir unter den Verhafteten genannt: Robert Blum, der unter dem Schutze der Unverletzlichkeit tapfer zu den Waffen im Eliten-Corps greifen zu dürfen meinte, Fröbel, Prof. Füster, die Schriftsteller Becher, Gritzner, Kalisch, Frankl, Chaises, Sengschmidt, Falke, Buchheim, Deutsch, Fenneberg. Der ehemalige Ober-Commandant Mes- scnhauser soll in Znaim verhaftet worden sein. (Bresl. Ztg.)

Berlin. In der Sitzung des conftituirenden Landtags vom 7. Nov. beschäftigte man sich, wie erwähnt, mit dem Bericht des Petitionsansschussks. Bemerkenswerth ist Nr. 1 dieses Berichtes: 61 Bürger Berlins, D. A. Benda und Consorten, beantra­gen: die hohe Versammlung möge beschließen, daß im ganzen preußischen Staate die Urwähler in geeigneten Versammlungen zusammenberufen und befragt werden, ob Preußen mit Bezug auf den Erlaß des deutschen Reichskriegsministerii vom 6. Juli d. J. ein selbstständiger Staat bleiben, oder als mediatisirtes Land im neuen deutschen Reiche untergeben solle. Nach dem Ergebniß der Abstimmung möge dann den preußischen Deputirten in Frank­furt anderweitige Instruction ertheilt werden.

Die Petitionscommission ist der Ansicht, daß mit Rücksicht auf die vom Ministerpräsidenten in der Plenarversammlung vom 28. Juli d. J. abgegebene Erklärung auf diese Eingabe nichts weiter zu veranlassen, sondern wegen derselben lediglich zur Ta­gesordnung überzugehen fei.

Wir haben diese Petition nur erwähnt wegen eines noch merk­würdigeren Amendements von Behnsch, welcher die Modification wünscht,daß die Urwähler aufgefordert werden sollen, zu er­klären, ob nach ihrem bisherigen Verfahren die Frankfurter pro­visorische Centralgewalt noch das Vertrauen des Landes besitzt," Wird von der äußersten Linken unterstützt.

Interessant wegen der völligen Umkehrung, welche die Stellung der Parteien gegen die Frage über das Verhältniß Preußens zur deutschen Centralgewalt erfahren hat, ist folgende Petition des Comitès des patriotischen Vereins zu Falkenberg, in welcher das­selbenach jeder Richtung hin gegen die von der deutschen 9la= lionalversammlung gefaßten Beschlüsse protestirt, und darauf an­trägt,daß die Hohe Versammlung es unter keinen Umständen dulden wolle,

1) daß unsere bewaffnete Macht dem Reichsverweser am 6. Au­gust d. J. huldige und vom Reichs-Kriegsminister unmittel­bar Befehle oder Anweisungen annehme;

2) daß der Reichsgewalt eine Competenz beigelegt werde, welche Preußens Selbstständigkeit bedrohen oder vernichten könnte;

3) daß überhaupt die Frankfurter Nationalversammlung ihre Be­fugnisse überschreite und freie Staaten nach ihrer Willkür regiere."

Der Antrag von Temme und d'Ester, die Versammlung möge beschließen, daß das Ministerium des Innern aufgefordert werde, den vom Herrn Minister Eichmann gezeichneten Erlaß wegen ^Requisition des Militairs sofort zurückzunehmen, ward, da kein Minister gegenwärtig war, von d'Ester auf folgenden Abend verschoben. Abgeordneter Schimmel wollte ihn aufnehmen, um ihn recht schnell verworfen zu sehen, doch ging das nicht an, da der Antragsteller seinen Antrag nicht zurückgezogen, sondern nur vertagt hatte.

Zu Anfang der Sitzung nahm Herr von AuerSwald (Frankfurt) das Wort zu einer persönlichen Bemerkung: Aus den stenographischen Berichten habe er ersehen, daß der Abg. Jacobi sich dahin geäußert, daß die gegenwärtige unglückliche Lage des Landes ein Erbtheil dreier Ministerien fei , welche entweder nicht den Muth ober nicht die Fähigkeit gehabt, den volksfeindlichen Bestrebungen der Camarilla entgegenzutreten. Wenn diese Phrase einen Inhalt haben solle, so fei es der: die Ministerien hätten einen andern als den legalen Einfluß auf die Staatsverwaltung geduldet. Er habe einem jener 3 Ministerien angehört und weise jene Verdäch­tigung mit Verachtung zurück. (Der Präsident ermahnt den Red­ner, in den Grenzen der parlamentarischen Debatte zu bleiben.) Er lasse sich weder durch eine Hofcamarilla bestimmen, noch schmeichle er den einzelnen Klubbs. (Lautes Bravo, sehr heftiges Zischen.) Jacobi: Ich werde mich nicht wie mein Vorgänger hinreißen lassen, die parlamentarische» Grenzen zu überschreiten; ich erkläre ganz einfach, daß ich den Beweis zu führen bereit bin.

v. Auerswald: Ich erwarte den Beweis.

In der Sitzung vom 8. ward ein Schreiben deS Ministers Eichmann verlesen, worin derselbe anzeigt, daß er nebst feinen College» Bonin, Dönhoff, Kisker, Anstand nehme, der heutigen Sitzung beizuwohnen, weil sie sich nicht in der Lage befänden, Auskunft über etwaige Punkte zu geben, die bei der angckündig- ten Tagesordnung sich aus der Debatte ergeben könnten, sondern nur bis zur Bildung des neuen Ministeriums die laufende Ge­schäfte fortzuführen. Nach langen Debatten, nachdem die Einträge auf Schluß der Sitzung rc. verworfen und endlich ein Negierungs- Kommissar erschienen mar, ging die Versammlung um l2'/, Uhr zur Tagesordnung über: unentgeltliche Aufhebung der Lasten und Abgaben. Nr. 11 wurde in folgender Fassung angenommen: (Es werden ferner unentgeltlich aufgehoben) der Fleisch- oder Blutzehnt, das heißt die Berechtigung von bem gesammten in einer Wirthschaft gebornen und aufgezogenen Vieh oder von ein­zelnen Gattungen desselben gewöhnlich das zehnte, bisweilen auch das nach einem andern Zahlenverhältniß bestimmte Stück in Na­tur, oder an dessen Statt einen Geldbetrag zu fordern, desgleichen der Bienenzehnt und der Neubauzehnt oder Aufbruchzehnt. Auf den Antrag von Schul; (Delizsch) ward die heutige Abend- sitzung ausgesetzt und die Sitzung um 1 */2 Uhr geschlossen.

DieSpen. Ztg." meldet, daß der Rücktritt des Hrn. Rimpler vom Konimando der Bürgerwehr nach den letzten Ereignissen und namentlich den letzten Eröffnungen in der Stadtverordneten - Ver- fammlung sehr wahrscheinlich sei, viele Bürger sollen entschlossen sein, Herrn v Pfuel das Kommando anzutragen.

Schleswig-Holstein. Der Protest der Coinmissaire erregt den entschiedensten Widerspruch und findet die gebührende Zurückweisung. DerAlt. Merk." sagt, man scheine jetzt im Lande mit der gemeinsamen Regierung gemeinsame Sache machen zu wollen, um einen solche» Commissarius, der seinerseits nur seine Pflicht als ehrlicher Mann gethan zu haben glaube, aus dem Lande hinaus zu protestiren. Die Bürgerversammlung in Schleswig hat am 4. eine Eingabe an das Reichsministerium des Innern in Frankfurt erlasse», worin es zum Schluß heißt, nach­dem das Verfahren Stedmanns dargelegt ist:Deshalb haben die unterzeichneten Einwohner der Stadl Schleswig zu diesem Manne alles Vertrauen verloren und sehen sich zu der dringenden Bitte veranlaßt: das Reichsministerium des Innern wolle den Reichs- commissair Stedmann sofort von seinem Posten abberufen, und einen Kommissar nach Schleswig-Holstein senden, der sich das Vertrauen des Landes zu erhalten weiß." (Folgen 160 Unter­schriften.) DerAlt. Merk." bemerkt, daß die Proteste beider Coinmissaire nur gegen die Wirksamkeit der berührten Verord­nungen über die Dauer des Waffenstillstandes hinaus Verwahrung

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