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Beilage zu Str. 163 der Stauen Hessischen Zeitung.

ten in diesen friedensvermittelnden Bestrebungen, deren vollkom­mene Anerkennung der Reichstag sowohl von Ew. Maj. als von den Völkern durch Stimmen aus allen Theilen der Monarchie erhalten hat, trifft den Reichstag der Erlaß Ew. Majkst. vom 22. Oct. L I., in welchem Sie die versammelten Volksvertreter auffordern, alsobald ihre Sitzungen in Wien zu unterbrechen und sich zur Fortsetzung des Verfassungswerkes am 15. Nomember in der Stadt Kremsier einzufinden. Gegen diese Vertagung des Reichstages, beziehungsweise dessen Berufung an einen andern Ort, findet sich der Reichstag, im Bewußtsein der ihm gegen die Völker und gegen Thron gleichmäßig obliegenden Pflichten, ge­drungen. Ew. Maj. die nachfolgenden inhaltschweren Vorstellungen mit dem dringenden Anliegen zu unterbreiten, die erwähnte Ver­fügung zurücknehmen zu wollen, um so mehr als die Verfügung mit den» Kaiserlichen Worte vom 19. Oct. , worin dem Reichs­tage die ungestörte und ununterbrochene Fortsetzung seiner Be­rathungen garantirt wurde, im offenen Widersprüche steht. Der Reichstag hat es bereits durch wiederholte Beschlüsse in der Adresse an Ew. Maj. vom 18. und in dem Manifeste an die Völker Oesterreichs!" vom 20. Oct. ausgesprochen, daß Wien der einzig mögliche Sitz eines Reichstages sei, welcher der Gleich­berechtigung so verschiedener Völker entsprechen soll und daß der Reichstag seine Verlegung an einen andern Ort für keine Ge­währschaft der ferneren Freiheit in der Berathung, sondern nur als eine Anmuthung betrachten könne, als habe er eine hohe Stellung, seine heilige Pflicht jemals durch Einflüsse von außen- Her außer Acht gelassen, oder als sei er fähig, dies in Zukunft zu thun. Was dem Reichstage einerseits die Wahrung seiner Ehre auferlegt, dazu sieht er sich auch durch feine hohe Mission verpflichtet, Ew. Majestät ungescheut seine Ueberzeugung mit den offensten Worten zu erklären, daß keine Maßregel unheil­voller für die Zukunft Oesterreichs, gefahrdrohender für den Fort­bestand der Gesammtmonarchie und für die Aufrechthaltung der Krone selbst sein könne, als die Verlegung des constiluirenden Reichstages nach einem andern Orte. Schwächung des Verbandes der Provinzen, nationale Eifersucht und Ueberhebung, ja Bürgerkrieg ! würden die unausweislichen Folgen sein. Wien allein, der durch Jahrhunderte ehrwürdig gewordene Sitz des Monarchen, der gastliche Aufnahms- vrt aller Nationalitäten, bietet sich als der neutrale Boden dar, auf welchem die friedliche Einigung sämmtlicher Völker Oester­reichs, die Konstituirung des Vaterlandes, im Sinne der Gleich­berechtigung, zu einem dauernden Zukunftsbau vollendet werden kann und in diesem Sinne haben die Volksvertreter ihr Mandat, das sie zur constituirenden Reichsversammlung nach Wien und nur nach Wien berief, übernommen. Aber auch Wien selbst, wo­her den Völkern Oesterreichs die Freiheit gekommen, Wien, dessen Aufopferungen für die Rechte der Völker im Laufe von sieben Monaten unermeßlich waren, Wien selbst hat in seiner Stel­lung, allen andern Städten der Monarchie gegenüber, die vorzüg­lichsten Anrechte, bei der Neugestaltung des österreichischen Kai­serstaates bedacht zu werden. Eine Verlegung aber des Reichs­tages aus dem Centralpunkte der Verwaltung und dem Sitze der Ministerien würde nicht nur dem Reichstage die zu seinem Ver- fassungswcrke nothwendige unmittelbare Berührung mit den Cen­tral-Behörden und die Benutzung der reichen wissenschaftlichen Hülfsmittel Wiens entziehen, sondern auch Wien selbst durch die Schmälerung seines Verkehrs und öffentlichen Lebens vielfachen Bedrängnissen preisgeben, die unmöglich in dem Willen Ew. Maj. gelegen seyn können! Wien, von dessen treuen Kämpfen für das Haus Habsburg die Geschichte aller Jahrhunderte erzählt! Ew. Majestät! In dem allerhöchsten Erlasse vom 22. Oktober steht abermals der Ausspruch voran, daß in der Hauptstadt der Mo­narchie ein anarchischer Zustand, ja offene Empörung herrsche. Die Vertreter aller Völker Oesterreichs, die bis zu dieser Stunde in dieser Hauptstadt tagen, halten es für ihre nicht zu umgehende Pflicht, wie sie es schon vordem wiederholt gethan, Ew. Majestät noch einmal im Angesichte von ganz Europa und mit dem hei­ligen Ernste unverbrüchlicher Wahrheitsliebe die Versicherung zu geben, daß gegenwärtig weder Anarchie noch Empörung in den Mauern Wiens herrscht. Die Gefahr eines solchen Zustandes könnte nur eintreten, wenn die treue und loyale Bevölkerung, aus

deren Mitte sich die Mehrzahl der für den geregelten Zustand der öffentlichen Verwaltung verantwortlichen Beamten pflichtvergessen entfernt haben, wenn diese Bevölkerung durch die Vertagung des Reichstags den letzten Haltpunkt verlöre, an den sie die Hoffnung einer friedlichen Vermittelung knüpft wenn sie andererseits durch das Herandringen unerbittlicher Gcwaltmaßregeln zu einem Verzweiflungskampfe getrieben würde, der in jedem Falle verder­benbringend für Oesterreich endigen kann. Aus diesen Gründen erkennt es der Reichstag für ein Gebot seines Gewissens und der Nothwendigkeit an, in diesen Tagen der allerhöchsten Gefahr seine Stelle nicht zu verlassen, sondern, seiner Pflicht gegen die Völker und gegen Ew. Majestät getreu, auszudauern in dem Vermittlungswerke, das er zur Lösung der unheilvollen Wirren begonnen hat, in welche Oesterreich gestürzt worden ist. Die Zustimmung Ew. Maj. zu diesem Beschlusse muß der Reichstag in der Antwort ersehen, die Ew. Majestät auf seine Adresse vom 13. October zu ertheilen geruhten, und in welcher Sie alle Maßregeln des Reichstages zur Hintanhaltung der Anarchie durch Ihre vollkommene Anerkennung gutgeheißen haben. Schließlich kann der Reichstag nicht umhin, Ew. Majestät die Erfüllung der mit dem allerhöchsten Handbillet vom 6. Oct. l. I. ertheilten Zusicherung nochmals dringendst ans Herz legen, denn nur durch die schleunige Berufung eines Ew. Majestät, wie dem Volke, gleich ergebenen Ministeriums kann jener unheil­schwangere Zustand einem glücklichen Ende zugeführt werden, der bereits jetzt in den Provinzen die gefährlichste Aufregung erzeugt hat. Wien, 25. October 1848."

Wien. Die Wiener Zeitung vom 4. berichtet, daß in der Reichstagssitzung vom 30. Oct. ein kaiserliches Handschreiben vom 28. verlesen worden sei, in welchem bezüglich der Verlegung des Reichstages folgende Stelle vorkam: »Die zeitweilige Ver­legung des Reichstages nach Kremsier habe Ich in der besten Absicht für die ununterbrochene Thätigkeit des Reichstages be­schlossen, und Ich wünsche, daß die Rückkehr vollkommener Ordnung in Meiner Hauptstadt Wien bald gestalte, daß derselbe wieder in ihrer Mitte seine Berathungen fortsetzen könne."

In der Nummer derWiener Zeitung" vom 4. ist ein aus Olmütz vom 20. Oct. datirter, von Wessenberg als Mi­nisterpräsident und Kraus als Finanzminister unterzeichneter kais. Erlaß enthalten, welcher die Steuern und Abgaben in ihrem jetzigen Bestand für das erste Semester des Verwaltungsjahres 1849 prolongirt, jedoch unter Vorbehalt der von der Reichsver­sammlung etwa noch vorzunehmenden Abänderungen.

Die Schlcs. Ztg. will nach Berichten von Reisenden aus Ol­mütz vom 2. November wissen, daß sowohl Bem als Messenhauser gefangen seien. Dasselbe Blatt berichtet aus Krakau vom 3. Nov., daß Lemberg bombardirt worden sei.

Prag, 2. Nov. Die Stimmung hier ist nach dem Falle Wiens eine äußerst gedrückte; jetzt erst sehen die Czechen, daß sie selbst mit dem Falle der Metropole Alles verloren haben. Der Kaiser kommt nun nicht mehr nach Prag; obgleich die Hofküche bereits hier eingetroffen war und schon die Tagesordnung ausge­geben wurde. Die deutschen Gegenden, namentlich um Reichen­berg, sind in Gährüng, da wegen des schlechten Brünner Marktes und da in Wien jetzt gar keiner stattfindet, alle Fabriken ge­schlossen worden sind. Windischgrätz soll den Befehl haben, nach Bändigung Wiens gegen Ungarn vorzurücken. Jellachich will einen Angriff auf die Bergstädte machen und sodann in der Slovakei Winterquartiere beziehen.

Preßburg. 1. Nov. Der gestrige Tag war für Preß- bürg ein Tag voll Angst und Unruhe. Von 10 Uhr VormitagS an bis in die Nacht hinein kamen flüchtende ungarische Truppen an, so daß diese Nacht gewiß 15 000 Mann hier Quartier ge­nommen haben. Kossuth hielt gestern Nachmittag 4 Uhr im grünen Baum eine Conferenz mit mehreren Offizieren, unter denen sich besonders Offiziere unserer Nationalgarde befanden. Er er­klärte, daß er sich mit dem größten Theil der Armee nach Ko- morn, Pesth und Ofen zurückziehen werde; die Preßburger möch­ten sich gegen den wahrscheinlich bald nachrückenden Feind mög­lichst vertheidigen. Dieses Verlangen ist uns nicht eben sehr an­genehm. Wahrscheinlich werden die hiesigen Behörden im Verein